Tanja Brandt – Die Eulenflüsterin

Brandt, Tanja
Die Eulenflüsterin
978-3-7857-2664-8
Lübbe

Inhalt:

„Ich war ein Kind, das nie gewollt war“, sagt Tanja Brandt. Sehr schmerzhaft sind ihre Erinnerungen, sobald sie über ihr Elternhaus spricht. In ihrem Buch schreibt sie über ihren harten Lebensweg und die Liebe zu den Tieren, die sie daran erinnert, dass Träume wahr werden können. Auch lernt sie von ihren Tieren, was es braucht, um glücklich zu sein: Von Ingo, dem Schäferhund, alles über Geborgenheit. Von Bärbel Mitgefühl und Verlässlichkeit, und auch Gandalf zeigt ihr, wie wunderbar Fürsorge ist. (Quelle Lübbe)

Zusammenfassung:

Auf dieses Buch wurde ich durch das ausdrucksstarke Cover aufmerksam. Das Foto von Tanja Brandt mit ihren zwei Eulen hat eine Spannung in sich, die mich sehr neugierig auf das Buch und die Autorin machte.

Die Inhaltsangabe auf der Rückseite des Buches und im Klappentext sprachen mich erwartungsvoll an. Wunderschön beschreibt die Autorin da ihre Liebe zu den Tieren und die Verbindung zu den Menschen.

Deswegen war ich wohl auch etwas enttäuscht, als es nach dem ebenfalls wundervollen Prolog so komplett anders weiterging. In der ersten Hälfte des Buches beschreibt die Autorin ihre Kindheit, Jugend und die vergangenen Jahre. Dabei ging es ihr nicht immer gut. Sie fühlt sich von ihren Eltern nicht geliebt und darunter leidet ihr Selbstbewusstsein. Es gibt eine Zeit in der Jugend, als sie sich „ritzt“, also selbst Verletzungen zufügt (Borderline Syndrom). Sie fühlt sich als wäre sie nichts wert. Einzig bei ihrer Oma und den Tieren findet sie innere Ruhe und fühlt sich akzeptiert.

Beim Lesen hatte ich den Eindruck, dass sie ein sehr unstetes Leben führte. Die vielen Umzüge, die vielen Partner, man merkt, da ist jemand auf der Suche, ruhelos, noch so gar nicht bei sich selbst angekommen. Es gibt ein Verhaltensmuster, dass ihr nicht guttut, dass schließlich sogar in einer gewalttätigen Beziehung mündet, aus der sie heimlich bei Nacht und Nebel flüchtet und noch Monate später Angst hat, gefunden zu werden.

Von daher wohl auch die verrückte Idee, jemanden zu heiraten, den sie nur von Telefongesprächen kennt und noch nie gesehen hat. Aber das scheint zunächst zu funktionieren, sie wird für ein paar Jahre sesshaft, aber Ruhe findet sie nicht. Zusammen mit ihrem Ehemann gründet sie eine Firma, eine Spedition und arbeitet praktisch Tag und Nacht, die Tiere kommen zu kurz, das Arbeitspensum ist immens. Bis sie einen Schlaganfall erleidet, bis sie gezwungenermaßen ausgebremst wird.

Zwischendurch beschreibt sie aber auch die ersten Hunde die sie hatte, und wie gut ihr das tat. Einen Malinoi = Belgischer Kurzhaar-Schäferhund; und einen Tervueren = Belgischer Langhaar-Schäferhund.

Die Suche nach diesem Grund, dass sie ist wie sie ist, liest sich teilweise wie eine psychologische Selbstanalyse, aber auch wie eine „Anklage“, wenn es vielleicht auch nicht so gemeint war.

Da ich mit so einer Geschichte überhaupt nicht gerechnet hatte, sondern einer Geschichte über Eulen und einem Wüstenbussard, war ich doch etwas enttäuscht. Andererseits wird das Buch auf der Homepage des Verlages unter Autobiografie geführt.

Also, bis zur Hälfte des Buches beschreibt die Autorin ihr Leben, gefolgt von einigen Seiten mit schönen Fotos. Diese Fotos lockern das Buch auf, sie hat auch alle Tiere die abgebildet sind, mit Namen versehen.

Sowohl im Prolog als auch in der zweiten Hälfte stellt sie ihre Tiere vor. Und das lässt sich sehr schön lesen, mit all den Eigenschaften und Eigenarten die diese so an sich haben. Das liest sich sehr kurzweilig und kommt dem, was ich von dem Buch erwartet habe, näher.

 

Poldi – Steinkauz

Phönix – Wüstenbussard (intelligent, scheu, blitzschnell, ursprünglich)

Gandalf – Weißgesichtseule

Finchen – Steinkauz

Uschi – Schneeeule

Klaus-Bärbel – Sibirischer Uhu

Lenni – Raufußkauz

Rüdiger – Habichtskauz

Lusi-Lu – Schleiereule

 

Ingo – Hund

 

Nach dem Schlaganfall muss sie kürzertreten und damit sind wir in der zweiten Hälfte des Buches angelangt. Hier schildet sie lebhaft, wie die Greifvögel zu ihr kamen, wie sie deren Eigenarten kennenlernt. Dies ist sehr spannend geschildert, und manchmal kann man auch schmunzeln.

Mit ihrem Ehemann, der Wochenends nur noch in seinem Jagdrevier im Hunsrück ist, lebt sie sich auseinander und die Trennung folgt. Sie besinnt sich auf das, was ihr Freunde bereitet: Fotografieren und schreiben.

Alle Tiere werden in einzelnen Kapiteln vorgestellt. Ganz am Schluss gibt es spannende Erfahrungsberichte über verletzte Bussarde und andere „Päppeltiere“. Man merkt das Engagement und den starken Willen, den die Autorin hat, diese Tiere zu retten.

Hier noch einige schöne Zitate:

Zitat Seite 11: „Jetzt fällt alles von mir ab. Die ganze Hektik, der ganze Stress. Die Unsicherheit, dieses nagende Gefühl, nie genug zu sein, die Enttäuschungen meines Lebens. Bin ich mit den Tieren zusammen, zählt all das nicht mehr, was ist und früher war. …“

 Zitat Seite 13: „Die Eulen hingegen entschleunigen mein Leben, unser aller Leben. Sie sind zur einen Hälfte wild, und mit der anderen blicken sie dir in die Seele. Sie halten die Zeit für dich an.“

 Zitat Seite 13: „Tiere messen uns nicht an Äußerlichkeiten, sie spüren, was in uns steckt. …“

 Zitat Seite 95: „Manche Schicksalsschläge haben die Kraft, einen hin zu sich selbst zu katapultieren.“

Zitat Seite 104: „Je mehr ich über Greifvögel lernte, desto mehr tat sich ihre ganz eigene Welt für mich auf. Das Wesen der Vögel erfasste ich vor allem intuitiv, im Beisammensein, indem ich sie beobachtete. Immer schwang ein Quäntchen Unberechenbarkeit mit, das Wilde, dass sie sich bewahrt haben. …“

 

Fazit:

Die Autobiografie der Falknerin und Tierfotografin lässt sich schnell und einfach lesen. Viele kleine Kapitel lassen einen schnell vorankommen. Das Buch ist in zwei Hälften gegliedert und beschreibt zwei gegensätzliche Lebensbereiche. Sozusagen ein „davor“ und ein „danach“, also das Leben der Autorin vor den Tieren und dann mit den Tieren.

Gerade mit der ersten Hälfte habe ich ein wenig gehadert, war es doch so gar nicht das, was ich von diesem Buch erwartet habe. Wenn man es allerdings als Autobiografie sieht, dann kann man sich eher darauf einstellen, dass es überwiegend von der Vergangenheit der Autorin und ihrem Leben handelt. Dies lässt sich zwar kurzweilig und in einfacher Sprache lesen, aber ich war froh, als dann die Fotos in mitten des Buches zur Auflockerung beigetragen und textlich einen neuen Lebensabschnitt „eingeläutet“ haben. Auf den Fotos sind ihre Greifvögel und ihr Hund zu sehen, alle mit Namen beschriftet.

Die zweite Hälfte gefiel mir persönlich besser. Hier lebt die Autorin mit ihren Greifvögeln und erzählt, wie nach und nach die Eulen zu ihr gekommen sind. Wie sich das Leben mit diesen Eulen gestaltet, was sie von ihnen lernt. Dies ist sehr lebhaft geschildert. Als Leser erfährt man einiges über die Eigenarten von Eulen, die man nicht erwartet hätte. Zudem gibt es auch immer wieder kurze Sachinformationen zu der jeweiligen Art.

Einen besseren Eindruck bekam ich noch durch ein kurzes Video auf Facebook (Lokalzeit Bergisches Land) und andere auf youtube. So lernte ich Ingo und „Gandalf in action“ kennen! Toll.

Alles in allem: Schnell und leicht zu lesen. Etwas langatmiger und leicht nerviger Lebenserfahrungsbericht, aber ab der zweiten Hälfte liest man dann spannend über das Zusammenleben und Engagement der Autorin für Eulen und andere Greifvögel.

Sterne: Aufgrund der Inhaltsangabe und des ausdrucksstarken Cover-Fotos war ich sofort fasziniert von diesem Buch. Dennoch war die erste Hälfte des Buches so ganz anders als erwartet. Hier beschreibt und beklagt (leider sehr oft) die Autorin ihre Vergangenheit, was mich ein wenig ungeduldig werden ließ. Hier würde ich nur 1-2 Sterne vergeben wollen. Aber nach den wunderschönen Fotos in der Mitte des Buches und den darauffolgenden interessanten und spannenden Vorstellungen der einzelnen Tiere (zwar mit etwas altbackenen Namen) konnte die Autorin sehr lebendig das Zusammenleben mit den Eulen beschreiben. Man kann schon sagen, dass sich Mensch und Tiere hier „spiegeln, dass jedes Tier seinen eigenen (manchmal auch skurille und witzige) Charakter und Eigenschaften hat. Begründet auf Respekt und Neugier, eignet sich Tanja Brandt autodidaktisch die erforderlichen Fähigkeiten zur Aufzucht, Rettung und „Krankenpflege“ an. Für die zweite Hälfte würde ich vier Sterne vergeben wollen. Insgesamt vergebe ich drei gute Sterne.

Das Buch erschien am 30. September 2019

Link zum Buch/Verlag: https://www.luebbe.de/bastei-luebbe/buecher/autobiografie/die-eulenfluesterin/id_7553740

 

 

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