Michelle Obama – Becoming / Meine Geschichte

Obama, Michelle
Becoming Meine Geschichte
978-3-442-31487-4
Goldmann

Inhalt: In diesem Buch erzählt sie nun erstmals ihre Geschichte – in ihren eigenen Worten und auf ihre ganz eigene Art. Sie nimmt uns mit in ihre Welt und berichtet von all den Erfahrungen, die sie zu der starken Frau gemacht haben, die sie heute ist. Warmherzig, weise und unverblümt erzählt sie von ihrer Kindheit an der Chicagoer South Side, von den Jahren als Anwältin und leitende Angestellte, von der nicht immer einfachen Zeit als berufstätige Mutter sowie von ihrem Leben an Baracks Seite und dem Leben ihrer Familie im Weißen Haus. Gnadenlos ehrlich und voller Esprit schreibt sie sowohl über große Erfolge als auch über bittere Enttäuschungen, den privaten wie den öffentlichen. Dieses Buch ist mehr als eine Autobiografie. Es enthält die ungewöhnlich intimen Erinnerungen einer Frau mit Herz und Substanz, deren Geschichte uns zeigt, wie wichtig es ist, seiner eigenen Stimme zu folgen. (Quelle Goldmann/Random House)

Zusammenfassung ausführlich: Für mich ist Michelle Obama eine sympathische und patente Frau. An der Seite von Barack Obama wurde sie der Öffentlichkeit bekannt, und ich war begeistert von dem frischen Wind, den sie mit ins weiße Haus brachte. Mir fiel zudem auf, dass Michelle und Barack als Paar auf Augenhöhe miteinander agierten, das gefiel mir sehr.

Als ich jetzt das Buch von ihr in meiner Bücherei entdeckte, habe ich mich sehr gefreut und wurde beim Lesen auch nicht enttäuscht.

  1. Teil Becoming me

Michelle Obama beginnt mit ihrer Kindheit in der South Side von Chicago. Ihre Eltern leben in Miete, allerdings im Haus ihrer Tante. Robbie heißt diese Tante und gibt Michelle Klavierunterricht, aber auch ihre ganze Familie ist musikalisch. Vor allem Onkel „Southside“. Ihr Vater hat Arbeit bei den Stadtwerken, und so ist zumindest ein Einkommen garantiert, sie leben sparsam. Ihre Mutter arbeitet später als Chefsekretärin in einer Bank. Schon in jungen Jahren wird bei ihrem Vater MS diagnostiziert, der er sich bis zum bitteren Ende widersetzt.

Michelle wusste immer um die begrenzten Mittel, die ihre Familie hatte. Als es eines Tages von der Französisch-Klasse eine Klassenfahrt nach Paris stattfinden soll, erzählt Michelle ihren Eltern nichts davon, weil sie weiß, dass ihre Eltern das Geld dafür nicht haben. Natürlich kommt das ganze doch heraus, und die Eltern sind irgendwie enttäuscht und erklären Michelle, dass sie als Eltern die Entscheidung treffen, ob sie das Geld dafür haben oder nicht.

Michelle hat einige Freundinnen und sie geht gerne in die Schule. Sie hat Ehrgeiz und will immer zu den Besten gehören. Wie überall gibt es Kinder in ihrer Klasse, denen das Lernen leicht fällt und die ohne größere Anstrengung zu den Besten gehören. Das gelingt Michelle so nicht, sie muss sich anstrengen, und sie will sich anstrengen, und so investiert sie mehr Zeit fürs lernen, damit sie mit den Besten mithalten kann.

Eine Freundin von ihr ist Sabita, deren Vater Jesse Jackson ist. Mir hat dieser Name nichts gesagt, aber ich denke, Michelle wurde so auch schon früh politisch geprägt. Jesse Jackson war beim Attentat auf Martin Luther King anwesend, er war amerikanischer Politiker und Bürgerrechtler. 1984 und 1988 bewarb er sich um die Präsidentschaftskandidatur der demokratischen Partei in den USA. Und deswegen war es Pflicht für ihn, an der Bud Billiken Day Parade teilzunehmen. Auch Michelle und ihre Freundin Santita waren mit dabei.

Zitat Seite 92: „Diese Parade, die nach einer Figur aus einer früheren Zeitungskolumne benannt wurde, ist eine der größten Traditionen der South Side. Sie findet jedes Jahr im August statt – ein Spektakel mit Blaskapellen und Festungswagen, das über fast zwei Meilen entlang des Martin Luther King Jr. Drives verläuft, mitten durch das Zentrum des afroamerikanischen Stadtteils, der früher als Black Belt bezeichnet und später in Bronzeville umgetauft wurde. Die Bud Billiken Day Parade gibt es seit 1929, und alles dreht sich um den afroamerikanischen Stolz.

Michelle hat ein inniges Verhältnis mit ihrem Bruder Craig, der Basketball spielt und später dadurch ein Stipendium an der Princeton Universität erhält.

Als es bei Michelle soweit ist, eine Universität zu suchen, geht sie zu einer Studienberaterin, die sie nur anschaut und dann sagt, dass sie nicht „das Material“ für Princeton wäre.

Zitat Seite 95: „Ihr Urteil fiel ebenso schnell wie es abwertend war … Sie sagte mir, ich solle mir nicht so hohe Ziele stecken, und das war genau das Gegenteil von dem, was mir meine Eltern jemals beigebracht hatten.“

Michelle aber gibt nicht auf, sie fühlt sich herausgefordert von dieser Person und versucht es alleine zu schaffen, mit einem Empfehlungsschreiben eines alten Lehrers von ihr. Und sie schafft es!

Zitat Seite 97: „Nur bei der Studienberaterin ging ich nie mehr vorbei, um ihr zu sagen, dass sie sich geirrt hatte – und dass ich nun doch Princeton-Material war. Keine von uns beiden hätte davon etwas gehabt. Und letztendlich hatte ich ihr gar nichts zeigen müssen. Ich zeigte es einzig mir selbst.“

Michelle berichtet dann von der Zeit auf der Princeton Universität, eine der acht Ivy-League- Universitäten in Amerika. Sie kommt sich merkwürdig vor, weil sie oft die einzige Studentin mit dunkler Hautfarbe in den Seminaren ist. Viele der dunkelhäutigen Amerikaner bleiben an der Uni unter sich, auch wenn es gerne anders gesehen wurde. Michelle hatte zudem das Glück, unter die Fittiche ihres Bruders genommen zu werden. Nach Princeton geht sie zur Harvard Law School.

Zitat Seite 127: „Außerdem war ich mit streitlustigen Debatten am Abendbrottisch meiner Eltern aufgewachsen. Ich konnte ein Argument bis zu seiner theoretischen Essenz zerlegen …“

Und weiter geht es die Karriereleiter hinauf, ins 47. Stockwert der Anwaltskanzlei Sidley & Austin in Chicago, mit 25 Jahren hat sie bereits eine Assistentin, trägt ein Armani-Kostüm und analysiert abstrakte Fragestellungen zum Thema geistiges Eigentum großer Unternehmen. Und hilft die nächste Generation Anwälte auszubilden, sie wird Mentorin eines ganz besonderen erstklassigen Jurastudenten mit einem komischen Namen: Barack Obama.

Barack ist ein besonderer Student. Zwischen ihm und Michelle entwickelt sich eine freundschaftliche Routine in der Kanzlei. Sidley & Austin haben 400 Anwälte, davon sind damals nur fünf afroamerikanische Vollzeit-Juristen.

Baracks Mutter stammt aus Kansas und hatte auf Hawaii studiert, als sie Baracks Vater traf, der aus Kenia stammte. Die Ehe hielt nicht lange, aber Baracks Mutter Ann Dunham heiratet einen Geologen und lebte viele Jahre auf der Insel Java. Ihre Eltern haben Barack auf Hawaii großgezogen. Er ist Afrikaner und Amerikaner, schwarz und weiß.

Zitat Seite 158: „Barack war schließlich ein Einhorn – geprägt von seinem ungewöhnlichen Namen, seiner seltsamen Herkunft, seiner schwer festzulegenden ethnischen Zugehörigkeit, seinem abwesenden Vater und seiner einzigartigen Denkweise.“

 

  1. Teil Becomin Us

Michelle und Barack gehen oft zusammen aus. Sie lebt noch bei ihren Eltern, er in einer Studentenbude. Aus Freundschaft wird irgendwann Zuneigung und Liebe. Michelle ist sich lange uneins, ihr Ziel war es eigentlich die Karriereleiter weiter nach oben zu klettern und bis zum 32. Geburtstag Equity Partnerin in ihrer Kanzlei zu sein. Sie hinterfragt dieses Ziel, als sie mit Barack eine Beziehung eingeht. Barack fordert sie intellektuell heraus, sie haben eine ähnliche Denkweise. Er liebt Bücher, ist eher kopflastig, sie nennt ihn „vergeistigt“ und er hat einen tiefen Sinn fürs Pflichtbewusstsein. Seine hawaiianische Lässigkeit entschleunigt sie beide.

Obwohl es Michelles Autobiographie ist, erfährt der Leser auch viel über Obama. Bei seinem täglichen Lernpensum fragt man sich schon, wie er das alles schaffte und ob es tatsächlich so war, speziell das Lesen von mehreren Zeitungen erfordert doch schon viel Zeit, und Geld.

Zitat Seite 152: „Sein Geld steckte er hauptsächlich in Bücher, die für ihn fast sakrale Objekte waren und ihm geistige Nahrung lieferten. Er las oft bis spät in die Nacht. Meist arbeitete er sich noch lange, nachdem ich schon eingeschlafen war, durch geschichtliche Werke, Biografien aber auch durch Toni Morrisons Romane. Täglich las er mehrere Zeitungen von der ersten bis zur letzten Seite.“

Michelle arbeitet zu der Zeit als Anwältin bei Sidley & Austin in Chicago und ist dort auch für die Rekrutierung potenzieller Jura-Studenten zuständig. Dafür ist sie ihren Weg gegangen.

Zitat Seite 159: „Ich war nie jemand, der sich in den eher demoralisierenden Aspekten der Tatsache erging, afroamerikanischer Herkunft zu sein. Man hatte mich dazu erzogen, positiv zu denken. Die Liebe meiner Eltern und ihr Engagement für meinen und Craigs Erfolg habe ich in mich aufgesogen. … Meine Bestimmung war es schon immer gewesen, über mein Viertel hinauszublicken – nach vorne zu schauen und mein Leben zu meistern. Und das hatte ich getan. Ich hatte zwei Ivy-League Abschlüsse erzielt. Ich hatte einen Job bei einer großen, erfolgreichen Anwaltskanzlei.“

Und einen Lebensgefährten, der ihr auf Augenhöhe begegnet.

Zitat Seite 168: „… wusste ich, dass er mit einer Partnerin zurechtkam, die eigene Passionen und eine eigene Stimme hatte.“

Ihrer beider Familien stammen aus einer bescheidenen Mittelklasse. Durch ihre enger werdende Beziehung und auch die Motivation ihrer dynamischen Beziehung beginnt sich Michelle zu fragen, ob sie beruflich den richtigen Weg eingeschlagen hat. Baracks Überzeugungen und seine Präsenz in ihrem Leben bringen sie zum Nachdenken. Als dann noch ihre Freundin Suzanne an Krebs stirbt, hat sie eine Lebenskrise, fühlt sich ausgebrannt. Ihr Vater stirbt kurze Zeit später mit 55 Jahren, er hatte bis zum Schluss nicht zum Arzt gehen wollen.

Michelle möchte sich beruflich umorientieren. Sie blickt zurück und stellt fest, irgendwann hat sie die falsche Entscheidung getroffen. Sie hasst es, Anwältin zu sein. Sie passt nicht in diesem Job. Sie will ihrem Leben einen Sinn geben. Sie bewirbt sich bei Stiftungen und möchte zunächst nur ihre Möglichkeiten ausloten, als Juristin aber nicht als Anwältin zu arbeiten. Welche Angebote gibt es? Sie sammelt auf einigen „Bewerbungsgesprächen“ viele nützliche Kontakte, ehe sie schließlich bei der Stadtverwaltung in Chicago landet. Sie fühlt sich sofort wohl dort, hier kann sie etwas bewirken. Sie bekommt eine Anstellung als Assistentin des Bürgermeisters Daley angeboten, mit 60000 Dollar im Jahr dotiert. In ihrer Anwaltskanzlei hat sie das doppelte verdient, aber sie und Barack entscheiden, dass sie auch so über die Runden kommen.

Barack bekommt zudem selber sehr viele lukrative Angebote und Möglichkeiten, dank seines guten Rufes. Zudem hat er einem Verlag seine Idee für ein Buch über Herkunft und Identität angeboten, dass gedruckt werden soll. Barack entscheidet sich beruflich zunächst für die Anwaltskanzlei Davis, Miner, Barnhill & Galland, ein kleines gemeinnütziges Unternehmen, das sich an der Basis für Bürgerrechte und sozialen Wohnungsbau einsetzte.

Dann geht eigentlich alles sehr schnell. Barack macht Michelle in einem Restaurant einen ungewöhnlichen Heiratsantrag – nach einer hitzigen Diskussion über die Ehe ist das Dessert eine schwarze Schatulle mit einem Ehering. Kurze Zeit später reisen beide nach Kenia, Nairobi, um dort Baracks Familie väterlicherseits zu besuchen. 1992 heiraten sie in Chicago.

Danach beginnt der Teil, den ich mal als den „Beginn des politischen Lebens“ benennen möchte.

Barack engagiert sich für eine Organisation, die sich für die Registrierung der Minderheiten bei Wahlen einsetzt, bzw. diese Minderheiten motiviert. Er ist mit Arbeit zu gehäuft, und vergisst darüber den Abgabetermin für sein Buch, eine Strafzahlung wird fällig. Er fliegt nach Indonesien zu seiner Mutter, um das Buch „Ein amerikanischer Erfolg“ in Ruhe zu Ende zu schreiben. Nach der Veröffentlichung 1995 wird das Buch zu dieser Zeit noch kein Erfolg.

Michelle beginnt ihre Arbeit bei der Stadtverwaltung Chicagos, sie will näher an den Bürgern sein und ihnen helfen. Sie wechselt schließlich als Geschäftsführerin zu einem Start-Up Unternehmen, deren Büro sie in Chicago aufbaut. Hier fühlt sie sich wohler, weil sie direkt und tatkräftig helfen kann. Diese Organisation, Public Allies genannt, hilft Auszubildene und Talente zu finden, zu motivieren und von ihrer Erfahrung profitieren zu lassen, um eines Tages vielleicht eine Führungsposition in einer gemeinnützigen und öffentlichen Organisation zu arbeiten.

Michelle wird Dekanin für Öffentlichkeitsarbeit, Barack ist nun der Politik, im Senat in Illinois. Beide wünschen sich eine Familie, Kinder, aber es klappt nicht. Michelle hat eine Fehlgeburt, sie holen sich professionelle ärztliche Hilfe. Malia, ihre erste Tochter wird geboren, und Michelle geht es wie anderen Frauen mit Teilzeitjob, Haushalt, Kind und Mann, der fast die ganze Woche nicht da ist. Sie leidet unter der Dauerbelastung, der Hetze zu Kinderkrabbelgruppen. 2001 kommt Tochter Sasha auf die Welt. Der Spagat zwischen Job, Familie und Haushalt geht weiter, sie muss Abstriche machen, während Barack sich in der Politik profiliert. Das geht nur eine Weile gut.

Schließlich die Überlegung wieder Vollzeit arbeiten zu gehen, um sich ein Kindermädchen und Haushaltshilfe leisten zu können. Michelle hat sich alles gut überlegt und setzt bei einem Vorstellungsgespräch alles auf eine Karte: alles muss stimmen: das Gehalt und die Vereinbarkeit der Arbeit mit ihrer Familie. Es klappt, sie ist im Universitätskrankenhaus in Chicago für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Währenddessen überlegt Barack, für einen Sitz im Senat der Vereinigten Staaten zu kandidieren. Michelle ist nicht begeistert, sie sieht, wie die Politik jetzt schon ihre Familie belastet. Diese Situation belastet auch die Ehe, und sie gehen zur Eheberatung. Danach sehen beide klarer und ihre Partnerschaft ist wieder gefestigt.

Aber, alles ändert sich wieder, nachdem Barack eine Rede am 27. Juli 2004 in Boston hält. Barack stellt sich wegen des Senatssitz einem Millionenpublikum vor. Alle sind von ihm begeistert, das Medienecho positiv. Barack wird nun überall erkannt und auch sein Buch ist auf einmal auf der Bestseller-Liste. Er wird zum US-Senator gewählt und pendelt zwischen Chicago und Washington.

Die Karrieren gehen weiter, für beide. Michelle wird Vizepräsidentin der Uniklinik, später wird ihr vorgeworfen, diese Position nur im Hinblick auf die politische Karriere ihres Mannes erhalten zu haben. Und Barack will versuchen, der erste afroamerikanische amerikanische Präsident zu werden. Sie diskutieren viel, kandidieren oder nicht? Michelle glaubt insgeheim nicht, dass Barack es schaffen wird. Aber sie will den Wahlkampf mit ihm zusammen durchstehen.

Die Kandidatur wird in Springfield bekannt gegeben. Bei minus elf Grad. Im Buch kann man ein Foto von Barack, Michelle und den Töchtern sehen. Michelle hat im letzten Moment noch Mützen für die beiden gekauft. Sie war erstaunt, wie viele Menschen bei dieser Kälte erschienen sind, um sie zu sehen und hören, um an sie zu glauben, um an Veränderung zu glauben.

Zitat Seite 303: “Was ich dabei vor allem empfand, war ein plötzliches Gefühl der Verantwortung. Wir waren jedem einzelnen dieser Menschen etwas schuldig. Wir baten sie darum, an uns zu glauben, jetzt mussten wir liefern, mussten die Begeisterung, die sie uns entgegenbrachten, über zwanzig Monate und fünfzig Staaten bis ins Weiße Haus tragen.

Der Wahlkampf aus der Perspektive von Michelle zu erleben, war sehr interessant. Der Spagat wieder mal zwischen Beruf, Kinder und Engagement/Kundgebungen/Vorstellungen/Klinkenputzen für den Wahlkampf. Michelle wird immer effizienter, muss effizienter werden, sonst klappt es nicht.  Die Bekanntheit der beiden steigt an, es gibt Mord-Drohungen, Barack muss schon früh vom Secret Service geschützt werden.

Überhaupt hörte sich das Ganze für mich an, als wären in den USA eigentlich total viele Menschen in den Wahlkampf involviert, allein die vielen Helfer, Wahnsinn! Oder auch, dass so viel Menschen Anteil nehmen und zu Kundgebungen erscheinen …  Kenne ich so nicht, auch nicht aus meiner Umgebung. Vielleicht sind wir Deutschen da zurückhaltender. Vielleicht ist das auch so, wenn man keiner Partei angehört, und sich auch nicht engagiert. Wie gesagt, in meinem persönlichen Bekanntenkreis kenne ich niemanden, der politisch hochmotiviert und engagiert ist. Das höchste der Gefühle ist, sich im Dorf in den Gemeinderat wählen zu lassen, aber schon einige Dörfer haben Probleme, überhaupt jemanden zu finden, der sich für die Bürgermeisterwahl stellt. Egal wie, jedenfalls kam mir die politische Umgebung von Barack und Michelle da komplett anders vor, obwohl ich auch den Eindruck hatte, dass sie beide da eher so hineingeraten sind, dass es nicht geplant war. Wie es oft im Leben so geht.

Michelle berichtet ausführlich über die Wahlkampfzeit. Sie ist so viel involviert, dass sie sich irgendwann von ihrer Anstellung in der Klinik beurlauben lässt. Die ganze Familie muss „mitziehen“, steht unter ständiger Beobachtung, werden fotografiert, sind, ja irgendwie unfassbar, „berühmt“. Der Secret Service muss sie beschützen.

Der Kampf mit den Medien, die Diffamierungen im Wahlkampf, die Lügen und falsche Darstellung um den Kandidaten zu demontieren, Beleidigungen, das muss man aushalten können. Diese Zeit zehrt seelisch an Michelle. Sie bekommt schließlich Medien-Rhetorik-Training für ihre Außendarstellung und Körpersprache.

Ein weiterer Meilenstein war der Auftritt im November in IOWA beim Jefferson-Jackson Dinner. Jeder Präsidenten-Kandidat muss eine freie Rede halten. Dabei waren Jon Edwards, Hillary Clinton, Joe Biden und Barack Obama.

  1. Becoming Moore

Im letzten Teil schildert Michelle das Leben als Präsidenten-Gattin und das Leben mit ihrer Familie im Weißen Haus. Sie redet über die Rolle als afroamerikanische First Lady, aber auch über ganz praktische Dinge: den Umzug nach Washington, die Suche einer geeigneten Schule für die beiden Kinder, die über einen Notfallrettungsplan verfügen muss. Das Leben, bei dem man nicht mehr alleine ist. Den Sicherheitskonvoi des Präsidenten, den Secret Service etc. Die Übergabe des Weißen Hauses durch Laura Bush. Sie erzählt von der Ausstattung des weißen Hauses, den riesigen Räumen, den Luxus, den Angestellten, aber auch von den Kosten, denn ganz umsonst leben sie dort auch nicht.

Mal einfach so weggehen, Freunde treffen, das geht nicht mehr. Eigenständig Termine ausmachen, einkaufen gehen? Nein. Ausgehen, Zeit zu zweit, das bedeutet Aufwand für das ganze Team, wo der Präsident entlangfährt und hingeht, werden Straßen gesperrt, Sicherheitskontrollen eingerichtet. Auch Michelle wird viel Aufmerksamkeit zuteil. Sie wird beobachtet und muss ihre Kleidung genau auswählen. Jedes Teil kann ein Statement sein. Sie beschreibt, wie unsicher sie sich manchmal gefühlt und dagegen angekämpft hat.

Zitat Seite 435: „Ich war dazu erzogen worden, mein Leben eigenständig zu regeln, aber das war nun fast nicht mehr möglich. Andere regelten alles für mich. …“

Besonders am Herzen liegen Michelle und Barack ihre beiden Kinder, Sasha und Malia. Sie versuchen ihnen, trotz Secret Service ein so normales Leben wie möglich zu ermöglichen. Dennoch müssen bei Kinderbesuchen, sowohl im Weißen Haus, als auch wenn die beiden ihre Freundinnen besuchen möchten, „Sicherheitschecks“ gemacht werden. Das ist für manche Beteiligten/Eltern dann unangenehm.

Nach der Wiederwahl von Barack, seiner nun zweiten Amtsperiode, intensiviert Michelle ihre Bemühungen, ihr „eigenes Ding“ machen, ihre Berühmtheit für etwas gutes nutzen. Das muss gut überlegt und ausgearbeitet sein, denn jeder Fehltritt wird von der Gegenpartei schonungslos ausgenutzt. Sie setzt sich für die Gesundheit von Kindern ein, gegen Fettleibigkeit von Kindern, und legt einen Gemüsegarten am Weißen Haus an. Sie gründet das Projekt „Lets move“ und unterstützt schwer verletzte Militärangestellte aus Kriegsgebieten und deren Familien. Sie initiiert mehrere Projekte wie „Lets Move“, „Reach higher“, „let girls learn“. Sehr tolle Projekte, wie ich hier mal sagen möchte.

Nach mehreren Vorfällen möchte Barack das Waffengesetz ändern, was er aber wegen der sehr großen Waffen-Lobby nicht schafft.

Die letzten Seiten handeln dann vom Ende der zweiten Amtszeit und der unfassbaren Wahl Donald Trumps, praktisch das Gegenteil zu den Obamas. Aber auch: Michelle und Barack müssen wieder einen neuen Platz im Leben finden.

Im historischen Kontext ist die Bedeutung eines afroamerikanischen Präsidentenpaares bisher einmalig. Hoffen wir, dass es auch beispielgebend ist.

Zitat Seite 470: „Wir waren im Begriff, die Samen für Veränderungen zu legen, deren Früchte wir womöglich niemals sehen würden.“

 

Fazit:

Die Autobiographie ist sehr unterhaltsam und gut lesbar geschrieben. Das Buch ist in drei Teile gegliedert.

Michelle Obama erzählt im ersten Teil davon, wie sie als Kind und Schülerin in der Southside von Chicago aufgewachsen ist, wie sie es mit viel Ehrgeiz bis nach Princeton und zur Harvard Law School geschafft hat. Spannend wartete ich auf den Augenblick, als sie Barack Obama kennenlernte und wie es dann weiterging. Im zweiten Teil ist dann Barack mit von der Partie, sie gründen eine Familie und bekommen zwei Töchter. Im zweiten Teil zeichnet sich bereits Baracks politischer Werdegang vor, während Michelle versucht, beruflich das richtige zu finden. Das erste afroamerikanische Präsidentenpaar, davon liest man im dritten Teil sehr viel.

Insgesamt war das Buch für mich persönlich sehr inspirierend, wie Michelle es mit viel Fleiß und auch dank ihrer Familie geschafft hat, Anwältin mit zwei Elite-Universitäts-Abschlüssen zu werden. Das zeigt: Wirklich jeder kann es schaffen, wenn er will. Auch, dass sie sich als Präsidentengattin genau dieses Thema auf ihre Fahnen geschrieben hat, fand ich besonders im letzten Teil sehr stark. Sie setzt sich für Minderheiten ein und versucht, tragfähige Programme zu finden, die diese Menschen selbstständig weiterbringen können. Das fand ich besonders bedeutend.

Natürlich liest man auch viel über Barack, denn Michelle ohne Barack, das geht eigentlich nicht. So erfährt man auch viel über den Wahlkampf von Barack. Sehr interessant sind auch Details über das Leben im weißen Haus, mit ihren Töchtern, die dort das Teenageralter verbringen. Oder die Sicherheitsvorkehrungen, die Einschränkungen die damit verbunden sind. Ihre Berühmtheit, sie stehen ständig unter Beobachtung und jede Nuance, jedes Kleid, jeder Satz kann zu einem Statement werden, dass die Gegenseite benutzt, oder aber auch von Michelle bewusst eingesetzt, um auf Missstände hinzuweisen.

Alles in allem: Für mich ein sehr inspirierendes Buch, das jedes Mädchen und Frau gelesen haben sollte. Lieblingsbuch !

Sterne: Ich vergebe ganz klar fünf von fünf Sternen. Die Autobiographie ist sehr unterhaltsam zu lesen, aber noch wichtiger ist die Botschaft, die sie transportiert. Jeder kann alles schaffen. Michelle hat sich für Minderheiten und Frauen eingesetzt, hat tolle Projekte in ihrer Zeit als Präsidentengattin initiiert. Sie schreibt aber auch, wie es ist, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Sie will vorankommen, sie hat genaue Vorstellungen, was sie arbeiten will und wechselt mehrmals die Stelle. Es kann natürlich durchaus sein, dass dies im Buch beschönigend dargestellt wurde, das sollte man einfach so im Hinterkopf behalten. Man kann sich eigentlich sicher sein, dass vieles ins rechte Licht gerückt wurde. Aber der Gesamttenor, die Botschaft zählt.

Ich denke, jeder kann hier etwas für sein eigenes Leben „rausziehen“, sei es weiterzumachen, sich weiterzubilden, sich in der Gesellschaft einzubringen, aufzustehen und selbstbewusst gegen andere Meinungen aufzutreten, ein Leben mit Anstand und Würde führen.

Das Buch erschien am 13. November 2018

Link zum Buch/Verlag: https://www.randomhouse.de/Buch/BECOMING/Michelle-Obama/Goldmann/e535032.rhd

 

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