Cornelia Funke + Guillermo del Toro – Das Labyrinth des Fauns

Funke, Cornelia
Toro del, Guillermo
Das Labyrinth des Fauns
978-3-7373-5666-4
Fischer Verlage

Inhalt:

Spanien, 1944: Ofelia zieht mit ihrer Mutter in die Berge, wo ihr neuer Stiefvater mit seiner Truppe stationiert ist. Der dichte Wald, der ihr neues Zuhause umgibt, wird für Ofelia zur Zufluchtsstätte vor ihrem unbarmherzigen Stiefvater: ein Königreich voller verzauberter Orte und magischer Wesen.
Ein geheimnisvoller Faun stellt dem Mädchen drei Aufgaben. Besteht sie diese, ist sie die lang gesuchte Prinzessin des Reiches. Immer tiefer wird Ofelia in eine phantastische Welt hineingezogen, die wundervoll ist und grausam zugleich. Kann Unschuld über das Böse siegen? Inspiriert von Guillermo del Toros grandiosem oscarprämierten Meisterwerk »Pans Labyrinth« schafft Bestsellerautorin Cornelia Funke eine Welt, wie nur Literatur es kann. (Quelle Fischer Verlage)

Zusammenfassung:

Das Buch war ein Geschenk von meinem Sohn zu meinem Geburtstag. Schon vorher hatte ich damit geliebäugelt ohne es zu kaufen, und so freute ich mich sehr über diese Überraschung. Allein das Cover ist der absolute Hingucker.

Von der Autorin habe ich zwei Bücher gelesen, zum einen Tintenherz, dass mich leider nicht überzeugen konnte, ich glaube ich habe es auch abgebrochen, und dann Reckless, von dem ich aber nur den ersten und keinen weiteren Band gelesen habe. Tintenherz fand ich langatmig, Reckless war das Gegenteil, kurz und knackig, aber leider konnte ich mit dem Hauptprotagonisten nicht anfreunden.

„Das Labyrinth des Fauns“ beginnt mit dem 13-jährigen Mädchen Ofelia, dass mit ihrer schwangeren Mutter auf dem Weg zu ihrem bösen Stiefvater ist. Es ist das Jahr 1944 in Spanien, Krieg überall in der Welt. Sie fahren durch einen düsteren und geheimnisvollen Wald und erreichen mit einer kleinen Unterbrechung ihr neues zu Hause, eine ebenso düstere und geheimnisvolle alte Mühle. Erst kurz zuvor hat Ofelia ihren liebevollen Vater verloren, und der neue Ehemann der Mutter ist das genaue Gegenteil von ihm: gefühlskalt, brutal und gewalttätig. Dennoch erkennt die Mutter dies nicht, sie sieht in ihm den starken Mann, der sie beschützt.

Ofelia hat Glück im Unglück, denn der Stiefvater beachtet sie kaum. Vidal, so heißt er, ist damit beschäftigt, die Widerstandskämpfer im Wald zu finden und zu töten. Mit seinen ebenso abgestumpften Soldaten und mit so viel Brutalität wie möglich: es werden Augen ausgestochen, gefoltert … es geht sehr brutal zu, was mich überrascht hat, da ich von einem Kinder- bzw. Jugendbuch ausgegangen bin. Jedenfalls haben alle Angst vor Vidal, sogar seine eigenen Soldaten, der eine Herrschaft des Schreckens ausübt.

Zwei Bedienstete im Haus, die hübsche Haushälterin Mercedes und der Arzt Dr. Ferreiro, spionieren Vidal und seine Soldaten aus, denn sie unterstützen den Widerstand. Jeder von ihnen kämpft fast alleine, Mercedes aus persönlichen Gründen, weil ihr Bruder einer von den Widerständlern ist. Dr. Ferreiro, weil er ein mitfühlender und liebevoller Mensch ist.

In dieser aufgeladenen und mit vielen unterschwelligen Missstimmungen versehenen Atmosphäre findet Ofelia den Weg in eine verzauberte Welt. Sie begegnet einem Faun und seinen drei Helferfeen, und muss drei Aufgaben lösen.

Womit wir bei dem zweiten Handlungsstrang der Geschichte wären. Ofelia gelangt oft zufällig in eine Art Parallelwelt, sie soll eine lang verschollene Prinzessin sein. Als erstes sieht sie eine Insekten-Fee und lernt dann durch das Labyrinth hinter der Mühle einen Faun kennen. Dieser erklärt ihr:  Um sich wieder erinnern zu können, muss sie drei Prüfungen bestehen. Bei der Aufgabenstellung hat sie Hilfe von dem Faun und seinen Feen. Der Faun ist aber ein zwielichtiger Geselle, und genau wie Ofelia weiß man als Leser nicht, ob man ihm trauen kann. Insgesamt gesehen empfand ich die drei Aufgaben, die Auflösung und die Besuche in der Anderswelt durch Ofelia aber als zu „glatt“ und kurz.

Dazwischen liest man immer wieder Kapitel, die die Geschichte der Mühle, des Fauns, des Messers, der Rasierklinge etc. erzählen. Es gibt dann sowohl „aha-Momente“ als auch Verwirrung, weil ich es zeitlich irgendwann nicht mehr ein- und zuordnen konnte. Zum Beispiel dass der eine Soldat von Vidal, Garces, in einer diesen Geschichten sich in eine Kröte verwandelte. Es kann natürlich auch sein, dass es sein Vater oder irgendein Vorfahre von ihm gewesen ist, denn zeitlich passt das ganze nicht.

Diese drei Hauptkomponenten, die reale Welt, die phantastische Welt und die Märchenwelt werden stimmig miteinander verwoben. Dachte ich am Anfang noch, dass mich Vidal und die Widerstandskämpfer eher weniger interessieren würden, habe ich mich selber überrascht. Denn das Gegenteil war der Fall.

Am Schluss treffen sich Mercedes, Ofelia und Vidal im Labyrinth wieder und für jeden wird es eine neue Wendung geben.

 

Fazit:

Die Geschichte lässt sich flüssig und spannend lesen. Es ist ein sehr schöner, märchenhafter Erzählstil, mit einem perfekten Sprach-Rhythmus, so dass ich am liebsten immer weitergelesen hätte.

Die Geschichte besteht aus drei Handlungssträngen. Sie beginnt im Jahr 1944, es ist Krieg, auch in Spanien. Der Widerstand regt und versteckt sich in den Wäldern. Dorthin ist die 13-jährige Ofelia mit ihrer schwangeren Mutter zu ihrem brutalen und bösartigen Stiefvater unterwegs, der mit seinen Soldaten den Widerstand bekämpfen soll. Die Szenen mit dem Stiefvater Vidal sind sehr brutal und die Ängste und entstehenden Situationen dadurch umso beklemmender geschildert. Vor allem bei der Haushälterin Mercedes wird dies deutlich. Von diesem Handlungsstrang wurde ich überrascht, weil ich anfangs noch dachte, Spanien, der Krieg und die Widerstandskämpfer interessieren mich so gar nicht, aber das Gegenteil war der Fall. Allerdings sollte man dazu auch nicht allzu ausführliche Unterhaltung erwarten.

Der zweite Handlungsstrang geht hin zur Fantasiewelt, denn Ofelia findet einen Zugang durch ein Labyrinth zu einer Parallelwelt mit Feen und einem Faun. Sie ist angeblich eine lang verschollene Prinzessin. Diese fantastische Welt (von der man leider viel zu wenig erfährt) ist mit der realen Welt verbunden, ähnlich wie bei Harry Potter & Co. Gestört haben mich manche Elemente, die mich eben genau an Harry Potter erinnerten, wie z.B. die Alraune und das Labyrinth, dass seine Mauern verschiebt.

Der letzte Handlungsstrang besteht aus märchenhaften Erzählungen, die versuchen, die früheren mysteriösen Vorgänge um die alte Mühle, um Ofelia und ihren Stiefvater Vidal und viele weitere Personen zu erklären. Diese Auflösungen waren für mich nicht immer ganz gelungen, denn manchmal verwirrten mich die zeitlichen Abläufe, so dass ich nicht folgen konnte und noch Fragen zurückblieben.

Insgesamt gesehen war die Geschichte für mich in sich zu knapp gefasst und stark vereinfacht. Viele Informationen hätten ausführlicher sein können, ich hätte gerne intensiver über die Widerstandskämpfer und die Fantasiewelt gelesen.

Dennoch, alles lässt sich ganz wunderbar lesen und fügt sich als ein Ganzes zusammen. Es war halt für meinen Geschmack leider viel zu kurz gehalten.

Nicht ganz im Bewusstsein war, dass das Buch auf einer Filmvorlage von Guillermo del Toro’s „Pans Labyrinth“ basiert. Ich kannte den Film nicht, habe ihn mir aber soeben bestellt.

Alles in allem: Eine Geschichte mit einem wunderschönen märchenhaften und melodiösen Grundton und Sprachrhythmus. Ich wollte einfach nur weiterlesen und mich einlullen lassen …

Sterne: Obwohl es von der Sprache und Inhalt eine sehr einfach gehaltene Geschichte ist, die man schnell gelesen hat, hat sie dennoch einen wunderschönen märchenhaften Grundton. Es ist wie eine Melodie, der man immer weiter lauschen möchte. Bestehend aus drei Handlungssträngen in der realen Welt 1944, in der Fantasie-Welt und mit märchenhaften Rückblicken ist es eine runde Erzählung, für mich aber viel zu knapp gehalten. Ich könnte mir vorstellen, dass die Geschichte viel mehr Ausschmückung vertragen hätte. Es hätte einiges besser erklärt. Zum Beispiel konnte ich manche märchenhafte Erklärung nicht so ganz im zeitlichen Kontext verstehen, so dass sie mich eher verwirrten. Überraschend war, dass die Welt von 1944 mit der Schreckensherrschaft von Ofelias Stiefvater Vidal, sehr beklemmend und brutal geschildet wurde. Auch hatte ich den Eindruck, dass manche Elemente aus anderen bekannten Geschichten herrührten, jedenfalls stand mir die Alraune von Harry Potter genau vorm Auge; das Labyrinth mit den bewegenden Mauern (oder Hecken, in Harry Potter 4) und der Faun von „die Chroniken von Narnia“ etc.

Aber dennoch kann ich sagen, dass mich die Geschichte von Anfang an gefesselt hat, so dass sich sie einem Rutsch durchlesen musste. Auch wenn sie in sich eher einfach war, ich sie aber dennoch gerne länger hätte genießen wollen, in einer längeren Version, vergebe ich fünf von fünf Sternen für eine märchenhafte Unterhaltung.

Das Buch erschien am 20. Juli 2019

Link zum Buch/Verlag mit Leseprobe: https://www.fischerverlage.de/buch/cornelia_funke_guillermo_del_toro_das_labyrinth_des_fauns/9783737356664

 

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