Grisham, John – Das Original

Grisham, John
Das Original
978-3-453-27153-1
Heyne

Inhalt:

In einer spektakulären Aktion werden die handgeschriebenen Manuskripte von F. Scott Fitzgerald aus der Bibliothek der Universität Princeton gestohlen. Eine Beute von unschätzbarem Wert. Das FBI übernimmt die Ermittlungen, und binnen weniger Tage kommt es zu ersten Festnahmen. Ein Täter aber bleibt wie vom Erdboden verschluckt und mit ihm die wertvollen Schriften. Doch endlich gibt es eine heiße Spur. Sie führt nach Florida, in die Buchhandlung von Bruce Cable, der seine Hände allerdings in Unschuld wäscht. Und so heuert das Ermittlungsteam eine junge Autorin an, die sich gegen eine großzügige Vergütung in das Leben des Buchhändlers einschleichen soll. Doch die Ermittler haben die Rechnung ohne Bruce Cable gemacht, der überaus findig sein ganz eigenes Spiel mit ihnen treibt. (Quelle Heyne)

 Inhalt: 

In einem Werbeprospekt für Bücher habe ich über dieses Buch gelesen. Es wurde, wenn ich mich recht erinnere, von John Grisham und seiner Frau zusammen geschrieben. Die Inhaltsangabe hörte sich sehr interessant an und als ich das Buch in der Bücherei entdeckte, nahm ich es mit.

Alle größeren Kapitel haben themenbezogene Überschriften.

Der Raub: Der Einstieg in die Geschichte beginnt mit dem Diebstahl der Manuskripte von F.Scott Fitzgerald und anderen toten Autoren. Es sind allesamt Originale und sie sind sehr wertvoll. Die Täter gehen sehr strukturiert vor. Da wären Denny, der Ex-Elite-Soldat. Mark, Dany und Jerry, alle irgendwie mal vorbestraft, und bis auf einen auch schon im Gefängnis. Ahmed, der IT-Nerd. Ich war echt gespannt, der Coup war detailliert geschildert und ich kam mir beim Lesen vor wie bei den Filmen „Oceans Eleven“ oder „Das Vermächtnis der Tempelritter“ mit Nicolas Cage. Letzerer ist einer meiner Lieblingsfilme. Nun ja, zunächst scheint alles zu klappen, sie verstecken sich und die Manuskripte in einer abgelegenen Waldhütte.

Der Händler: Es beginnt ein neueres größeres Kapitel mit dem Bruce Cable ins Spiel kommt. Seine Geschichte wird ab der Studienzeit, als er 23 Jahre alt ist, auf wenigen Seiten zusammen gefasst. Interessant ist sein Werdegang auf alle Fälle, er erbt und beschließt sich in eine Buchhandlung einzukaufen. Dieser Teil ist für alle Bücherwürmer sehr unterhaltsam zu lesen, denn Bruce Cable gründet die Buchhandlung „Bay Books“, die er im Buch 1996 eröffnet. Es ist ein interessanter Weg bis dahin, denn er ist Quereinsteiger und will es richtig machen. So wird man als Leser in seine Überlegungen rund um eine unabhängige Buchhandlung einbezogen, denn sie läuft zunächst sehr schlecht. So fängt er an umzudenken und gibt Nachlässe, ändert die Öffnungszeiten bis auf 21 Uhr; bietet zunächst nur Cafe an und kommt sich schon wie ein Barista vor; eröffnet dann im ersten Stock ein Cafe mit Sitzplätzen. Schließlich öffnet er noch Sonntags, präsentiert früh morgens die größten Tageszeitungen des Landes und belegte Brötchen. Der Sonntag läuft wirklich gut. Er hat einen 24-Stunden-Job, und schreibt oft um Mitternacht noch einen Bay-Books-Newsletter. Für mich als Vielleser und Bücherliebhaber ist das ein Traum, so würde man selber gerne für eine Arbeit „brennen“, und natürlich auch am liebsten in einer Buchhandlung arbeiten oder selber eine führen. Dafür würde man wie Bruce Cable einfach alles geben, und so konnte ich mich gut in die Situation von ihm hinein versetzen. Leider ist dieser Bereich auf ein paar Seiten zusammen gefasst. Oberflächlich leider wieder, aber dennoch unterhaltsam und informativ. Als der Vater von Bruce Cable stirbt, findet er im Haus seines verstorbenen Vaters ein Versteck mit wertvollen Erstausgaben. Das ist ein weiterer Funke der bei ihm gezündet wird und im Laufe der Jahre wird er, während die Buchhandlung wächst und ihren Bekanntheitsgrad extrem steigert, zu einem echten Sammler und Kenner literarischer Raritäten.

Zitat Seite 66: „Daddys alte Bücher, die achtzehn Bände, die er aus dem Atelier seines Vaters gemopst hatte, bildeten eine wunderbare Grundlage für seine Raritätensammlung, die, als er vierzig wurde, einen Wert von zwei Millionen Dollar erreicht hatte.“

Bruce Cable wirkt schon exzentrisch, in seinen farbigen Seersucker-Anzügen und Haifischkragenhemden mit Fliege. Das Haifischkragenhemd musste ich erst mal nachschauen, wie so eines aussieht. Zudem hat er längere lockige dunkle Haare mit vereinzelt grauen Strähnen. Insgesamt hat man bei dieser Vorstellung doch gleich ein Bild vor Augen, oder?

Die Rekrutin: Dann taucht die weitere Hauptprotagonistin auf, Mercer Mann. Über Mercer erfährt man nicht richtig viel finde ich. Sie bekommt ein paar Eckdaten mit tragischer Familiengeschichte und das war es. Hört sich sehr konstruiert an, wie eine Geschichte in der Geschichte. Sie soll Bruce Cable ausspionieren. Ich fand, sie wirkte manchmal richtig steif und konservativ. So richtig beschreiben kann ich sie nicht, außer dass sie „gut aussah“.

Die Geschichte nimmt so ihren Lauf, Mercer wird gut überwacht ins „Rennen“ geschickt, um die gestohlenen Manuskripte wieder zu finden, die bei Bruce Cable vermutet werden. Hier fand ich es kurz verwirrend, weil ich gerade ein paar Seiten vorher noch las, dass Bruce die Raritäten seines Vaters entdeckt hatte und es dann im neuen Kapitel mit Mercer weiterging, und zwar ein halbes Jahr nach dem Überfall auf die Princeton Universität. Das irritierte mich zeitlich.

Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass Mercer auf Camino Island nur rumlungerte. Die Überwachung verlief relativ einfach und führt schnell zum Erfolg. Da Bruce und Noelle eine offene Ehe führen, gibt es auch eine Affäre zwischen Bruce und Mercer.

Auch konnte ich nicht verstehen, wie Mercer ihre Bücher bei amazon kaufte und es Bruce noch gestand! Anstatt bei Bruce und seiner Bay-Books-Buchhandlung zu bestellen. Sie erklärt es, indem sie auf ihren ebook-reader verweist, aber selbst e-books lassen sich über die Buchhändler bestellen. Oder ist das in Amerika anders?

Es gibt dann noch Kapitelnamen wie „Der Strandgutsammler“ und „Der Mittelsmann“, deren Bedeutung zum Inhalt ich nicht nachvollziehen konnte. Besser war dann schon „Die Wochenendaffäre“, damit war das kurze Love-Interest zwischen Bruce und Mercer gemeint. Man könnte es auch einen Two-Night-Stand nennen.

Das letzte Kapitel wird „Die Übergabe“ genannt, und zum Schluss gibt es noch einen Epilog, der mich verärgerte. Zum einen spielte Mercer letztendlich den Moralapostel, zum anderen taucht Bruce mit einem Friedensangebot wieder bei ihr auf. Das war dann ein versöhnliches Ende, aber für mich „passte“ es nicht.

Fazit:

Als ich das Buch zu Ende gelesen hatte, war ich etwas ratlos. Die Geschichte hat etwas merkwürd undefinierbares an sich. Der Diebstahl am Anfang und der Aufbau der Buchhandlung von Bruce Cable waren noch sehr interessant, aber dann fingen für mich die „Unglaubwürdigkeiten“ an. Ich kann es schlecht in Worte fassen, aber vieles war einfach sehr oberflächlich. Angefangen bei den Charakteren und auch bei der weiteren Handlung. Vor allem Mercer blieb sehr blass, ihre Affäre mit Bruce war mehr als oberflächlich und auch das Geplänkel zwischen den Autoren der Kleinstadt war belanglos.

Das Setting in einer Kleinstadt auf Camino Island, einer fiktiven Insel in Florida, ist eher nebensächlich. Ich weiß eigentlich gar nicht, was sich über die Geschichte sonst noch sagen lässt. Dass sie vielleicht eher wie eine Regieanweisung klang, und sich verfilmt sicherlich besser machen würde als hier als Buch.

Für mich spannend und lesenswert waren der Ablauf des Diebstahls der Manuskripte und auch der Werdegang bzw. der Aufbau der Bay-Books-Buchhandlung. Ansonsten fehlten die Details sowohl bei den Charakteren als auch in der übrigen Handlung.

Alles in allem: Die Geschichte lässt sich sehr einfach und flott lesen, aber in allen Teilen leider sehr oberflächlich, es fehlten die Details, die das Buch charmant gemacht hätten. So war es zwar unterhaltsam, aber irgendwie auch sehr belanglos. Schade.

Sterne: Ich gebe zwei von fünf Sternen, weil es zwar eine gute Idee war, die aber nicht entsprechend umgesetzt wurde. Es war zu oberflächlich, so dass ich keinen Bezug dazu fassen konnte.

Das Buch erschien am 21. August 2017

Link zum Buch Verlag mit Leseprobe: https://www.randomhouse.de/Buch/Das-Original/John-Grisham/Heyne/e528390.rhd

 

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