Cors, Benjamin –Gezeitenspiel (Personenschützer Nicolas Guerlain Bd. 3)

Cors, Benjamin –Gezeitenspiel ( ISBN 978-3-423-26141-8, dtv Verlag )

Inhalt:

Bodyguard: Dieses Wort versucht ein sterbender Mann mit letzter Kraft in den Boden zu ritzen. Ein Wort, das zu Nicolas Guerlain führt, Personenschützer der französischen Regierung. Nicolas erkennt, dass es eine Verbindung gibt zu den Feierlichkeiten in der Normandie am 6. Juni, dem Tag der Alliierten-Landung. Für diesen Tag sind offenbar Anschläge geplant. Hilfe bekommt er ausgerechnet von Julie, seiner überraschend wiederaufgetauchten Partnerin. Doch kann er ihr noch trauen? Wer ist Freund, wer Feind? Es beginnt ein mörderischer Wettlauf mit der Zeit. (Quelle dtv)

Zusammenfassung Inhalt:

Durch Zufall bin ich an diese Normandie-Krimi-Reihe über den Personenschützer Nicolas Guerlain geraten. Und war von Anfang an begeistert. Vielleicht war der erste Band noch etwas zu melancholisch, aber allen Bänden gemeinsam ist bis jetzt dieses wunderbare französische Flair an der Normandie-Küste und auch in Paris.

Denn Personenschützer Nicolas Guerlain arbeitet eigentlich für den Personenschutz der Regierung in Paris. Durch einen peinlichen Vorfall im ersten Band wurde er zwangsversetzt, musste pausieren im Band zwei, und soll sich hier im dritten Band die Sporen in seinem alten Team zu arbeiten wieder verdienen.

Schuld an der Misere und an Nicolas Melancholie ist seine verschwundene Freundin Julie. Vor vier Jahren ist sie einfach so während eines klassischen Konzertes im Theatre des Champs Elysee verschwunden. Und Nicolas war seit dem am Boden zerstört, aber auch wie besessen, ihre Spur zu finden. In den vergangenen zwei Bänden hat er an sich selber gezweifelt, hat er doch manchmal gedacht, sie zwischen anderen Menschen zu sehen. Keiner hat ihm geglaubt. Alle haben es als Hirngespinste abgetan und ihn zum Psychologen geschickt. Er nimmt Tabletten, ohne die er die Tage nicht über stehen kann. Es hat lange gedauert, und ich habe zwei Bände mit ihm mit gelitten, bis ich und Nicolas hier im dritten Band endlich erfahren, dass er keine Halluzinationen hatte. Julie lebt, und wie vielleicht manch einer schon geahnt hat, ist sie in geheimen Auftrag der Regierung eingebunden.

Zitat Seite 83: „Sie hatte einen Grund dafür gehabt, den Auftrag seines Vaters anzunehmen, und sie hatte auch ihre Gründe gehabt, diesen nicht mit ihm zu teilen. Und genau das machte ihn wahnsinnig. Was hatte sie dazu bewogen, einen derartigen Schritt zu machen, warum hatte sie ihr Leben aufgegeben, um im Auftrag seines Vaters in die Schatten zu verschwinden? Weil sie das Licht scheute? Er wusste es nicht, aber er musste es wissen, weil er sonst daran zerbrechen würde.“

Ich meine, so richtig deutlich, dass Nicolas Vater seit 20 Jahren der Chef des Inlandgeheimdienstes ist, erfahre ich erst hier so in aller Deutlichkeit. Vielleicht wurde am Ende des zweiten Bandes etwas erwähnt, ich bin nicht mehr sicher. Aber auf alle Fälle, er ist in den Auftrag mit Julie involviert und zieht seine „Strippen“. Und da Nicolas kein entspanntes Verhältnis mit seinem Vater hat, ist er zu recht wütend. Wütend ist wahrscheinlich noch untertrieben. Sein Vater argumentiert mit einem streng geheimen und angekündigten Attentat am Jahrestag der Alliierten-Landung. Sie brauchten jemanden zum einschleusen, und angeblich hätte sich Julie freiwillig gemeldet. Julie ist Polizistin, wie kam sie dazu, sich beim Geheimdienst zu melden? Nicolas kann das nicht verstehen, und ich ehrlich gesagter weise auch nicht. Ich bin gespannt, welche Gründe Julie dafür hatte, jahrelang dem wichtigsten Menschen in ihrem Leben aus dem Weg zu gehen. Ich meine etwas gelesen zu haben, dass Julies Eltern Diplomaten waren, vielleicht hängt damit noch das ein oder andere zusammen? Ich bin gespannt auf Band 4.

Zudem erfährt Nicolas, auf wen Julie angesetzt wurde: auf Pierre Melville, den jüngsten Abgeordneten der französischen Nationalversammlung. Er ist 35 Jahre alt, ehrgeizig, hochintelligent und kommt sowohl bei den Bauern als auch bei den Pariser Intellektuellen an. Aber am wichtigsten, er fordert Nicolas Vater, den Chef des Inlandgeheimdienstes, zu einem  geheimen „Spiel“ heraus, welches auch mit der Wahl des Ministerpräsidenten zusammen hängt.

Aber, ich bin jetzt schon mitten in der Geschichte drin und habe noch nicht mal vom Anfang erzählt. Wie gesagt, Nicolas wird wieder in den Dienst der Regierung gestellt, allerdings eher probehalber zur Wiedereingliederung und dem Landwirtschaftsminister Balthasar Pesac zugeordnet. Die beiden verstehen gut, aber Nicolas ist es auch ein wenig langweilig und zu ruhig. Bis es zu einem Bauernaufstand kommt, und es Nicolas gelingt, den Minister aus einer Gefahrenlage zu retten. Der Bauernaufstand erinnerte mich ein wenig an das Buch „Die Hauptstadt“ von Robert Menasse, als die Bauern in Brüssel protestieren. Im Buch jedenfalls filmt einer der Bauern das Geschehen und so kommt dies auch Minister Francois Faure zu Gesicht, der uns durch die ersten zwei Bände wohl bekannt ist. Er ist immer noch in einer Art „Vorwahlkampf, denn er will der nächste Präsident von Frankreich zu werden, und da dieses Video gute Publicity verspricht, ordert er Nicolas wieder zurück in sein altes Team. In Paris wohnt Nicolas in einer kleinen Dachwohnung an der Place Sainte Marthe. Ein Stockwerk unter ihm wohnt sein Nachbar Tito, ich bin gespannt, ob dieser auch noch eine größere Rolle spielen wird. Denn manchmal erscheint mir dieser zu sehr aufmerksam und nachdenklich …

Nur ganz kurz wird dieses mal Thomas Bolden erwähnt, der persönliche Referent von Nicolas Faure.

Gilles Jacombe der Leiter des Personenschutzdienstes der französischen Regierung, Bertrand sein Kollege und die Neue im Team, Carol Adams, finden sich im „Dunstkreis“ von Minister Francois Faure wieder. Bewachung, Beschattung usw., und das nicht nur ganz herrlich in Paris in kleinen Cafes, Bistros oder Bars, sondern auch an der Atlantikküste der Normandie. Diese Orte sind ganz herrlich und mit viel Flair beschrieben. Wie zum Beispiel das Bistro Mulberry mit seiner bodenständigen Muschelsuppe, hier ist man wirklich „mitten drin“ und hat vielleicht gleich auch noch ein paar Reiseziele in petto.

Auch Claire Cantalle, mittlerweile Polizeianwärterin, ist mit von der Partie, allerdings in dem Ort Caen in der Normandie. Und dort, ganz in der Nähe, auch klein, aber historisch gesehen groß: Arromanches und Omaha Beach. Wie immer, ist Claire vielen zu impulsiv, zu quirlig und so schickt sie der dortige Polizeichef auch eher auf Pseudo-Patrouillen, Hauptsache sie ist aus den Füßen. Dennoch, so ruhig wie es scheint, ist es dort auch nicht, denn nicht nur dass bestimmte Kreuze auf dem amerikanischen Soldatenfriedhof in Colleville (gibt es wirklich) mit roter Farbe beschmiert werden (was eine tiefere Bedeutung hat die noch entschlüsselt werden muss), auch finden sie auf den Landungsbrücken (Pontonbrücken) zufällig einen halbtoten Menschen. Ich bin am überlegen, ob ich verraten soll, wer es ist. Denn es ist so unfassbar überraschend, dass es einfach aus mir heraus will. Also, sie finden Luc Roussel, den stellvertretenden Leiter des Commissariats in Deauville. Vielleicht sollte ich erwähnen, dass die Überraschung umso größer ausfällt, wenn man Band eins und zwei gelesen hat. Leser, die erst bei Band drei einsteigen, kennen ihn nicht und erleben somit auch keine Überraschung. Jedoch, die Überraschung geht weiter, denn jeder weiß, dass sich Nicolas und Luc Roussel nicht gemocht haben, und dennoch, mit letzter Kraft kratzt Luc Roussel ein Wort in die Landungsbrücke.

Und damit beginnt dann auch eines der Rätsel. Denn Nicolas wird natürlich informiert, und zudem ist er mit seinem Team auch in Arromanches vor Ort, weil Minister Francois Faure dort zum D-Day, oder Le Jour J, dem Jahrestag der Feierlichkeiten der Alliiertenlandung dort gastieren wird. Diese ganze Gegend ist geschichtsträchtig, angefangen von Caen, Arromanches, verschiedenen Soldatenfriedhöfen wie Colleville, den Landungsstränden wie zum Beispiel Omaha Beach und auch das Landungsmuseum in Arromanches gibt es wirklich.

 

Fazit:

Ich mag diese Normandie-Krimi-Reihe über Personenschützer Nicolas Guerlain einfach zu sehr. Ich habe das Gefühl, die Geschichte wird mit jedem Band noch besser. Und kaum hatte ich diesen dritten Band angefangen zu lesen, wünschte ich mir schon, ich hätte den vierten Band parat liegen.

Denn das Setting in Paris und der vor allem der Normandie ist ganz herrlich und mit viel Flair beschrieben Die Gegend, selbst wenn es eine kleine Straße in Paris ist in der der Verkehr rauscht, wird so intensiv beschrieben, dass man eigentlich schon dort ist. Zudem war dieser Band hier noch geschichtlich interessant, da die Feierlichkeiten zum Jahrestag des D-Day, den Tag als die Alliierten 1944 im zweiten Weltkrieg in der Normandie an Land gingen um Frankreich/Europa zu befreien, eine große Rolle spielt. Es gibt einige Museen und Soldatenfriedhöfe die im Buch erwähnt werden, auch die Strände, die von den Alliierten Namen bekamen wie „Omaha Beach“. Ein Hotel in der Geschichte nennt sich „Hotel Overlord“, nach dem tatsächlichen Decknamen der Operation Overlord.

Die Geschichte um Personenschützer Nicolas Guerlain geht weiter. Er ist wieder im Dienst der französischen Regierung, aber auch immer gedanklich auf der Suche nach Julie. Seine Lebensgefährtin verschwand vor vier Jahren, plötzlich, ohne ein Wort. Und so durfte der Leser Nicolas auf der Suche durch die zwei ersten Bände begleiten, eine Suche, die ihn fast wahnsinnig gemacht und an Halluzinationen glauben lassen hat. Das alles eingebettet in einen oder mehrere Mordfälle und immer mit neuen und alten Protagonisten, auf die ich mich sehr freute.

Die Geschichte lässt sich flüssig und sehr unterhaltsam lesen. Die Charaktere sind alle so unfassbar vielschichtig aufgebaut, fühlen sich so „echt“ an, dass ich mich richtig in sie hineinversetzen konnte. Ich mochte sie einfach alle, selbst die Bösen. Sie überraschten mich und entwickelten sich weiter, vor allem Nicolas war nicht mehr so sehr melancholisch wie in den anderen Bänden.

Ich empfehle unbedingt, die Reihe in der richtigen Reihenfolge zu lesen, um in den vollen Genuss jeglicher Entwicklungen zu kommen. Denn als hier im Band Luc Roussel halb tot gefunden wird, war meine Überraschung extrem groß. Weil ich ihn von den anderen zwei Bänden kannte. Und ich denke, wenn dem nicht so gewesen wäre, wäre auch die Überraschung nicht so gewaltig für mich ausgefallen.

Also, es gibt auch jede Menge unerwartete Wendungen: Der Halbtote und der Tote auf der Landungsbrücke; die Finte mit Balthasar Pesac; Julie die plötzlich auftaucht und vor allem erfahren wir endlich am Schluss, was es mit dem äußerst verdächtigen Jean Prudhomme und seinem Vater auf sich hat, der im ersten Stock des Bistros Mulberry liegt …

Alles in allem: Ich mache es kurz – Lieblings-Krimi-Reihe!

Das Buch erschien am 4. August 2017

Link zum Buch/Verlag mit Leseprobe: https://www.dtv.de/buch/benjamin-cors-gezeitenspiel-26141/

 

Reihenfolge Personenschützer Nicolas Guerlain
Normandie Krimi
Band 1 Strandgut
Band 2 Küstenstrich
Band 3 Gezeitenspiel

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.