Cleave, Chris – Die Liebe in diesen Zeiten

Cleave, Chris
Die Liebe in diesen Zeiten
978-3-423-26140-1
Dtv

Inhalt:

Mary North ist jung, hübsch und aus guter Familie. In ihrem ganzen Leben musste sie noch nichts Schwereres heben als ein Cocktailglas. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs meldet sie sich impulsiv und voller Enthusiasmus in London zur Truppenunterstützung. Sie wird allerdings ganz unheroisch nur als Hilfslehrerin an einer Schule eingesetzt. Dabei lernt sie Tom kennen, der bei der Schulbehörde arbeitet. Sie fühlen sich sofort zueinander hingezogen … Aber ihre Verlobung begegnet größeren Hindernissen als nur dem Widerstand von Marys Familie. Denn eines Tages kommt Toms Freund Alistair, der sich freiwillig gemeldet hat, auf Heimaturlaub, und sein Zusammentreffen mit Mary löst in ihnen beiden heftige, nie gekannte Gefühle aus. Doch sie werden einander so bald nicht wiedersehen. Briefe sind ihre einzige Möglichkeit, in Verbindung zu bleiben. Und bald überschattet das Drama des Krieges alles andere. Mary und Alistair sehen sich Erfahrungen ausgesetzt, die in ihrem Grauen fast unwirklich erscheinen. Wie lange werden sie noch aneinander Halt finden können? (Quelle dtv)

Meine Meinung/Zusammenfassung:

Auf dieses Buch wurde ich durch den Glühwein-Bücherei-Abend 2017 meiner Stadtbücherei aufmerksam.

Bereits von der ersten Seite an wirkte die 18-jährige Hauptprotagonistin Mary sehr albern und kindisch. Der Krieg wird ausgerufen, und sie freut sich darauf, läuft ganz positiv aufgeregt und stolz durch die Stadt, um sich zum Krieg zu melden! Sie hat von nichts eine Ahnung, da sie bisher behütet durch ihr reiches Elternhaus aufwuchs. So stellt sie sich in ihrer Phantasie vor, als Spionin, Attaché oder Verbindungsoffizier im Kriegsdienst eingesetzt zu werden. So viel Naivität ist unfassbar und dumm.

Zitat Seite 9: „Denn was war der Krieg, wenn nicht Lastwagen und Kampfmoral in Helmen? Und was war Kampfmoral, wenn nicht hundert Millionen kleine Konversationen, deren Summe Männern die nötige Tapferkeit verlieh, um vorzurücken? Das wahre Herz des Krieges lag im Smalltalk, auf den Mary sich ausgezeichnet verstand.“

Leider ist es genau dieser „Smalltalk“, der sich durch die ganze Geschichte zieht und für mich so unbedeutend war.

Es kommt aber anders als es Mary sich ausdenkt, denn anstatt „Spionin“ wird sie im Schuldienst eingeteilt. Völlig überfordert und vom Leben keine Ahnung, evakuiert die Direktorin dann lieber ohne Mary die Kinder aufs Land. Immerhin, sie hat es guten Willens versucht und sich mit einem „Negerkind“ angefreundet, dass ihre Freundin Hilda, ebenfalls aus der High Society, abfällig kommentiert:

Zitat Seite 86: Also wirklich, du bist doch nicht die Mutter dieses kleinen Niggers!“

Andersfarbige Menschen werden zu dieser Zeit in London ausgegrenzt. So wollte auch keiner, als die Londoner Kinder aufs Land evakuiert wurden, einen kleinen dunkelhäutigen Jungen aufnehmen. Das war Zachary, der warum auch immer, in der Geschichte noch ab und zu auftauchen würde. Ja, der Kleine tat mir auch leid, aber er kam mir für seine 10-12 Jahre die er darstellen sollte, oft wie ein Erwachsener vor, so dass ich mehrmals stutzen musste. Ich vermute, er sollte in der Geschichte die liberale Einstellung Marys verdeutlichen, was meiner Ansicht nach aber nicht gelang.

Die Freundschaft zwischen den männlichen Hauptprotagonisten Tom und Alistair war mir nicht plausibel. Die beiden wohnen zwar schon seit einigen Jahren in einer Dachwohnung zusammen und haben eigene Dialoge entwickelt, wie ein altes Ehepaar, aber so richtig nachvollziehen konnte ich diese Freundschaft nicht.

Alistair ist blond und kräftig, handwerklich sehr begabt und arbeitet in der Tate (Museum für Kunst in London) als Restaurator. Er hat von Anfang an mehr „Substanz“ als Tom, ist präsenter in der Geschichte.

Tom ist Lehrer, 23 Jahre. Er hatte sich auch freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet, aber er sollte in London die Stellung halten und die geschlossenen Schulen überwachen. Ansonsten bleibt er merkwürdig blass.

Alistair meldet sich freiwillig zum Krieg und wird zu den Bodentruppen eingezogen. Zuerst wird ein Training absolviert, das den meisten einiges abfordert. Es kommt auch zu einem Unfall, eine erschütternde Episode, als ein neuer Freund während einer Übung von einer Bodenmiene zerfetzt wird. Dies ist die erste grausame Begegnung mit dem Krieg, und noch viele weitere sollten folgen.

Mary hat ihrer Familie noch nicht gesagt, dass sie als Lehrerin „ausgemustert“ wurde, nachdem die Direktorin sie nicht dabei haben wollte. Sie versucht verzweifelt, nochmal eine Anstellung als Lehrerin zu bekommen. So lernt sie Tom, den Freund von Alistair, näher kennen und nervt, weil sie die Kinder, die in London geblieben sind, unterrichten will. Sie taucht öfters bei ihm auf, denn gehen sie zusammen aus, amüsieren sich in London, während zur gleichen Zeit bei Alistair das oben genannte Drama geschieht. Aber Mary kennt die Schrecken des Krieges noch nicht, im Gegenteil:

Seite 108: „Der Krieg ist wunderbar. Ist es schlimm, sowas zu sagen?“

Überhaupt amüsieren sich noch viele Reiche in London, trotz des Krieges, den sie gar nicht erfassen können, weil er in ihrer Welt, ihrer Gesellschaftschicht überhaupt nicht vorkommt. Auch Marys Freundin Hilda gehört dazu, reich, verwöhnt und ahnungslos.

Alistair hat bereits ein Kriegstrauma, als sich alle vier treffen. Er findet sich in London mit den vielen Menschen kaum noch zurecht. Es kommt zu einem Abendessen in einem Restaurant. Mary und Tom wollen Alistair mit Hilda verkuppeln. Hilda verliebt sich auch augenblicklich in Alistair, aber umgekehrt verliebt sich Alistair augenblicklich und heftig in Mary. Und auch Mary spürt, dass sie mehr verbindet, dennoch bleibt sie bei Tom. Alistair kehrt in den Krieg zurück.

Mary unterrichtet heimlich mit Toms Hilfe die zurückgebliebenen Kinder in London. Da fand ich sie sehr empathisch, im Umgang mit diesen Kindern, obwohl mir nicht so ganz klar war, woher sie ihre Einsichten hatte. Von daher wirkte es auch wieder unglaubwürdig und eher wie absichtlich passend zum Charakter eingesetzt. Bei einem Bombenangriff auf London kommen alle diese Kinder bis auf Zachary ums Leben. Auch Tom stirbt.

Mary setzt sich nach ein paar Monaten mit Alistair, ihrer großen Liebe, in Verbindung. Briefe gehen zwischen London und Malta, wo Alistair jetzt stationiert ist, hin und her. Dies nimmt ihr ihre Freundin Hilda übel, auch wenn Hilda insgeheim weiß, dass es mit Alistair und ihr nichts wird. Dennoch wird Alistair immer ein Reibungspunkt zwischen ihnen bleiben, so dass Mary sich um Hildas willen von ihm distanziert. Ich konnte so gar nicht verstehen, warum Hilda überhaupt dachte, dass sie ein „Anrecht“ auf Alistair hatte?

Mary und Hilda melden sich in London, aus Abenteuerlust muss man leider sagen, zum freiwilligen Sanitätsdienst und fahren Krankenwagen. Nach den ersten Einsätzen, begreifen sie endlich, was der Krieg bedeutet. Sie sehen Verstümmelungen, Tote, Schwerverletzte. Sie sind geschockt, verunsichert, sehen nun, was die Bomben anrichten, während es in ihren Elternhäusern noch Bedienstete und genug zu essen gibt. Während eines Einsatzes gerät Mary unter die Trümmer und entkommt nur knapp mit dem Leben, wird aber morphiumsüchtig und ein steifes Bein zurück behalten. Hilda macht weiter, wird im Gesicht schwer verletzt, als der Krankenwagen über einen Blindgänger fährt.

Alistair ist auf Malta stationiert. Dort spitzt sich die Lage zu. Das Essen wird rationiert, die Angriffe erfolgen immer heftiger, viele Soldaten sterben. Alistair wird ebenfalls verletzt und sein Arm muss amputiert werden. Er kann nicht mehr, er hat so viel Gräuel gesehen, gerochen und gespürt, dass er sich auf einen Handel von seinem Freund Simonson einlässt und mit einem Flugzeug illegal nach Gibralta bringen lässt. Das Flugzeug stürzt ab, sie haben aber Glück und werden nach Tagen aus dem Meer gefischt. Dennoch wird Alistair zu zwölf Monaten verurteilt, wegen unerlaubten Verlassens der Truppe.

Monate später treffen sich Mary und der entlassende Alistair in London. Seltsamerweise wissen sie nicht so recht, wie und wo sie weitermachen sollen, sie fühlen sich fremd, auseinander. Dennoch, ein kleiner Hoffnungsschimmer bleibt, daraus das Beste zu machen. Und Hilda lässt sich auf einen Briefwechsel mit Simonson ein.

Im Nachwort widmet der Autor seinem Großvater diese Geschichte, der im zweiten Weltkrieg auf Malta stationiert war.

 

Fazit:

Also, die Geschichte hat es mir schwer gemacht. Fairerweise sollte ich sagen, dass ich leider nicht die Muse und somit eigentlich auch keine große Lust hatte sie zu lesen. Aber sie wurde auf dem Glühwein-Bücher-Abend 2017 meiner Stadtbücherei empfohlen. Dennoch gelingt es Büchern oft, mich zu fesseln, auch wenn ich mal gerade keine Lust auf gerade eben dieses Buch habe. Dann freue ich mich immer. Leider war das hier nicht der Fall.

Nach den ersten 130 Seiten war ich kurz vor dem abbrechen. Die Hauptprotagonistin Mary und ihre Freundin Hilda waren mir total unsympathisch. Sie sind reich, albern und kindisch, und freuen (!!) sich auf den Krieg, sind ganz aufgeregt, wann es endlich losgeht! Sie sind total ahnungslos und begreifen den Ernst der Lage nicht, wie wahrscheinlich viele andere, die in der gleichen Gesellschaftsschicht leben. Erst ab der Mitte des Buches, als sie sich freiwillig für den Sanitätsdienst melden, sehen sie das Ausmaß und den Gräuel, die der Krieg anrichtet. Dennoch leben sie „abgehoben“ von anderen, haben noch Hauspersonal und können Cocktails im Ritz trinken. Die Gespräche und der Humor der beiden konnte ich nicht nachvollziehen, sie waren für mich unsäglich unbedeutend und albern. Ähnlich erging es mir mit den männlichen Hauptprotagonisten Tom und Alistair, derselbe Humor der nicht bei mir ankam, dieselben langweiligen Gespräche.

Deswegen war auch der Hauptgrund, warum mir die Geschichte, die Protagonisten und das Love-Interest nicht zugänglich werden konnten, der Erzählton. Dieser war so „überdimensioniert heiter“, mit einer Art von Ironie und Humor, mit dem ich nichts anfangen konnte, der mich verwirrte. Ein Beispiel: Alistair muss nach einer Verletzung der Arm amputiert werden. Mary und ihre Mutter unterhalten sich, und ihre Mutter meint, „der wächst ja wieder nach“. Das soll lustig sein?Aber so hört sich das im Buch an, wie so viele andere „ironische „und „witzige“ Dialoge. Ich konnte damit nichts anfangen, sondern war eher ratlos. Diese Ironie war witzig gemeint, und sollte wohl die Schwere der Verletzungen, die Gräuel und insgesamt das Ertragen des Krieges leichter machen, mir erschien es nur seltsam und sehr unpassend.

Das Love-Interest, das zuerst zwischen Tom und Mary entsteht, ist leidenschaftslos und irgendwie kühl. Gleichzeitig verliebt sich Mary auch noch in Alistair, der eigentlich mit Hilda verkuppelt werden sollte. Die einzig halbwegs wahre Liebe die daraus hervorging, war die zwischen Mary und Alistair, aber auch voller Schuldgefühle wegen Tom und Hilda. Diese Liebe zwischen Mary und Alistair war auch nicht richtig fassbar, weil dieses Love-Interest überhaupt nur in schriftlicher Form, mittels Briefen, „passiert“. Diese Briefe sind genauso wie die flapsigen Dialoge, kindisch und seltsam. Es sollte wohl witzig sein, den Krieg in Worten „herunterspielen“, vielleicht um schlimmste Momente so besser zu verkraften, aber ich fand es einfach nur seltsam.

Dann kamen Szenen, in denen Szenen aus Theaterstücken, Weihnachtsaufführungen etc. genau beschrieben wurden. Oder die Comedy Show mit Zacharys Vater. Das waren für mich unnötige und unwichtige Längen.

Einzig und allein die Szenen mit Alistair im Kriegsgeschehen waren spannend zu lesen, und er schien mir auch der einzige Protagonist, der die volle Härte des Krieges erlebte, und dennoch versuchte, Mensch zu bleiben.

Alles in allem: Die Geschichte um Liebe und Schuld im zweiten Weltkrieg in London und Malta konnte mich leider nicht überzeugen. Hauptursache war der überdimensioniert heitere und ironische Erzählton, mit dem ich nicht zurechtkam. Auch die weiblichen Charaktere waren mir nicht sympathisch, und von „ großer Stärke“ der Hauptprotagonisten konnte ich außer bei Alistair nichts feststellen.

Sterne: Eigentlich war es für mich schnell klar, ich kann leider nur einen von fünf Sternen vergeben. Bereits auf den ersten 130 Seiten waren für mich alle Hauptprotagonisten extrem unsympathisch. Das alleine wäre ja nicht schlimm gewesen, aber der Erzählton hatte durchgehend so eine spezielle Art von merkwürdigen Humor, Sarkasmus und Ironie, den ich seltsam fand und gar nicht verstehen wollte. Mary lief oft glücklich und flapsig wie ein Häschen hoppelnd durch London, so als ob nicht gerade Krieg wäre. Genauso waren die Dialoge. Ich mag eigentlich dieses ironisch-spöttische in Büchern, aber es muss passen. Und hier hatte ich das Gefühl, es war komplett daneben. Die Liebesgeschichte war für mich auch nicht wie angekündigt, herzzerreißend, sondern eigentlich nicht vorhanden oder eher als Zeitvertreib und nicht ernsthaft. Einzig allein Alistair und seine Kriegserlebnisse waren emotional und tiefgründig. Alles andere „verblubberte“ so an der Oberfläche. So habe ich irgendwann angefangen, meistens die Dialoge zwischen Mary und Hilda und die Theater/Comedy-Nacherzählungen nur zu „überfliegen“, und war froh, als ich das Ende gelesen habe, dass ich persönlich eher enttäuschend fand, aber dennoch zu der Geschichte, den Personen und dem Erlebten passte. Insgesamt war diese Geschichte leider nichts für mich.

Das Buch erschien am 7. April 2014

Link zum Buch/Verlag: https://www.dtv.de/buch/chris-cleave-die-liebe-in-diesen-zeiten-26140/

 

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