Paige, Danielle – Snow Bd. 1 / Die Prophezeiung von Feuer und Eis

Paige, Danielle
Snow Bd. 1
Die Prophezeiung von Feuer und Eis
978-3-522-20237-4
Thienemann

Inhalt:

Algid, ein Reich aus Eis und Schnee, ist Snows wahres Zuhause. Hier soll sie ihre eigentliche Bestimmung annehmen und das Land aus den frostigen Ketten König Lazars befreien. Snow, jahrelang in der Menschenwelt festgehalten, fällt es schwer, ihren Auftrag und ihre magischen Fähigkeiten zu akzeptieren. Durch Jagger und Kai, die sich beide um sie bemühen, erfährt sie die Geheimnisse von Algid und seinen Bewohnern. Doch Snows Herz gehört eigentlich schon Bale – dem sie ihre Flucht verdankt und den sie jetzt verzweifelt sucht … (Quelle Thienemann Verlag)

Meine Meinung/Zusammenfassung:

Mit dem Cover und dem Titel machte das Buch mich auf sich aufmerksam. Ich finde das Cover wunderschön. Wenn man es in den Händen hält, changieren die Farben ein wenig und man kann die Federn besser erkennen. Der Titel „Snow“ machte mich neugierig auf ein Fantasy-Abenteuer in Eis und Schnee, und mit einem brennendem Love-Interest.

Der Anfang war sehr vielsprechend. Die Hauptprotagonistin heißt tatsächlich Snow und wurde mit sechs Jahren von ihrer Mutter in eine Nervenheilanstalt, die einfach nur „Whittaker“ genannt wird, gesteckt. Dort lebt sie mit anderen merkwürdigen Kindern zusammen, bis sie 15 Jahre alt ist.

Snow hat blaue Augen, weißes/graues/aschblondes Haar und Narben auf ihrem Körper. Später in Algid stellt sich heraus, dass diese Narben eine Landkarte sind. In Whittaker hat sie sich in ihren Freund Bale verliebt, der schon genau so lange wie sie in der Anstalt ist. Als die beiden sich küssen, passiert etwas. Bale hält Snows Hand so fest, das zwei Knochen brechen, und kurze Zeit später verschwindet er spurlos. Snow ist untröstlich, und macht sich auf die Suche nach ihm.

Sie erhält unerwartete Hilfe von einem sehr gutaussehenden Jungen, der ihr den Weg in eine andere Welt zeigt. Zuerst will sie diesen Weg nicht gehen, aber schließlich wird ihre Verzweiflung, Bale zu finden, zu groß und sie macht sich auf den Weg.

Das fast schon dystopische Setting in der Nervenheilanstalt Whittaker hat mit gut gefallen. Es ist ein Hochsicherheitstrakt, in dem die verschiedensten psychologischen Auffälligkeiten mit Medikamenten behandelt werden. Die Charaktere der Insassen waren spannend beschrieben und lassen einen auf „mehr“ erhoffen bzw. man ahnt vielleicht schon, dass sie noch eine Rolle spielen könnten:

Wing: Denkt, dass sie fliegen kann und springt von jeder hohen Gelegenheit herunter

Chord: Denkt, dass er durch blinzeln Zeitreisen unternehmen kann

Magpie: Ist eine Diebin, wie der Name (Elster) schon verrät

Bale: Spielt mit dem Feuer, ist ein Feuerteufel der alles in Brand setzt

Snow: Ist durch einen Spiegel gegangen und hat sich schlimme Verletzungen zugezogen

 

Ich habe die Namen hier mal aufgelistet, weil ich denke, dass Wing und Chord noch eine Rolle spielen könnten. Hier im ersten Band erfährt man dann später, als Snow bei der Räuberbande ist, dass Magpie eine von den ihren war. Warum sie in die reale Welt und ausgerechnet ins Whittaker kam, wird nicht aufgeklärt.

Diese Gemeinschaft der sonderbaren Jugendlichen war schnell und nachvollziehbar zu erfassen und viele der Charaktere waren mit ihren „Krankheiten“ dennoch sympathisch. Diese kleine merkwürdige Gruppe bildete schon auf ihre Art eine Gemeinschaft.  Ich dachte mir, vielleicht sind viele gar nicht so „irre“ wie man meint, und ihre wahren Begabungen kommen im Verlauf der Geschichte noch ans Licht, in dem sie Snow mit ihren magischen Kräften unterstützen.

Der weitere Verlauf zog sich dann aber. Die erste „Station“ von Snow bei der Flusshexe Nepenthe war ja noch interessant lesbar, denn eine Person die aus Wasser besteht – diese Beschreibung war mal etwas ganz neues und sehr faszinierend. Hier lernt sie auch ihre ersten Freunde oder Unterstützer kennen: Kai und Gerde. Gerde ist auch mit magischen Kräften ausgestattet, sie kann mit Tieren und Pflanzen sprechen und zudem ist sie eine Gestaltwandlerin. Kai ist das genaue Gegenteil, ein Architekt, der auf jegliche Magie verzichten will. Hier lernt Snow ihre ersten magischen Kräfte kennen, dafür muss sie aber auch der Flusshexe etwas versprechen.

Die zweite Station, nachdem sie geflüchtet ist, ist eine Art Räuberschloss. Hier regiert Königin Margot, eine Räuberfrau. Es gibt etliche Mädchen und nur einen Jungen, Jagger. Jagger ist ebenfalls ein durchtrainierter gutaussehender Junge. Die Räuber bringen Snow ebenfalls einiges von ihrer Magie bei, aber auch hier muss sie versprechen, zu helfen.

Dass die Kleider bei den Räubern aus Federn bestehen, ist zwar ein toller Effekt, aber damit passiert dann nicht wirklich etwas. Außer dass Snow für eine Mutprobe von einer hohen Mauer springt und aus dem Kleid plötzlich Flügel wachsen, so dass sie sanft landet. Fliegen in dem Sinn funktioniert aber anscheinend nicht, denn sonst hätten sie sich wohl manche Wege sparen können.

Snow erinnerte mich stellenweise an Meghan aus „Plötzlich Fee“. Meghan kommt in eine für sie neue Welt und muss etlichen magischen Geschöpfen ein Versprechen geben. Das erscheint ihr nicht so tragisch, und genau so denkt Snow hier. Aber die Versprechen werden irgendwann eingefordert, und meistens ist es so, dass es keine angenehmen Handlungen sind, die man dann tun muss, um sein Wort zu halten. Deswegen war ich auch gespannt, was wohl die Flusshexe und Margot später wohl von Snow fordern werden. Aber es war schon unglaubwürdig, wie schnell sich Snow auf solche Versprechen einlässt, ohne zu zögern oder nachzufragen, was überhaupt gefordert werden könnte. Ich könnte ja verstehen, wenn sie es für Bale tun würde, aber sie wendet sich ohne gefühlte Vorgeschichte zwei anderen Jungs zu, und da fragte ich mich schon, was das soll, wo sie doch Bale angeblich so liebt.

Überhaupt tappt sie völlig egoistisch durch diese neue Welt. Okay, sie weiß ja noch nichts, und so dauert es, bis sie von der Prophezeiung erfährt: Alles dreht sich um Snows Vater, der Algid, so heißt diese andere Welt, mit Frost und Eis überzogen hat. Er ist ein böser Tyrann und muss getötet werden. Und das muss Snow tun! Laut der Prophezeiung gibt es mehrere Personen, die ihr Leben beeinflussen werden:

 

Zitat Seite 159:

„Der Liebhaber

Der Dieb

Der Denker

Der König

Die Krone

Der Joker“

 

Was es genau damit auf sich hat, weiß man nicht. Ich könnte vermuten dass Bale der Liebhaber ist, allerdings ohne wirklich als solcher in „Aktion“ getreten zu sein, und überhaupt, liest sich Liebhaber hier ein wenig zu übertrieben. Der Dieb, damit kann nur Jagger von der Räuberbande gemeint sein. Der Denker, das ist sicherlich Kai, der Architekt, der versucht jegliche Magie zu vermieden. Der König ist Königs Lazar, Snows Vater. Tja, die Krone und der Joker werden im ersten Band noch nicht ganz geklärt, obwohl der Joker vielleicht die Zwillingsschwester von Snow sein könnte?

Als ihr Vater dann auftaucht, es zu einem Kampf kommt und Snow ihn töten könnte, zögert sie, bringt es nicht über sich. Ein Fehler … denn nicht nur Räuberkönigin Margot wird getötet, sondern Snow muss völlig verzweifelt feststellen, dass ihre Mutter, die sie über alles geliebt hat, genau so böse ist und mit ihrem Vater, Königs Lazar nur auf diesen Moment gewartet hat. Beide wollen sich Snows Kräfte, aneignen.

Das Setting in Algid wollte sich mir nicht so recht erschließen. Mal blaue, mal rote Riesenbäume im Hintergrund  vor weißen Schnee. Alte Häuser, verglaste Architekten-Häuser die sich verbiegen können, ein Hausboot auf dem Fluss, die Räuberfestung die gut getarnt ist. Gefährliche Tiere aus Stahl und Eis erinnerten mich an die Eisbären aus dem Film „Der goldene Kompass“ oder an eine Mischung aus Mutanten aus dem ersten Teil der „Tribute von Panem“ Filme.

Der „Vollstrecker“, eine Art unmenschliches Wesen erinnert mich an das Eisenpferd von „Plötzlich Fee“. Unverletzlich, böse und dann auf einmal ein Verbündeter. Ich hatte schon fast von Anfang richtig vermutet, dass Bale etwas mit diesem Vollstrecker zu tun hat. Denn er tötet Snow nicht wie befohlen.

Die Charaktere bleiben leider alle sehr flach, selbst Snow, die ja Hauptprotagonistin ist. Sie wirkt oft deplatziert.

Das Love-Interest hatte ich mir anders vorgestellt. Zum einen konnte ich diese angebliche Liebe die Snow gegenüber von Bale empfindet nicht nachvollziehen. Zwar haben sie lange Jahre zusammen in der Nervenheilanstalt verbracht, deswegen kann ich ihre Freundschaft gut nachvollziehen, aber wie daraus jetzt so schnell eine große Liebe wurde, von nur diesem einen Kuss, ist mir nicht eingängig genug. Dazu kommt das weitere Verhalten von Snow. Sie verliebt sich praktisch in alle Jungs, die im ersten Band vorkommen. Da wäre erst mal Kai, der Architekt, der aber nichts von ihr wissen will, aber beide küssen sich. Wie es dazu kam, war überhaupt nicht emotional nachvollziehbar beschrieben. Es geht auch nicht gut aus, denn Snow friert Kai fast ein. Zum zweiten wäre da Jagger, der sie nach Algid geholt hat. Hier hat Snow auf einmal Empfindungen für ihn, die aber auch wie aus dem heiteren Himmel kamen. Sie würde ihn gerne küssen, hat aber Angst, dass sie ihn vereisen würde. Und zwischen diesen zwei Jungs jammert sie immer wieder nach Bale, der, wie sie herausgefunden hat, angeblich im Kerker des Palastes von König Lazar, ihrem Vater, gefangen gehalten wird. Das passt so gar nicht zusammen.

Das letzte Drittel habe ich nur noch überflogen. Es gibt überaschende Wendungen, so zum Beispiel dass Snow eine Zwillingsschwester hat, dass Bale irgendwie mit dem Vollstrecker zusammenhängt und dass ihre Mutter auf der bösen Seite mit König Lazar steht. Diese Neuigkeiten brachten mich nicht dazu, noch den nächsten Band lesen zu wollen. Dennoch habe ich eine Anfrage an den Verlag gestellt, und bekam die Nachricht, dass Band 2 zwar auf dem amerikanischen Markt erschienen ist, aber nicht vom Thienemann-Esslinger Verlag herausgegeben wird. Ob ein anderer Verlag die Übersetzungsrechte kaufen wird, ist in meinen Augen fraglich.

Fazit:

Die Geschichte lässt sich einfach lesen, und vor allem der Anfang mit dieser sonderbaren Gemeinschaft in der Whittaker-Psychiatrie war sehr spannend beschrieben. Aber danach, als Snow in der anderen Welt, genannt Algid, auftaucht, flaut die Geschichte ab. Ich kann nicht so genau sagen, woran es gelegen hat. An Ideen hat es nicht gemangelt, aber irgendwie war es nicht so fesselnd beschrieben. Vielleicht fehlte mir auch der Zugang in die Welt, in der die Bäume blau oder rot sind und eine Mischung aus Moderne, Mittelalter und Magie herrscht.

Auch die Charaktere blieben flach. Vor allem was das Love-Interest betraf, blieb das Herz-Schmerz-Szenario vollkommen aus. Im Gegenteil. Es war schon nervig, wie Snow wegen ihrem geliebten Bale herum jammerte, dann aber ohne erkennbare vorherige emotionale Verwicklungen sich sowohl in Kai als auch in Jagger verliebt. Man liest es, aber man kann es nicht fühlen. Und so fühlt es sich nur seltsam an. Das einzige was ich sagen kann, dass vielleicht die Zielgruppe dieses Buches, jedenfalls die jüngeren, die Geschichte so in Ordnung finden werden. Aber die 16-Jährigen bestimmt nicht, und genau in dem Alter sind ja Snow (15 Jahre) und Bale (16 Jahre).

Ich merkte schon, dass ich mittig des Buches die Lust am Lesen verlor. Trotz magischer Flüssigkeiten in kleinen Phiolen die allerhand bewirken können, trotz der optischen Darstellung der Flusshexe, es fehlte einfach das Herzblut bei dieser Geschichte. Das letzte Drittel habe ich dann nur noch überflogen. Am Schluss folgt dann eine Wendung und Überraschung auf die nächste, aber das konnte mich dann auch nicht mehr fesseln.

Alles in allem: Leider vermochte mich Algid, diese magische und vereiste Welt, trotz neuer Ideen nicht überzeugen. Auch die Charaktere waren nicht überzeugend und es fehlte an Emotion und Herzblut. Ich werde die Trilogie nicht weiterlesen.

Sterne: Ich vergebe nur zwei von fünf Sternen, weil mich hauptsächlich die Charaktere und das Love-Interest nicht überzeugen könnten. Es fehlten die Emotionen, das Bauchgribbeln, die Verliebtheit, um die Anziehungskräfte zwischen Snow und den drei (!!!) Jungs plausibel zu machen. Man liest darüber, aber man fühlt es nicht. Auch die Küsse sind seltsam leer. Dann kommt noch dazu, dass mich diese andere Welt, also Algid, trotz neuer Ideen und Kräfte nicht überzeugen konnte. Das Buch lässt sich flüssig und leicht lesen, aber mir fehlte einfach das Herzblut. Es mag aber sein, dass zumindest die Jüngeren der Zielgruppe der 12-16 Jährigen Gefallen an der Geschichte finden werden. Ich werde jedenfalls nicht weiterlesen, wie es weitergeht.

Das Buch erschien am 19. September 2017

Link zum Buch/Verlag mit Leseprobe: https://www.thienemann-esslinger.de/thienemann/buecher/buchdetailseite/snow-isbn-978-3-522-20237-4/

Snow-Reihe:

Band 1 – Snow / Die Prophezeiung von Feuer und Eis

Band 2 – Snow : Ist im amerikanischen erschienen, wird aber nicht vom Thienemann-Esslinger Verlag veröffentlich werden.

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