Poznanski, Ursula – Schatten (Band 4- Kommissarin Beatrice Kaspary)

Ursula Poznanski
Schatten
Band 4- Kommissarin Beatrice Kaspary
978-3-8052-5063-4
Wunderlich/Rowohlt

Inhalt:

Der vierte Fall für das Salzburger Ermittlerduo Beatrice Kaspary und Florin Wenninger: Anspruchsvolle Thrillerkost auf höchstem Niveau. Eine Entführung. Drei Morde. Und ein Täter aus der Vergangenheit… Ein Mann, grausam zugerichtet in seiner Wohnung. Eine Hebamme, ertränkt in einem Bach – zwei Fälle, die Beatrice Kaspary als Ermittlerin im Dezernat Leib und Leben der Polizei Salzburg lösen muss. Schnell erkennt Beatrice, dass die beiden Morde zusammenhängen – und dass sie etwas mit ihr zu tun haben müssen. Denn sie kannte beide Toten. Sie konnte sie nicht leiden. Und sie weiß: Wenn sie nicht handelt, wird es weitere Opfer geben. (Quelle Wunderlich)

Meine Meinung:

Bei dieser Reihe mit den Ermittlern Beatrice Kaspary und Florin Wenninger war ich von Anfang an, ab Band 1, dabei. Mir hat die starke und doch auch mit normalen Schwächen ausgestattete Beatrice Kaspary gut gefallen. Sie ist Kommissarin bei der Kripo, und muss sich oft durchkämpfen. Zudem lebt sie getrennt, und muss mit ihrem Ex-Mann zurechtkommen, einem hochgradigen A…! Irgendwie hatte ich seit dem letzten Band auf eine Besserung seines Verhaltens gehofft, aber hier macht er wieder alles zunichte. Er ist einer dieser Männer, die nicht verwinden können, dass seine Frau erfolgreicher ist. Er macht Beatrice das Leben zur Hölle, denn sie muss gute Miene zum bösen Spiel machen, immerhin haben sie zwei Kinder. Und auch hier ist sich der Vater nicht zu schade, anzusetzen, und versucht zumindest die Tochter auf seine Seite zu ziehen. Er geht dabei subtil zu Werke, und Beatrice hat wirklich innere Kämpfe auszufechten.

So beginnt die Geschichte mit einem aufgesetzt empörten Anruf ihres Exmannes und mit wieder mal dummen Beschuldigungen. Beatrice atmet tief durch, sie kennt es nicht anders von ihm. Dennoch, sie ist gerade bei ihrem Kollegen Florin, die beiden sind erst seit vier Monaten zusammen. Ihr Ex-Mann Achim weiß das nicht, und Florin, der die Beziehung gerne öffentlich machen will, setzt, obwohl er verständnisvoll ist, unbewusst Beatrice unter Druck. Diese hat Angst, dass ihr Ex-Mann Achim ihr noch weitere Steine in den Weg legen wird. Außerdem ist ihre Tochter gerade in einer schwierigen Phase.

Diese Probleme sind, wie ich finde, sehr authentisch geschildert. Mir tat Beatrice leid, denn sie kann wirklich nichts machen, ohne dass es auf die Kinder zurückfällt. Florin versteht das noch nicht richtig, aber er hatte ja auch bisher nur sporadisch Kontakt mit Beatrice Ex-Mann Achim. Auch die Problematik, berufstätig zu sein und für zwei Kinder da sein zu müssen, ist lebensnah geschildert.

Schnell sind diese Grübeleien von Beatrice  jedoch vergessen, denn mit rasenden Schritten ereignen sich zwei Morde, bei denen Beatrice sehr ins zweifeln kommt. Sie hat beide Opfer gekannt und nicht gemocht. Aber das ist doch kein Mordmotiv? Und wenn doch, von wem? Sie findet beim ersten Opfer zwei Hinweise auf ihre Studienzeit, als ihre Freundin Evelyn ermordet wurde. Sie macht sich seit damals Vorwürfe, es ist eine Wunde, die sich noch nicht geschlossen hat und nun wieder aufbricht. Sie ermittelt heimlich in diese Richtung, ahnt, dass sie sich in etwas verrennt und kann dennoch nicht stoppen. Sie lässt sich Evelyns Tagebuch von deren Mutter geben und ordert die Polizeiakten aus Wien. Schließlich muss sie ihren Teampartner Florin einweihen, der Verständnis hat, aber nicht begeistert ist. Es kommt zu einem weiteren Mord, einer aus ihren Reihen, der Leiter der Mordkommission Hoffmann wird ermordet. Auch wieder jemand, den Beatrice nicht leiden konnte. Aber bevor sie zum Tatort kommt, wird sie überwältig und erwacht in einer Lagerhalle.

Sie wurde entführt und der Entführer, der ihr nur einen Laptop mit einem Chat als Kommunikationsmittel lässt, spielt psychologische Spielchen mit Beatrice. Während dessen ist Florin fast am durchdrehen, er macht sich große Sorgen um Beatrice. Ich dachte, mittlerweile haben es auch viele im Team geahnt, dass beide ein Paar sind.

Am Schluss muss Beatrice eine Entscheidung treffen, die das Leben ihres Ex-Mannes aufs Spiel setzt. Verdammt gemein, kann man sagen.

Ich kann sagen, dass ich mit Beatrice Ex-Mann Achim kein Mitleid hatte. Dafür hat er ihr täglich das Leben zur Hölle gemacht. Aber, wenn Kinder im Spiel sind, darf man nicht nur an sich selber denken. Ist leider so. Auch Florin muss sich nun ungewollterweise mit Achim beschäftigen, und das reicht ihm völlig, um Beatrice Reaktionen nachträglich zu verstehen. Sie hat ihm nicht alles erzählt, was sie in ihrem täglichen Kampf mit Achim erleiden muss, aber Florin kann jetzt einiges viel besser nachvollziehen. Mit Achim lässt sich nicht vernünftig sprechen. Am Schluss ist ja noch nicht ganz raus, ob Achim überleben wird und wenn ja, wie. Ich hoffe nicht, dass Beatrice ihn aus Schuldgefühlen pflegen wird! Das wird auf alle Fälle spannend werden. Ich könnte mir eher vorstellen, dass es noch schlimmer mit ihm wird.

Übertrieben kam mir allerdings vor, dass Florin sich um die Kinder von Beatrice kümmern wollte, als sie entführt wurde. Die Grund-Motivation kann ich schon verstehen, er tat es Beatrice zu Liebe, aber im Endeffekt kann er ja nicht zwei fremde Kinder bei sich zu Hause aufnehmen. Aber ich konnte auch nicht verstehen, warum die Großmutter die Kinder nicht zu sich holte, wie sonst auch. Sie waren ja immerhin den ganzen Tag in der Schule. Klar, die Mutter von Beatrice war am Boden zerstört, wegen der Entführung, aber dennoch. Beatrice Bruder war ja auch noch da, und da wäre es auf zwei Kinder mehr oder weniger nicht angekommen. Es ist ja ein Ausnahme-Notfall. Deswegen erschien mir das ganze etwas konstruiert, damit Florin ein Vertrauensverhältnis zu den beiden aufbauen konnte.

Bereits vor der ersten Hälfte des Buches hatte ich einen Verdacht, wer der Mörder sein konnte. Denn er wusste wirklich sehr viele Einzelheiten über Beatrice und ihr Leben. Soviel kann man nicht wissen, wenn man nicht Zugang zu bestimmten Unterlagen hat. Deswegen hatte ich diese Person schon sehr früh im Visier, und der Verdacht hat sich am Schluss auch bestätigt.

 

Fazit:

Ich lese die Krimi-Reihe um Kommissarin Beatrice Kaspary recht gerne. Das besondere ist, das Beatrice getrennt von ihrem Mann ist, und zeigt, was sich eine getrennte, berufstätige Frau von ihrem Ex-Mann gefallen lassen muss. Denn Beatrice hält still, was ungewöhnlich für sie ist. Aber sie kennt ihren Ex-Mann, will nicht, dass die Sache eskaliert, damit er die Kinder nicht gegen sie aufbringt. Denn das kann man Beatrices Ex-Mann zutrauen. Er macht sie weiterhin schlecht, und das alles, wo sie froh ist, ihren normalen Alltag geregelt zu kriegen. Denn die Arbeitszeiten bei der Kripo sind alles andere als regelmäßig, und gerade jetzt, wo zwei Morde passiert sind, muss sie die Kinder wieder zu ihrer Mutter geben. Ein gefundenes Fressen für ihren Ex-Mann Achim. Diese Probleme, die wie ich finde, sehr authentisch erzählt sind, machen Beatrice zu einer glaubwürdig agierenden Protagonistin.

Dazu kommt das kleine Love-Interest zwischen Beatrice und ihrem Team-Partner Florin Wenninger. Dieses steht dezent im Hintergrund, aber Florin will die Beziehung jetzt öffentlich machen, will sich  nicht mehr verstecken. Für Beatrice gerade in einer unguten Phase wegen ihres Ex-Mannes und ihrer Tochter. Auch Beatrices zögern konnte ich voll verstehen.

Also, Beatrice hat mal wieder an allen Fronten zu kämpfen. Privat mit ihren Ex-Mann, privat mit Florin der sich nicht mehr verstecken will, privat mit den Kindern die von ihrem Ex-Mann aufgehetzt werden, privat mit ihrer Vergangenheit aus der Studienzeit, und dazu noch beruflich zwei seltsame Morde.

Mit hat die Geschichte wegen vor allem wegen Beatrice gut gefallen, aber auch die polizeiliche Ermittlungsarbeit und der Fall an sich lässt sich flüssig lesen. Am Schluss dachte ich nicht, dass es tatsächlich so weit kommen würde, wie der Entführer angekündigt hat, und deswegen bin ich auf den nächsten Band sehr gespannt. Vielleicht, so hoffe ich, gibt es für Beatrice im privaten eine Entspannungsphase.

Alles in allem: Auch wenn einiges vielleicht konstruiert wirkte, habe ich den Krimi gerne gelesen und bin schon sehr gespannt auf den nächsten Band.

Das Buch erschien am 10. März 2017

Link zum Buch/Verlag mit Leseprobe: https://www.rowohlt.de/hardcover/ursula-poznanski-schatten.html

Reihenfolge Kommissarin Beatrice Kaspary
Band 1 Fünf
Band 2 Blinde Vögel
Band 3 Stimmen
Band 4 Schatten

 

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