Murphy, Julie – Dumplin (Go big or go home)

Murphy, Julie
Dumplin -Go big or go home
978-3-8414-2242-2
FJB

Inhalt:

Willowdean – „16, Dolly-Parton-Verehrerin und die Dicke vom Dienst“ – wird von ihrer Mutter immer nur Dumplin‘ genannt. Bisher hat sie sich in ihrem Körper eigentlich immer wohl gefühlt. Sie ist eben dick – na und? Mit ihrer besten Freundin Ellen an ihrer Seite ist das sowieso total egal. Doch dann lernt sie den sportlichen und unfassbar attraktiven Bo kennen. Kein Wunder, dass sie sich hoffnungslos in ihn verknallt – dass er sie allerdings aus heiterem Himmel küsst, verunsichert sie völlig. Plötzlich macht es ihr doch etwas aus, nicht schlank zu sein. Um ihre Selbstzweifel in den Griff zu bekommen, beschließt Will, sich der furchteinflößendsten Herausforderung in ganz Clover City zu stellen: Sie will am „Miss Teen Blue Bonnet“-Schönheitswettbewerb teilnehmen und allen – vor allem sich selbst – beweisen, dass die Kleidergröße für das ganz große Glück überhaupt keine Rolle spielt. (Quelle Fischer Verlage/FJB)

Meine Meinung/Zusammenfassung:

Im Moment ist diese Geschichte in aller Munde weil – verfilmt für Netflix mit Jennifer Aniston! Leider leider habe ich kein Netflix und ich hätte mir, wenn schon, das ganze als Kinofilm verfilmt gewünscht.

Das Buch habe ich während der Sommermonate dieses Jahr (2018) gelesen. Bereits vorher habe ich ungeduldig darauf gewartet, weil sich die Inhaltsangabe spannend anhörte und auch das Cover schon ein Hingucker ist.

Dumplin heißt mit richtigen Namen Willowdean, wird aber von ihrer Mutter aufgrund ihres Übergewichtes „Dumplin“ (=Knödel) genannt. Die Mutter meint es natürlich nicht böse, es ist einfach ein verniedlichter Kindername, der an Willowdean hängen geblieben ist. Nicht leichter wird es für Dumplin, dass ihre Mutter damals Schönheitskönigin von Clover City wurde, und Schönheitsköniginnen sind in Texas eine große Sache.

Die erste Seite des Buches fand ich schwierig zu verstehen, aber meine Unklarheiten wurden schnell beseitigt. Nach und nach kommt heraus, dass Dumplins Tante Lucy gestorben ist. Alle drei, Dumplin, ihre Mutter und deren Schwester haben in einem Haus gewohnt. Und Tante Lucy, 225kg schwer, ist an ihrem Übergewicht gestorben. Dumplin hat ihre Tante Lucy sehr geliebt, und sie trauert noch sehr um sie.

Zitat von Tante Lucy, Seite 35: „Ich habe Jahre meines Lebens vergeudet. Ich habe zu viel darüber nachgedacht, was andere Leute sagen oder denken. Manchmal ging es nur um alberne Kleinigkeiten, einkaufen oder zur Post gehen. Aber es gab auch besondere Situationen, wo ich mich tatsächlich selbst davon abhielt, etwas ganz besonderes zu tun. Ich habe so viel Zeit damit verschwendet, damit du es nicht mehr tun musst“

Dumplin selber ist auch übergewichtig, aber im Buch wird keine Kilozahl genannt, nur, dass sie gerne 50kg weniger hätte. Dumplin gelingt es weitgehend, die „Klippen des Alltags“ zu umschiffen, auch dank ihrer langjährigen Freundin Ellen. Dennoch ist Dumplin nicht sehr selbstbewusst, übergewichtige junge Frauen werden sich gut in sie hineinversetzen können. Aber einen Lichtblick gibt es immer, egal wie grässlich ich den auch finde: Jemand anderes ist immer noch dicker, noch … So denkt Dumplin ganz unsympathisch über Millie, die noch „fetter“ ist als sie selber. Dumplin meint, Millie beschützen zu müssen, sie macht das aus einer Mitleids-Situation heraus, was mir nicht so gefallen hat. In der Geschichte fällt dies auch Hannah mit dem Pferdegebiss auf. Sie vergleicht die Situation von den drei Außenseitern und Dumplin mit „Unter Blinden ist der einäugige König“, und mit dem Einäugigen meint sie dann Dumplin, der Rest, Hannah, Millie und Amanda sind die „Blinden“.

Allerdings erscheint mir, das die „noch fettere“ Millie besser für sich einstehen kann als Dumplin. Millie beweist dies, als sie in einen Cafe/Restaurant einen Stuhl anfordert, weil die Sitzecke zu eng ist. Dumplin ist erstaunt, denn sie weiß, das hätte ihre Tante Lucy niemals gemacht, Tante Lucy wäre einfach nicht in dieses Cafe/Restaurant gegangen.

Also, Dumplin fühlt sich ganz klein und bezieht alles auf ihr Übergewicht. Alles was ihr passiert, klar, ist das Übergewicht Schuld. Menschen, die nicht übergewichtig sind, können dies wahrscheinlich nicht verstehen. Hier ein Vergleich, ein Versuch:

Zitat Seite 42: „Wie wenn man einen Pickel hat und glaubt, dass alle anderen nur noch den Pickel sehen, wenn sie einen anschauen.“

Genau so geht Dumplin mit ihrem Übergewicht, und genau wegen diesem Bewusstsein und der Überempfindlichkeit die daraus hervorgeht, endet die Freundschaft mit Ellen aus einem eigentlich nichtigen Grund.

Aber zwischendurch passiert noch etwas ganz Entscheidendes. Dumplin wird von einem gutaussehenden Jungen geküsst, der bei ihr in einem Schnell-Restaurant arbeitet. Sie ist schon längere Zeit in Bo verliebt, aber traut sich nicht, ihn anzusprechen. Bo macht den ersten Schritt und zwei Monate lang sind die beiden ganz verliebt, aber, und das ist das fatale, heimlich. Denn dadurch denkt Dumplin, dass es nur ein „Witz“ ist, das Bo sich nicht mit ihr zeigen will, es nicht ernst meint. Als herauskommt, dass Bo nach den Sommerferien an ihre Schule kommt, und er ihr davon nichts davon erzählt hat, fühlt sich Dumplin verraten und macht Schluss.

Der Leser weiß, dass sie Bo immer noch liebt und Bo lässt Gott-sei-Dank nicht locker. Aber Dumplin ist wegen ihres Übergewichtes von großen Selbstzweifeln geplagt, sie hat Angst, etwas zu riskieren.

Zitat Seite 330/331: „ Ich kapier einfach nicht, warum er mich mag, aber ich glaube, es ist einfach so. Wirklich. Ich glaube nur nicht, dass andere verstehen werden, was er in mir sieht. … Ich wünschte, es gäbe irgendeine andere Ebene, auf der wir existieren und wo wir ein Paar sein könnten.“

Zitat Seite 335: „Ich habe kein Kleid. Einen Nicht-ganz-vielleicht-Freund, mit dem ich mich nicht in der Öffentlichkeit zeigen kann, weil ich mich abstoßend fühle, wenn ich an uns beide nebeneinander denke.“

Im neuen Schuljahr kommen dann ein paar Sachen ins Rollen. Zum einen wird Dumplin von einem alten Klassenkameraden angesprochen. Mitch ist mittlerweile sehr beliebt an der Schule, er ist ein herausragender Sportler, ohne aber wirklich mit dem Herzen dabei zu sein. Ich fand, dass Dumplin seine Gutmütigkeit ausnutzte, denn sie war nicht ihn verliebt. Ich finde, Mitch hätte eine richtige Erklärung und Entschuldigung verdient. So blieb bei mir das Gefühl zurück, dass Dumplin ihn einfach abserviert hat.

Das wichtigste was passiert ist aber, dass Dumplin sich in einer Art Rebellion und als Andenken an Tante Lucy völlig sinnfrei bei diesem Schönheitswettbewerb anmeldet, obwohl sie weiß, dass sie keine Chance hat. Damit wird sie bei den Außenseitern zu einer Ikone, und noch drei weitere Mädchen, auch Millie, melden sich an. Eine kleine Hilfe bekommen die Mädels von unerwarteter Seite.

Präsent während der ganzen Geschichte ist die Sängerin Dolly Parton. Dumplin mag ihre Musik genau wie Tante Lucy Dolly Parton mochte. Eine Erinnerung dazu war, dass Tante Lucy mit ihrer Freundin auf ein Konzert von Dolly Parton fliegen wollte, aber Lucy zu dick für einen Sitz im Flugzeug war. Sie hätte einen Platz dazu buchen sollen, was sie aber nicht wollte. Das starke daran war, dass ihre beste Freundin zu ihr stand und auch nicht alleine zu diesem Konzert flog.

Das letzte Drittel hat verschiedene Spannungsbögen, auf die ich als Leser ganz neugierig war. Wann würde herauskommen, dass Dumplin mit Mitch und mit Bo ausgeht? Wann oder ob würde sich Dumplin wieder mit Ellen verstehen? Wie wird der Schönheitsball enden?

Den Schluss finde ich sehr gut gelöst. Ich denke, alle können zufrieden sein.

 

Fazit:

Dumplin ist die Jeanne d‘Arc der Übergewichtigen. So wird sie im Buch genannt. Dumplin bedeutet Knödel und so kann sich jeder denken, dass Dumplin übergewichtig ist. Eine Kilozahl wird im Buch nicht genannt, wohl aber, dass sie gerne 50kg weniger hätte. Ich finde, dass sie keine Jeanne d’Arc ist, denn sie wurschtelt sich durch ihr Teenagerleben, den Alltag und die Highschool mit all seinen Fallstricken für Übergewichtige. Ein Vorbild finde ich sie auch nicht. Sie ist wie sie ist, mit all ihren Ängsten und Problemen, halt ein normaler übergewichtiger Teenager.

Die Geschichte lässt sich flüssig und unterhaltsam lesen. Es ist eine Teenager-Highschool-Geschichte über erste Liebe, erste Küsse, ersten Sex, und das alles mit zusätzlichen Zweifeln an sich selber. Es spielt eigentlich keine Rolle, was es ist, Übergewicht, vorstehende Zähne, ein Klumpfuss, viele die anders sind und aus der Reihe fallen werden sich erkennen. Eine Geschichte über Mobbing, über Selbstbewusstsein, sich unwohl fühlen, sich beobachtet wissen, anders sein. Das war manchmal auch ein wenig schmerzhaft zu lesen und erinnert mich an die Geschichte von Jennifer Niven „Stell dir vor dass ich dich liebe“.

Aber das Leben ist mehr wert, als auf Übergewicht oder einen anderen angeblichen Makel „reduziert“ zu werden. Dumplin macht eine gute Entwicklung durch. Ihre Selbstzweifel wegen der Beziehung zu Bo sind sehr authentisch geschildet. Mit dem „Außenseiter-Club“ revolutionierten die Mädels ein klein wenig die Wahl zur Schönheitskönigin: Dies regt an, über das Schönheitsideal nachzudenken und sich nichts gefallen zu lassen. Selbstbewusst zu sein und sich selbst so mögen, wie man ist. Das ist die Botschaft der Geschichte.

Alles in allem: Eine kurzweilige Geschichte über eine verliebte übergewichtige Protagonisten mit ihrem Außenseiter-Fan-Club, die vielleicht zum nachdenken über die Schönheits-Ideale anregt.

Sterne: Ich vergebe spontan vier von fünf Sternen. Das liegt zum einen an dem Thema mit einer übergewichtigen Protagonistin und einem süßen Love-Interest an einer Highschool. Zudem kommen weitere Außenseiter mit ihren vermeintlichen Makeln dazu. Alle vier sind von Selbstzweifeln geplagt und wissen wie es ist, gemobbt und gehänselt zu werden. Und alle sind stark genug, um bei einem Schönheitswettbewerb mitzumachen, den sie nicht gewinnen können. Dennoch stellen sie sich der Herausforderung. Auch wie Dumplin sich dieser ersten Liebe stellt, ist sehr authentisch beschrieben. Diese Geschichte würde ich gerne verfilmt sehen.

Das Buch erschien am 21. März 2018

Link zum Buch/Verlag mit Leseprobe: https://www.fischerverlage.de/buch/julie_murphy_dumplin/9783841422422

 

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