Schätzing, Frank – Die Tyrannei des Schmetterlings

Schätzing, Frank
Die Tyrannei des Schmetterlings
978-3-462-05084-4
Kiepenheuer & Witsch

Inhalt:

Kalifornien, Sierra Nevada. Luther Opoku, Sheriff der verschlafenen Goldgräberregion Sierra in Kaliforniens Bergwelt, hat mit Kleindelikten, illegalem Drogenanbau und steter Personalknappheit zu kämpfen. Doch der Einsatz an diesem Morgen ändert alles. Eine Frau ist unter rätselhaften Umständen in eine Schlucht gestürzt. Unfall? Mord? Die Ermittlungen führen Luther zu einer Forschungsanlage, einsam gelegen im Hochgebirge und betrieben von der mächtigen Nordvisk Inc., einem Hightech-Konzern des zweihundert Meilen entfernten Silicon Valley. Zusammen mit Deputy Sheriff Ruth Underwood gerät Luther bei den Ermittlungen in den Sog aberwitziger Ereignisse und beginnt schon bald an seinem Verstand zu zweifeln. Die Zeit selbst gerät aus den Fugen. Das Geheimnis im Berg führt ihn an die Grenzen des Vorstellbaren – und darüber hinaus. (Quelle Kiepenheuer & Witsch Verlag)

Meine Zusammenfassung/Meinung:

„Die Tyrannei des Schmetterlings“ beginnt genau so gruselig wie „Der Schwarm“. Die Bedrohung ist greifbar, dennoch subtil, denn als Leser weiß man nicht, was „ES“ ist, dass da die Menschen angreift, hier in diesen Fall eine Eliteeinheit in der afrikanischen Savanne. Alle kommen zu Tode.

Hängt dies etwas mit einem Mord in der Sierra Neveda in Kalifornien zusammen? Und wenn ja, wie? Luther und Ruth, zwei Deputys aus einem kleinen Ort rätseln über einen Todesfall in einer Schlucht.

Als Leser mochte ich Luther gleich gerne, da er sehr aufmerksam seine Umgebung beobachtet, jedes Detail registriert und alle Bäume, Sträucher und Blumen beim Namen zu nennen weiß.  Zudem wird die Natur in der Sierra Nevada durch seine Augen sehr authentisch beschrieben.

Ruth ist kein so zugänglicher Charakter, aber ich mochte an ihr sehr, wie loyal sie zu Luther in wirklich jeder Situation steht. Wie gut sie ihn kennt, und dass sie versucht, selbst das unglaubliche dass er erzählt, zu glauben. Später, nach dem Anfang, nach der Zeitreise.

Luther: Undersheriff/Deputy, 1,90m groß, sein Vater war aus Ghana, sehr besonnen und ruhig,

Ruth: Deputy, zwischen 40-50 Jahre alt, gestählt vom Leben, rotblonde Haare, durchtrainiert, lesbisch

Marianne Hatherley: Gerichtsmedizinerin, zwischen 60-70 Jahren alt, käsiger Teint, ihre Kleidung müffelt,

Elmar: Genialer Erfinder von Ares

Hugo van Dyke: Finanzier von Elmar und Ares

 

Der Anfang war in der Tat sehr vielversprechend. Gruselig war der Vorfall in Afrika, als eine komplette Eliteeinheit praktisch ausgelöscht wird. In der Sierra Nevada gab es auch einige beklemmende Situationen, wie zum Beispiel der Vorfall mit Mrs. Gruber. Da denkt man sogar schlimmes, selbst wenn nur ein Kind arglos mit dem Telefon spielt. Mrs. Grubers Enkel, das erfährt man aber erst später. Dem Autor gelingt es alltägliche Situationen subtil zu verändern so dass man etwas ganz anderes hinein interpretieren möchte.

Aber dennoch, man mag die Kleinstadt in der Sierra Nevada, in der das Leben relativ übersichtlich ist und jeder jeden kennt und die Gesetzeshüter wissen, wie sie die Menschen „anpacken“ müssen.

Also, man liest sich richtig gemütlich ein, sieht die großartige Landschaft vor den Augen und – plötzlich gerät die Welt aus den Fugen.

Mitten in der Ermittlung zu der Toten, als Luther das Firmengelände des Hightech-Unternehmens Nordvisk inspiziert, flüchtet ein Hauptverdächtiger und Luther setzt ihm nach. Mitten durch den Raum, die Brücke. Auf der anderen ist nichts mehr, wie es war.

Luther wurde sieben Jahre in die Zukunft katapultiert. Seine letzten sieben Jahre sind praktisch gelöscht. Denn jemand, der aussieht wie Luther, hat die letzten Jahre für ihn gelebt. Es dauert lange, bis Luther überhaupt weiß, was passiert ist. Bis er das akzeptieren kann. Dann liest es sich für einen Tag wie ein „Und täglich erwacht des Murmeltier“. Er landet genau einen Tag vorher, an dem das Mordopfer im Canyon entdeckt wurde und Ruth und er ermittelten. Denkt er. Aber es ist noch viel abstrakter. Seine Frau, die bei einem Unfall ums Leben kam lebt und seine Tochter lebt anstatt bei Luthers Mutter bei seiner Exfrau in Kanada. Und Luther sollte eigentlich in Urlaub sein. Er wird in viele Situationen geworfen, die er sich nicht erklären kann. Sein Haus ist zwar sein Haus, aber es wirkt, als hätte jemand anderes darin gewohnt. Fotos, Kleidung, überall minimale Veränderungen.

Das liest sich sehr spannend, denn wie kommt er aus der Geschichte wieder heraus? Die Wahrheit hilft nicht, im Gegenteil. Sie würden an seinem Verstand zweifeln, ihn für irre halten. Also versucht er sich anzupassen.

Und ich kann versprechen, es wird nicht weitergehen, wie wir es als Leser erwarten könnten. So bis ca. Seite 400 fand ich das ganze noch irgendwie gut lesbar, aber ab dann zieht sich die Geschichte. Weiterhin gibt es viele Details, viele Beschreibungen und Erklärungen, die ich irgendwann anfing nur noch zu „überfliegen“. Natürlich, diese neue Welt, die Zukunft und die Paralleluniversen wollten ja erklärt sein. Die Geschichte wurde für mich richtig beklemmend. Und alles dreht sich um Ares, die Künstliche Intelligenz, kurz KI genannt. Ein Quantencomputer.

Zitat Seite 148: „Als Bit haben Sie den Wert eins oder null. Ja oder nein. Entweder, oder. In einem Entweder-oder-System können Sie ebenso wenig zwei Wegen gleichzeitig folgen, wie Sie an einer Kreuzung gleichzeitig nach rechts und links gehen können, also gehen sie zuerst hierhin, dann dorthin. Optimierungsprobleme führen sie nun an Kreuzungen mit Millionen Richtungen. Selbst mit Lichtgeschwindigkeit würden Sie eine Ewigkeit brauchen, alle nacheinander abzuklappern. Was aber, wenn Sie eine andere Sorte Bit wären? Ein Q-Bit, dass zugleich eins und null sein kann, ein Sowohl-als-auch-System.

Des weiteren wird die DNA von Insekten umgeschrieben. Ihnen werden „Bauteile implantiert“, bereits im Larvenstadium. Sie werden mit Biobrennstoffzellen ausgestattet, die an den Stoffwechsel angeschlossen wird. So sind sie immer einsatzbereit. Es werden neue Zellen, künstliche DNAs mit jeder beliebigen Eigenschaft erschaffen. Eine Nanowelt. Tiere mit einem Speicherchip, genetisch modifizierte Insekten.

Dachte man Anfangs, es wird eine Mischung aus Thriller und Krimi, kommen in der zweiten Hälfte sehr viele actionreiche Handlungen dazu, die ich mir wie in einem Kinofilm vorstellen konnte: Flucht, Angriff, Kampf … Das ganze spielte sich dann in Paralleluniversen ab, und leider konnte mich die Welt in der Zukunft, dieses Science Fiction-Szenario, nicht wirklich „abholen“.

 

Fazit:

Dem Leser erschließt sich eine komplett neue Welt. Am Anfang, also so die ersten 400 Seiten war ich fasziniert, denn es zeigt zum Beispiel, wie die Roboter Einzug in unseren Alltag finden können bzw. schon stellenweise schon gefunden haben.

Ein genialer Programmierer will die Welt verbessern und optimieren. Dafür erfindet er eine künstliche Intelligenz, die alles Gute eines Menschen vereint. Sie steht für ein besseres Miteinander, für Ökologie etc. Die Idee ist faszinierend. Was die Menschen nicht denken können, soll eine Maschine übernehmen, die auf das Gute im Leben „beschränkt“ wird. Diese künstliche Intelligenz, kurz KI, wird Ares genannt.

Luther und Ruth als Hauptcharaktere sind in ihrer „ersten Version“ hervorragend beschrieben. Absolut authentisch. Es ist fast spannend, das Buch wie einen Krimi mit Zeitreisen, KI, bis zur Hälfte zu lesen. Ich als Leser mochte das Kleinstadt-Idyll und die wunderschöne Landschaft der Sierra Nevada.

Wenn man auch schon auf den ersten Seiten ahnt, dass das Böse in den Schatten lauert. Die subtile Beklemmung, das Gefühl einer Bedrohung steigert sich von Seite zu Seite und wird dann ab der Hälfte doch sehr abstrakt. Science Fiction, die ich in Worten nicht so richtig wiedergeben kann. Vielleicht Stichpunktartig: Zeitreisen, genetisch modifizierte Insekten, Biotechnologie, Robotik, Paralleluniversen (PU) …

Das hört sich sehr interessant an, hatte aber in der zweiten erhebliche Längen für mich. Viele technische Anlagen und Beschreibungen der Paralleluniversen zogen sich in die Länge. Sie waren sehr detailliert, aber ich hatte keine Motivation, dies in aller Ausführlichkeit zu lesen. Es langweilte mich, weil die Handlung in den Hintergrund trat. Mir ist schon klar, dass es natürlich für die Handlung wichtig ist, wie so eine neue Welt funktioniert.

Die letzten 200 der 726 Seiten habe ich nur noch überflogen.

Alles in allem: Die Geschichte war sehr detailverliebt, was Längen produzierte und die letzten 300 Seiten, in der der Science-Fiction- und Action-Anteil erheblich ansteigt, hätte ich mir am liebsten erspart. Dieses Buch war eine Mischung aus Thriller und Science Fiction, und es war einfach nicht meins. Obwohl mich die Geschichte beeindruckt, mitgenommen und mir Angst gemacht hat.

Sterne: Wirklich schwierig. Die Geschichte war stellenweise für mich sehr beklemmend, ging mir nach. Hier weiß ich wieder, warum ich keine Thriller lese. Diese anfangs noch subtilen Bedrohungen und Science-Fiction-Szenarien ließen mich schaudern. Die Beschreibungen der Forschung, Robotik, Künstliche Intelligenz und was man mit DNA womöglich alles tun könnte, waren sehr faszinierend. Ist es deswegen ein gutes Buch, weil es mich doch länger beschäftigt hat, obwohl ich es nicht wollte? Die erste Hälfte war für mich noch in Ordnung, die Charaktere sehr authentisch ausgearbeitet, die Handlung spannend. In der zweiten Hälfte überwogen dann die Beschreibungen der Science-Fiction-Anteile und ich verlor das Interesse. Ich schwanke zwischen zwei und drei Sternen. Diese Sciene Fiction Welt war einfach nicht meins, allerdings waren die ersten 300/400 Seiten wirklich spannend zu lesen, mit sehr authentischen Charakteren. Also gebe ich 3 von fünf Sternen.

Das Buch erschien am 24. April 2018

Link zum Buch Verlag mit Leseprobe: https://www.kiwi-verlag.de/buch/die-tyrannei-des-schmetterlings/978-3-462-05084-4/

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