Regnier, Sandra – Pan Bd. 1 / Das geheime Vermächtnis des Pan

Regnier, Sandra
Pan Bd. 1
Das geheime Vermächtnis des Pan
978-3-551-31493-2
Carlsen

Inhalt:

Felicity Morgan ist nicht gerade das, was sich die Elfenwelt unter ihrer prophezeiten Retterin vorgestellt hat. Sie ist achtzehn, trägt immer noch eine Zahnspange, hat keinen Sinn für schicke Klamotten und scheint niemals genügend Schlaf zu bekommen. Leander FitzMor hingegen, der Neue an Felicitys Schule, ist der wohl mit Abstand bestaussehendste Typ Londons. Um keinen coolen Spruch verlegen und zu allem Überfluss auch noch intelligent – denkt Felicity, die Gott sei Dank nicht auf arrogante Frauenschwärme steht. Auch wenn diesen Leander immer jener seltsam anziehende Duft nach Heu und Moos umgibt und er sie manchmal anschaut, als könne er ihre Gedanken lesen. Aber das Schlimmste an dem Ganzen ist, dass er einfach nicht mehr von ihrer Seite weichen will… (Quelle Carlsen Verlag)

Meine Meinung/Zusammenfassung:

Vor zwei Jahren wurde ich durch verschiedene Blog-Beitrage auf diese Trilogie aufmerksam, verlor sie dann aber wieder aus den Augen. Ich erinnerte mich das die Geschichte etwas mit einer übergewichtigen Heldin zu tun hatte, als ich die Bücher zufällig in meiner Bücherei entdeckte. Ich nahm mir gleich Band 1+2 mit.

Der Anfang ist etwas zäh, was auch an der Erzählsprache liegt. Die Dialoge sind zwar nicht hölzern, aber ich empfand sie als altmodisch und sehr artig. Manche Witze und Anspielungen verstand ich einfach nicht und musste sie zweimal lesen, aber ich verstand sie immer noch nicht. Übertrieben waren auch manche umgesetzte Ideen, so zum Beispiel dass Lee beim „FISS“ arbeitet, einem Spionage-Dienst für Elfen, wie James Bond … Also, das ging hier im ersten Band gar nicht.

Immerhin hat mich meine Erinnerung nicht getrogen: Die Hauptprotagonistin Felicity ist leicht übergewichtig, mit 1,70m wiegt sie 70kg, was ich überhaupt nicht tragisch oder dick finde. Jedenfalls nicht bei der Größe. Ich kann mir auch nicht vorstellen, wo sie das „Speckröllchen“ haben soll? Genannt wird sie jedenfalls von allen nur „City“, weil sie so klobig und kantig wie eine Stadt ist. Dieser Vergleich und diese Namensgebung fand ich nicht besonders originell. Felictiy hat auch irgendwas mit ihren Haaren, weil diese zu lockig (?) sind und oft wie ein Strohnest ausschauen. Anscheinend kommt sie nicht dazu, sich mit dem Kamm durch die Haare zu fahren. Es dauerte fast bis zum Schluss des Buches und ich erfuhr, dass sie golden schimmerten, also war sie blond??

Felicitys Aussehen ist nicht gerade vorteilhaft. Besagtes Übergewicht, dazu noch strähnige Haare bei Locken (?) und ihre Tollpatschigkeit tragen nicht dazu bei, dass sie zu der angesagten „Star Club“ Clique gehört. Ihre Clique sind ein paar Freunde, die sich „die Looser“ nennen. Dazu gehörte Phyllis, das schönste Mädchen an der Schule mit ihrer milchfarbenen Haut, schlanken Figur, seidigen dunklen Haaren, hohen Wangenknochen und dunklen Augen. Jayden ist 1,80m groß, 20kg Übergewicht mit seltsamen Kleidergeschmack, allerdings mit messerscharfem Verstand. Dann gibt es noch Nicole, die elfenhafte und verpeilte Ruby und Corey. Ich überlegte, ob vielleicht die schüchterne Ruby ein Elf ist, aber hier in Band 1 erfährt man dazu nichts.

Felicity hilft neben dem College ihrer Mutter in ihrem Pub aus. Ich hatte das Gefühl, und nicht nur ich, sondern auch Felicitys Freunde, dass sie total ausgenutzt wird, denn sie erhält keine Entlohnung dafür. Denn die Mutter nimmt keine Rücksicht darauf, dass Felicity aufs College geht und lernen muss. Im Gegenteil, sie hätte am liebsten, dass Felecity den Pub übernimmt, sie kann den Ehrgeiz ihrer Tochter nicht nachvollziehen. So muss Felictiy sehr oft aushelfen, damit ihre Mutter angeblich die Buchhaltung machen kann. Mir kam das komisch vor, denn das waren mehrmals die Woche sechs Stunden. Jedenfalls sitzt Felicity bis in die Morgenstunden in der Kneipe, und geht dann mit wenig Schlaf aufs College zu ihren Vorlesungen. Sie riecht dann nach Rauch und nach Alkohol, und ihre Lehrer denken, dass sie Alkoholikerin ist. Das ist irgendwie unglaubwürdig, denn sie hätte sich zu Hause ja noch duschen können. Statt dessen geht sie mit einem fleckigen Shirt in die Schule.

Der Pub ihrer Mutter läuft nicht mehr wirklich gut. Im Prinzip gibt es nur noch drei Stammgäste, die Alkoholiker sind, aber eigentlich auch harmlos. Diese drei stellen Felicity mehr Fragen über ihr Leben und das College, als ihre Mutter. Also, Felicitys Leben ist nicht wirklich schön, aber sie hat sich damit auch dank ihrer Freunde arrangiert, obwohl schon öfters das Thema Aussehen auf den Tisch kommt. Auch ihre Freunde erschienen mir nicht wirklich wie echte Freunde, aber ich kann nicht genau sagen, woran das lag. Da fehlten einfach Emotionen und Zwischenmenschliches.

Man könnte also denken, dass Felicity wirklich ein interessanter und starker Charakter ist, das kam aber nicht so rüber. Sie war mir stellenweise noch nicht mal so sympathisch, und das lag am Erzählton, der oft auch moralisierend war, wie zum Beispiel dieser Kommentar unter ihren Freunden, als Corey zu Jayden sagt:

Zitat Seite 14: Wann speckst du endlich mal ab? … Denk daran, Dicke leben nicht so lang.“

Ich meine, so was sagt man nicht unter Freunden, zumindest nicht in diesem Ton und das alle drum herumstehende  es hören können.

Es gibt wie in allen HIghschools oder wie hier an dem College in London eine „Star-Gruppierung“, hier genannt „Star Club“, die zumeist alle reich und gutaussehend sind. Ausgerechnet in dieser Gruppe gibt es eine Namensvetterin von Felicity, die wunderschön und reich ist.

Die Geschichte beginnt aber sehr spannend aus der Perspektive von Leander, genannt Lee. Lee ist gutaussehend wie ein Model, sehr groß und hat dunkelblonde verwuschelte Haare, eisblaue Augen und ist einfach lässig. Er ist neu an der Schule. Man liest gleich am Anfang des Buches, dass er vielleicht etwas Übersinnliches hat, denn er sucht seine zukünftige Frau und die „Auserwählte“ an diesem College. Und sie heißt Felicity. Es kommt wie es kommen muss, er küsst und „bindet“ die falsche, die reiche und wunderschöne Felicity an sich. Zwischenzeitlich sieht er auch die andere Felicity, die arme, die Übergewichtige, und er ist froh, dass sie nicht die Auserwählte ist.

Zitat Seite 9: „Wie die Moppelige da: strähniges Haar, ein unmögliches T-Shirt, … auch noch ungeschickt … Und eine Zahnspange …

Zitat Seite 9: „Ich konnte mir ein abfälliges Grinsen nicht ganz verkneifen.

Zitat Seite 11: „Ihre Pölsterchen an den Hüften waren unter dem hässlichen T-Shirt deutlich zu erkennen, als sie sich vorbeugte.“

Es dauert aber nicht lange, und er merkt, dass er einen Fehler gemacht hat. Denn die schöne reiche Felicitiy ist nicht die Auserwählte, sondern die moppelige Felicity. Schade fand ich, dass man dann keine Einblicke mehr in seine Gedanken erhält, denn obwohl er sich so abwertend gegenüber der auserwählten Felicity verhalten hat, versucht er jetzt mit allen Mitteln, ihre Freundschaft zu gewinnen. Und das ist nicht so ganz glaubwürdig.

Denn die auserwählte Felicity  kann nicht verstehen, warum sich der bestaussehende Junge des Colleges ausgerechnet um sie bemühen sollte. Entsprechend weist sie ihn immer wieder ab, und er ist erstaunlich hartnäckig. So entsteht nach und nach und ganz langsam eine Freundschaft.

Mir war dies allerdings sehr unglaubwürdig. Und nicht nur ich wunderte mich, nein, das ganze College wunderte sich. Dann ahnt man aber schon die fast klischeebedingte weitere Handlung: Felicity ist, obwohl nicht hübsch, immerhin nicht auf den Mund gefallen. Auch wenn ich manche Aussagen einfach albern oder zu artig fand. Da war nicht wirklich „Power“ dahinter. Auch als Lee anfängt, Felicitys Selbstbewusstsein zu verbessern, war das kaum erträglich für mich zu lesen. Ein Beispiel ist zum Beispiel, dass Felicity und ihre Freunde einen berühmten Schauspieler zujubeln wollen. Zufälligerweise kennt Lee diesen und nachdem er Felicity neu eingekleidet hat und sie vom Aschenputtel zur Prinzessin wurde, lernt sie diesen Schauspieler auf einer Art Gala kennen. Und nicht nur das, sie haben noch ein Date ausgemacht. Also, das konnte ich kaum lesen. Vielleicht bin ich für solche Fan-Geschichten auch die falsche Zielgruppe.

Nach und nach erkennt Felicity auch, dass etwas mit Lee „nicht stimmt“. Jedes mal wenn sie sich berühren, werden sie von einem elektrischen Schlag getroffen. Lee kann die Gedanken von Felicty lesen. Zudem leidet Felictiy unter Zeitsprüngen oder „Verwirrungen“, die sie sich nicht erklären kann und die sie auch nicht mit übersinnlichem oder Zeitreisen in Verbindung bringt. Dafür sind diese Momente zu kurz und zu ungewiss.

Gegen Ende des Buches offenbart sich Lee ein klein wenig, aber nur das, was er sagen muss. Dass er ein Halbelf ist und als Art Zeit-Spion Aufträge erfüllen muss. Ansonsten ist er meistens immer gut gelaunt, was schon kaum erträglich ist.

Das Love-Interest zwischen den beiden beginnt natürlich schon irgendwie von Anfang an, man weiß ja, durch Inhaltsangaben oder man ahnt es, die beiden gehören zusammen. Die Frage ist nur, wann es passiert, denn nach Lees Fauxpas am ersten Schultag mit der falschen Felicity, ist er irgendwie auch zurückhaltend. Außer elektrisch aufgeladenen zufälligen und platonischen Berührungen passiert erst mal nichts, nur ganz am Schluss halten sie sich mal fest im Arm.

Felicity kämpft von Anfang mit ihren nicht vorhandenen Selbstbewusstsein, während Lee dagegen unangenehm damit strotzt. Obwohl Felicity sich dank Lee ein wenig anders ernährt (vegetarisch) und etwas Sport zu treiben beginnt, ändert das nichts an ihrer Einstellung zu ihrem Körper. Sie kommt sich weiterhin plump vor.

Zitat Seit 85: Es ist mir sowas von egal ob ich Lee gefalle oder nicht. Ich will nur nicht wie ein zerzauster Pudel neben ihm wirken. Ich fühle mich so langsam wie Susan Boyle neben Prinz William.“

Zitat Seite 238: „Statt Claudia Schiffer würde er seinem vollkommenen Sohn mit Beth Ditto antreffen.“

Die Familie von Felicity ist mir auch extrem unsympathisch. Die Mutter nutzt sie nur aus, warum weiß man noch nicht, und ihre Schwester neidet ihr einfach alles an. An Weihnachten kommt es zu einem großen Streit. Ich konnte nicht verstehen, warum sich Felicty so behandeln lies. Klar, sie kommt aus einer ärmlichen Familie, sich aber dann noch so runterziehen zu lassen …

Überhaupt, auf den letzten Seiten fallen Lee und Felicity durch unbekannte Kräfte ins 8. Jahrhundert in die Nähe von Aachen. Dort wird Felicity entführt, lernt Karl (den V) als Kind kennen und wird von Lees Bruder Ciaran gerettet.

Den Cliffhanger ganz am Schluss fand ich sehr unpassend. Denn wieder zurück in der Zeit, wird jemand aus Lees Elfenwelt getötet, und Felicity soll eine Mörderin sein. Das ist irgendwie völlig wie aus der Luft gegriffen, und war deswegen auch kein richtiger Cliffhanger für mich.

 

Fazit:

Also, der Beginn der Geschichte zieht sich, wobei der Anfang aus Lees Perspektive echt spannend war, mit dem Versprechen auf richtig viel Herzschmerz. Da passiert aber lange leider nichts. Und aus Lees Perspektive erfährt man auch kaum noch was.

Es gibt verschiedene Spannungsbögen. Das eine ist natürlich, warum Felicity die Auserwählte ist und warum Lee sie heiraten soll? Und vor allem, wann kommt das ganze endlich heraus? Wann erfährt Felicity, wer Lee wirklich ist? Wobei wir Leser ja auch im Unklaren gelassen werden.

Das interessanteste überhaupt hängt aber mit Felicity Charakter, Aussehen und Selbstbewusstsein zusammen, die Frage wie es gelingt, aus einem übergewichtigen Aschenputtel eine Prinzessin und würdige Auserwählte zu machen. Dieser Weg geht leider nicht ohne Klischees.

Ich fragte mich dann noch, ob vielleicht auch einer ihrer Freunde vielleicht eine „versteckte“ Elfe ist.

Die Geschichte hat definitiv Längen, und was mich noch mehr störte, war der Erzählton, der oft in sehr „artigen“ Dialogen bestand. So brav und so verständnisvoll war.

Das Setting ist überwiegend in London an dem College oder im Pub von Felicitys Mutter angesiedelt. Ich fand, dass die Umgebung auch irgendwie ganz im Hintergrund blieb, und das College eher aus Schul-Erinnerungen bestand.

Das Love-Interest ist natürlich schon in Zwischentönen von Anfang an  zu erkennen, aber in diesem Band kommt es nur zu kleinen zufälligen Berührungen. Das machte auch viel Spannung aus, denn man fiebert ja mit, wann beide sich das erste mal küssen und was dann passiert. Man denke ja nur an Felicitys Namenvetterin.

Alles in allem: Gute Idee, interessante Protagonistin, dennoch konnte mich die Umsetzung leider nicht vollständig überzeugen. Ich habe die Hoffnung, dass Band 2 besser wird.

Sterne: Leider kann ich nur zwei von fünf Sternen vergeben. Denn die Geschichte kratzte einfach nur an der Oberfläche herum, egal ob es das Love-Interest, die Freundschaft oder das Problem mit dem „Übergewicht“ betraf. Zudem gefielen mir einige Wendungen nicht, zum Beispiel als Felicity einen jungen gutaussehenden weltbekannten Schauspiel-Star auf einer Gala trifft, der sich dann mit ihr verabredet. Vom Aschenputtel zur Prinzessin, das geht einfach zu schnell und ist voller Klischees. Zudem bleibt das Setting in London bis auf zwei merkwürdig eingefügt erscheinende Besichtigungen komplett im Hintergrund und somit könnte die Geschichte in einer x-beliebigen Stadt spielen.

Das Buch erschien am 2. Juli 2015

Link zum Buch/Verlag mit Leseprobe: https://www.carlsen.de/taschenbuch/die-pan-trilogie-1-das-geheime-vermaechtnis-des-pan/53934

Pan Trilogie
Band 1 Das geheime Vermächtnis des Pan
Band 2 Die dunkle Prophezeiung des Pan
Band 3 Die verborgenen Insignien des Pan

 

 

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