Korn Carmen –-Töchter einer neuen Zeit (Jahrhundert Trilogie Band 1)

Korn Carmen
Töchter einer neuen Zeit
Jahrhundert-Trilogie Band 1
978-3-463-406824
Kindler Verlag

Inhalt:

VIER FRAUEN ZWEI WELTKRIEGE. HUNDERT JAHRE DEUTSCHLAND. Einer neuen – einer friedlichen – Generation auf die Welt helfen, das ist Henny Godhusens Plan, als sie im Frühjahr 1919 die Hebammenausbildung an der Hamburger Frauenklinik Finkenau beginnt. Gerade einmal neunzehn Jahre ist sie alt, doch hinter ihr liegt bereits ein Weltkrieg. Jetzt herrscht endlich Frieden, und Henny verspürt eine große Sehnsucht nach Leben. Drei Frauen begleiten sie auf ihrem Weg: die rebellische Käthe, Ida, Tochter aus wohlhabendem Hause, und die junge Lehrerin Lina. So verschieden die Frauen sind, so eng ist ihre Freundschaft, auch wenn diese in den kommenden Jahrzehnten oft auf die Probe gestellt werden wird.Carmen Korn verwebt deutsche Geschichte mit vier bewegten Frauenleben. Sie erzählt die Geschichte einer Generation, die Geschichte eines Jahrhunderts. (Quelle Kindler Verlag)

Meine Meinung:

Dieses Buch hat ziemlich schnell meine Aufmerksamkeit erregt. In verschiedenen Printmedien wurde darauf aufmerksam gemacht und es kam auf meine Leseliste. Zufälligerweise wurde dieser erste Band bereits am Glühwein-Bücher-Abend 2016 meiner Stadtbücherei vorgestellt. Jetzt erst kam ich aber zum Lesen, als ich es zufälligerweise in meiner Bücherei wieder sah.

Schnell stellte ich fest, dass der Anfang ziemlich zäh verlief. Dabei hatte ich mich sehr auf diese Geschichte gefreut. Erschwerend kam noch dazu, dass sehr viele Protagonisten vorgestellt wurden, und das sehr oberflächlich. Gerade von Henny und Käthe, die zwei Hauptprotagonistinnen sind, konnte ich mir bis zum Ende des Buches kein Bild im Kopf entstehen lassen. Mal ganz abgesehen von den andern Protagonistinnen. Ich las in einem Rutsch bis Seite 320 oder so, und dann am nächsten Abend den Rest. Und es wollte mir nicht gelingen, dass ich mir die Protagonistinnen bildlich vorstellen konnte, und besonders bei Lina, Louise, Elizabeth und Ida zuckte ich oft zusammen, weil ich mir jedes mal erst bewusst machen musste, wer wer war. Das erschloss sich dann oft im weiteren Verlauf, aber das war mir zu anstrengend. Bei Henny und Käthe gelang dieses Erkennen, jedoch fehlte mir das Bild im Kopf. Von den restlichen Protagonistinnen hatte ich weder ein Bild im Kopf, noch konnte ich sie gut erkennen, wenn sie eine Zeitlang nicht „auftauchten“.

 

Hier ein kleiner Überblick:

Henny Godhusen: 19 Jahre, ruhig und angepasst , Vater im Krieg gefallen, Mutter ist sehr anhänglich, will Hebamme werden,  beste Freundin ist Käthe,

Käthe Laboe: 19 Jahre, eine Rebellin, lebt bei ihren Eltern, Vater ist krank, wird auch Hebamme, beste Freundin ist Henny,

Lina Peters: 20 Jahre, lebt mit ihrem Bruder zusammen, Eltern starben an Hunger, arbeitet als Lehrerin,

Ida Bunge: 17 Jahre, lebt im Überfluss, begütert, unterfordert, ihr ist langweilig, soll mit einem Bankier verheiratet werden,

 

Mit den männlichen Protagonisten erging es mir nicht anders, allerdings konnte ich diese besser zuordnen, aber ein Bild, wie diese Männer ausgesehen haben, fehlte mir dennoch. Ich konnte sie mir nicht vorstellten, was absolut schade war. Denn gerade Theo Dr. Unger und Dr. Kurt Landmann sind sympathische Charaktere, und vor allem Kurt Landmann noch mit Ecken und Kanten.

Dazu kommen noch etliche Familienmitglieder und Freunde. Die alle aufzulisten, ist ein Unding, aber sie sind alle für den weiteren Verlauf der Geschichte irgendwie wichtig. Aber es sind für meinen Geschmack einfach zu viele.

Vielleicht sollte ich noch dazu sagen, dass ich von einer anderen Ausganssituation ausgegangen bin. Ich dachte, alle vier Frauen, die die Hauptprotagonistinnen darstellen sollten, wären Hebammen. Das war aber nicht so. Nur zwei davon haben diese Ausbildung absolviert, Henny und Käthe. Lina war Lehrerin und Ida war ohne Ausbildung, dafür war sie reich. Dann wusste ich auch nicht, dass es sich bei dieser Geschichte um eine Trilogie handelt, etwas, mit dem ich mich immer schlechter anfreunden kann. So war der Clliffhanger in diesem Buch zu erwarten gewesen, allerdings erst auf den letzen fünfzig Seiten konnte man eine Ahnung davon erhalten.

Die Geschichte ist nur halbwegs spannend, aber dennoch lebendig. Besonders die Kapitel  vor und während der Nazizeit waren sehr berührend. Und es machte mich auch wütend. Dieses menschenverachtende Verhalten gegenüber Juden war fast unerträglich. Schlimm war auch, als eine der Hauptprotagonistinnen durch den Ehemann einer Freundin denunziert wurde. Sie und ihre Mutter kamen ins KZ. Oder als ein behindertes Kind in der Klinik geboren wurde und Henny darüber Meldung machen musste.

Doch viele Menschen helfen wo sie können. Heimlich, unter Lebensgefahr. Gerade die Freundinnen spüren die Macht der Nazis, die das Familienleben durchdringt. Und können doch nichts dagegen tun.

Auf den letzten Seiten gibt es eine Übersichtskarte von Hamburg im Jahr 1919, die ich aber erst am Schluss bemerkte. Hier wäre es schön gewesen, wenn die Lokalitäten aus der Geschichte eingezeichnet gewesen wären, so musste ich sie mir mühsam heraussuchen, was ich nach kurzer aufgegeben habe. Außerdem hätte ich die Karte lieber vorne im Buch gehabt. Zudem gibt es ein Glossar, das ich aber nicht lesen wollte.

Insgesamt gesehen erinnerte mich die Geschichte an Elena Ferrantes „Meine geniale Freundin“. Dieses Buch wurde auch zusammen mit diesem hier auf dem Glühwein-Bücher-Abend 2016 meiner Stadtbücherei präsentiert. Es gibt natürlich Unterschiede, denn hier sind es vier Freundinnen, bei Ferrante zwei. Und dass die Geschichte bei Ferrante in Neapel spielt, und hier bei Carmen Korn in Hamburg. Aber die Verhältnisse sind ähnlich. Es gibt Freundinnen, die in ärmlichen Verhältnissen leben, und Freundinnen die sich keine Sorgen machen müssen. Vom Erzählstil her hat mir Elena Ferrante besser gefallen, auch wenn ich nur den ersten Band gelesen habe. Denn dieser war flüssiger und auch die Charaktere von Lila und Elena waren viel stärker vorhanden. Ich denke, auch hier von der „Jahrhundert-Trilogie“ werde ich nur den ersten Teil lesen.

 

Fazit:

Die Geschichte an sich war schon lesenswert, aber sie zog sich auch in die Länge und letztendlich denke ich, dass viel zu viele Protagonisten viel zu schnell vorgestellt wurden. Ich verlor zwischendurch mal immer wieder den Überblick über die Personen, obwohl ich die ersten dreihundert Seiten an einem Stück las.

Das Setting in Hamburg ab 1919 ist schon sehr faszinierend, für mich hätte es gerne mehr davon sein können. Auch wie die Menschen vor fast hundert Jahren lebten, war sehr anschaulich dargestellt. Sie hatten gerade einen Krieg hinter sich und mit allem (was nicht viel war) musste sparsam und sorgsam gewirtschaftet werden.

Am eindrücklichsten blieben mir die Kapitel während der Nazizeit in Erinnerung. Diese machten mich wütend, angesichts solcher Ungerechtigkeiten und menschenverachtenden Handlungen. Und dann noch ein Verrat aus dem engsten Freundeskreis, schlimm, wirklich schlimm. Und das noch schlimmere – kein Einsehen, keine Schuldgefühle von dem Verräter.

Nach dem Krieg ist vor dem Krieg, so könnte man die Stimmung auf den ersten 300 Seiten deuten.

Besonders lesenswert finde ich, wie der Aufstieg der Nazis beschrieben wird: Wie sie sich über Jahre klammheimlich vorarbeiten, so dass es kaum auffällt. Sie säen ihre böse Saat schon sehr früh, und werden nicht ernst genommen. Dies erfährt der Leser beispielhaft an ganz normalen Menschen, durch die vier Freundinnen und ihre Familien, die in Hamburg leben. Lange nehmen sie diesen Einfluss nicht ernst genug …

Der Schreibstil ist eher trocken und unaufgeregt und wie ich finde, nicht so ganz flüssig. Woran das lag, kann ich hier nicht so genau beschreiben. Ich bemerkte nur, dass ich gefühlt länger las als das normalerweise der Fall gewesen wäre.

Die Kapitel werden aus vielen verschiedenen Perspektiven geschrieben, und genau das machte es mir so schwierig. Es gab nicht nur die vier Freundinnen und ihre Männer, nein, auch über einzelne Familienmitglieder gab es Kapitel. Vor allem am Anfang fiel es mir sehr schwer, den Überblick zu behalten, obwohl ich gut dreihundert Seiten in einem Rutsch gelesen habe. Ich will gar nicht wissen, wie es im zweiten Band weitergeht, wenn Kinder und Kindeskinder dazu kommen. Das wird wohl sehr unübersichtlich werden. Am ehesten konnte ich mir noch Henny, Käthe, Theo Unger und Kurt Landmann merken. Vielleicht trugen auch die großen Zeitsprünge zur Oberflächlichkeit bei. So wird am aus folgenden Jahren berichtet: 1919, 1921, 1923, 1930, 1933 usw. Was dazwischen passierte, wird in einem Satz abgehandelt, oder ich erfuhr es aus dem weiteren Verlauf der Geschichte.

Die Charaktere waren für mich alle oberflächlich gezeichnet. Gezeichnet schreibe deswegen, weil ich nach dem Lesen nicht einen wirklich bildlich im Kopf hatte. Und das ist doch so schade.

Alles in allem: Ein Rückblick über das Leben von vier Freundinnen vor hundert Jahren in Hamburg. Leider etwas trocken und zäh, und mit den vielen Protagonisten sehr unübersichtlich. Es handelt sich um den ersten Band einer Trilogie, die ich nicht weiterlesen werde.

Das Buch erschien am 21. September 2016

Link zum Buch/Verlag mit Leseprobe: https://www.rowohlt.de/hardcover/carmen-korn-toechter-einer-neuen-zeit.html

Reihenfolge Jahrhundert-Trilogie

Band 1 – Töchter einer neuen Zeit

Band 2 – Zeiten des Aufbruchs

Band 3 – Zeitenwende

 

 

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