Cleeves, Anne – Die Tote im roten Kleid (Shetland Krimis Band 7)

Cleeves, Anne
Die Tote im roten Kleid
Shetland Krimis Band 7
978-3-499-27378-0
Rororo

Inhalt:

Eine Lawine aus Schlamm und Dreck. Es ist dunkel und kalt in Shetland. Seit Monaten regnet es. Auf dem Weg ins Tal reißt das Wasser gewaltige Erdmassen mit sich, die Teile des kleinen Örtchens Ravenswick unter sich begraben. Bei den Aufräumarbeiten findet man in den Trümmern eines Hauses die Leiche einer unbekannten Frau in blutrotem Seidenkleid. Kommissar Jimmy Perez will wissen, wer sie ist – doch stößt er bei den Inselbewohnern auf eine Mauer des Schweigens. Als sich herausstellt, dass die Frau ermordet wurde, ruft Perez seine alte Kollegin Willow Reeves aus Inverness zur Hilfe. Die ist noch nicht vor Ort, da gibt es bereits das zweite Opfer … (Quelle rororo)

Meine Zusammenfassung/Meinung:

An diesem Krimi zog mich die Erwähnung der Shetland Inseln an. Für mich war es zudem der erste Krimi mit Ermittler Jimmy Perez.

Das Ermittler-Team besteht aus, wie ich denke, zwei Ermittlern: Jimmy Perez und Sandy. Dazu kam dann vom „Festland“ die Ermittlerin Willow Reeves mit ihrer Kollegin Vicki von der Spurensicherung. Man merkte vom ersten Moment an, dass sich alle kannten und spätestens ab da war klar, dass es wohl einige Bände mit ihnen gibt.

Verwundert hat mich der Name Jimmy Perez, der so gar nicht nach Shetland oder Großbritannien passt. Vom Nachnamen her kann man vielleicht auf spanische Vorfahren schließen, und so ähnlich wird dann auch etwas erwähnt. Aber nichts ausführliches, vielleicht war das in den anderen Bänden einer genaueren Betrachtung wert. Jimmy Perez selber wurde für mich trotz aller Details nicht so ganz greifbar. Denn zum einen soll er schon „stattlich“ ausgesehen haben, mit dunklen Haaren „wie ein Pirat“ und ja, er wurde gutaussehend beschrieben. Aufgrund seines Verhaltens aber hätte ich ihn eher älter eingeschätzt, so um die 55 oder 60. Hier schätze ich ihn zwischen 45 bis 50 Jahren. Er trauert noch um den Verlust seiner Verlobten Fran, die ermordet wurde. Wie lange die beiden liiert waren, kann ich nicht sagen, es kam mir aber nicht allzu lange vor. Fran hatte zudem eine Tochter, und in einem Testament (?) bestimmte sie, dass sie im Falle eines Todes bei Jimmy bleiben sollte, und nicht bei ihrem Vater. Dies konnte ich auch nicht so ganz nachvollziehen, da sie, wie mir es ja schien, sich nicht lange gekannt hatten. Kann aber auch sein, dass ich mich irre, denn ich habe die Vorgänger-Bände nicht gelesen.

Cassie, so heißt die Tochter der verstorbenen Fran, lebt nun zusammen mit Jimmy Perez im Haus ihrer Mutter. Der Vater kommt hier auch vor, nämlich, als er Cassie für ein Wochenende abholt. Konfliktpotenzial konnte ich nicht feststellen, was mir ungewöhnlich erschien. Auch finde ich, dass das Leben als alleinerziehender Ersatz-Vater nicht so authentisch war. Zwar liest man dann schon, dass Jimmy Perez öfter eine Nachbarin anruft, damit diese als Babysitterin fungiert, aber ich hatte das Gefühl, dass Cassie hier in diesem Band eine sehr untergeordnete Rolle spielt, die nicht viel Platz einnimmt. Jeder der Kinder hat weiß, dass dies nicht spurlos im Alltagsleben vorbeigeht, und hier hatte ich das Gefühl, Cassie wurde nur erwähnt, wenn sie in der Schule war oder ins Bett ging. Dazwischen war nichts, und das kann halt nicht sein.

Zwischendurch dachte ich, dass sich etwas zwischen Jimmy Perez und Cassies Lehrerin „anbahnen“ würde. Kathryn Rogerson ist zierlich, ordentlich, aber auch 15 Jahre jünger als Jimmy Perez. Zudem wurde ihr Vater hier in diesem Band ermordet.

Aber zurück zu Jimmy Perez. Er erschien mir ein gemächlicher und langsamer Charakter, der noch mit den Auswirkungen vom Tod seiner Verlobten Fran zu kämpfen hat. Sein Kollege erwähnt in diesem Zusammenhang Depressionen. Ich stellte mir Jimmy Perez auch ein wenig wie einen „Muffkopf“ vor, also jemand der sich immer etwas in den Bart murmelt und einen morgens nicht grüßt, dann aber ein paar Stunden später wieder recht herzlich sein kann. So richtig aufgeregt kann ich mir ihn nicht vorstellen.

Jimmy Perez Kollege heißt Sandy, und im ersten Moment dachte ich, es wäre eine Frau. Nein, Sandy ist ein Mann. Er ist, wie Jimmy Perez, etwas behäbig und langsam. Dazu noch hochsensibel und grüblerisch, er denkt über alles nach und betrachtet es von allen Seiten. Er merkt gleich, wenn eine Stimmung umschlägt und sucht den Fehler dann in seinem eigenen Verhalten. Er ist nicht selbstbewusst, und das weiß er auch. Ihm ist es am liebsten, wenn er klare Anweisungen erhält. Trotz seiner Unbeholfenheit im Umgang mit anderen Personen mochte ich ihn gern. Es ist jemand, der nicht gerne im Mittelpunkt steht und alles lieber aus dem Hintergrund beobachtet. Er macht zudem erste Erfahrungen mit seiner Freundin Louisa, die von einer anderen Insel (Yell) kommt. Mir war sie ein wenig suspekt, auch wenn sie sich angeblich hingebungsvoll um ihre pflegebedürftige Mutter kümmert. Mal sehen, wie sich die Sache in den Folgebänden weiterentwickeln wird.

Vom Festland „fordert“ sich Jimmy Perez Unterstützung wegen des Mordes an. Er kommt alleine nicht weiter und ruft eine befreundete Ermittlerin an, die sogar im Rang noch über ihm steht: Willow Reeves. Die Vorgänger-Bände kenne ich nicht, aber man merkt, dass die beiden sich kennen und gern haben, vielleicht sogar noch mehr als gern haben. Es herrscht eine gewisse Spannung zwischen ihnen. Aber Willow hat ihren Lebensmittelpunkt auf dem Festland und Jimmy Perez auf den Shetland Inseln. Zudem ist da ja noch Cassie und der Mord an Jimmys Verlobten Fran liegt anscheinend noch nicht lange zurück. Willow merkt, dass es keine guten Voraussetzungen für eine Beziehung sind. Auch Willow hat eine Vergangenheit, die kurz erwähnt wird: Sie wurde in einer Kommune auf einer einsamen Insel groß, dass hat sie geprägt. Merkwürdig empfand ich die Beschreibung ihres äußeren „Kräftig wie ein Wikinger“. Dazu mit ungebändigten lockigen Haaren und Sommersprossen im Gesicht. Sie sieht nicht wie eine Ermittlerin aus. Also, ich konnte mir nicht wirklich ein Bild von ihr entstehen lassen. Etwas albern fand ich die Beschreibung, wie sie sich urplötzlich ein Baby wünscht. Das passte nicht zu ihr.

Mit Willow kommt anscheinend auch eine alte Bekannte auf die Inseln, nämlich Willows Kollegin von der Spurensicherung Vicki Hewitt. Ihr fällt allerdings nur eine kleine Rolle zu, sie geht auf Spurensuche bei dem verschütteten Cottage.

Man könnte das ganze also schon als 4er-Ermittler-Team bezeichnen, wobei das Hauptaugenmerk auf Willow und Jimmy Perez liegt. Beide kommen sich hier näher, Willow übernachtet bei Jimmy. Aber dennoch, sie ahnen, dass es im alltäglichen Leben für sie keine Chance gibt, da Jimmy immer noch irgendwie mit Fran nicht abgeschlossen hat und zudem der Ersatzvater für Cassie ist. Und Willow lebt auf dem Festland und ist nicht bereit, nach Shetland ziehen. Jimmy und Willow beschließen, zunächst unverbindlich Freunde zu bleiben und abzuwarten.

Irgendwie hat also jeder sein Päckchen zu tragen, und zudem müssen sie zwei Morde aufklären. Es dauert, bis sie die Identität der getöteten Frau im Cottage ermitteln und währenddessen wird der Hauptverdächtige ebenfalls getötet. Manchmal fand ich die Ermittlungen bzw. die Gedanken dies sie sich dazu machten, etwas konfus. Man sollte nicht meinen, dass ausgebildete Ermittler am Werk sind.

Das liegt vielleicht auch an dem Setting auf den Shetland Inseln und der Menschen dort. Bestimmt leben sie in einem Rhythmus, denn jeder kennt wirklich jeden und da kann man nicht so energisch auftreten wie man will, wenn man nach Antworten sucht.  Die Landschaftsbeschreibungen rund um den fiktiven Ort Ravenswick mit den kleinen Gehöften und das Wetter auf den Shetland Inseln fand ich authentisch beschrieben. Ich mochte es, auch weil es ständig regnete.

Viel interessanter und subtil beklemmend war die Darstellung der Familie Hay: Die Eltern Jane und Kevin und die beiden Jungs Michael und Andy. Eigentlich eine ganz normale Familie, aber der Autorin gelingt es hier wirklich sehr geschickt und glaubhaft eine vage Bedrohung darzustellen, die man nicht genau fassen kann. Das ist wirklich spannend.

 

Fazit:

Das Setting auf den Shetland-Inseln war atmosphärisch im Hintergrund beschrieben. Die Geschichte spielt, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, im Februar und mich wunderte, dass dort kein Schnee lag. Es war kalt, regnerisch, früh dunkel und in den alten Häusern so zugig, dass der Wind das Feuer im Ofen ausblasen konnte.

Der detaillierte, aber ruhige Erzählton trug zu der Stimmung und der Darstellung der Charaktere bei. Denn die Hauptprotagonisten waren alle etwas gemächlich und langsam, um nicht zu sagen stellenweise plump. Mit Jimmy Perez konnte ich mich nicht so ganz anfreunden, obwohl er sehr gut charakterisiert wurde. Der Tod seiner Verlobten bringt ihn immer noch aus dem Gleichgewicht, was ihn eigentlich sympathisch gemacht hat. Aber seine altruistische Art der Ermittlungsarbeit trug dazu bei, das ich ihn mir älter und wie aus einer anderen Zeit vorstellte. Auch sein Kollege Sandy, von dem ich zuerst aufgrund des Namens annahm es wäre eine „Sie“, war einfach von der unbeholfenen Art. Irgendwie dachte ich, dass die beiden am liebsten überhaupt keine Befragungen gemacht hätten. Aber vielleicht lag das an den Shetland-Inseln, wo jeder jeden kennt und man dadurch schon etwas befangen ist.

Etwas frischen Wind bringt eine alte Kollegin vom Festland, Willow Reeves. Einen Rang höher als Jimmy Perez und zudem untypisch mit ihrem Äußeren. Die beiden kennen sich schon länger, und zwischen ihnen bahnt sich ein kleines Love-Interest an, scheint aber nicht „alltagstauglich“ zu sein.

Spannung entstand eigentlich nur durch die beklemmenden Beschreibungen der Familie Hays, die wohl Geheimnisse hat und sich verdächtig macht.

Insgesamt gesehen hat mir der Erzählstil und das Setting sehr gut gefallen. Allerdings hatte ich mit allen Charakteren so meine Probleme. Sie waren zwar schon detailliert beschrieben, aber auch irgendwie hölzern und plump. Wenn ich diese Geschichten weiterlesen will, dann nur aus dem Grund, dass sie auf den Shetland-Inseln spielen. Hier würde ich mir dann auch noch mehr Insider-Wissen wünschen. Die Geschichten sind verfilmt, und ich möchte mir auf alle Fälle die DVD „Mord auf Shetland“ kaufen. Aber erst im Herbst, wenn das Wetter dazu passt …

Alles in allem:  Für mich in erster Linie nur lesenswert, weil ich ein Faible für die Shetland Inseln habe.

Sterne: Ich schwankte zwischen zwei und drei Sternen, und vergebe letztendlich drei von fünf Sternen, weil mich in erster Linie die Landschaftsbeschreibungen der Shetland-Inseln gereizt haben. Dennoch hätten auch hier ein paar Insider-Infos zu Sehenswürdigkeiten oder schönen Plätzen gut getan. Mit den Charakteren konnte ich mich nicht wirklich anfreunden. Alle erschienen mir wie in Zeitlupe zu agieren, hölzern und plump. Schweigsam.  Manchmal wie dumpfsinnig vor sich hin brütend. Zudem empfand ich die Darstellung von Jimmy Perez als alleinerziehenden Ersatzvater nicht authentisch. Ein Pluspunkt ist, dass sich der Krimi gut lesen lässt, wenn man einen ruhigen Erzählton mag. Da ich vor langer Zeit einen anderen Roman der Autorin gelesen habe, meine ich, dass sie eher eine altmodische Einstellung zu ihren Charakteren hat.

Das Buch erschien am 24. Januar 2018

Link zum Buch/Verlag mit Leseprobe: https://www.rowohlt.de/taschenbuch/ann-cleeves-die-tote-im-roten-kleid.html

Shetland Krimis /Ermittler Jimmy Perez
Band 1 Die Nacht der Raben
Band 2 Der längste Tag
Band 3 Im kalten Licht des Frühlings
Band 4 Sturmwarnung
Band 5 Tote Wasser
Band 6 Das Geistermädchen
Band 7 Die Tote im roten Kleid

 

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