Weiler, Jan – Kühn hat Ärger (Bd. 2)

Weiler, Jan
Kühn hat Ärger
Bd. 2 Hauptkommissar Kühn
978-3-492-05757-8
Piper

Inhalt:

Die Sonne geht auf, es regnet, oder es schneit. Aber im Grunde startet jeder neue Tag mit derselben Chance. So sieht Martin Kühn es jedenfalls, an guten Tagen. In letzter Zeit allerdings hatte er eher selten gute Tage, seine Frau Susanne benimmt sich seltsam, und er selbst ist dabei, einen amourösen Fehltritt zu begehen. Auch der heutige Tag beginnt wechselhaft, denn Kühn soll mit seinem Kollegen Steierer den Mörder eines jungen Mannes finden. Die Ermittlungen führen ihn, den einfachen Polizisten und Berufspendler, in die Welt der Reichen und Wohltätigen. Diese neue Erfahrung setzt ihm doch mehr zu, als Kühn es sich eingestehen will. Und während er auf der Terrasse der Verdächtigen selbstgemachte Limonade kostet, sucht Kühn die Antwort darauf, ob es überhaupt einen Ort gibt, an dem er in diesem Leben richtig ist. (Quelle Piper)

Mein Meinung/Zusammenfassung:

Der zweite Band der „Kommissar-Kühn-Reihe“. Vor zwei Jahren erschien der erste Band (Kühn hat zu tun), der mich zwar nicht ganz, aber immerhin doch soweit überzeugt hatte, dass ich Band 2 lesen wollte. Und ich merkte gleich, dass ich es von der ersten Seite nicht bereute.

Denn Kommissar Kühn ist eigentlich ein normaler Mensch, aber auch vielleicht wieder nicht. Ihn plagen die Sorgen des Alltags, wie sie jeder hat, ob es sich um seine Familie mit den zwei Kindern handelt, seine Umgebung oder seine Arbeit. Frisch aus der Reha, kämpft Kühn mit der Frage, wer er eigentlich ist. Schon immer war er sensibel und spürte intuitiv, wenn jemand log. Dies kommt ihm bei Verhören sehr zugute. Er arbeitet als Kommissar bei der Polizei, und er hasst Führungsseminare und Ärzte. Er hat in einer Neubausiedlung neu gebaut, und wer den letzten Band las, der weiß, dass dieses Neubaugebiet eine ehemalige Munitionsfabrik war und dass der Boden komplett verseucht ist. Durch sämtliche Keller ziehen sich Flechten und Schimmel, die Häuser verlieren an Wert und eine Entschädigung ist nicht in Sicht. Dass zieht manche Familien richtig runter, und Kühn versucht nicht daran zu denken.

Hauptprotagonist ist natürlich Kühn, seine Kollegen und das Mordopfer Amir. Amir ist ein 17-jähriger Junge mit ellenlangem Vorstrafenregister und wohnt mit seiner Mutter und einem Bruder in einer Sozialwohnung. In diesem Haus gibt es 135 Wohnungen. Kühn muss nämlich den Klingelknopf suchen. Als Leser erhält man einen kleinen Einblick in dieses „Milieu“, aber der Autor treibt dann die Wandlung von Amir in einen angepassten Jugendlichen ziemlich hoch auf die Spitze. Denn Amir lernt ein Mädchen aus besseren Kreisen kennen. Eine Integration wie im Märchen erfolgt, Amir ändert sich, regelmäßiger Schulbesuch, keine Störungen und Straftaten mehr, will Abitur machen. Er wird ein Musterknabe. Dank seiner großen Liebe Julia.

Julia entstammt aus der reichen Oberschicht, lebt hinter hohen Mauern in einem gut gesicherten Architekten-Haus. Die Familie ist extrem gechillt, freundlich, offen für alle. Die Mutter arbeitet  ehrenamtlich beim „Münchener Sternenhimmel“, ein Verein der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund die Integration erleichtern soll.  Der Verein ist sehr exklusiv, die Aufnahme ein Upgrade im Leben der reichen Hausfrauen und so erhalten nur bestimmte Personen Zugang und alle gleichgesinnten Wohltäter feiern sich gerne selber. An Geld herrscht in Familie van Hauten kein Mangel, die Wohnung ist teils mit Bonsai-Parkett (Seite 162) ausgelegt, eine sehr exklusive, teure und seltene Variante. Der Teich ist nach dem Vorbild eines Wassertempels von Tadao Ando der Insel Awaji in Japan angelegt. Beides, das Bonsai-Parkett und den Architekten Tadao Ando kannte ich nicht. Egal wie, jedenfalls findet sich Amir in ganz anderen Kreisen wieder, und das alles ist zu schön um wahr zu sein, dass ahnt er selber schon. Der Autor treibt diese Veränderung in seiner Auswirkung auf die Spitze, so dass es nicht mehr glaubhaft wirkt, sondern  märchenhaft ist. Es folgt leider kein Happy End, sondern ein Mord. Amir wird zu Tode geprügelt.

Kühn muss sich nun nicht nur mit einem Mord herumschlagen, sondern auch noch mit einer Erpressung. Jemand erpresst den Supermarkt in seiner Weberhöhesiedlung, vergiftet Lebensmittel und ein Teenager liegt bereits im Koma. Zudem ahnt Kühn, dass seine Frau vielleicht eine Affäre hat, und sein Arzt diagnostiziert eventuellen Prostatakrebs. Auf einer Führungskräftetagung wird Kühn selber in Versuchung geführt, diese Seiten waren echt spannend, also, ob er seine Frau betrügt oder nicht. Egal wie, Kühn hat ziemlich viel Sorgen auf allen Ebenen.

Der Schluss ist vielleicht ein wenig zu schnell und zu einfach, das Geständnis jedoch erschütternd. Zwei Verbrechen werden ziemlich ruck zuck und wie nebenbei gelöst. Auch der schiefe Haussegen bei Familie Kühn hätte ich mir gravierender vorgestellt, dieser verlief zu vernünftig.

Dennoch ein guter Schluss, allerdings gibt es ein paar Cliffhanger, z.B. wie geht es mit Kühns Prostata-Erkrankung weiter? Wird der Haussegen wieder hergestellt? Wer bekommt die Beförderung zum ersten Hauptkommissar? Wie geht es mit dem Nazi-Verdächtigen Leitz und Kühns Frau weiter?

Fazit:

Die Geschichte hat einen speziellen Grundton, der mir sehr gut gefallen hat: ironisch, lakonisch und manchmal auch überspitzt.

Die Charaktere sind alle sehr interessant angelegt. Vor allem Kühn selber wird polarisieren, manchmal erscheint er einem wie ein dumpfbackener Kripobeamter der nur noch durchs Leben schlurft, ein anderes mal ist seine Genialität einfach superb. Er hängt oft seinen Gedanken nach, und seine Ansichten sind meist ehrenhaft oder gesellschaftskritisch. Man mag ihn, oder auch nicht. Ich mochte ihn.

Es gibt gleich mehrere Spannungsbögen in der Geschichte: Zum einen muss natürlich der Mord an dem Teenager Amir aufgeklärt werden. Dann die Frage, wie es um die Ehe der Kühns bestellt ist, wer geht mit wem fremd? Und drittens, was ist mit dieser auf Gutmensch-machenden Familie Hauten los? Viertens, wem aus der Siedlung kann er Lebensmittelvergiftung und Erpressung zutrauen? Fünftens: Wie soll es überhaupt in seinem Leben weiter gehen, vor allem mit dem verseuchtem Haus? Sechstens: Wer bekommt im Präsidium die Beförderung?

Dies ist bereits der zweite Band um Polizeikommissar Kühn und ich freue mich auf eine hoffentlich weitere Geschichte. Genug lose Enden und Entwicklungspotenzial gibt es ja.

Alles in allem: Kühn ist auf dem Weg, ein Kult-Charakter zu werden. Unterhaltsam und pointiert.

Sterne: Ich vergebe fünf von fünf Sternen, weil ich Kommissar Kühn mag und der pointierte Erzählton für mich sehr unterhaltsam war. Hier steht nicht nur die Mördersuche und die Polizeiarbeit im Mittelpunkt, nein, eine ganze verseuchte Wohnsiedlung mit all ihren Problemen klopft immer wieder an die Tür von Kühn. Alltagsleben par excellence.

Das Buch erschien am 1. März 2018

Link zum Buch/Verlag: https://www.piper.de/buecher/kuehn-hat-aerger-isbn-978-3-492-05757-8

 

Kommissar Kühn
Band 1 Kühn hat zu tun
Band 2 Kühn hat Ärger

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.