Allende, Isabel – Amandas Suche

Allende, Isabel
Amandas Suche
978-3-518-42410-0
Suhrkamp

Inhalt:

Amanda ist lebensklug und ausgesprochen eigensinnig. Sie wächst in San Francisco auf, der Stadt der Freigeister. Ihre Mutter Indiana führt eine Praxis für Reiki und Aromatherapie und steht im Mittelpunkt der örtlichen Esoterikszene. Der Vater ist Chef des Polizeidezernats und ermittelt in einer grausamen Mordserie. Auf eigene Faust beginnt Amanda Nachforschungen dazu anzustellen, unterstützt von ihrem geliebten Großvater und einigen Internetfreunden aus aller Welt. Doch als Indiana spurlos verschwindet, wird aus dem Zeitvertreib plötzlich bitterer Ernst. Und Amanda muss über sich hinauswachsen, um die eigene Mutter zu retten. „Amandas Suche“ erzählt den Weg einer furchtlosen jungen Frau, die mit allen Mitteln verteidigt, was sie liebt – ein fesselnder Roman über das kostbare Band zwischen Müttern und Töchtern und die lebensrettende Kraft der Liebe. (Quelle Buchkatalog)

Meine Meinung:

Dieses Buch habe ich vor ein paar Jahren gelesen und mir damals schon „Meine Meinung“ aufgeschrieben:

Nach einem Mord an einem Schul-Wachmann beginnt die 17-jährige, hochbegabte Amanda mit ihrem „Ripper-Spiel“ und ihrer Internet-Clique Nachforschungen a la Sherlock Holmes anzustellen. Praktischerweise wird ihr Vater Bob, Kripobeamter, mit den Fällen betraut und verrät seiner Tochter einige Ermittlungsdetails. Ihr Großvater, während des Ripper-Spiels „Scherge“ genannt, entlockt seinem Schwiegersohn die restlichen Details, die dieser seiner Tochter wohlweislich nicht erzählt.

Die Mutter, genannt „Indiana“, hat genug mit sich selber zu tun, um ihrer Tochter genau auf die Finger zu schauen. Sie schaut lieber ihren Patienten Ryan Miller an, ein Navy Seal mit amputiertem Bein und muss sich zwischen zwei Männern entscheiden, da sie seit Jahren mit einem schwerreichen Gentleman liiert ist.

Zunächst genieße ich als Leser die vertrauensvolle Verbindung zwischen Amanda und ihrem Großvater, die später aber eher freundschaftlich und  wie unter gleichgestellten Gleichaltrigen wirkt. Es schleicht sich auch so nach und nach ein vulgärer Ton in den Text, der mich jedes mal stutzen lies und meinen Lesefluss stoppte. Ob das an der Übersetzung lag?

Ein Beispiel findet man auf Seite 116: „… Jennifer hatte in dem Roman den Vertrag angestrichen, in dem die verschiedenen Formen der Misshandlung festgelegt waren. … Auspeitschen, Würgen, Prügel, Vergewaltigung und was ihrem Gebieter sonst noch an Strafen in den Sinn kam, sofern keine Narben davon zurückblieben und die Wände nicht zu stark besudelt wurden.“

Diese Episode ist wohl irgendwie an das Buch „Shades of Grey“ angelehnt und absolut unnötig für dieses Buch. Ich nenne es jetzt mal einen Exkurs der Autorin. Später kommt ein solcher Exkurs noch zu einem anderem Thema: Hundekämpfe. Für meinen Geschmack auch unnötig. Hier hat die Autorin wohl mal gerade für alles einen Nebenhandlungsstrang erfunden, damit sie diese Passagen noch unterbringen konnte. Aber warum, das kann ich nicht verstehen, da sie für die Geschichte eher unerheblich sind.

Mir ist aufgefallen, dass die Kommunikation zwischen Amanda und ihrem Großvater im Laufe des Buches ungewollt an Wärme verliert. Sie wird „befehlstonhaft“, und ich bin mir nicht sicher, ob dies zum Ripperspiel gehörte, oder ob die Geschichte der Autorin entglitten ist.

Auch etwas zu plötzlich kommt das finanzielle Desaster von Indianers Lebensgefährten Allen, der bis dahin in Geld schwamm. Irgendwie  wirkt die Geschichte sehr konstruiert und gar nicht flüssig, obwohl mir jede Figur irgendwie ans Herz gewachsen ist.

Die Abenteuer von Amanda für sich genommen ergäben sicherlich einen guten Jugendbuch-Krimi.

Mir fehlte hier die poetische Sprache und die magische Komponente, die nur mal eben kurz bei einer Protagonistin im Ripper Spiel etwas hervor blitze.

Nach dem ersten Drittel ergeben sich neue, wenig glaubwürdige Wandlungen, zum Beispiel:

-als Indianer sich von Allen trennt, weil der plötzlich seit Jahren eine Geliebte hat, das hätte man vorher nicht vermutet und wurde auch nicht angedeutet. Mir kam es so vor: Allen musste Platz machen für einen Quickie mit dem Navy Seal. Genau so „flach“ wurde es dann auch im Buch beschrieben.

-Dann lehnt Indiana einen Versöhnungsheiratsantrag von Allen ab, und am Wochenende fahren sie zur Versöhnung auf sein Weingut. Das wirkte deplatziert und überhaupt nicht nach vollziehbar, so dass ich schon fast glaubte, irgendetwas überlesen zu haben, was aber nicht der Fall war.

-Navy Seal Miller ist erst der strahlende Held, dann Liebhaber und Sado-Maso-Gebieter. Hinzu kommt: als Kind hatte er eine Lese-Schreibschwäche und jetzt als Erwachsener ein Alkohol-Problem und ein Irak-Kriegs-Trauma. Ganz nebenbei hat er in Obamas Auftrag das vermeintliche Haus von Osama Ben Laden gestürmt. Noch mehr geht nicht, oder??

-Bob, Amandas Vater und Ex-Mann von Indiana, verhaftet seine mexikanische Verwandtschaft bei Hundekämpfen.

Alles wirkt zu konstruiert, zu schnelle Handlungswechsel, die aber nicht spannend sind, sondern irritieren.

Vielleicht wollte Isabel Allende den Charakteren eine Persönlichkeit und Tiefe geben, leider wirkt es nicht vielschichtig, sondern konstruiert, es lies mich während des Lesens ständig verwundert die Stirn runzeln.

Mit dem Gesprächston zwischen Amanda zu den Erwachsenen eckte ich auch an, irgendwie war mir dieser zu „befehlstonhaft“ und zu forsch.

Hier noch drei Passagen aus dem Buch, einfach so:

Seite 7: So wird das erste Opfer, der Schulwachmann beschrieben: „Baseballschläger im Abseits, um das Opfer nicht durch eine präzise Lokalisierung herabzuwürdigen.“

Seite 40:  „… und ihn trösteten, wenn die Dummheit der menschlichen Spezis in bedrückte.“

Seite 110: „… Blake Jackson hatte wie jeden Freitag seine Enkelin von der Schule abgeholt. Er freute sich die ganze Woche auf diesen Moment, wenn er Amanda ganz für sich in seinem Auto hatte, und nahm die Straßen mit dem dicksten Verkehr, um es möglichst lange auszukosten. Großvater und Enkelin waren Kumpane, Komplizen, Spießgesellen, wie sie gerne sagten. Während der fünf Tage, die Amanda im Internat verbrachte, sprachen sie fast täglich miteinander und nutzen die freie Zeit zum Schach- oder Ripper-Spielen. Am Telefon kommentierten sie die Nachrichten, die er für sie vorsortierte, mit besonderem Augenmerk auf Kurioses“.

Fazit:

Die Emotionen der Protagonisten und der wunderschöne Schreibstil der Autorin fehlten hier komplett. Das Buch ließ sich nichts desto trotz leicht, locker und schnell lesen. Die Geschichte hinterlässt einen leichten Wirrwarr und die Protagonisten sind sehr oberflächlich angelegt. Das ist sehr schade, denn die Geschichte an sich wäre sicherlich richtig gut geworden. Ich würde sagen, es ist eine einfache Sommerlektüre, die man lesen kann, aber nicht unbedingt gelesen haben muss. Die am Anfang der Geschichte wunderbare Großvater-Enkelin-Beziehung erinnerte mich zudem an ein anderes Buch von Isabel Allende, „Mayas Tagebuch“.

Wie ich im Nachwort nachlesen konnte, war dieser Roman von vier Schriftstellern angefangen worden, und wurde dann von Isabel Allende aber alleine weiter und zu Ende geschrieben. Das passt dann zu dem ganzen durcheinander, das fabriziert wurde.

Man liest es gerne, merkt aber deutlich dass insgesamt Potenzial verschenkt wurde.

Link zum Buch/Verlag, Leseprobe und Buchtrailer: http://www.suhrkamp.de/isabel-allende/amandas-suche_1214.html

 

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