Kallentoft, Mons & Luttemann, Markus – Die Fährte des Wolfes

Kallentoft, Mons & Luttemann, Markus
Die Fährte des Wolfes
978-3-608-50371-5
Tropen Verlag /Klett-Cotta

Inhalt:

Zack Herry hat eine glänzende Karriere bei der Stockholmer Polizei hingelegt. Als Mitglied einer Sonderkommission jagt der junge Polizist die Kriminellen der Stockholmer Unterwelt. Nachts zeigt sich jedoch seine dunkle Seite. Zack hängt in Clubs ab, konsumiert unkontrolliert Kokain und lässt sich auf Schlägereien ein. Während ihm die internen Ermittler auf den Fersen sind, versucht Zack herauszufinden, warum vier thailändische Frauen in einem Massagesalon gnadenlos hingerichtet wurden. Handelten die Mörder aus blindem Frauenhass oder steckt ein rassistisches Motiv hinter dem Mordanschlag? Als eine Zeugin zugibt, dass auch illegaler Frauenhandel nicht auszuschließen ist, geraten die um das Prostitutionsmonopol konkurrierenden Banden der Stadt in Zacks Blickfeld. Doch woher stammen die brutalen Bisswunden am Körper einer der Frauen? Und sind möglicherweise noch weitere Personen in Gefahr? (Quelle Tropen/Klett Cotta)

Meine Meinung:

Entdeckt habe ich das Buch in meiner Stadtbücherei. Es hat mich gereizt mal wieder einen Krimi zu lesen und die lobenden Worte wie „Neuer skandinavischer Held“ und „Cooler Mix aus Lisbeth Salander und Harry Hole“ (Zitat von Le Monde), machten mich neugierig. Der Klappentext spricht von einem unkontrolliert Kokain konsumierenden Polizisten namens Herry, der nachts die Stockholmer Unterwelt aufmischt.

Herry, durchtrainiert, gut aussehend mit seinen blond gelockten Haaren und starker Nase. Er ist seit Jahren mit Abdulah Khan befreundet, einem Drogendealer. Er nimmt Drogen, Kokain, ab und zu? Ich dachte „ab und zu“, geht das überhaupt? Würde man nicht komplett süchtig werden? Diese Darstellung, dass man Kokain wie eine Zigarette  konsumieren kann, finde ich bedenklich.

Ich habe die Geschichte bis Seite 149 gelesen. Sie war nicht schlecht, aber sie war auch nicht wirklich gut. Ich hatte das Gefühl, Hauptprotagonist Herry ist völlig mit Eigenschaften und Schicksalsschlägen überfrachtet worden:

Er selber, Kokain abhängig, ab und zu (!!??). Obwohl er bei der Polizei arbeitet, hat er einen Drogendealer zum Freund. Er hat eine Spezialausbildung. Lebt unter falschem Namen, weil auf einer islamistischen Hassseite ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt wurde. Er ist erfolgreich im Beruf und das alles bereits mit 27 Jahren. Dazu natürlich gut aussehend. Er kümmert sich um das 11-jährige Mädchen in der Nachbarswohnung, ich konnte den Grund verstehen, weil er selber ähnliches erlebt hat, leider war diese „Gut-Mensch-Nummer“ für mich einfach nur, dass man Herry einen weiteren Charakterzug angehängt hat, und damit wieder nicht glaubwürdig. Zudem nervten mich ständige Rückblicke in die Kindheit. Die Mutter wurde Opfer eines Verbrechens, er hat geschworen, den Täter zu finden. Mit dem Vater war auch was, ich kann mich schon gar nicht mehr erinnern.

Gleich am Anfang lernt man seine Freundin kennen. Mera ist Tochter eines reichen Lebensmittel-Unternehmers. Sie mag es hart beim Sex, ist wohl masochistisch veranlagt. Wieder völlig überladen. Dazu bleibt sie bis Seite 149 sehr im Hintergrund, taucht nur auf, wenn es um Sex geht.

Die drei Asiatinnen die getötet werden: Massage-Studio, Menschenhandel und es kommt noch schlimmer. Eigentlich wollt ich gar nicht mehr weiterlesen, habe aber die restlichen Seiten schnell durchgeblättert, deswegen weiß ich auch, was es mit den Wölfen auf sich hat.

Die Kollegin wird angeschossen, während Herry, der Held, die Rocker überwältigt. Überhaupt, die Kollegen. Wirken alle sehr konstruiert und überfrachtet:

Deniz: ist aus Kurdistan geflohen, hat gesehen, wie eine Freundin verbrannt wurde. Hat ihren kleinen Bruder mit über die Grenze geschmuggelt. Heute ist sie schwedische Polizistin der Sondereinheit.

Sirpa: Hatte Unfall, bei dem ein Kollege starb, sie hat beide Knie zertrümmert. Computer-Genie.

Rudolf: Ist blind, macht trotzdem Dienst.

Douglas: der Oberklassen-Chef der Einheit, der ein „väterliches“ (?) Auge auf Herry hat.

Die Geschichte selber, bis Seite 149: Es wird im asiatischen Massage-Sex-Milieu ermittelt. Es kommt eine Rockergang hinzu. Ausländerfeindlichkeit speziell gegen Asiatinnen. Dazu die vielen Charaktere mit ihren Geschichten, das ist einfach ein zu viel von allem.

Fazit:

Die Inhaltsangabe und der Klappentext machten mich neugierig und ich freute mich auf einen wirklich spannenden Roman mit einem ungewöhnlichen Helden. Leider wurde daraus nichts. Ich habe bis Seite 149 gelesen und dann aufgegeben, den Rest nur noch überblättert.

Alle Charaktere, die in der Geschichte auftauchten, von Herry selber über seine verstorbene Familie, seine Freundin und seine Kollegen, sind völlig mit Schicksalsschlägen und Eigenschaften überfrachtet. Das war so überladen, so unglaubwürdig, es war einfach zu viel, so dass ich trotz eines kleinen Spannungsbogen (Wer hat die Asiatinnen getötet?) die Geschichte abgebrochen habe. Beim überblättern konnte ich noch in Erfahrung bringen, was es mit den Wölfen auf sich hatte, aber der Rest interessierte mich einfach nicht mehr.

Die Geschichte konnte mich leider nicht  packen. Besonders schade fand ich, dass mich Herry nicht überzeugen konnte. Ich mag besondere und auch kantige Ermittler, aber hier, das war einfach nur „too much“.

Das Buch erschien am 17. September 2017

Link zum Buch/Verlag mit Leseprobe: https://www.klett-cotta.de/buch/Literarischer_Krimi/Die_Faehrte_des_Wolfes/84795

 

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