Cavallaro, Brittany – Holmes & Ich (Bd.1 – Die Morde von Sherringford)

Cavallaro, Brittany
Holmes & Ich
Bd.1 – Die Morde von Sherringford
978-3-423-76136-9
Dtv

Inhalt:

So hast du Holmes und Watson noch nie erlebt! Drei Dinge will Jamie Watson partout vermeiden, als er gegen seinen Willen auf ein Internat an der Ostküste der USA geschickt wird:

  1. Dort auf die charismatische Charlotte Holmes zu treffen, Nachfahrin des legendären Sherlock, die allerorten für ihren komplizierten Charakter und ihr detektivisches Genie bekannt ist.
    2. Sich in besagte Charlotte zu verlieben – natürlich unglücklich.
    3. Gemeinsam mit Charlotte in einen Mordfall verwickelt zu werden.

Doch dann wird Jamie von seinem Zimmergenossen zu einer Party mitgeschleift, auf der er Charlotte begegnet und sofort von ihr fasziniert ist. Kurz darauf geschieht ein Mord. Hauptverdächtige: Jamie Watson und Charlotte Holmes! Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als die Ermittlungen selbst in die Hand zu nehmen.  (Quelle dtv Verlag)

Meine Meinung:

Sherlock Holmes und Dr. Watson mag ich gerne, ob zum Lesen oder als Serien-Verfilmung. Mir hat besonders gut die Verfilmung von 2009 mit Robert Downey Jr. und Jude Law gefallen, weil sie ausgefallene Film-Sequenzen hatte, die, nachdem man sich dran gewöhnt hatte, richtig toll waren. Leider wurde nur noch ein weiterer Teil gedreht. Literarisch habe ich dieses Adaption schon seit dem Erscheinen 2016 im Blick, und beim letzten Gang durch die Bücherei konnte ich nicht mehr wiederstehen: Eine weibliche Holmes? Wie sollte das gehen? Ich war gespannt auf die Umsetzung und freute mich auf ein Vielleicht-Love-Interest zwischen Holmes und Watson.

Die Geschichte wird aus der Perspektive von Jamie Watson erzählt. Der Erzählton ist flapsig modern, und manchmal etwas umständlich. Ich brauchte Zeit, in die Geschichte hinein zu finden. Und dann dauerte es auch ganz lange, eigentlich bis fast zum Schluss, bis ich mich mit den Charakteren Holmes und Watson anfreunden konnte. Auch konnte ich mir nicht so genau vorstellen, wie alt die beiden eigentlich sein sollten.

Charlotte Holmes ist ein merkwürdiges Mädchen. Eher eine Außenseiterin, schwarze glatte Haare, graue Augen und sehr schlank. Wenn ich lese, wie sie eine Scheibe Möhre in Viertel schneidet und jedes Viertel dann 17x kaut, und es weitere ähnliche Szenen gibt wie sie 20 Minuten auf so einem „Fitzelchen“ rumkaut, dann kommt mir der Gedanke, dass sie magersüchtig ist. Dazu nimmt sie Drogen und Oxycodon, ihrem Vorahnen Sherlock Holmes nicht unähnlich, dennoch entsetzte mich das ein wenig. Und sie raucht! Man kann sich vorstellen, dass sie ziemlich kratzbürstig ist, was auch im Angesicht ihrer Erziehung kein Wunder ist. Wurde sie doch bereits als Kleinkind auf allen detektivischen Einsatzgebieten unterrichtet, besser gesagt, „getrimmt“. Sie ist jetzt ein Phänomen mit großer Kombinationsgabe und großem Wissen. Aber auch einsam, denn ihre Familie ist bis auf ihren Bruder Milo nicht sonderlich herzlich oder liebevoll.

Zitat Seite 12: „Ihre feinen dunklen Brauen standen in krassen Kontrast zu ihrem blassen Gesicht mit den grauen Augen und der geraden Nase. Alles an ihr war farblos und ernst und trotzdem schaffte sie es, wunderschön auszusehen. Nicht auf eine gewöhnliche Art. Eher wie die Klinge eines Messers, in der sich das Licht spiegelt, sodass man sofort den Wunsch verspürt, es in die Hand zu nehmen.“

Ganz anders ist Watson. Der, obwohl seine Eltern getrennt sind, eher ein positiv eingestellter Junge ist. Bei ihm empfand ich das Alter ganz ambivalent. Er ist ja der Erzähler dieser Geschichte, und ich gebe zu, ich habe mich von der Softie-Illustration auf dem Cover ablenken lassen. Soweit ich auf der Homepage von dtv sehen konnte, gibt es jetzt ein neues Cover für den ersten Band. Aber zurück zu Jamie. Er erzählt die Geschichte so, dass ich ihn erst 14jährig eingestuft hätte, aber er ist schon älter. Er kam mir leider auch ein wenig leidlich vor, und ich hatte den Eindruck, dass er Holmes wie ein kleiner Hund hinterherlief, und das ließ ihn charakterlich schwach wirken.

Die beiden treffen auf einer privaten Schule in Amerika zusammen, in Sherringford, ein Internat für reiche Kids mit eigenem Privatjet. Und dort gibt es auch gleich einen Mord, an dem ausgerechnet die beiden verdächtigt werden. Und so beginnen die Ermittlungen, in denen sich Watson Holmes praktisch aufdrängt. Holmes muss mit einem Freund erst mal klar kommen.

Das Love-Interest, wenn man es so nennen will, ist am Anfang einseitig. Klar. Watson ist in Holmes vom ersten Augenblick an verliebt und fühlt sich verantwortlich für sie. Das resultiert schon aus dem Verhalten ihrer Vorfahren, dem echten Holmes und Dr. Watson. Damit will ich nicht sagen, dass die beiden verliebt waren, aber Dr. Watson war in den alten Geschichten und Filmen freundschaftlich sehr besorgt um Holmes. Genauso wie jetzt Jamie Watson besorgt um Charlotte Holmes ist, aber bei Jamie Watson kommt noch ein Schuss Verliebtheit hinzu. Aber Charlotte Holmes hat ein schlimmes Erlebnis unter Drogen hinter sich, dass sie erst mal verarbeiten muss. Ganz am Schluss taut sie vielleicht ein bisschen auf.

Ich tat mich am Anfang auch ungeheuer mit dem Alter der beiden schwer, denn es gab keine direkten Angaben, außer das mal eine Schulklasse erwähnt wird, ob das aber der Jahrgang ist, zu dem Holmes und Watson gehörten glaube ich nicht (9. Klasse). Aufgrund der Eskapaden von Holmes wie Drogen, Poker und Rauchen würde ich sie eher ab 16 Jahre aufwärts einschätzen, wahrscheinlich noch älter. Zudem hat sie ein eigenes Labor an der Schule, einen kleinen Abstellraum, aber bestens ausgestattet. Watson erschien mir jünger, auch wenn er älter dargestellt werden sollte. Er hat den Führerschein, also muss er mindestens 16 Jahre alt sein, für Amerika zumindest. Mit ihm wurde ich aufgrund seines ambivalenten Verhaltens bezüglich seines Alters nicht ganz einig. Auf dem Cover wirkte sein Gesicht ziemlich kindisch.

Witzig und unerwartet war Watsons Vater, den er lange Zeit nicht gesehen hat. Sein Verhalten war so ganz anders als erwartet. Er fiebert praktisch mit seinem Sohn mit und verfolgt amüsiert den Fall, den Holmes und Watson zu lösen versuchen.

Auch Holmes Widersacher Moriarty wird erwähnt, aber wiederum ganz anders als erwartet. Er ist 20 Jahre alt und hat Holmes unterrichtet! Holmes hatte sich in ihn verliebt, und man darf gespannt sein, wie und ob es im zweiten Band dazu weitergeht. Es könnte eine Dreiecksbeziehung entstehen.

 

Fazit:

Die Geschichte an sich gefällt mir mit ihrem ironisch flotten Grundton gut, sie ließ sich aber etwas sperrig lesen. Holmes und Watson sind tatsächlich Nachfahren des echten Sherlock Holmes und von Dr. Watson. Irgendwie stehen sie aber immer noch in Konkurrenz, und gerade in der Familie Holmes werden die Kids schon von Kleinkind an auf ihren detektivischen Spürsinn gestriezt. Von daher ist die weibliche Charlotte Holmes auch nicht so zugänglich, als sie Jamie Watson auf der privaten Schule in Sherringford kennen lernt.

Problematisch fand ich das Alter der beiden zu bestimmen, etwas dass mich immer wieder beim Lesen irritierte. Oft erschienen sie mir zu jung für das Geschehene. Im Buch gibt es keine konkreten Aussagen dazu. Deswegen tat ich mich auch mit Watson schwer, den ich in der Pubertät vermutete, so wie er sich manchmal verhielt. Zudem erschien er mir extrem sentimental und auch ein gutes Stück naiv. Holmes dagegen ist hart und rationell.

Alles in allem: Zwei jugendliche Nachfahren von Sherlock Holmes und Dr. Watson lösen ihren ersten Fall  zusammen. Zwar ein etwas sperriger Einstieg, aber ich denke, die Reihe könnte sich lohnen. Also, wer Holmes und Watson mal so ganz anders mag, sollte dieses Buch lesen, aber einige Abstriche machen. Ich werde auf alle Fälle noch den zweiten Band lesen, hoffend, dass dieser sich dann besser eingespielt hat.

Link zum Buch/Verlag mit Leseprobe: https://www.dtv.de/buch/brittany-cavallaro-holmes-und-ich-die-morde-von-sherringford-71771/

Reihenfolge Holmes & Ich
Band 1 Die Morde von Sherringford
Band 2 Unter Verrätern

 

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