Jensen, Jens Henrik – Oxen (Bd.1 – Das erste Opfer)

Jensen, Jens Henrik
Oxen
Bd.1 – Das erste Opfer
978-3-423-26158-6
Dtv

Inhalt:

Niels Oxen, ein schwer traumatisierter Elitesoldat, zieht sich in die Einsamkeit der dänischen Wälder zurück, um seinen inneren Dämonen zu entkommen. Doch bei einem nächtlichen Besuch des Schlosses Nørlund wird er zum Hauptverdächtigen in einem Mordfall: Hans-Otto Corfitzen, Exbotschafter und Gründer eines Thinktanks, wurde auf dem Schloss zu Tode gefoltert. Oxen gerät in die Fänge des dänischen Geheimdienstes. Seine einzige Chance: Zusammen mit der toughen Geheimdienstmitarbeiterin Margrethe Franck muss er die wahren Täter ausfindig machen. Die Spuren führen zu einem übermächtigen Geheimbund. (Quelle dtv)

Meine Meinung:

Wie immer bin ich ein wenig spät –Anfang März erschien bereits der zweite Band der Oxen-Reihe und ich habe jetzt gerade mal den ersten Band gelesen. Die Inhaltsangabe und auch die Werbung hörten sich echt vielversprechend an. Ich freute mich auf gute Unterhaltung und vor allem auf kernige Charaktere.

In diesem Lexeexemplar-Druck wurden auf den letzten Seiten in der Vorschau übrigens die Farben der Cover vertauscht.

 

Die Geschichte beginnt mit einem Obdachlosen in Skorping, Dänemark, der in Müll nach Lebensmittel sucht und jegliche Konfrontation vermeidet. Er wirkt schwächlich und labil. In seinem Verschlag in einem alten Keller trinkt und kifft er außerdem. Er hat einen Hund bei sich, sein einziger Freund.

Ein weiterer Erzählstrang stellt in schneller Reihenfolge drei Protagonisten vor: Hannibal Frederiksen, findet seinen Hund gehängt auf seiner Finca in Spanien am „Ufer des Embalse del Guadalhorce –Guadalteba“. Mit den geographischen Benennungen konnte ich nichts anfangen, also habe ich mir mal angeschaut, wo das bzw. was das ist. Also, der Guadalhorce und der Guadalteba sind zwei Stauseen in Spanien, ca. 60km von Malaga entfernt. Es scheint eine wunderschöne Gegend zu sein, wenn man im Internet nachforscht. Im Buch wurde die Landschaft leider nur mit einem Satz abgehandelt, aber was man nicht wissen konnte, diese Episode hatte ja auch nur eine kleinere Bedeutung, denn diese Strategie, wonach Hunde  gehängt werden, geht hier in der Geschichte dann nur noch in Dänemark weiter. Was es mit dem (auch im echten Leben !) Ritual  „Hunde hängen“ (Stichwort Galgos) in Spanien auf sich hat, wird im Buch erklärt. Es reicht auch schon, wenn man die Stichwörter bei Google eingibt. Ich schweife ab, nun ja, jetzt bin ich gerade mal auf den ersten zehn Seiten im Buch angelangt und kann schon einiges berichten, auch wenn es mit der Geschichte nicht unbedingt etwas zu tun. Also zurück Oxen.

Dieses Ritual wird in Dänemark fortgesetzt: ein paar Tage später Anwalt Mogens Bergsoe seinen gehängten Hund direkt hinter der Terrasse am Baum.

Beide, Frederiksen und Bergsoe, haben Angst, sie wissen etwas oder scheinen etwas zu wissen, fühlen sich auch vielleicht ein bisschen schuldig, also als Leser ist man neugierig. Vor allem, weil beide Sicherheitsleute bekommen, die nirgends registriert sind. Dennoch sind beide, unfassbar, kurze Zeit später tot.

Hans Otto Corfitzen geht seinen Geschäften auf dem Landsitz Norlund Slot nach. Er ist ehemaliger Botschafter und nun in Rente, widmet sich seinen Stiftungen, seinem Sägewerk, der Verwaltung seines Gutes und seinem Think Tank „Consilium“. Er hat eine Tochter, die in London lebt, sie sehen sich kaum. Wie man bereits im Klappentext lesen kann, ist er auch kurze Zeit später tot, ebenso wie bei den anderen hängt sein Hund tot am Baum.

Der Obdachlose hat die Nase von der Stadt voll und zieht in den Wald, dem Nationalpark Rold Skov. Hier richtet er sich mit seinem Hund, den er „Mr. White“ nennt, einem Samojeden (Spitz), häuslich, aber provisorisch ein. Der Leser erfährt jetzt (was er vielleicht schon vermutet hat), dass dieser Obdachlose der Hauptprotagonist der Geschichte, Niels Oxen, ist. Er kämpft mit Pfeil und Bogen, versucht Fische zu fangen, aber nichts will ihm am Anfang gelingen, er hungert. Schließlich dehnt er seine Erkundungsgänge aus und beschließt eines Nachts einfach so, sich Norlund Slot, ein Herrenhaus/Schloss, anzuschauen. Ab dort gerät er in mysteriöse Ereignisse, zum einen sieht er zwei Bodyguard und Licht im Haus, er will aber nicht näher ran, weil überall Überwachungskameras hängen und mit Mr. White ist er so schon ziemlich auffällig. Er zieht sich zurück, und entdeckt den aufgehängten Hund von Corfitzen. Er sieht zu, dass er schleunigst verschwindet.

Viele Ortsnamen Dänemarks sind mir nicht geläufig, und so hatte ich schon einige Orientierungsprobleme. Ich habe nachgeschaut und festgestellt, dass der Nationalpark Rold Skov und Norlund Slot ca. 12km voneinander entfernt sind. Weiter Ortsnamen die genannt werden sind Aarden, Aars, Sejs-Svejbaek, Borre So, Silkeborg, Haverslev …

Zwischendurch kommen auch immer wieder ein Mann und eine Frau zu Wort, die die Mörder sein könnten. Am Anfang war ich mir da nicht so sicher, denn man wird absichtlich im Unklaren gelassen, und ist entsprechend gespannt. Die beiden kommen sehr weit, und am Schluss war klar: Sergej Pronko und Simona Zakalskyte sind auf einem privaten Rachfeldzug. Ob sie überleben werden?

Was Nils Oxen nicht weiß, ist, dass der Ex-Botschafter Corfitzen mittlerweile getötet wurde. Schnell kommen die Ermittler ihm auf die Spur, und stöbern ihn im Wald auf. Er geht mit aufs Polizeirevier. Noch wissen sie nicht, wen sie haben, aber hier erfährt man, wer genau Oxen ist.

Zitat Seite 73: „Er ist Kriegsveteran und ehemaliger Elitesoldat der Jäger. Und er ist der höchstdekorierte Soldat, den es in Dänemark je gegeben hat.“

Für mich wurde es nun etwas unübersichtlich, weil sehr viele Ermittler und höhere Vorgesetzte vorgestellt wurden, die alle für den weiteren Verlauf noch wichtig sind und über die man etwas unvorhergesehenes erfährt. Alle stehen auch irgendwie mit Niels Oxen in Verbindung, aber keiner will diese Bekanntschaft zugeben. Sehr vieles wird tot geschwiegen. Nur Margrethe Franck bleibt hartnäckig und wird im Laufe der Geschichte viele Geheimnisse um Oxen lösen.

Zur besseren Übersicht stelle ich hier die weiteren Protagonisten vor:

Margrethe Franck: Geheimdienstmitarbeiterin, hartnäckig, kurze blonde Raspelhaare, Beinprothese, mal kühl, mal sympathisch.

Axel Mossmann: Chef des Geheimdienstes, britisches Äußeres, Gentleman-Like, Tweed Anzug, ergrautes Haar, sehr groß, ist eine „Institution“ im Geheimdienst mit guten Verbindungen zum M15+16 und außerdem Margrethe Francks unmittelbarer Vorgesetzter.

Torsten Vester: Polizeidirektor

Max Bojlesen: Polizeipräsident, eher unangenehm, hat Dreck am Stecken, kennt Niels Oxen sagt aber nichts.

Martin Rytter: Operativer Leiter des PET (= Geheimdienst, Inlandsnachrichtendienst), scharfer Verstand.

Rasmus Grube: Leiter Morddezernat Nordjütland. Sympathisch.

 

Niels Oxen wird verhört, und als Leser ahnt man schon, die würden ihm gerne den Mord am Botschafter anhängen, weil er dort im Wald nächtigt. Ergebnislos wird zunächst das Verhör abgebrochen. Er wird zum einem zweiten Verhör gebracht, als klar wird, dass er angeblich sowohl den Anwalt Bergsoe als auch Ex-Botschafter Corfitzen kannte. Er wird und er fühlt sich auch unter Druck gesetzt. Er hat schon lange Jahre nicht mehr so viel gesprochen, wie jetzt beim Verhör. Er muss Konversation erst nochmal üben. Er führt das auf die letzen Jahre zurück, als er alleine auf der Straße lebte. Dies wurde mir nicht überzeugend genug präsentiert.

Es werden noch andere, überraschende Taten von Oxen bekannt, die ihn in kein gutes Licht stellen, im Gegenteil, die ihn immer mehr in den Fokus als Mörder rücken. Viele dieser Taten sind sehr widersprüchlich zu seinen Heldentaten, manche resultieren auch daraus.

Vom Geheimdienstleiter Mossmann bekommt er ein Angebot, dass er zunächst ablehnt, bis ihn das ereilt, was auch die anderen Mordopfer als Warnung bekamen: Mr. White wird getötet. Jetzt erst kommt Oxen richtig zur Besinnung und geht auf das Angebot ein. Er hat nichts mehr zu verlieren.

Von seiner Zeit als Soldat in Serbien und Afghanistan hat er Flashbacks und ein Trauma (Posttraumatische Belastungsstörung), nachts kämpft er mit den „Sieben“, die ihn nicht schlafen lassen. Schlimme Erlebnisse aus Soldat- und Kriegszeiten, die ihn nicht mehr loslassen, die ihn quälen, mürbe und für Alkohol anfällig machen.

Mossmann besteht auf eine Zusammenarbeit zwischen Margrethe Franck und Oxen, obwohl beide nicht begeistert sind. Nach und nach werden sie aber trotzdem zu etwas wie einem Team, gezwungenermaßen.

Margrethe Franck nimmt sich Oxen gründlich vor. Sie entdeckt nicht nur einige Ungereimtheiten, sondern auch, dass der 43-jährige Oxen verheiratet war und einen 12-jährigen Sohn hat. Sie schafft es sogar, an die Akte seiner Psychologin zu kommen und so teilweise Einblick in sein Seelenleben zu erhalten.

Es geht sehr rasant weiter, und oftmals wusste ich nicht mehr, wem man trauen konnte und nicht. Alle Protagonisten schienen zwei Seiten zu haben.

Und am Schluss, als dann der Geheimbund „Danehof“ ins Spiel kommt, ist man nicht wirklich schlauer.

Zitat Seite 375: „… der Danehof war der Ort, wo die Mächtigen Dänemarks sich gegenseitig Grenzen setzten. Aber in Wahrheit war es der Ort, wo alles entschieden wurde. Man legte hier sogar fest, wer Königs sein sollte. …“

Es gibt einen klitzekleinen historischen Exkurs zum Danehof, den ich sehr interessant fand. Auch der Bezug zur Magna Charta (Libertatum) im Jahr 1215 erweckte Erinnerungen an Geschichtsstunden in der Schule, an den „Großen Freiheitsbrief“ und die Jahreszahl hat sich mir bis heute ins Gedächtnis eingebrannt. Schön, mal wieder, wenn auch kurz und in ganz anderem Kontext, darüber zu lesen.

Denn von Anfang an erscheint es diese vierte Instanz zu geben, die alles beobachtet.

  1. Niels Oxen
  2. Geheimdienst PET mit Magrethe Franck und Axel Mossmann etc.
  3. Sergej Pronko und Simona Zakalskyte
  4. Danehof

Es gab auch einige Ungereimtheiten für mich. So sind Sergej Pronko und Simona Zakalskyte auf einem privaten Rachfeldzug. Dass sie als Privatleute solche weitreichenden Pläne schmieden und soweit kommen konnten, erschien mir, trotz dass Sergej ein Elitesoldat ist, doch eher unwahrscheinlich. Denn eigentlich können Sergej Pronko und Simona Zakalskyte nicht besser als die „Schatten“ des Danehofs sein.

Auch unlogisch: Niels Oxen wird wirklich auf Schritt und Tritt von drei Parteien beobachtet, und merkt es immer erst, wenn es zu spät ist, wie z.B. im Wald, oder mit dem Autopeilsender, am Norlund Slot als Arvidsen erschossen wird oder in der Waldhütte. Hätte er das als genialer Elitesoldat selbst in seiner schlechten Verfassung nicht bemerken müssen? Auch als er bei seinem Freund L.T. Fritsens auf Amager „Sicherheiten“ hinterlegt, hätte der Geheimbund ihn auch nicht bis dort hin verfolgt? Wennn sie ihm schon auf Schritt und Tritt auf den Fersen sind?

Aber die Geschichte ist ja auch auf eine Trilogie angelegt, vielleicht ergibt es dazu noch etwas oder Oxen wird einfach immer besser.

Fazit:

Zunächst einmal, die Geschichte lässt sich flüssig und auch unterhaltsam lesen. Allerdings wurde mein Lesegenuss von den oftmals sehr holzigen Dialogen gestört. Viele Sätze erschienen mir abgehackt, genauso wie manchmal die Protagonisten handelten. Einmal murren sich Oxen und Margrethe an, dann im nächsten Moment tun sie sehr freundschaftlich, das passt nicht. Da fehlt der emotionale Übergang.

Leider konnte mich Niels Oxen von Anfang an nicht überzeugen. Er soll ein gebrochener Elitesoldat sein, der sich langsam wieder seiner Fähigkeiten erinnert. Er erschien mir wirklich sehr schwächlich, verhältnismäßig naiv und schien alle seine Instinkte verloren zu haben. Das erschien mir weit übertrieben, bzw. wie absichtlich so „klein und dümmlich“ dargestellt. Ich habe es gelesen, aber es kam nichts davon bei mir an. Ich konnte diese Wandlung vom Wrack zurück zum Elitesoldat nicht mitfühlen.

Am Anfang kann es zudem unübersichtlich werden, wenn Polizeipräsident, Polizeidirektor, Geheimdienstchef, Operativer Leiter des PET und der Leiter des Morddezernates erschienen. Und wie sich im Laufe der Handlung herausstellt, haben einige von ihnen Verbindung zu Oxen, wovon aber niemand wissen soll.

Prägnanter ist da Margrethe Franck, aber so richtig viel erfährt man von ihr auch nicht. Sie muss gezwungenermaßen mit Oxen zusammen arbeiten. Zudem wird auch sie sehr unterschiedlich dargestellt, so dass ich mir kein richtiges „Bild“ machen konnte.

Das Setting in Dänemark im Nationalpark Rold Skov und im Norlund Slot fand ich sehr ansprechend. Eigentlich gefielen mir die Umgebungsbeschreibungen besser als die darstellenden Charaktere.

Die Idee für diese Geschichte mit den Verschwörungs-Theorien und Geheimbünden gefällt mir echt gut. Auch die Idee für die vielseitigen Charaktere ist gelungen. Niels Oxen ist durchaus ein interessanter Charakter, zwiespältig und innerlich zerrissen, und immer für eine Überraschung gut. Genauso wie viele andere Protagonisten, die im Verlauf der Geschichte anscheinend alle zwei oder mehrere Gesichter offenbaren. Aber die Umsetzung im Buch gefällt mir fast gar nicht, weil die Charaktere oftmals so hölzern agieren.

Alles in allem: Die Idee der Geschichte finde ich sehr aufregend. Ein Elitesoldat der sich zurück ins Leben und dabei gegen eine Geheim-Organisation kämpft. Dennoch haben die hölzern agierenden Charaktere mir fast die Leselust für die weiteren Bände genommen. Ich könnte mir hier tatsächlich vorstellen, dass diese Geschichte verfilmt besser daher kommt.

Sterne: Also, das ist echt schwierig. Wie so oft finde ich die Idee und das Setting wirklich gut, aber die Umsetzung war einfach nicht „meins“. Das lag an hölzernen Dialogen und Handlungen, und manchmal auch am recht einfältig wirkenden Oxen selber. Den ehemaligen Elitesoldat nahm ich ihm nicht ab, und gerade das wäre ja der Spannungsbogen schlecht hin gewesen. Auch in der Zusammenarbeit mit Margrethe fehlt der Esprit. So ist sie in einem Moment abwesend, im anderen Moment fürsorglich. Zu oft fehlten einfach die emotionalen Übergänge, um eine Handlung plausibel zu machen. Im Prinzip habe ich die Geschichte schon gerne gelesen, aber die Folgebände haben momentan keine Priorität. Für die Idee und das Setting könnte ich locker fünf Sterne geben, aber für die sprachliche und emotionale Umsetzung leider nur zwei von insgesamt fünf Sternen.

Link zum Buch/Verlag mit Leseprobe: https://www.dtv.de/buch/jens-henrik-jensen-oxen-das-erste-opfer-26158/

Reihenfolge Oxen
Band 1 Das erste Opfer
Band 2 Der dunkle Mann
Band 3 Gefrorene Flammen

 

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