Preston, Douglas – Die Stadt des Affengottes

Preston, Douglas
Die Stadt des Affengottes
978-3-421-04757-1
DVA

Inhalt:

Schon seit dem 16. Jahrhundert gab es Gerüchte über eine Provinz im Regenwald von Honduras, deren Städte reich und prachtvoll seien, ganz besonders die Weiße Stadt, auch Stadt des Affengottes genannt. Immer wieder machten sich Abenteurer und Archäologen auf die Suche nach den Zeugnissen dieser Zivilisation, die offenbar nicht zu den Mayas gehörte. Manchmal stießen sie tatsächlich auf Ruinen, aber eine wirkliche Erforschung war in dem von giftigen Schlangen und tödlichen Krankheitserregern verseuchten und vom Dschungel überwucherten Gelände unmöglich. Erst die moderne Lasertechnik, mit deren Hilfe das Gelände aus der Luft gescannt wird, ermöglichte genauere Hinweise, wo sich größere Ansiedlungen befinden. Um sie vor Ort zu untersuchen muss man sich allerdings auch heute noch auf den beschwerlichen Weg durch den Dschungel machen. Der Schriftsteller und Journalist Douglas Preston schloss sich kürzlich einer archäologischen Expedition an. Sie fand tatsächlich die eindrucksvollen Ruinen einer untergegangenen Stadt, aber sie zahlte am Ende auch einen hohen Preis. (Quelle DVA/Random House)

Meine Meinung:

Auf dieses Buch wurde ich durch verschiedene Print-Medien, vereinzelte Blog-Beiträge und durch den Glühweinabend meiner Stadtbücherei aufmerksam. Das Buch kam ziemlich von Anfang an auf meine Leseliste.

Eigentlich war ich der Meinung, dass das Buch eine fiktive Geschichte ist. Denn auch das Cover ist für mich nicht unbedingt ein Zeichen, dass es sich um ein Sachbuch handeln könnte. Als ich mit dem Lesen anfing, war auch genau das mein Problem: Es gab sehr viele historische Verweise und dass stellte mich vor die Frage, ob nun denn zu dieser real statt gefundenen Expedition viel hinzugedichtet und angedichtet wurde oder nicht? Denn eigentlich interessieren mich solche Meldungen von gefundenen archäologischen Stätten sehr, aber ich könnte nicht sagen, dass ich im Jahr 2016 bis 2017 darüber in den normalen Zeitungen gelesen hätte. Und wenn es tatsächlich solch ein Wahnsinns-Fund gegeben hätte, dann wären diese Nachrichten doch sicherlich bis in die kleinsten Medien breit getragen worden? Vielleicht wurden diese Neuigkeiten auch nur in Fach-Journalen erwähnt, obwohl ja auch das National Geographic und die New York Times darüber berichteten, laut Quellenangaben im Buch jedenfalls.

Der Autor Douglas Preston erzählt in diesem Buch, wie er an einer Expedition zur Suche der „Ciudad Blanca“ oder „Die Stadt des Affengottes“ oder wie am Schluss „Die Stadt des Jaguars“ genannt, teilnahm. Mitten in einem der unzugänglichsten Gebiete von Honduras machte sich eine Gruppe bestehend aus Archäologen, Kamerateam, Sicherheitsleuten und Journalisten auf den Weg.

In Honduras werden sie von einem in solchen Regionen erfahrenen Sicherheits-Team  (Experten bei Urwaldeinsätzen), das die Expedition begleitet, eingewiesen. Sie werden über mögliche Gefahren informiert. Da wären zum Beispiel Schlangen, insbesondere die Lanzenotter (barba amarilla) und anderes Getier. Auch vor Mückenstichen wie von der Sandmücke wird gewarnt, überträgt diese doch die gefürchtete Leishmaniose, auch „Weißes Lepra“ genannt. Nicht zu vergessen die allgemeine Sicherheitslage in Honduras. Da sich das Land angeblich überwiegend in der Hand von Drogenbanden und Drogenkartellen befindet, ist eine besondere Vorgehensweise notwendig. So müssen alle wertvollen Gegenstände, wie zum  Beispiel die Lidar-Vermessungs-Technik und weitere Ausrüstung von Sicherheitsleuten bewacht werden, damit diese nicht gestohlen wird. Dasselbe gilt für die Tanklastwagen mit Sprit, die oft komplett gekapert werden. Der Sprit wird bei dieser Expedition für den Hubschrauber und das Kleinflugzeug gebraucht, um ein bestimmtes Gebiet zu kartieren und zum anderen dann später für die Erkundungsflüge zu der vermuteten Ciudad Blanca. Auch das Luxus-Hotel, wo die Teilnehmer am Anfang warten, hat eine hohe Sicherheitsmauer.

Die Expedition wurde in drei Etappen gegliedert. Die erste Etappe war, als die 2012 neue Lidar-Technik es ermöglichte, auch unter hohen Bäumen die Schichten der Erde zu vermessen und so auf ehemalige Grundrisse stoßen konnte. Die zweite Etappe war nachdem alle Genehmigungen eingeholt wurden, was bei einem Land wie Honduras nicht so einfach war, die Expedition und erste Erforschung beginnen konnte. Und zum dritten mal, ein Jahr später, um die Ausgrabungen wenigstens der „Opfergrube“ anzugehen. Dass man so diese Funde praktisch ein Jahr unbewacht liegen lassen musste, nur bewacht vom zweifelhaften Soldaten des honduranischen Militärs, tat sogar mir beim lesen „weh“.

Startpunkt der Expeditionen ist Catacames. Es dauert, bis die Expeditions-Teilnehmer diese „versunkene Stadt“ mitten im tiefen Dschungel erreichen, zum einen mit dem Hubschrauber und dann zu Fuß durch dichtesten Dschungel. Und das macht auch einen großen Spannungsbogen aus. Ein weiterer Nervenkitzel sind die giftigen Schlangen und Insekten, die Stechmücken und die Drogenbanden.

Aber bis es soweit kommt, muss der Leser durch eine Durststrecke. So kam es mir jedenfalls vor. Es werden viele historische Fakten genannt, die am Schluss des Buches mit Bezugsquellen hinterlegt sind. Schon lange gibt es Legenden, Geschichten und Gerüchte, und der Autor ist denen fast allen ausführlich nachgegangen und kann sie anhand nachgewiesener Quellen belegen. So wird auch bestimmten Lügenmärchen auf die Spur gekommen, gerade Theodore Morde’s falsche Funde könnte man heute noch im Smithsonian bestaunen. Nachdem die „Ciudad Blanca“ gefunden wurde, geht es mit Vermutungen aber auch mit Fakten im Buch noch lange Zeit weiter. Das war zwar interessant, aber ich gebe zu, es hörte sich für mich wie eine Aneinanderreihung von Geschichtsdaten an, und nicht nur, dass ich irgendwann den Faden verlor, es langeweilte mich auch. Und das, obwohl ich eigentlich ganz gerne über historische Ereignisse und Kontexte lese.

Mitten im Buch gibt es einige Fotos, von denen hätte ich gerne mehr gesehen.

Erschreckend und wachgerüttelt hat mich dann die Leishmaniose, auch „Weiße Lepra“ genannt,  eine von Sandmücken übertragene Infektion, die alle Expeditionsteilnehmer später, als sie schon zu Hause waren, befallen sollte. Hier wird ausführlich informiert, auch dass die Ausbreitung dank Klimawandel immer näher rückt und nicht nur im feuchten Dschungel-Klima zu finden ist. Zudem wird über das NIH Bethesda in Maryland berichtet.

Kontrovers ist auch sicherlich die Diskussion, die nach der erfolgreichen Entdeckung losging. Um nur mal einen Punkt zu nennen: Es ging auch darum, dass nicht diese Expedition die Entdecker dieser Stadt waren, weil die Einheimischen ja schon immer davon wussten. Oder auch überhaupt, dass diese Entdeckung eine „versunkene Stadt“ genannt worden ist, also medienwirksam und in „Indianer Jones“ Manier verkauft wurde. Dies hätte nichts mit wahrer Archäologie zu tun.

 

Fazit:

Ich war fasziniert: in der heutigen Zeit sollte es noch eine „versunkene Stadt“ geben, die in den Jahren 2015-2017 entdeckt wurde? Irgendwie ist das an mir vorbeigegangen, obwohl ich eine eifrige Zeitungsleserin bin. So 100% kann ich das Buch immer noch nicht einordnen, es erinnert mich im Allgemeinen an eine BBC Dokumentation. Historische Fakten, Gerüchte, Geschichten, eine Schatzsuche, eine Expedition, und eine lebensgefährliche Tierwelt ergeben eine eigentlich unterhaltsame Mischung. Informativ war zudem, wie Archäologen heute vorgehen und welche Techniken sie verwenden. Oder auch, welchen Strapazen sie sich aussetzen.

Gerade zum Thema Honduras, zu der Bevölkerung, der Geschichte und der politischen Lage wird einiges berichtet. Die historischen Informationen überwiegen allerdings.

Und so „zieht“ sich der Text. Obwohl schon versucht wird, historische Begebenheiten in spannende Kontexte zu setzen, gab es für mich erhebliche Längen. Ich verlor mit den ganzen Daten und Namen irgendwann den Überblick. Es erschien mir eine Aneinanderreihung von historischen Vorfällen, die aber alle mit Quellennachweis auf den letzten Seiten des Buches belegt sind.

Der große Spannungsbogen besteht darin, wann die Expeditions-Teilnehmer endlich die vermeintliche Stadt Ciudad Blanca erreichen und welche Gefahren ihnen auflauern: Die unstabile politische Lage, Drogenbanden, das Klima/Wetterbedingungen, die unbekannte Landschaft und vor allem gefährliche Tiere. Dies war in der Tat aufregend und nervenaufreibend zu lesen. Auch als sie nach ein paar Tagen wieder zurückkehren und die Funde zurücklassen mussten, das war hart und selbst ich fühlte mich, sozusagen am anderen Ende Welt, ziemlich unwohl dabei, ein solches kulturelles Erbe nur unzureichend bewacht allein zurück zu lassen. Man möchte gar nicht wissen, was alles schon gestohlen wurde.

Dazu kam dann noch, dass sich die Teilnehmer nach ihrer Rückkehr und den Veröffentlichungen unprofessionelles Vorgehen in „Indianer-Jones-Manier“ von anderen Archäologen vorwerfen lassen mussten. Und am Schluss des Buches wird es nochmal spannend, als eine gefährliche Infektionskrankheit, die sogenannte Leishmaniose alle Teilnehmer befällt.

Alles in allem: Eine Mischung aus Sachbuch, Historie, Schatzsuche und Realtiy Show. Eigentlich mag ich historische Kontexte, aber hier lesen sie sich wie gefühlte Aneinanderreihungen, auch wenn ich die Bemühungen durch Auflockerungen zu schätzen weiß. Dennoch konnte mich die Geschichte, die eine Mischung zwischen Sachbuch und Erfahrungsbericht ist, nicht vollends überzeugen, und das lag eindeutig an den historischen Längen.

Das Buch erschien am 4. September 2017

Link zum Buch/Verlag mit Interview und Leseprobe: https://www.randomhouse.de/Buch/Die-Stadt-des-Affengottes/Douglas-Preston/DVA-Sachbuch/e503384.rhd

 

 

 

Ein Kommentar zu “Preston, Douglas – Die Stadt des Affengottes

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