Cornwell, Patricia – Totenstarre (Kay Scarpetta Bd.24)

Cornwell, Patricia
Totenstarre
Kay Scarpetta Bd.24
978-3-95967-125-5
Harper Collins

Inhalt:

Es ist ein idyllischer Sommerabend in Cambridge, Massachusetts, an dem Doctor Kay Scarpetta zu der Leiche einer Radfahrerin in einem Park gerufen wird. Der Körper ist starr, doch die junge Frau kann noch nicht lange tot sein. Teile der Kleidung wurden ihr vom Körper gerissen, doch nicht von Menschenhand. Die goldene Totenkopfkette ist noch da, doch sie hat sich in die Haut der jungen Frau eingebrannt. Alles deutet auf einen Blitzschlag hin, doch es gab kein Gewitter. Noch ahnt Scarpetta nicht, dass diese mysteriöse Leiche auch mit ihr zu tun hat. Dass sie eine tödliche Nachricht von einem Menschen ist, der von Hass zerfressen ist – und der nicht aufhören wird, bis er am Ziel ist. (Quelle Harper Collins)

Meine Meinung:

Ich mag die „Kay Scarpetta Reihe“ unter anderem auch, weil man immer mit der neuesten Technik konfrontiert wird und ich die Entwicklung der Hauptcharaktere gerne verfolge. Beim letzten oder vorletzten Band hatte ich mir eigentlich vorgenommen, die Reihe nochmal ganz von vorne zu lesen, so gut gefällt sie mir. Denn lange Jahre ist es her seit dem ersten Band. Aber wie soll man das zeitlich schaffen, wenn man so schon kaum mit dem Lesen hinterherkommt?

Diese Geschichte hier ist etwas anders als sonst. So dauert es schon mal ziemlich lange, bis sie in Fahrt kommt. Auf den ersten 72 Seiten passiert nichts. Die Charaktere werden vorgestellt, auch wenn man sie schon kennt, ist eine kleine Auffrischung nicht schlecht, finde ich. Aber zwischendurch passiert halt nicht viel. Dazu kommen dieses Mal auch keine Neuheiten in Bezug Technik oder IT. Das ist schade.

So erfährt man von Dr. Scarpettas Schwester, die zu Besuch kommen will und an die ich mich so überhaupt gar nicht erinnere. Lucy, die Nichte und ihre Familie (Freundin und Adoptivsohn) werden erwähnt, Marino (mit dem Dr. Scarpetta schon sehr lange zusammen arbeitet) und natürlich ihr Ehemann Benton.

Dr. Kay Scarpetta hat sich in die UpperClass hinaufgearbeitet, ihr Ehemann Benton wurde hineingeboren. Benton, groß und attraktiv trotz seiner schlohweißen Haare, stammt aus einer kultivierten und wohlhabenden neuenglischen Familie. Dr. Kay Scarpetta stammt aus einer italienischen Einwanderer-Familie 2. Generation und hat sich ihren heutigen Lebensstil hart erarbeitet. Kay und Benton sind wohlsituiert, intelligent, kultiviert und Führungskräfte. Dies alles erfährt man auf den ersten hundert Seiten.

Marino hatte ich nicht mehr richtig in Erinnerung. Er wird hier 2m groß vorgestellt, ca.120 kg und mit kahl rasiertem Schädel. Eigentlich einprägsam.

Es dauert sehr sehr lange, bis Dr. Kay Scarpetta sich der Leiche nähert. Was da vorher alles überlegt, ausgedacht und überprüft sein will, Wahnsinn. Oft muss Dr. Scarpetta schon daran denken, mit was sie im Zeugenstand konfrontiert wird. Umsichtiges Verhalten ist absolut notwendig. Leider wird dies zu oft erwähnt, so dass ich es nicht mehr lesen wollte. Ich dachte, wann geht es endlich los? Denn es wird tatsächlich 130 Seiten über Nebensächlichkeiten geplaudert.

Oft wird über die Kommunikation mit abhörsicheren Telefonen und Laptops, PC etc. gesprochen.  Dank IT-Nerd und Nichte Lucy (Computer-Genie und Expertin für Cyber-Verbrechen) kein Problem. Später geht es dann auch wieder um Querelen der Zuständigkeiten, das FBI, CIA und was weiß ich nicht alles mischt sich überall kräftig ein.

Dies alles lässt sich natürlich gut lesen, es ist auch zum Teil spannend, aber auf ungute Art, weil man nicht vorankommt. Als Leser muss man sehr geduldig sein, und das fiel mir zunehmend schwer.

Der Schluss ist für meine Begriffe „holter-die-polter“, also zu schnell und der Fall „Carrie Grethen“ wird schnell ad-Acta gelegt. Überhaupt, mag ich es gar nicht, wenn tot geglaubte wieder auferstehen und sich dann durch weitere Bände „hangeln“. Ich finde das nervig und hoffe, dass sie auch in Zukunft nicht mehr auftauchen wird.

Ein paar absichtlich ignorierte Hinweise gab es auch. So muss eigentlich der Sinn die Ankündigung für alle Leser klar gewesen sein!

Zitat Seite 385: „Erinnerst du dich an die Kneifzange? Ich wette, du wirst sie nicht vermissen“

Aber Kay Scarpetta ignoriert das offensichtliche. Auch dass es noch eine Leiche im Institut mit einem merkwürdigen Stromschlag gibt, fällt ihr erst ganz am Schluss ein. Oder auch, dass die Zwillinge beim dem Mordfall der Radfahrerin etwas im Gebüsch wahrgenommen haben. Also, das war nicht überzeugend, dass sie nicht darauf aufmerksam wurde, wo ihr doch sonst kaum etwas entgeht.

 

Fazit:

Dieser Band hat mich enttäuscht, obwohl ich ihn doch irgendwie gerne gelesen habe. Im Allgemeinen mag ich das Setting rund um Boston und das CFC (Cambridge Forensic Center). Dr. Kay Scarpetta und ihr Ehemann Benton haben es weit gebracht, sie gehören der Upper Class an. Der kultivierte Umgang der beiden miteinander gefällt mir zunehmend gut, ich genieße es, auch wenn sie oft wegen ihrer Berufe in Heimlichkeiten verfallen müssen.

Im Vorfeld hatte ich mich eigentlich gar nicht über diese Geschichte informiert bzw. die Inhaltsangabe gelesen. Das brauche ich auch nicht, weil ich die Reihe sowieso lese. Jedenfalls wunderte ich mich am Anfang, dass alles sehr in die Länge gezogen schien. Bis mir dann irgendwann in der Mitte auffiel, weil es eben nicht voran ging, weil Dr. Scarpetta noch nicht mal bei der Leiche ankam, dass dieses Buch hier praktisch nur von einem Fall handelt! Und dieser ist so filigran aufgebaut, dass er sich in Einzelheiten verliert und ich zwischendurch richtig ungeduldig wurde. Es war auch spannend, ja, aber irgendwie auf ungute Art, weil alles einfach viel zu lang dauerte. Ich weiß gar nicht, wie oft verschiedene Vorgehensweisen „durchgekaut“ wurden, wie man sich z.B. einer Leiche nähert, dass man keine Spuren vermischt, dass man den Tatort nicht kontaminiert etc. Irgendwann konnte ich Dr. Kay Scarpetta wegen ihrer Pingeligkeit nicht mehr leiden.

Das einzige gut ist, dass alle Charaktere nochmal ausführlichst vorgestellt werden. Für Neueinsteiger wäre dieser Band zumindest was die Personen angeht, optimal um mit der Reihe zu beginnen. Kann aber auch sein, dass sie mit der Familienkonstellation und Informationsflut über die Personen überfordert wären.

Alles in allem: Für mich einer der schwächeren Bände, auch wenn es schon imponiert, wie die Autorin aus der Untersuchung eines Tatortes mit einer Leiche und gefühlt ein paar Stunden Handlung eine solche Geschichte schreiben kann. Für mich waren es zu viele Einzelheiten, zu viele nicht wichtige Handlungen und Beschreibungen, die mich sehr ungeduldig werden ließen.

Sterne: Auch wenn es mich schmerzt, und ich mich innerlich „winde“, habe ich  spontan entschlossen, nur zwei Sterne zu geben. Zu sehr verliert sich die Geschichte in unwichtige und seitenlange Beschreibungen, Gespräche und Telefonate. Manches erschien mir wie an den Haaren beigezogen. Da ich ein Fan dieser Reihe bin, fällt mir diese Bewertung schwer, aber wenn man andere Bände gegenüberstellt, ist dieser hier halt für meinen Geschmack einfach nur schwach.

Das Buch erschien am 11. September 2017

Link zum Buch/Verlag mit Leseprobe: https://www.harpercollins.de/buecher/krimis-thriller/totenstarre

 

Reihenfolge Kay-Scarpetta
1990 1 Mord am Samstagmorgen Post Mortem
1991 2 Ein Mord für Kay Scarpetta Flucht
1992 3 Das fünfte Paar
1993 4 Vergebliche Entwarnung Phantom
1994 5 Das geheime ABC der Toten Body Farm
1995 6 Die Tote ohne Namen
1996 7 Trübe Wasser sind kalt Schuld
1997 8 Der Keim des Verderbens Verderben
1998 9 Brandherd
1999 10 Blinder Passagier
2000 11 Das letzte Revier
2003 12 Die Dämonen ruhen nicht Dämonen
2004 13 Staub
2005 14 Defekt
2007 15 Totenbuch
2008 16 Scarpetta
2009 17 The Scarpetta Factor
2010 18 Bastard
2011 19 Blut
2012 20 Knochenbett
2013 21 Blendung dust
2014 22 Ihr eigen Fleisch und Blut Flesh and blood
2016 23 Paranoia
2017 24 Totenstarre

 

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