Schulte, Robert – 38 Jahre über Verfallsdatum

Schulte, Robert
38 Jahre über Verfallsdatum
978-3-7110-0142-9
Ecowin

Inhalt:

“ Bei 60 Knochenbrüchen habe ich aufgehört zu zählen …“ Robert Schulte hat von Kindesbeinen an die sogenannte Glasknochenkrankheit in ihrer schwersten Form. Die Ärzte gaben ihm eine Überlebenschance von höchstens einem Jahr. Heute ist er 39. In diesem Buch erzählt er, warum er nie kapitulierte, warum Musik für ihn mindestens so geil ist wie Sex, und wie er trotz aller Einschränkungen das Leben genießt. (Quelle ecowin)

Meine Meinung:

Ich weiß gar nicht, wie ich beginnen soll. Vielleicht mit dem Cover. Ich empfinde es als irgendwie „provozierend“. Nachdem ich das Buch gelesen habe, kann ich das gut verstehen. Denn Robert Schulte, der über seine Glasknochenkrankheit berichtet, lässt sich nicht „klein kriegen“. Nicht durch diese schwere Krankheit. Die Ärzte gaben ihm bei der Geburt keine Überlebenschancen, und doch, wie man sieht, ist er schon „38 Jahre über Verfallsdatum“.

Das Buch handelt von einem Leben mit der Glasknochenkrankheit und auch wiederum nicht. Denn die Krankheit selber steht im Hintergrund, und das macht dieses Buch so ungewöhnlich. Weil Robert Schulte nicht „gewöhnlich“ mit dieser Krankheit umgeht. Er jammert nicht, sondern lebt sein Leben mit allen was er will. Er rockt sein Leben selbstbewusst mit Metal-Musik, und ist oft in Lederhose und Shirt unterwegs.

Dank seiner Mutter und seiner Umgebung im dörflichen Ostfriesland, musste er nach eigenen Aussagen keine Hänseleien ertragen. Seine Mutter, eine resolute Frau und gelernte Krankenpflegehelferin, nahm ihn an wie er ist, und auch daraus will er sein Selbstbewusstsein gezogen haben.

Zitat Seite 23: „… und so wuchs ich in dem Bewusstsein auf, zwar mit einigen Schwierigkeiten in meinem Leben rechnen zu müssen, jedoch nichts an mir zu haben, über das ich lieber schweigen sollte. Ich bin mir sicher, dass dieser Umgang meiner Mutter und auch meines weiteren familiären Umfelds mit dem Thema erheblich dazu beigetragen hat, mir das Selbstbewusstsein zu geben, das ich heute besitze.“

 Zitat Seite 29: „Zu diesem Zeitpunkt zeigte sich dann mal wieder, dass ich in meinem Leben oft im richtigen Moment die richtigen Menschen um mich hatte …“

 Zitat Seite 95: „…Wichtig sind positive Menschen im Umfeld … jeden Tag aufs Neue versuchen, das Beste daraus zu machen.“

Er macht eine Lehre als Bürokauffmann, arbeitet bis zu seiner Entlassung und wird mit 25 Jahren Frührentner. Er mag Metal-Musik und dies sollte seinen weiteren Lebenslauf prägen. Durch Zufall gerät er ans Mischpult in einer Diskothek, er nennt sich selber ironisch „Biggest little DJ“. Sein Werdegang führt von diesem Zufall zum Internet-Radio „Metal Only“. Er lernt Annette kennen, erst eine Stammhörerin und bis heute seine Lebensgefährtin.

Zitat Seite 44: „Für Annette war meine Behinderung von Beginn an tatsächlich nichts, was jemals zwischen uns stand.

»„Ich wusste vom ersten Tag an davon und dann war‘s auch gut.«“

Weiter ging es dann mit einer eigenen Radiosendung bei Radio Ostfriesland zu „Robis Dark Side of Jewels“ und „Chartcafe“ und mit seinem Mentor „Sirens“. In dieser Zeit lernt er viele Bands kennen und führt mit einigen auch Interviews: Schandmaul, Extremo, Sodom, Subway to Sally, Whitesnake, Umbria et Imago, Nightwish. Er selber ist fasziniert, was er alles erleben darf. Mitten im Buch gibt es auch dazu interessante Fotos.

Über die Glasknochenkrankheit erzählt Robert Schulte, dass es sieben verschiedenen Ausprägungen gibt. Mit Spontanfrakturen ist immer zu rechnen ist. Des weiteren gibt es nicht viele Details, er berichtet lieber, was alles möglich ist. Aber auch über die unterschiedlichen Reaktionen von Erwachsenen und Kindern und über die Dokumentation, die RTL II (Reportage „Außergewöhnliche Menschen“) über ihn und seine Lebensgefährtin Annette drehte. Ein wichtiger Punkt zur Selbstständigkeit ist das Autofahren und ebenso wichtig ist die Musik in seinem Leben.

Das grandiose ist, er erzählt von seinem Leben, das genauso gut von jemanden anderem stammen könnte, der nicht krank ist. Und das ist toll, ich bewundere diesen Lebensmut sich allen Schwierigkeiten entgegen zu setzen.

Zitat Seite 169: „Kein Mensch muss sich verstecken. Jeder ist auf seine eigene Weise schön“.

 

Fazit:

Das Buch mit seinen 136 Seiten lässt sich flüssig und unterhaltsam lesen. Wer auf zahlreiche Fakten, Infos oder medizinische Details rund um die Glasknochenkrankheit hofft, wird hier nicht bedient werden. Denn Robert Schulte schreibt über sein Leben zwar mit dieser Krankheit, aber überwiegend auch ohne. Sein Leben könnte genauso gut jemand führen, der keine Krankheit hat. Und das ist das besondere daran.

Besonders ist auch sein Hobby, er hört gerne Metal-Musik. Darüber lernt er seine zukünftige Lebensgefährtin Annette kennen. Er betätigt sich als DJ und moderiert beim Radiosender Ostfriesland seine eigenen Sendungen.

Auch wenn es „Warum-ich-Momente“ gibt, jammerte er nicht, er versteckt sich nicht sondern schaut nach vorne. Andere sind schlimmer dran. Er probiert alles aus, nimmt alles mit: Jahrmärkte, Liebe, Urlaub in der Türkei, Alltag, „Kissed by Whitesnake, seine Peer Group (witzig gemeint), Metal-Konzerte, Wacken Open Air… Zudem berichtet er stolz über viele erlebte Ereignisse aus der Metal-Szene. Eher nebensächlich erwähnt er seinen Alltag mit der Krankheit. Denn Krankheit ist nicht gleich Krankheit ist, es kommt darauf an, wie man damit umgeht.

Dennoch war dieser so ganz andere Ansatz über die Glasknochenkrankheit zu berichten, für mich gewöhnungsbedürftig. Denn dadurch, dass diese Krankheit so sehr im Hintergrund steht, liegt der Fokus auf den Erlebnissen, die sich überwiegend in der Metal-Musik-Szene abspielten.

Ich habe mir drei Videos auf RTLII angeschaut, und ich kann sagen, dass ich dadurch nochmal ein anderes Bild von Robert Schulte gewonnen habe. Für mich wirkt er im Video sympathischer als im Buch.

Alles in allem: Alles andere als ein typischer Erfahrungsbericht über die Glasknochenkrankheit, denn medizinischen Details stehen im Hintergrund. Alles was geht, ist die Devise. Mutig!

Sterne: Die Bewertung fällt mir schwer, denn gerade diese komplett andere Herangehensweise über ein Leben mit der Glasknochenkrankheit zu berichten, ist mir vielleicht ein wenig zu einseitig. Positiv ist auf alle Fälle der Lebensmut und die Kraft von Robert Schulte, sein Leben so selbstbewusst zu leben. Mutig! Für diese Vorbildfunktion hätte ich mega fünf Sterne gegeben. Aber ich bin auch jemand, der gerne wissenschaftliche oder medizinische Informationen erfährt, und die fehlen hier. Ich finde, ein paar Erfahrungen mehr mit der Krankheit hätten dem Buch nicht geschadet. Dennoch ein lesenswertes Buch, dass für mich erst zusammen mit den Videos auf RTL II einen starken Gesamteindruck hinterlassen hat.Von daher gibt es 4 von insgesamt 5 Sternen.

Das Buch erschien am 24. August 2017

Link zum Buch/Verlag: http://ecowin.at/buch/38-jahre-ueber-verfallsdatum/

 

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