Doms, Rosemarie – Wenn es Winter wird in meinem Garten

Inhalt:

Gerade dann, wenn der Herbst alle seine bunten Farben über das Land und den verlassenen Weinberggarten, hoch über der Stadt, ausgeschüttet hat, zieht mit leisen Schritten, wie ein Dieb in der Nacht, der Winter ein und hinterlässt seine ersten Spuren. Bereift und frostig versteckt er sie, noch ganz verstohlen, unter dem zusammengewehten Laub zu seinen Füßen. Staunend nimmt er wahr, wie verschwenderisch die Farben des Herbstes mit den Blättern spielten und wie willig die weißstämmige Birke ihre Lichter entzündete zum späten, zum letzten Fest. (Quelle Thorbecke Verlag)

Meine Meinung:

Dieses Büchlein war ein Neuzugang im Dezember 2017 und bisher bin ich nicht dazu gekommen, es zu lesen oder mir näher anzuschauen. Aber gestern hat es hier geschneit und ich dachte, das ist das perfekte Lesewetter für genau dieses winterliche Buch. Und so habe ich nachmittags das Büchlein gelesen und fotografiert, um es euch heute vorzustellen.

Das Cover des Buches und der Titel haben mich gleich angesprochen. Als ich das Buch in den Händen hielt, war ich zunächst ein wenig enttäuscht, da es doch sehr klein war. Postkartengröße klein, sozusagen. Aber das hochwertige und gleichzeitig angenehme Äußere mit einem dunkelgrünen Leinenbuchrücken und Vorsatzpapier lässt die Größe schnell vergessen.

Dennoch war ich überrascht, als ich es aufschlug, denn ich hatte etwas komplett anderes erwartet: zunächst einmal jede Menge ähnlicher Illustrationen wie auf dem Cover, dazu allerhand Tipps und Deko wie in Zeitschriften der „Landlust“  oder „Servus“. Aber das Buch ist das genaue Gegenteil: Wenige ausgewählte Bilder und Illustrationen die ganzseitig präsentiert werden und unaufdringlich und ruhig anmuten. Fast schon ein wenig altmodisch.

Dazu viel Text. Wunderschöner poetischer Text, der mich an verschiedene, vor allem englische Lyriker/Dichter denken ließ. Der Text ist hier der Hauptprotagonist, dieser wunderschöne, verspielte und filigran-aufmerksame Text. Besonders schön ist der Absatz über die zierliche Muschelträgerin aus Messing im Garten, die Bezüge zu Göttern (Triton, Najaden, Ganymed) und der Vergänglichkeit, wenn bestimmte Materialien der Witterung ausgesetzt werden.

Ausdrucksstark und lyrisch wird am Anfang der Übergang vom Herbst in den Winter beschrieben. Vom „friedlichen Abendrot“, „feurigen Farbspielen“ „Drachentänzen“,  und das Fehlen des raschelnden fallenden Laubes ( = „ohne die Flüsterstimmen ihrer raschelnden Blätter“).

Oder auch Gedanken-Wanderungen über Hagebutten, Holunder, Brombeeren, Weißdorn, Pfaffenhütchen, Schlehe, wilder Wein, Schneebeeren, Wiesengräser, Kraniche, Raben, Christrosen, Schneeglöckchen, Veilchen, einsetzender Regen, Nässe, Wind, Schnee, Schneewirbel, Wolken … Was sich hier profan anhört, liest sich stimmungsvoll und poetisch.

Zitat Seite 25: „Im nahenden Winter sucht das Leben im Garten sich keine Wege mehr nach draußen, denn es wollte allein in sich selbst ruhen und ganz in der eigenen Mitte bleiben.“

Zitat Seite 43: „Das Schweigen der kahlen Bäume kehrte wieder im winterlichen verstummen der Vögel und in der atmenden Stille einer lautlosen Welt, die versunken war im Schnee.“

 

Über Schneeflocken:

Zitat Seite 36: „Im wirbelnden Tanz und endlosem Fall schufen sie neue Welten und himmlische Gärten.“

 

Tauwetter

Zitat Seite 47: „Zephyr von wärmeren Gestaden, lächelndes Widerspiel des wütenden Boreas, strich mit sanften Flügeln über den frierenden Garten.“

 

Winter

Zitat Seite 48: „Doch als seine Tage gezählt und die Zeit des Scheidens gekommen, verließ er seine eisige Loge in dem tauenden Tempel aus Schnee und zog als gebrechlicher Alter auf kalter Straße weiter gen Norden.“

 

Veilchen

Zitat Seite 59: „Nur ihre nachtdunkle Bläue, leise träumend wie ein erster Liebeswunsch …“

 

 

Fazit:

Wahre Größe kommt von innen und so konnte ich hier nach dem Lesen meine erste, anfängliche und schnelle augenscheinliche Skepsis in das nur Postkartengroße Büchlein hinter mir lassen.

Denn, als ich das Buch aufschlug, fielen mir als erstes die Illustrationen und Fotos auf. Im ersten Moment, ich gestehe es, war ich enttäuscht, denn diese erschienen mir altmodisch. Das lag daran, dass ich mir etwas ganz anderes unter diesem Buch vorgestellt hatte. Ich dachte, es wäre in Landlust/Servus-Zeitschrift Manier ausgestattet. Und das war es nicht, im Gegenteil. So wirken die Illustrationen und Fotos dann doch eher beruhigend, auch wenn ich denke, dass manche eine Gratwanderung zwischen altbacken /altmodisch und modern sind. Im Endeffekt, und im Kontext mit dem Text, konnten sie mit ihrer ruhigen Ausstrahlung dann doch noch überzeugen. Es passt, und wahrscheinlich hätte das moderne und stylische hier nicht zu den reinen und winterlichen Natur-Impressionen gepasst.

Der Schreibstil ist auch etwas Besonderes. Ich habe zwar entfernt ähnliches schon in Gartenzeitschriften gelesen, aber ich finde, da nimmt man sich nicht so die Muse dafür. Dafür sind die Zeitschriften zu schnelllebig. Aber hier, mit einem Büchlein in der Hand, ist es eine andere Sache. Die Beschreibungen des winterlichen Gartens erinnerten mich vor allem an englische Dichter/Lyriker, so schön, verschnörkelt, poetisch, ja auch irgendwie nostalgisch, und dennoch auch so klar und genau. Weiter oben im Text habe ich ein paar Zitate heraus geschrieben, es fiel mir schwer, mich auf diese paar zu beschränken. Denn es finden sich viele Inspirations-Quellen, für alle, die gerne mit Worten spielen. Manche Sätze sind so schön, dass ich sie mir auf einer entsprechenden Postkarte gut vorstellen könnte.

Am besten genießt man den Text in Häppchen, lässt ihn sich auf der Zunge zergehen. Am besten im Winter, wenn es drinnen warm und behaglich ist. Es ist manchmal wie schönes Gedicht aus alter Zeit und längst vergangenen Tagen.

Alles in allem: Es ist ein bibliophiles und lyrisches Buch zugleich. Dennoch aber auch ein „schwieriges“ Buch, nicht jedem werden sich die Worte und Beschreibungen über die winterlichen Impressionen erschließen. Und ich habe leider manchmal das Gefühl, dass die Menschen, die solche Bücher lieben und verstehen immer weniger werden. Es wäre sinnvoll, sich vor dem Erwerb des Büchleins die Leseprobe auf der Verlagsseite anzuschauen.

Das Buch erschien am 18. September 2017

Link zum Buch/Verlag mit Leseprobe: http://www.thorbecke.de/wenn-es-winter-wird-in-meinem-garten-p-2260.html

 

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