Scheler, Ulla – Es ist gefährlich bei Sturm zu schwimmen

Scheler, Ulla Es ist gefährlich bei Sturm zu schwimmen 978-3-453-27043-5 Heyne Fliegt

Scheler, Ulla
Es ist gefährlich bei Sturm zu schwimmen
978-3-453-27043-5
Heyne Fliegt

Inhalt:

Wie es sich anfühlte, ihn zu sehen? Als hätte ich einen Monat lang durch einen Strohhalm geatmet. Ben ist seit Ewigkeiten Hannas bester Freund. Er ist anders. Wild, tollkühn, ein Graffiti-Künstler, ein Geschichtenerzähler. Und keiner versteht Hanna so wie er. Nach dem Abi packen die beiden Bens klappriges Auto voll und fahren zum Meer. An einen verwunschenen Strand, um den sich eine düstere Legende rankt. Sie erzählen sich Geschichten. Bauen Lagerfeuer. Kommen einander dort nahe wie nie zuvor. Und Hanna hofft, endlich hinter das Geheimnis zu kommen, das Ben oft so unberechenbar und verzweifelt werden lässt. Doch dann passiert etwas Schreckliches … (Quelle Heyne fliegt)

Meine Meinung:

Eingeprägt hat sich mir das Buch durch den außergewöhnlichen Titel und das Cover. Über den Inhalt konnte ich so gar nichts sagen, als ich es in meiner Stadtbücherei sah. Obwohl mich der Inhalt beim durchlesen der Rückseite nicht so ganz ansprach, war ich aber vom Titel irgendwie wie magisch angezogen. Kennt ihr dieses Gefühl? Und deswegen habe ich das Buch dann auch gelesen.

Schon auf der Seite dachte ich „Wow“, war für eine Sprache, das wird mir gefallen. Tat es auch. Der Schreibstil war das erste was mir auffiel und mich voll und ganz begeisterte. Und nach den weiteren Seiten wusste ich schon, dieses Buch würde ich gerne lesen. Der Erzählton war zauberhaft poetisch, aber dennoch in einer ganz eigenen Jugendsprache. Die Dialoge waren oft durch jugendlichen Slang durchzogen. Ich fand das einfach cool.

Hauptprotagonisten sind Hanna und Ben, beide sind seit ihrer Kindheit befreundet. Das Buch beginnt mit einem außergewöhnlichen Geburtstagsgeschenk und einer Abi-Abschlussfeier. Danach nehmen sich beide eine Art Auszeit, sie fahren spontan (oder auch nicht??) ans Meer zum zelten. Dort leben sie in den Tag hinein, lassen sich einfach treiben und erstellen Listen mit einer Art Mutproben, wie die Liste „Momente die uns sanft und unendlich töten“. Es ist keine Sekunde langweilig! Ich weiß nicht wie, aber ich habe jeden Satz genossen. Man ist als Leser „im Fluss“ mit den beiden.

Hier das Zitat mit dem Geburtstagsgeschenk. Als ich es gelesen habe, dachte ich, dass es auch schon anderenorts öfter zitiert wurde, weil es mir bekannt vor kam.Erste Seite der Geschichte, im Buch Seite 9:

„Zu meinem achtzehnten Geburtstag schenkte mir mein Freund Ben eine Sachbeschädigung. Natürlich hätte Ben nie daran gedacht, mir ein normales Geschenk zu machen, aber damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet.“

Die Geschichte fesselte mich Anfang an durch dieses subtile Love-Interest zwischen Hanna und Ben. Ben ist ein richtiger „Bad Boy“, und von Hannas Seite ist es lange Jahre nur Freundschaft. Aber als Leser ahnt man sofort mehr, wenn man liest, wie die beiden miteinander umgehen. Ich fragte mich, kann aus dieser außergewöhnlichen Freundschaft Liebe werden? Die Anzeichen konnte ich Leser ahnen, und das trug mich durch die Geschichte. Auch wenn ich das Wort vermeiden will, mir fällt gerade kein anderes, die beiden sind einfach SÜSS!

Zitat Seite 79: „Er hielt mich immer noch auf seinem Rücken fest und strich leicht über meine Fußsohle. Ich war nicht kitzelig, aber bei der Weite und Einsamkeit dieses Ortes fühlte sich diese Berührung  an wie ein gehauchter Kuss. Auf einmal war Bens Rücken ein anderer Ort geworden – sein T-Shirt war nicht mehr eine warme Fläche, an die ich mich schmiegen konnte, sondern es war im Weg, weil es die Bewegung der Muskeln auf seinem Rücken verhüllte und die winzigen Berührungssensoren seiner Haut.“

Der Autorin gelingt es, eine Art Netz um die beiden zu werfen, viele kleine Gesten und wunderbare Momente der Freundschaft und Liebe lassen die beiden in ihrer eigenen Welt verweilen. Bis, ja bis sie zu diesen Strand kommen.

Um diesen Strand rankt sich eine Legende, die vor allem Hanna sehr ängstigt. Auch dem Leser wird es manchmal mulmig, dafür sorgen die wenigen thriller-artigen Momente im Buch. Es kommt wie es kommen muss, die beiden finden zusammen, wobei das „erste Mal“ nur angedeutet wird. Es wird nur beschrieben, wie gekuschelt und geküsst wird, den Rest muss sich der Leser denken.

Hanna hat auch eine coole Mutter. Die Idee mit dem Ersatzgeschenk fand ich toll. Auch dass Ben und Hanna Bücher lieben und daraus zitieren. Auch wenn ich dachte, dass dies eigentlich nicht zu seiner Person passte: Bad Boy, Schwimmer, Sprayer, Klassik-Leser!?

Leider muss ich sagen, dass die Geschichte im letzten Drittel vom Erzählton und auch vom Inhalt abfiel. Die Geschichte nimmt dramatische emotionale Wendungen, wird von Eifersucht auf beiden Seiten beherrscht. Dazu die alte Legende und ein herannahender Sturm. Das Finale steht kurz bevor. Bestärkt werden die unguten Gefühle vor allem durch das Mädchen Chloe, das auftaucht und den beiden von der Legende von „Oceana und dem Meermann“ erzählt. Erst ganz am Schluss erfährt der Leser, was wirklich geschah. Zudem gibt es einen weiteren Nebendarsteller und Kontrahenten, der erst durch eine Mutprobe auf der Bildfläche erschien: Sam, der mit seiner Mutter an der Küste wohnt. Durch diese Konstellationen wurde es weiter spannend, und ich spürte den Drang, „vorzuspinzeln“ und das Ende der Geschichte zu lesen, weil ich es nicht mehr aushielt.

Ben wurde mir im Laufe der Geschichte etwas unsympathisch. Am Anfang empfand ich ihn noch als „Jungspunt“, aber mich beschlich irgendwann das Gefühl, dass er ein großes psychisches Problem hat. Es wird nebenbei erwähnt, dass sein Vater starb und er von seiner Familie ausgegrenzt wird. Dieses ausgrenzen und die Schuldzuweisung fand ich sehr merkwürdig, ich verstand es nicht und es war mir nicht schlüssig genug. Einige seiner Antworten sind merkwürdig fragil und lassen eigentlich nur den Schluss zu, dass er sein Leben beenden will.

 Zitat Seite 97: „Wenn du nicht da wärst, wäre ich schon lange nicht mehr da.“

Seine Aktionen oder Forderungen ließen mich oft zwiespältig zurück. Sein Problem wird auch angesprochen, aber ich dachte, es geht darüber hinaus. Seine Mutproben, zum Beispiel auf der Autobahn, fand ich weder witzig noch normal. Ich fand auch, dass er Hanna mit nach unten zieht, was sich in dem Schlussdrama wiederspiegelt, weil sie alle Herausforderungen annimmt. Ich fragte mich, wie es soweit kommen konnte, auch wenn dies im Buch schön aufgezeigt wird.

Es gibt praktisch zwei Enden am Schluss, und der sozusagen letzte Schluss mit der Suche nach Botschaften und Hinweisen fand ich sehr aufgesetzt und unwahrscheinlich. Es fühlte sich für mich an, als MÜSSTE die Geschichte weitergehen. Sie hätte für mich auch gut vorher enden können, wenn auch das sicherlich kein Happy End gewesen wäre. Na ja, jedenfalls zeigt sich, dass Ben vieles von dem, was geschah geplant hatte.

Scheler, Ulla Es ist gefährlich bei Sturm zu schwimmen 978-3-453-27043-5 Heyne Fliegt

Scheler, Ulla
Es ist gefährlich bei Sturm zu schwimmen
978-3-453-27043-5
Heyne Fliegt

Fazit:

Es ist eine der Geschichten, in der aus Freundschaft Liebe wird. Ein ganz poetischer Erzählton in einer jugendlichen Sprache und mit vielen Dialogen im jugendlichen Slang faszinierte mich. Die Geschichte zwischen Hanna und Ben, die jahrelang befreundet sind und sich nach dem Abi spontan auf eine Reise ans Meer begeben. Das Love-Interest das langsam durchscheint, und eine fast schon verzehrende Liebe mündet in einem Drama. Im letzten Drittel verschwindet leider dieser schöne Erzählton, und einige mysteriöse Elemente tauchen mit der Legende auf. Den Schluss mit der „Spurensuche“ fand ich aufgesetzt, aber immerhin hatte ich hier die Hoffnung auf ein Happy End.

Alles in allem musste ich das Buch in einem Rutsch durchlesen. Es war spannend, das Love-Interest so unschuldig süß, der Erzählton einfach poetisch. Schade, dass dies nicht bis zum Schluss gehalten werden konnte. Aber dennoch, ein schönes Jugendbuch, das mich ein klein wenig an „Der Märchenerzähler“ von Antonia Michaelis erinnerte.

Link zum Buch/Verlag: https://www.randomhouse.de/Paperback/Es-ist-gefaehrlich,-bei-Sturm-zu-schwimmen/Ulla-Scheler/Heyne-fliegt/e487065.rhd

 

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