Niven, Jennifer – Stell dir vor dass ich dich liebe

Niven, Jennifer
Stell dir vor dass ich dich liebe
9783737355100
Fischer

Inhalt:

Jack ist der Coolste, der Schönste, von allen geliebt und begehrt. Doch er hat ein Geheimnis: Er ist gesichtsblind. Auf Partys fällt es ihm schwer, seine Freundin unter all den anderen Frauen zu erkennen. Für ihn sieht ein Gesicht wie das andere aus. Dass er schon mal einer vollkommen Fremden ein »Hey Baby« ins Ohr raunt, halten alle für Coolness. Doch Jacks ganzes Leben besteht aus Strategien und Lügen, um sein Problem zu vertuschen: Immer cool bleiben, auch wenn er mal die Falsche küsst. Jedes Fettnäpfchen eine Showbühne! Und dann kommt Libby, die in den Augen vieler so unperfekt ist, wie man nur sein kann. Denn Libby ist übergewichtig. Keine Strategie der Welt kann das vertuschen. Libby ist die Einzige, die erkennt, was hinter Jacks ewigem Lächeln steckt. Bei ihr kann Jack zum ersten Mal einfach er selbst sein. Aber hat einer wie Jack den Mut, zu einer wie Libby zu stehen? Eine Geschichte über die eine wahre Liebe, die dir das wunderbare Gefühl schenkt, mit all deinen verdammten Fehlern perfekt zu sein. (Quelle Fischer)

Meine Meinung:

Das Setting dieser Geschichte spielt an einer normalen Highschool in einer normalen Kleinstadt.

Hauptprotagonistin Libby war stark übergewichtig und wurde von den Medien der „dickste Teenager Amerikas“ genannt. Wie das kam, und wie Libby, immer noch übergewichtig, mit vielen beleidigenden, demütigenden und peinlichen Situationen umgeht, wird der Leser in dieser Geschichte erfahren. Ob es der Besuch eines Restaurants ist, und ihr alle Blicke folgen, oder die Gemeinheiten ihrer Mitschüler. Libby bleibt bewundernswert gelassen und geht ihren eigenen Weg. Stark und selbstbewusst.

Obwohl der Schreibstil eigentlich leicht und locker ist, und sich die Geschichte praktisch wie von alleine wegliest, gab es Situationen, die ich selbst lesend kaum aushalten konnte. Ich sage nur „Schwabbelrodeo“. Das ist sowas von entwürdigend, und solche und ähnliche Beleidigungen sind wohl auch wahren Leben keine Seltenheit. Dazu die Hetzjagd auf Libby in den sozialen Medien, da braucht es wirklich gut Freunde, die für einen da sind.

Zitat Seite 132: «Warum beschäftigt es die Leute so, wie dick ich bin?«  Sie antwortet nicht, sondern nimmt nur meine Hand und drückt sie. Sie braucht keine Antwort zu geben, weil es keine Antwort gibt. Außer dass nur kleine Menschen -innerlich klein- nicht wollen, dass du groß bist.

Der andere Hauptprotagonist ist Jack, einer der beliebtesten und attraktivsten Jungs an der Highschool. Was niemand weiß, und was ja bereits in der Inhaltsangabe angedeutet wird, Jack ist gesichtsblind (Prosopagnosie). Diese Krankheit gibt es wirklich und ich war erstaunt, davon in einem Jugendbuch zu lesen, zudem in einer romantischen Lovestory.

Die Geschichte beginnt mit Libby die in den letzten zwei Jahren in Kliniken und zu Hause therapiert wurde und es ihr so gelang, abzunehmen. Ein schwerer Weg, denn sie wiegt immer noch ca. 150 Kilo. Ich schreibe dass hier, damit man sich eine Vorstellung machen kann, weil einfach nur „übergewichtig“ ein dehnbarer Begriff ist. Nach zwei Jahren beginnt jetzt ihr neues Leben. Und auch der erste Schultag. Sie übersteht ihn irgendwie, sie ist auch nicht auf den Mund gefallen und viele Kommentare von ihr fand ich echt stark. Gleich am ersten Tag lernt sie einen Austauschschüler kennen, der sehr nett zu ihr ist und dem sie aber nicht viel Beachtung schenkt, weil sie viel zu sehr mit sich selber beschäftigt ist. Sie muss erst im Leben nochmal ankommen und im Leben auch „bleiben“.

Und so vergeht ein Tag nach dem anderen, manche Tage sind erträglich, andere ein wahres Spießrutenlaufen. Aber Libby ist ein starkes Mädchen, auch mental. Sie verbiegt sich nicht und so findet sie relativ schnell Freundinnen.

Jack ist ein arroganter Mistkerl, äußerlich. Seine inneren Werte traut er sich nicht zeigen, aus Angst, selber dann zu den gemobbten Schülern zu gehören. Deshalb hält er auch seine Gesichtsblindheit geheim, was zu manchen absurden Situationen führte. Er hat mir schon sehr leid getan, aber ich konnte nicht verstehen, warum er sich nicht seiner Familie anvertraut und auch nicht, warum er ausgerechnet Libby diesen Brief schreibt, den der Leser auf den ersten Seiten im Buch lesen wird. Ich fand es schon erschreckend, wie extrem diese Gesichtsblindheit und ihre Auswirkung auf ein normales Leben war und wie er versuchte, damit umzugehen, welche Strategien er entwickelte, damit es nicht auffällt. Jeder Tag in der Schule ist ein Kampf, den er nach außen nicht zeigen darf. Bis er sich ausgerechnet Libby offenbart.

Mittendrin in der Geschichte, als verschiedene Jugendliche der Highschool zu nachsitzen verdonnert werden, auch Libby und Jack, erinnerte mich die Geschichte an „The Breakfast Club“, der auch an einer Highschool spielte (einer meiner Lieblingsfilme als ich im Alter der Protagonisten war …)

Das Love-Interest zwischen Libby und Jack beginnt nach der ersten Hälfte. Es fängt ganz leicht an, und da aus beiden Perspektiven erzählt wird, fand ich beide sehr authentisch. Es fängt langsam an, und als die beiden im Auto unterwegs sind, knistert es richtiggehend und unerwartet zwischen ihnen. Libby braucht da mehr vertrauen, dass ein Kerl wie Jack sie so anziehend findet wie sie ist, und Jack dagegen ist sich in seinem Herzen eigentlich sicher. Er verbindet imaginär ihre Sommersprossen zu Sternenbildern. Wie süß ist das denn!?  Es ist sehr rührend beschrieben, wie sie zart und erst mal die Lage sondierend Händchen halten, tiefe Blicke hin und her gehen. Eine Liebe, die etwas Besonderes ist, eine Liebe, um die man sicherlich kämpfen muss.

 

Zitat Seite 283:

«Sie zeigt auf meine Brust. Du magst mich.«

«Wie bitte?«

«Jack Masselin mag die Fette, aber er hat es noch nicht ganz akzeptiert.«

Okay, denke ich. Mal sehen wo das hinführt.

«Ich sage nicht, das du recht hast, aber was, wenn ich es akzeptieren würde?«

«Tja, dann müssen wir uns wohl etwas einfallen lassen.«  …

 

Zudem wissen sie, dass sie es nicht leicht haben werden, weil diese Beziehung im Freundeskreis von Jack als lachhaft dargestellt werden würde. Ich ahnte es als Leser schon, dass Jack Libby sehr verletzen würde, und ich bereitete mich schweren Herzen innerlich auf diese Lese-Situation vor. Aber vielleicht gibt es noch Hoffnung?

Die Frage ist also, Zitat aus dem Klappentext:

„Aber hat einer wie Jack den Mut, eine wie Libby zu lieben?“

 

Niven, Jennifer
Stell dir vor dass ich dich liebe
9783737355100
Fischer

Fazit:

Ein wunderbarer Teenager-Highschool Roman. Eine Geschichte übers „anders sein“ und „sich nicht verstecken“. Aber auch eine Geschichte über Mobbing, über die Gemeinheiten der Jugendlichen. Es gab Situationen im Buch, über Libby mit ihrem Übergewicht und über Jack mit seiner Gesichtsblindheit, die für mich als Leser sehr schwer zu lesen waren. Schlimme Situationen, die man aushalten können muss. Ich tue mich da schwer, denn ich konnte mit den beiden richtig mitfühlen.

Ich denke auch, dass diese Geschichte mit viel „gutem Willen“ erzählt wird. Und so kann ich mir leider nicht vorstellen, dass eine stark Übergewichtige Person wie Libby mit ihren 150kg und der beliebteste und attraktivste Junge einer Highschool ein Liebespärchen werden würden, egal wie sehr ich mir dies im realen Leben wünschen würde. Aber die Illusion, die klitzekleine Hoffnung die dieses Buch ausstrahlt, dass es so sein könnte wenn sich alle von ihren Vorurteilen befreien würden, ist so ermutigend für alle, die anders sind. Ein ungewöhnliches Handycap macht Jack das Leben zur Hölle. Er hat die Prosopagnosie , ist gesichtsblind. Ich finde es erstaunlich, dass ausgerechnet ein Jugendbuch zu diesem Handicap informiert. Ich habe bis jetzt jedenfalls noch in keinem anderen Roman davon gelesen. Und niemand weiß es außer er selber und später Libby. Jack hat Angst, selber ein Mobbingopfer zu werden und verbiegt seinen Charakter um die Highschool zu überleben. Und das ist auch sowas wie „die Moral von der Geschicht“, dass jeder Mensch eine „kleine“ Seite in sich hat (Siehe Zitat 132 oben). Aber was man daraus macht, ist die Frage. Ob man dazu steht und sich nicht versteckt, oder ob man ins Gegenteil mutiert, und selbst zum Täter wird? Jack hat sich am Schluss entschieden.

Alles in allem: Eine wundervolle Mutmachbuch-Geschichte für alle Menschen, die „anders“ sind, ihren Weg „gerade“ gehen und sich nicht verbiegen. Und so vielleicht die Liebe des Lebens zu finden.

Link zum Buch/Verlag: http://www.fischerverlage.de/buch/stell_dir_vor_dass_ich_dich_liebe/9783737355100

Eine schöne Rezension über das Buch gibt es auch von http://booknaerrisch.blogspot.de/2017/06/stell-dir-vor-dass-ich-dich-liebe.html

 

Ein Kommentar zu “Niven, Jennifer – Stell dir vor dass ich dich liebe

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