Swaaf de, Kurt – Der Geist des Ozeans

Swaaf de, Kurt
Der Geist des Ozeans
978-3-7109-0019-8
Benevento

Inhalt:

Begegnungen mit Pottwalen berühren die Menschen. Autor Kurt de Swaaf erzählt in seinem emotional packenden und mit aktuellen wissenschaftlichen Fakten gespickten Buch die Geschichten einer Meeresforscherin und eines dieser geheimnisvollen Ozeanriesen. …Dieses Buch nähert sich ihm auf zweifachem Wege. Zum einen erzählt es die Geschichte der Meeresbiologin Kalliopi Gkikopoulou aus Rhodos: Als sie erfährt, dass Pottwale direkt vor ihrer heimatlichen Küste leben, will sie alles über sie erfahren. Heute erforscht sie an der Elite-Uni St. Andrews die Sprache der Pottwale. Einen weiteren Erzählstrang bildet die Geschichte eines Wals: Der Leser kann sie direkt aus der Perspektive des Tieres mitverfolgen. (Quelle Benevento Verlag)

Meine Meinung:

Ein Buch, das mir vom Cover und Titel sofort ins Auge gefallen ist. Ich habe es im März bei meinen Benevento-Neuzugängen vorgestellt und jetzt war endlich die passende Lesezeit gekommen. Der passende Lesezeitpunkt ist mir immer ganz wichtig. Kennt ihr das?

Das Buch war einfoliert und als ich die Folie entfernte, entpuppte es sich als Handschmeichler. Ich kann nicht sagen, aus welchem Material der Umschlag gestaltet ist, aber er fühlt sich „anders“ an, samtig.

Auf den Inhalt war ich sehr gespannt. Nachdem ich die Inhaltsangabe gelesen hatte, wurde ich an „Das Buch vom Meer „ erinnert, dass eine Art Sammelsorium an Wissensdingen rund um das Meer war. So war ich dann erleichtert, als ich mit dem Lesen von  „Der Geist des Ozeanes“ anfing, dass es strukturiert und unterhaltsam war.

Die Geschichte hat einen realen Hintergrund. Tatsächlich ist 1984 ein Wal gestrandet und konnte gerettet werden. „Rettet Physty“ (wird „Feisti“ ausgesprochen) lautete die Schlagzeile, die als Ideenschmiede für dieses Buch genommen wurde. Die heutige Geschichte enthält den aktuellen Wissenstand über Wale. Die Meeresbiologin Kalliopi Gkikopoulou  wurde auf Rhodos geboren und hat schon immer einen Bezug zum Meer. Sie begleitet ein Walforschungsschiff und gibt so einen kleinen Einblick in die Welt der Walforschung. Ganz unromantisch ist sicherlich das einsammeln des Wal-Kotes, um daraus Schlüsse über das Nahrungsverhalten zu ziehen.

Die „Geschichte“ wird abwechselnd aus der Perspektive des Pottwals „Physty“ und der Wissenschaftlerin Kalliopi Gkikopoulou erzählt. Und das lässt sich erstaunlich spannend und informativ lesen. Mir wurde es nicht langweilig. Dazu gibt es immer noch passende, sachbuch-artige Erklärungen, die das ganze wunderbar ergänzen.

Das Buch beginnt mit der Geburt eines Pottwales. Die Neugeborenen sind ca. 4m (!) lang. Ab da verfolgt man die Entwicklung aus der Sicht eines männlichen Pottwales.

 

Sehr unterhaltsam werden folgende Themenbereiche angesprochen:

-Physeter macrocephalus

-Phytoplanktonwachstum

-Können Wale sprechen?

-Klicks und Codas  (Klicks sind ähnlich wie Sonare; Codas sind ähnlich wie Morsezeichen)

-Kindheit von Pottwalen, Geburtenraten

-Walfang

-Inhalte von Walmägen; Mageninhaltsanalysen (Tintenfische sind Hauptnahrung)

-Orcas greifen Pottwale an

-Buckelwale sind Beschützer

-Sargassosee /Schwimmende Tangmassen

-Riesenkalmare/Kolosskalmare

-Archäologischer Fund „Livyathan melvillei“

-Kadaverbesiedler

-Militär/Marineübungen in den Ozeanen und die Auswirkungen auf die Meeresbewohner

-Leviathan und Moby Dick werden kurz genannt

 

Für mich interessant war, dass Pottwal-Gruppen in matriarchalischen und sozialen Gebilden leben. Frauengruppen eben. Das ist doch selten im Tierreich.

Zitat Seite 60: „Das ausgeprägte Sozialverhalten von Pottwalen ist bereits den Walfängern des 19. Jahrhunderts aufgefallen. Die meist weiblichen Angehörige einer Truppe, berichteten sie, empfinden offenbar große Zuneigung füreinander.

Der Leser wird zudem wie nebenbei auf Umweltprobleme aufmerksam gemacht. Einige, wie das Thema mit dem Plastikmüll in den Meeren ist bekannt. Es wird vom Fund eines toten jungen Wales berichtet, dessen Magen voller Plastik war, der sich nicht verdauen lies. Der Wal ist so trotz vollem Magen verhungert. Andere Probleme wie „Militärübungen“ hat man vielleicht nur mal kurz gehört.

Zitat Seite 224: Die Zukunft der Wale ist keineswegs gesichert. „Wir müssen den Walen Schutzgebiete einräumen“, erklärt Kalliopi. Dort sollten sie vor Lärm und schnellen Schiffen sicher sein. Abgesehen davon müsse der ständigen Plastikschwemme Einhalt geboten werden. Es gibt noch weitere Probleme. …“

 

Swaaf de, Kurt
Der Geist des Ozeans
978-3-7109-0019-8
Benevento

Fazit:

Für alle die Wale mögen, die Tiere mögen und die Meere und Ozeane mögen. Für alle, die mehr wissen wollen. Für alle Tierliebhaber und Tierschützer. Walforschung wird unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten vereinfacht aber sehr unterhaltsam erklärt. Ein wundervolles Buch für einen ersten, umfassenden Einblick in die Welt der Pottwale.

Ich kann nur sagen, Cover und Buch sind komplett im Einklang. Ich finde dass der Covertitel schon sehr beruhigend wirkt, und so ist auch die Erzählweise. Ruhig, aber dennoch vielseitig unterhaltsam. Hier wird aus drei Perspektiven, die ganz unauffällig ineinander übergehen, über Wale berichtet. Das Zentrum ist die wahre Geschichte vom Pottwal „Physty“. Zum einen erzählt Physty selber, also aus der Perspektive eines jungen Wales. Dementsprechend ist auch der Erzählton einfach. Zwischendurch kommt vor allem Meeresbiologin Kalliopi Gkikopoulou, die mit einem Forscherteam und Forschungsschiff vor den Balearen die Pottwale erforscht, zu Wort. Und dann gibt es noch die sachwissenschaftlichen Erklärungen. Und dieser Dreiklang, ist wirklich ein Drei-Klang, der sehr schön und lange nachklingt. Ich, die weitab vom Meer lebe, noch nie einen lebenden Wal gesehen habe und die sich einfach „nur so“ für das Buch interessiert hat, ich habe das Buch gelesen, und mir fiel gar nicht auf, wie diese einzelnen Perspektiven ineinander übergingen. So eng waren sie miteinander verbunden, so spannend alle Schilderungen. Und so einfach und so angenehm zu lesen, obwohl es doch ein sehr komplexes Sach-Thema ist. Der Geist des Ozeans klingt in  mir noch lange nach.

Alles in allem: Walforschung hautnah. Unterhaltsam. Ganz einfach: Lieblings-Sachbuch!

Link zum Buch/Verlag: http://www.beneventobooks.com/buch/der-geist-des-ozeans/

 

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2 Kommentare zu “Swaaf de, Kurt – Der Geist des Ozeans

    • Hallo Andrea,
      wenn du ruhige Bücher über die Natur oder das Meer magst, dann liegst du bei diesem Buch richtig. Ich fand es unterhaltsam und sehr informativ. Ich hätte es in einem Rutsch durchlesen mögen … aber das klappt ja zeitlich nicht immer.

      Viele Grüße
      Tanja vom Bücherfüllhorn

      Gefällt 1 Person

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