Rauscher, Hans – Was gesagt werden muss

Rauscher, Hans
Was gesagt werden muss
978-3-7110-0066-8
Ecowin Verlag

Inhalt:

Flüchtlingskrise, Populismus, auf Halbwahrheiten aufgebaute Argumente, vorschnelle Urteile, Vorurteile – all das wird vom mehrfach ausgezeichneten Journalisten Hans Rauscher angepackt, zurecht gerichtet und geradegerückt. Diese Haltung vertritt er in seinem Buch und sagt das, was gesagt werden muss. Hans Rauscher hat von journalistischer Natur aus etwas gegen allzu schnelle Schlussfolgerungen, gegen Geplapper um der öffentlichen Aufmerksamkeit willen, gegen Tatsachenverdrehung, damit die eigene Weltanschauung nicht ins Schleudern kommt. Er bürstet alle angeblichen Fakten kräftig gegen den Strich, bis ihr wahrer Gehalt sichtbar wird. Er widmet sich Themen, die die Gesellschaft bewegen und spalten: Welche Verbindungen bestehen zwischen der FPÖ und russischen Rechtsextremen? Worin liegt die wahre Belastung des Mittelstands? Welche Rollen spielen Saudi-Arabien und Dschihadisten in Österreich? Diesen und anderen Fragen geht der erfahrene Kolumnist auf den Grund und unterscheidet dabei strikt zwischen Fakten und Meinungen, ohne sich bei einem weltanschaulichen oder politischen Lager anzubiedern – mit wachem Blick, der Lust am Gespräch und einer gehörigen Portion Humor. (Quelle ecowin.verlag)

Meine Meinung:

Dieses Buch vom ecowin-Verlag reiht sich in eine Reihe Bücher mit ähnlichen Themen ein. Und ich kann sagen, so langsam finde ich Gefallen daran. Das Buch von Hans Rauscher liest sich, als würde man einem anregenden Interview mit aufgeregten Publikumsmeinungen im Fernsehen folgen.

Trotz der Thematik empfinde ich das Buch als sehr gut les- und den Themen folgbar. Wenn solche Bücher zu sehr mit Fremdwörtern gespickt sind, verliere ich schnell die Lust. Das war hier nicht der Fall.

Hans Rauscher legt den „Finger in die Wunde“ und rührt an unbeliebten Themen. Er fragt tatsächlich, was gefragt werden muss, ohne Rücksicht auf „Political Correctness“.

Hier ein paar Frage-Beispiele aus dem Buch:

Seite 14: „Haben die Donald-Trump-Marine Le Pen- Geert-Wilders-Frauke-Petry-HC-Strache-Norbert-Hofer-etc.-Wähler recht?“

Seite 25: “Wie groß ist der sozial verträgliche Anteil einer anderen Kultur und eines anderen Gesellschaftsmodells in einer westlich-liberalen Gesellschaft?“

Seite 48:“Sind der europäische und der muslimische Lebensstil problemlos vereinbar?“

Seite 60: „Gibt es einen Schwellenwert, an dem man sagen kann, bis hierher geht es mit einer Zuwanderung und nicht weiter?“

Seite 87: „Warum glauben trotzdem so viele Bürger an gesteuerte Medien?“

Seite 107: „Wie verteilungsgerecht sind Doppelpensionen im staatsnahen Haushalt?“

Seite 130: „Darf man sagen, dass Israels Politik in die Katastrophe führt?“

Seite 137: „Es kann auch alles den Bach hinuntergehen.“

 

Themen, lose herausgepickt:

-Flüchtlingswelle

-„unechte“ Flüchtlinge die auf den Flüchtlingszug einfach aufgesprungen sind

-Frauenrechte

-Kopftuchverbot

-Minarettverbot

-Volksabstimmung

-Erdogans Zugriff auf die türkische Community in Österreich

-Klimaflüchtlinge aus Sub-Sahara-Afrika

-Die Mär vom islamischen Geburtenboom

-Mainstream Medien, Lügenpresse, Boulevardmedien, Qualitätszeitungen,

-Donald Trump

-Verschwörungstheorien

-Zweiklassengesellschaft

-Rückbau der Frauenrechte in Amerika, Russland und Türkei

 

Zitat Seite 35: „Wer die Zuwanderung gestoppt haben will, und zwar jetzt – das sind ältere, weniger gebildete, in ländlichen Gebieten lebende Menschen.“

Das sehe ich nicht so. Bekannte von mir leben in Offenbach/Main, mitten in der Stadt, und in dieser Stadt ist der Ausländeranteil sehr hoch. Wie lebt es sich dort? Das muss man auch fragen dürfen. Wie lebt es sich als Normalbürger neben einer Moschee? Bei Ramadan? Ich habe zudem festgestellt, dass es vielleicht gerade umgekehrt ist: In ländlichen Gebieten ist der Kontakt zu Flüchtlingen viel persönlicher weil man sich „kennt“, und sei es „nur“ durch engagierte Flüchtlingshelfer. Die „Dörfler“ sind entgegenkommend, erwarten aber auch einen gewissen Anteil Anpassung. Zu Recht, finde ich. Aber auch: Wie leben denn Auswanderer in Deutschland wirklich? Wie ist ihr Alltag? Hier gibt es zu wenig Wissen.

Am Beispiel Wiens erklärt der Autor die zahlenmäßigen Unterschiede zwischen Einwanderern, Zuwanderern und Gastarbeitern. So arbeitet auch ein hoher Prozentsatz Deutsche in Wien.

Es werten Statistiken ausgewertet, dass Muslimen die Auslebung ihrer Religion lebenswichtig ist und auch dass manche die religiösen Vorschriften über die Gesetze im Gastland stellen. Erdogan ist natürlich ein ganz aktuelles Thema, das reflektiert betrachtet wird.

Zitat Seite 59: „Die türkischen Fahnenmeere bei diversen Demonstrationen sind falsch. Aber wenn man sie verbieten muss, ist man im Grunde schon gescheitert. Sie müssen durch eigene Erkenntnis verschwinden.“

 

Erschreckende Aussichten:

Zitat Seite 68: Die unbequeme Wahrheit ist: Die krisengeschüttelten Länder des Nahen Ostens und Afrikas bringen mehr Elends- und Kriegsflüchtlinge hervor, als Europa aufnehmen kann.“

 

Etwas verwundert haben mich die Themen mit den Beamtenpensionen und dem Frauenhass im Internet, die nicht so ganz zu den restlichen Themen zu passen schienen. Wenn man sich den Titel des Buches in Erinnerung muss „Was gesagt werden muss…“, dann passt es aber auch wieder. Denn warum erhalten Staatsbedienstete eine recht üppige Zusatzrente und gehen statistisch mit 54 Jahren in Rente, während der Normalverdiener länger arbeitet und weniger Rente erhält? Ist das gerecht? Nur weil man bei einem Staatsunternehmen arbeitet? Hier wird es zwar auf Österreich bezogen, aber in Deutschland gibt es ähnliche Diskussionen. Und zu den neuen Frauenrechten unter Donald Trump in Amerika, Erdogan in der Türkei und Putin in Russland, also, da muss ich als Frau wieder Angst haben! Ich war erschrocken, als ich die Beschlüsse las (S.116/117/118 im Buch).

Zudem muss sich jeder klar denkende Mensch fragen, wohin entwickelt sich Europa? Es muss über das schlimmste Denkbare gesprochen werden (Seite 146). Wird es in 80 Jahren noch ein Europa geben? Was werden unsere Kindeskinder zu erwarten haben? Also, da kann es einem Angst und Bange werden. Aber man muss wissen, was kommen kann, um gegenzusteuern!

Dennoch hatte ich mir einige Fragen noch „schärfer“ vorgestellt, als ich den Klappentext und die die kurze Inhaltsgabe auf der Rückseite des Buches las.

Eine Lösung aus dem Buch:

Zitat Seite 10: „…mehr infrage stellen, in der Debatte mutiger sein, über das reden, worüber vermeintlich nicht geredet werden darf.“

Seite 31: „Der erste Schritt wäre aber, sich kühl und sachlich den –oft beunruhigenden-Realitäten zu stellen.

Seite 147: „Europa muss sich ändern“.

 

 

Fazit:

Norbert Rauscher geht unbequemen Fragen zu verschiedenen Themen kurz und knackig nach, das Buch hat nur 150 Seiten Mir fiel es während des Lesens kaum auf, dass sich viele Probleme auf Österreich beziehen. Denn es könnte sich genauso um Deutschland handeln. Die Fragen und der Diskurs sind in vielen europäischen Ländern geläufig. Manchmal habe ich im Angesicht der möglichen Folgen richtig Angst bekommen, obwohl dieses Buch wohl genau das Gegenteil erzeugen wollte. Aber sollten wir nicht wissen, was kommen kann? Das Buch lässt sich trotz den schwierigen Themen relativ leicht lesen, und Norbert Rauscher hat es verstanden, die Themen auf einer sachbezogenen Ebene zur Sprache zu bringen. Und das ist genau der richtige Weg. Wer reißerische Parolen sucht, hat das falsche Buch.

Alles in allem: Für alle die sich mit dem Thema Flüchtlinge, Migration, Populisten u.ä. beschäftigen wollen, bietet das Buch einen leichten Einstieg und die Gelegenheit, vieles sachlich von zwei Perspektiven aus zu bewerten. Ein kleines ehrliches Buch.

Das Buch erschien am 20. April 2017

Link zum Verlag: http://ecowin.at/buch/was-gesagt-werden-muss-aber-nicht-gesagt-werden-darf/

 

 

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Ein Kommentar zu “Rauscher, Hans – Was gesagt werden muss

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