Moseley, Kirsty – Fighting to be free / Nie so geliebt

Moseley, Kirsty
Fighting to be free
Band 1- Nie so geliebt
978-3-95649-680-6
mtb/Harper Collins

Inhalt:

Es ist Jamies letzte Chance auf ein normales Leben. Bisher war seine Existenz bestimmt von Armut und Gewalt. Frisch aus dem Gefängnis entlassen ist er voller guter Vorsätze. Doch so leicht entkommt man seiner Vergangenheit nicht. Dann begegnet er Ellie — und sie verkörpert all das, wonach er sich sehnt. Die Anziehungskraft reißt sie beide mit. Jamie will alles tun, sich ihrer würdig zu erweisen, der Mensch zu werden, den Ellie lieben kann. Aber noch hat er ihr nicht die Wahrheit über seine dunklen Taten gestanden. Sind Ellies Gefühle stark genug, um bei ihm zu bleiben? Bei einem Mann, der das Leben eines anderen auslöschte. (Quelle mtb/Harper Collins)

Meine Meinung:

Aufmerksam auf diese Buch wurde ich durch die Inhaltsangabe, und weil wieder mal Zeit für eine schöne Liebesgeschichte war … und da klingt dieser „Bad Boy“ Jamie doch einfach nur unwiderstehlich!

Erst abends gegen elf Uhr begann ich zu lesen und war zunächst erstaunt, wie jung die beiden Protagonisten sind. Jamie ist 18 und Ellie 17 Jahre alt. Ein Jugendroman? Könnte man am Anfang meinen …

Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven geschildert. Das ist sehr schön, da der Leser so sehr viel Einblicke in das Leben von Jamie erhält. Diese tiefen Einsichten in einen männlichen Hauptprotagonisten hat man auch nicht so oft in der Liebesroman-Literatur. Es beginnt damit, dass Jamie nach vier Jahren (!) aus dem Jugend-Gefängnis entlassen wird. So richtig wie im Film, die Gefängnistüren öffnen sich, Jamie kommt heraus. Groß gewachsen, muskulös, attraktiv – ein Bad Boy par excellence. Er geht auf ein wartendes Taxi zu, als plötzlich eine schwarze Limousine anhält. Jetzt hat er die Wahl, mit der er seine Zukunft beeinflussen kann. Eigentlich wollte er sein Leben umkrempeln, sich nicht mehr auf illegale Dinge wie Bestechung, Autodiebstahl und schlimmeres einlassen. Das weiß er, und er trifft seine erste Entscheidung. Welchen Weg will er gehen? Den ehrlichen oder den illegalen? Er geht auf die schwarze Limousine zu und wird sofort zu seinem ehemaligen Chef gebracht. Jamie ist in der Annahme, dass er getötet wird, damit er nichts über die illegalen Geschäftspraktiken erzählen kann. Es ist ihm egal, denn sein Leben kommt ihm nicht lebenswert vor, wenn er kein ehrliches Leben führen kann.

Doch es kommt anders, und zunächst gelingt es Jamie auch, seinen eigenen Weg abseits der Illegalität zu gehen. Er distanziert sich von seinem alten Leben, und schaut optimistisch in die Zukunft. Erstaunt war ich, wie oben schon erwähnt, über das Alter. Jamie ist 18 und saß vier Jahre im Gefängnis, dies bedeutet, dass er mit mit 14 Jahren schon in eine Jugendstrafanstalt kam. Aufgrund seiner vielfältigen „Erfahrungen“ (in Liebesdingen etc.) und Kenntnisse (Meister im Auto stehlen etc.) in verschiedenen Bereichen fand ich das nicht so ganz glaubwürdig.

Dann geht es ganz schnell, zwei Tage später lernt Jamie Ellie in einer Diskothek kennen. Zwischen den beiden herrscht sofort eine große Anziehungskraft. Ellie, rotgelocktes Haar, stammt aus einem wohlhabenden Elternhaus. Sie wohnt dort noch und hat noch eine kleine Schwester, geht auf die Highschool. Ihre Mutter ist sehr auf ein gesellschaftliches Ansehen ihrer Tochter bedacht. Ellie hat sich gerade von ihrem Freund Miles getrennt, der sie nicht gut behandelt und bereits Züge von seelischer Gewalt gegenüber Ellie gezeigt hat. Von Anfang an dachte ich, er wird diese Trennung nicht so einfach akzeptieren und so war es auch. Das ist oft bei solchen Menschen so, die dann „stalkerhafte“ und auch gefährliche Eigenschaften annehmen können. Von daher will Ellie im Moment gar keine Beziehung haben, denn sie will sich erst wieder an die neu gewonnene Freiheit gewöhnen, das tun zu können was sie will. Mit Miles funktionierte dies nicht, da er sie sehr unter „Kontrolle“ hatte.

Also, all das waren keine guten Voraussetzungen für eine wahre Liebe zwischen Bad Boy Jamie und verwöhntem Töchterchen Ellie. Und dennoch passiert genau dies Unerwartete. Denn was mit sexueller Anziehungskraft und einem One-Night-Stand beginnt, wird immer mehr. Erst einigen sie sich auf spontanen „Sex ohne Verpflichtungen“, aber irgendwie schleicht sich bei beiden die Liebe ins Herz.

Ich habe abends noch die ersten 200 Seiten gelesen. Der Anfang war toll und spannend, aber dann zog sich die Geschichte etwas und ich war entsetzt, als ich feststellte, dass das Buch insgesamt 500 Seiten hatte! Wenn die restlichen 300 Seiten so weiter gehen würden, na ja … aber es kam wie nun schon öfters erwähnt, ganz anders. Jamie und Ellie lernen sich sehr schnell kennen und aus dem One-Night-Stand wird bei beiden ungewollterweise mehr. Dies ist ausführlich und auch manchmal etwas langatmig beschrieben, so dass ich manches gerne überlesen hätte. Es fehlt ein wenig die Spannung, aber vor allem Jamies Situation war so intensiv beschrieben, dass jeder Leser sich in seine Welt einfinden konnte. Und dass ist auch nötig, denn es weckt Verständnis wo man es eigentlich nicht vermutet hätte und auch viel Sympathie für Jamie. Er hatte eine schwere Kindheit, ist von seinem Vater misshandelt worden und seine Schwester ist gestorben. Es fällt gleich am Anfang auch die Andeutung, dass er ein Mörder ist. Aber natürlich wird dies erst am Schluss aufgelöst.

Da ich Urlaub hatte, konnte ich ausnahmsweise auch über Tag weiterlesen. Ab Seite 200 wird es so richtig schön traurig, jedenfalls zwischen den Zeilen, weil ich schon ahnte, dass es mit den beiden nicht mehr lange gut gehen kann. Denn Jamie wird unweigerlich in seine alten Verhaltensmuster zurück gezwungen, und auch Ellies Mutter mischt sich intrigant in die Beziehung ein, so dass beide kurzzeitig den Schlussstrich ziehen wollen, aber dann glücklicherweise gerade noch so die Kurve kriegen. Dennoch ahnte ich: das war nur das Vorspiel für den ganz großen Knall, der kommen wird. Das weiß man einfach.

Ein wenig ist die Geschichte auch klischeehaft, denn Ellie geht auf eine Highschool und ist der Kopf der Cheerleaderinnen. Sie ist allseits beliebt in der Schule und eine normale Jugendliche, die viel und gerne auf Partys geht. Miles, ihr Ex-Freund ist ein kleiner Footballstar an ihrer Schule und so haben die beiden längere Zeit gut zusammen gepasst. Bis zur Trennung halt. Und als Jamie auftauchte, hatte Miles sowieso keine Chance mehr, egal wie sehr ihre Mutter das erhoffte.

Jamies Verhalten ist ein wenig ambivalent. Denn zum einen ist er ein gut erzogener Junge, zum anderen ein Gewalttäter. Irgendwie lässt sich das nicht immer mit einer Person in Verbindung bringen. Einige Prügelszenen sind heftig, und so fand ich diese zwei Gegensätze in ihm nicht so ganz überzeugend. Er kam mir immer erwachsener als seine 18 Jahre vor, das kann aber auch an seiner bewegten Vergangenheit gelegen haben. Dieses Gefühl, dass er eigentlich älter zu sein schien und seine Brutalität und im Gegensatz dazu seine liebevolle Art mit Ellie hat aber keinen Einfluss auf den Lesefluss und die Geschichte gehabt, ich konnte gut darüber hinweglesen.

Ähnlich ambivalent geht es mir mit dieser starken sexuellen Anziehungskraft. Das erscheint mir für die beiden, die ja erst 17/18 sind, doch sehr stark zu sein, weil die Emotionen schon über eine erste und normale Verliebtheit hinaus gingen. Zudem nennt Ellie Jamie „Hengst“, da hat es mich jedes Mal „geschüttelt“, und regelrecht aus der ansonsten flüssigen Geschichte geworfen.

Wie gesagt, ab Seite 200 wird es auch so richtig spannend, weil Jamie den Spagat schaffen muss, ein Ehrbares und Illegales Leben zu vereinen. Seine Mutter hat Schulden die er als Sohn übernimmt. Auf einen Schlag muss er viel Geld beschaffen. Seine Mutter ist ein Extremfall, so richtig verstehen konnte ich seine Hilfsbereitschaft nicht. Denn wenn eine Mutter ihren Sohn hasst und anspuckt, dann hört es doch irgendwie auf.

Und aufgrund seiner ganzen Geschichte und seiner Lebensumstände, weiß Jamie leider zu genau, dass er eigentlich nicht gut genug für Ellie ist und dass ihre Liebe keine Chance hat. Aber Ellie gibt ihm viel Halt, und wie ein Süchtiger hält er so solange fest an ihr, wie es möglich ist. Er kann sie nicht gehen lassen.

Zitat Seite 224: „Ich musste mit Ellie sprechen, musste ihre Stimme hören. Es machte mir Angst, wie sehr ich sie brauchte. Ich wollte niemanden brauchen – denn nur so würde ich auch nicht enttäuscht werden.“

Als Leser wappnet man sich innerlich auf den Moment, in dem Ellie erfährt, wer Jamie wirklich ist, was er verbrochen hat und was sein Job ist. Und das alles liest sich so ungerecht, denn Jamie ist auf so einem guten Weg gewesen, er hat eine Wohnung, einen Job als Automechaniker, und dann geht wegen seiner Mutter alles wieder den Bach runter. Man möchte verzweifeln und Jamie an den Schultern packen und gut durchschütteln. Deswegen hätte ich auch am liebsten mittendrin den Schluss gelesen, weil ich diese subtile Spannung nicht mehr ertragen konnte.

Es kam, wie es zu erwarten war, aber dann doch wieder mit ganz anderen Reaktionen. Es schien auf ein Happy End hinauszulaufen, um dann vier Kapitel vor Schluss eine ganz und gar unerwartete Wendung zu nehmen. Ich war fassungslos und hätte das Buch am liebsten in die Ecke geworfen. Wie gemein! Dass es so zu Ende ging! Ich war fix und alle. Nachdem ich mich beruhigt hatte, loggte ich mich mit einer kleinen Hoffnung ins Internet ein und recherchierte. Aufatmen. Es gibt noch einen zweiten Band. Dann: Ärgernis darüber. Warum muss es immer Fortsetzungen geben!? Jetzt muss ich bis November 2017 warten, bis der zweite Band erscheint (Nie so begehrt) und dann vielleicht noch auf einen dritten!? Also, das verleidet mir fast das weiterlesen.

 

Fazit:

Zunächst einmal war ich überrascht von dem Alter der beiden Hauptprotagonisten Ellie und Jamie, nämlich 17 und 18 Jahre. Davon hat Jamie vier Jahre im Jugendknast verbracht und musste seine Erfahrungen praktisch bis er 14 Jahre alt war, sammeln. Dies erschien mir nicht immer ganz plausibel. Dann bereits auf den ersten Seiten der One-Night-Stand, der sich aber nach und nach zu sehr viel mehr entwickeln wird. Diese Entwicklung ist sehr ausführlich beschrieben, was für mich zwischendurch auch mal langweilig war. Ich würde schon sagen, dass man eine längere Phase für diese „Entwicklung“ braucht, damit man Jamies Verhalten auch verstehen und akzeptieren kann. Aus seiner Sicht musste er so handeln. Für viele Verhaltensweisen von Jamie hielt ich ihn zu jung, und konnte sein jugendliches Alter von 18 Jahren nicht so ganz damit vereinen. Aber aufgrund seiner Kindheit kann ich mir auch vorstellen, dass er schnell erwachsen werden musste und von daher auch älter wirkt. Dennoch ist sein gegensätzliches Verhalten zwischen „good boy“ und „bad boy“ manchmal irritierend. Das Buch lässt sich aber sowohl als Jugendliche, als auch als Erwachsene gut lesen.

Ab Seite 200 wird es dann spannend, weil sich Jamies Vergangenheit in sein neues Leben einmischt und es mit seiner Beziehung zu Ellie kollidiert. Was eigentlich niemand überraschen dürfte, denn gegensätzlicher könnten die Lebensumstände von Ellie und Jamie nicht sein. Der Bad Boy und das Mädchen aus gutem Hause. Dazu noch ein immer eifersüchtiger Ex-Freund und eine intrigante Mutter, die ihre Tochter gesellschaftlich höher gestellt verkuppeln möchte. Dies alles birgt ein richtiges Herz-Schmerz-Drama, und auch wenn es dann lange dauert, bis es soweit ist, mit jeder Seite die ich gelesen habe, kam dieser Moment näher und das macht einem selbst als unbeteiligtem Leser das Herz schwer.

Das schwerste aber, war der Schluss. Boah, hat mich voll umgehauen, unerwartet und so gemein! Das ging mir noch ein paar Stunden lang und am nächsten Tag (!) nach, weil ich gerade so schön in der Geschichte „drin“ war. Ich hätte mir echt ein Happy End gewünscht. Ich wusste ja nicht, dass es eine Fortsetzung gibt! Ich weiß nicht, ob dieser zweite Band mich trösten wird oder ob er mich so verärgert, dass ich ihn gar nicht lesen will, weil halt eben wieder ein zweiter Band herhalten muss. Wer weiß, vielleicht gibt es noch dritten Band, und für solche in die Länge gezogene Geschichten habe ich keine Lust mehr. Auch wenn ich natürlich unbedingt wissen will, wie es weitergeht.

Alles in allem: Eine schöne und herzzerreißende Liebesgeschichte, die aber für meinen Geschmack nicht unbedingt noch in einem zweiten Band enden müsste. Ich hätte mir am Schluss einfach ein Happy End gewünscht. Aber dann hätte der fiese herz-schmerz ja gefehlt ….

Link zum Buch/Verlag mit Leseprobe: https://www.harpercollins.de/buecher/liebesromane/fighting-to-be-free-nie-so-geliebt

PS: Weil mich das Ende so umgehauen hat, habe ich den Verlag angeschrieben, wie viele Teile geplant sind. Ich kann nun sagen, die Story um Ellie und Jamie (Fighting to be free) ist eine Dilogie. Ganz ehrlich, wenn es eine Trilogie gewesen wäre, hätte ich nicht mehr weitergelesen. So warte ich jetzt gespannt auf den zweiten und letzten Teil im November.

Fighting to be free – Reihenfolge:

Band 1: Nie so geliebt (erschien am 12. Juni 2017)

Band 2: Nie so begehrt (erscheint am 13. November 2017)

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Ein Kommentar zu “Moseley, Kirsty – Fighting to be free / Nie so geliebt

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