Morrissey, Di – Das Land der goldenen Tempel

Morrissey, Di Das Land der goldenen Tempel 978-3-426-65355-5 Knaur

Morrissey, Di
Das Land der goldenen Tempel
978-3-426-65355-5
Knaur

Inhalt:

In Australien stößt die junge Mutter Natalie inmitten alter Unterlagen auf ein kostbar erscheinendes Schriftstück, das ihrem Großonkel gehört haben muss. Neugierig liest sie seine hinterlassenen Briefe und spürt der Geschichte dieser Antiquität nach. Sie folgt den Spuren des Geheimnisses schließlich bis ins abenteuerliche Burma: Land der Pagoden, Paläste und uralten Riten …(Quelle Droemer/Knaur)

Meine Meinung:

Dies ist mein erstes Buch von dieser Autorin. Zufällig und wie immer entdeckt in meiner Stadtbücherei. Der Inhalt mit den Schlagwörtern „Australien-Antiquitäten-goldene Tempel-Briefe-Vorfahren“ sprach mich gleich an. Ich freute mich auf eine schöne Geschichte. Leider kam es anders.

Der Schreibstil war in Ordnung, mir fällt jetzt kein anderes Wort dafür ein. Die Geschichte hat sich flüssig lesen gelassen, und ich fand sie auch nicht „anspruchsvoll“. Die meiste Kritik muss ich an der Haupt-Protagonistin Natalie üben. Mit einigen von ihren Ansichten (und denen ihrer Mutter) bin überhaupt nicht klar gekommen. Mehrmals musste ich den Kopf schütteln und habe mich gefragt, aus welcher Perspektive die Autorin da schreibt. Denn zunächst handelt der Roman von einer Familie, Vater-Mutter-zwei Kinder. Ich hatte das Gefühl, dass die Frau hier „das sagen hatte“ (das hört man gerne), so zum Beispiel als sie sich beim Hauskauf durchsetzt, obwohl der Auktionspreis schon über dem vorher geplanten Preis lag. Mark, ihr Ehemann, machte gute Miene dazu. Im Laufe der Handlung stellte ich aber fest, dass der Erzählton dahingehend ging, dass dem Mann die „Schuld“ an allem gegeben wurde, obwohl er doch gerade wegen dieses Hauskaufes und der unvorhergesehenen Renovierungen alles auf sich nimmt, um genug Geld zu verdienen und in einem Job arbeitet, der ihm nicht gefällt, nur des Geldes wegen. Und wenn er dann nach Hauses kommt, kümmert er sich wirklich noch viel um die Kinder, obwohl er auch eine Pause gebrauchen könnte. Dennoch meint Natalies Mutter Sarah , Mark wäre rücksichtslos. Von Natalie, Lehrerin, wird nicht erwartet zu arbeiten und ihren Teil zu den finanziellen Schwierigkeiten beizutragen, da sie mit zwei Kindern ausgelastet ist. Da erschienen bei mir zwei große Fragezeichen?? Es wurde dann so erklärt, dass die Betreuungskoten den Verdienst übersteigen würden. Na ja, es geht noch so ähnlich weiter: Das Haus hat zwei Badezimmer, aber es kann ja nicht von einer Frau erwartet werden, die Kinder im kleinen Bad zu waschen, weil es dort keine Badewanne, sondern nur eine Dusche gibt und Natalie dann auch nass wird???? Oder als Natalie vorwurfsvoll zu ihrem Mann sagt, dass sie vor lauter Arbeit mit Haus und Kinder Tiefkühlkost kochen musste. Nein, also das geht ja wirklich nicht. Ich meine, die Autorin schreibt aus der Perspektive einer verwöhnten Frau in der erwartet wird, dass der Mann gleichzeitig das Geld verdient und auch alles im Haushalt macht. Mehrmals las ich Andeutungen in diese Richtung, und ich bin eigentlich jemand, der immer zuerst auf der Seite von der Frau steht, aber hier bei Natalie ging das stellenweise gar nicht. Als sie dann das dritte Kind erwartet, wird sogar darüber nachgedacht, eine Haushaltshilfe einzustellen! Oder als Ehemann Mark einen Freund mitbringt, regt sich Natalie darüber auf, dass er ihr kleines Bad mitbenutzen muss, da das große renoviert wird. Also, ich finde das übertrieben.

Wie es bei alten Häusern oft der Fall ist, kommen ständig neue Renovierungen dazu, mit denen sie vorher nicht gerechnet hatten. Mark und Natalie kämpfen mit den finanziellen Schwierigkeiten, und es wird so dargestellt, dass Natalie die meiste Arbeit hatte, da sie die Renovierungen beaufsichtigen bzw. selber Hand anlegen muss, obwohl die Kinder im Kindergarten sind. Ich frage mich, wieso vorher über die Betreuungskosten gejammert wurde, weil Natalie aus diesem Grund nicht arbeiten gehen konnte, aber kurze Zeit später sind die Kinder dann im Kindergarten und von den Betreuungskosten ist keine Rede mehr. Ehemann Mark ist auf Montage um Geld zu verdienen. Zufälligerweise muss ihre Mutter sechs Tage die Woche arbeiten und kann nicht auf die Enkel aufpassen, und zufälligerweise hat der Lebensgefährte der Mutter das zurückgelegte Geld für den Ruhestand an der Börse verspielt. Das ist so die Grundlage, und mitten da hinein findet Natalie ein sogenanntes Kammavaca, ein altes Manuskript, dass auf einen Teil einer buddhistischen Mönchsrobe geschrieben und gemalt wurde. Wie sich herausstellt, ist es sehr wertvoll, und jetzt steht Natalie vor der moralischen Frage, ob sie es verkaufen soll, nachdem ihr Mann auch arbeitslos geworden ist.

Es gab auch Szenen die ich genoss, zum Beispiel wenn Natalie auf Flohmärkten alte Möbel aufstöbert und Ideen hat, wie man diese verschönern kann. Die Pläne fürs Haus waren kreativ, ich konnte es mir gut vorstellen, wenn es mal fertig renoviert ist.

In den ersten drei Vierteln handelt das Buch vom Familienalltag, von den Sorgen und Nöten. Eigentlich wie in normalen Familien auch, wären nicht stellenweise ein paar „Ausreißer“ gewesen. Ich fragte mich schließlich,  ob es in Australien normal ist, dass die Frau zu Hause bei den Kindern bleibt. Kann ich mir nicht so ganz vorstellen. Schließlich kommt noch eine überraschende Komponente ins Spiel: Natalie freundet sich mit einer Frau aus Burma an und gelangt so in eine Art „burmesischer Freundeskreis“. Diese setzen sich für ihr unterdrücktes Volk in Burma ein, auch für Hung San Suu Kyi, die dort im Land von der Regierung gefangen gehalten wird. Natalie bringt sich voll und ganz in diese Aktivitäten ein, und das konnte ich anhand ihres Lebens und Charakters nicht nachvollziehen. Ein gewisses Maß an Anteilnahme ja, aber im Buch wird dies richtig über-emotional geschildert. Damit „konnte ich nicht“. Es wird auch viel über die kreativen Renovierungen des Hauses berichtet, und auch hier gab es Handlungen, die für mich nicht zusammen passten. Zum einen wird auf Flohmärkten alte Sachen gekauft, zum anderen wird der halbe Hausstand von Sarahs Mutter „entsorgt“. Einfach so weggeworfen. Wenn sie Geld gebraucht hätten, hätten sie auch z.B. die Pelze verkaufen können, anstatt weg zu werden. Natürlich lässt sich über Pelze diskutierten. Aber ein altes Perlentäschchen? Das lässt sich mit Sicherheit verkaufen. Und dann regt sich Natalie auf, dass ihre Mutter die Sachen von ihrer Urgroßmutter aufgehoben hat. Ist ja alles Müll …. Diese Aufräumaktion war irgendwie lieblos und ohne Tradition, und im Gegensatz dazu soll ich als Leser dann glauben, dass um dieses Kammavaca, wovon am Anfang ja gar nicht klar ist, was es überhaupt ist, so ein Wirbel gemacht wird? Also – ich konnte es nicht glauben.

Einzig der Schluss des Buches, so das letzte Viertel, als Natalie eine Reise nach Burma antritt war für mich dann interessant. Denn die Reiseschilderungen haben mir gut gefallen.

Fazit:

Die Geschichte hätte alle Komponenten für einen schönen Schmöker gehabt: Familie, Antiquitäten, kreative Renovierungen, Ländliches wohnen, wohnen am Wasser, Landhausstil, Flohmärkte, Sonne, Meer, Strand, Yoga, Freundinnen … Also ein leben wie aus einem Lifestyle-Magazin. Dennoch konnte mich die Geschichte leider nicht überzeugen. Zum großen Teil lag das an der Hauptprotagonistin Natalie, die mir nicht authentisch genug war. Die Idee, durch das geheimnisvolle Kammavaca auf die Unterdrückung des burmesischen Volkes aufmerksam zu machen, finde ich nobel. Auch die Erwähnung von der Menschenrechtlerin Hung San Suu Kyi macht aufmerksam auf die damalige Unterdrückung. Für mich war die Anteilnahme von Natalie daran nicht überzeugend genug bzw. oft als unglaubwürdig zu emotional dargestellt. Zudem schlich sich oft ein altmodischer Ton ein, so dass ich die Geschichte wahrscheinlich eher in den 80igern oder 90iger Jahren angesiedelt hätte.

Generell finde ich die Idee gut, durch einen Roman viele Leser auf die Unterdrückung eines so kleinen Landes wie Burma aufmerksam zu machen. Das war wirklich interessant dargestellt. Aber das „drumherum“, hat mich nicht überzeugt. Mir waren es zwischen den Zeilen zu viele Misstöne im Sinne von altmodischen Ansichten in Kombination mit einer verwöhnten Protagonistin. Stellenweise blitzte die „echte Natalie“ durch, aber das waren sehr seltene Momente.

 

Es gibt einen Literaturtipp in der Geschichte: George Orwells „Tage in Burma“.

 

Links:

Link zum Buch/Verlag: http://www.droemer-knaur.de/buch/7985160/das-land-der-goldenen-tempel

Friedensnobelpreisträgerin Hung San Suu Kyi: https://de.wikipedia.org/wiki/Aung_San_Suu_Kyi

Burma/Myanmar https://de.wikipedia.org/wiki/Myanmar

 

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