Johnston, David Cay – Die Akte Trump

Johnston, David Cay
Die Akte Trump
978-3-7110-0115-3
Ecowin

Inhalt:

Wer ist dieser Donald Trump? Wie konnte es ihm gelingen, in die höchsten Höhen der amerikanischen Politik aufzusteigen und zu einer Ikone des öffentlichen Lebens zu werden? Von den Ursprüngen des Immobilienreichtums seiner Familie bis zu seinem eigenen Firmenimperium – das nicht nur einmal als „too big to fail“ galt –, von seiner Erziehung und seinen Anfängen als Unternehmer bis zu seinem turbulenten Präsidentschaftswahlkampf zeichnet Die Akte Trump das bisher vollständigste Bild von Trumps außergewöhnlichem Werdegang.Gestützt auf Interviews, Finanzdokumente und Gerichtsakten aus mehreren Jahrzehnten ermöglicht uns Johnston, der sich näher mit Trump befasst hat als jeder andere Journalist unserer Tage, den bisher tiefsten Einblick in diesen Mann, der Präsident werden will.(Quelle Ecovin Verlag)

Meine Meinung:

Vor einiger Zeit habe ich Josef Bramls Trumps Amerika (*Rezi hier*) gelesen, darin geht es überwiegend um die politische Debatten in Amerika. Ich hätte aber gerne mehr über den Menschen Trump gelesen, das fehlte mir und habe dann gehofft, dass ich in diesem Buch von David Cay Johnston fündig würde.

So war es denn auch. David Cay Johnston ist investigativer Journalist und versteht es zudem unterhaltsam zu schreiben. Er berichtet über die deutschen Vorfahren von Donald Trump und wie sich schon damals eine gewisse überhebliche und betrügerische Unternehmenskultur in den Familiengeschäften abzeichnete. Der Vater ebnet einen Weg, den der Sohn weiter beschreitet. Dazu gehört zum Beispiel das bebauen von Grundstücken, die ihnen nicht gehören oder die Ausweisung seines Großvaters aus Deutschland.

Zum vergrößern der Inhaltsangaben bitte auf ein Foto klicken:

Nach dem die Familiengeschichte erläutert wurde, geht es mit Donald Trump selber weiter. Wie sein Vater hegt auch er rassistische Neigungen. David Cay Johnston berichtet, wie es Donald Trump mit viel Rücksichtslosigkeit gelang sein Vermögen zu erwerben und zu mehren. Dazu wurden auch keine Kontakte mit den beiden größten Mafia-Familien New Yorks gescheut.

Sehr merkwürdig wirkte ein Motivationsvortrag, den Donald Trump  2005 in Colorado hielt. Das Publikum war sichtlich über den Monolog irritiert. Er schimpfte und verunglimpfte seine Ex-Frauen und ehemalige Geschäftspartner. Zudem unterhält er eine paranoide Kultur zu seinen Mitarbeitern. Er arbeitet nur mit Mitarbeiten, die ihm kritiklos zustimmen, alle anderen werden gefeuert „You‘re fired“. Das kann man aktuell im Fernsehen fast jede Woche erleben, z.B. FBI-Chef Comey, gefeuert im Mai 2017, Justizministerin Sally Yates (Jan. 2017) . Er ist sehr rachsüchtig, und empfiehlt anhand eines Beispiels einer ehemaligen befreundeten Immobilienmaklerin, wenn man reingelegt wurde, es zehnmal mit selber Münze zurückzuzahlen! Diese diebische Schadenfreude ist so unfassbar dumm an ihm. Der ganze Vortrag, wenn er so statt gefunden hat wie David Cay Johnston berichtet, ist an Skurrilität nicht mehr zu überbieten.

Zitat Seite 216: „Ich  habe einiges an Geld in Anwaltshonorare investiert, die andere Seite aber noch viel mehr. Ich wollte ihm das Leben vergällen, und es freut mich, dass mir das gelungen ist“, prahlte Trump.

Diese Aussage passt zu seiner Philosophie der Vergeltung.“

Für ein weiteres Beispiel seiner Rachegelüste braucht man nicht weit zu gehen, er verweigerte dem Sohn seines Neffen aus Rachgründen die Zahlung der Krankenversicherung. Der Fall ist etwas komplex, denn besagter Neffe hat das Testament seines Vaters angefochten, und ist damit Donald Trump auf den „Schlips getreten“:

Zitat Seite 59: „Ich war wütend, weil sie klagten“.

Donald Trump kann sich etlichen Zivil- und strafrechtlichen Ermittlungen oder Anklagen geschickt entziehen. Praktisch nirgends ging es mit rechten Dingen zu, sei es beim Wohnsiedlungsbau, beim Bau seines Trump Towers, der Helikopter-Firma, dem Casino oder dem Kauf einer Football-Mannschaft.

Zitat Seite 85: „… ist ein frühes Beispiel für die Grundlagen, auf denen seine Karriere beruht: Das Brechen, Ignorieren oder schlicht das Erfinden von Regeln“.

Zu guter letzte schreckt Donald Trump auch nicht davor zurück, dem Autor dieses Buches David Cay Johnston mit einer Verleumdungs-Klage zu drohen, falls er etwas veröffentlichten würde, was ihm nicht gefallen würde.

Als er den Trump Tower baute, musste als erstes das alte Kaufhaus „Bonwit Teller“ abgerissen werden. Einige antike und wertvolle Stuckelemente im Art-Deco Stil, die erhalten und dem Metropolitan Museum of Art überlassen werden sollen, gingen verschüttet und tauchten nie wieder auf. Donald Trump wollte damit Kosten und Zeit sparen, diese Kunstwerke mühsam und aufwendig abzutragen. Überhaupt bestand die ganze Abrissfirma aus illegalen polnischen Arbeiten, die ohne Helm oder Atemschutz oder Unterkunft dort arbeiten mussten. Mal ganz abgesehen davon, dass Donald Trump versuchte, die Löhne der Arbeiter zu prellen. Er senkte die Kosten wo es ging um mehr Geld zu verdienen. Der Rechtsstreit zum bezahlen der Löhne zog sich über 18 dahin und endete mit einem geheimen Vergleich.

Zitat Seite 112: „Mit Vernunft konnte man ihm nicht beikommen, wenn Geld im Spiel war.“

Unfassbar auch, wie Trump sein Vermögen schätzt, und das auch öffentlich unter Eid im Gericht aussagt, auf die Frage, worauf er seine Angaben stützt, wenn er nach der Höhe seines Vermögens gefragt wird:

Zitat Seite 122: „Ich würde sagen, auf meine allgemeinen Gefühle zu dem Zeitpunkt, an dem mir die Frage gestellt wird. Und wie ich sage, die sind immer verschieden.“

Fassungslos liest man über die „Veräppelung“ von Journalisten und großen Zeitungen. Donald Trump ruft als sein eigener imaginärer Pressesprecher an, nennt sich Jon Bar(r)on oder John Miller. So bringt er Gerüchte in Umlauf, die ihm dienlich erscheinen oder seinem Ego schmeicheln, wie zum Beispiel eine Affäre mit Carla Bruni, die sich wohl nur in seiner Fantasie abgespielt hat.

Weitere Themen im Buch sind Steuern, Einkommenssteuer, Trumps Casino, Trumps Golfplätze, Trumps University und natürlich sein Geschäftsgebaren dabei. Seine Bau-Projekte, denen er seinen „Namen“ lieh, sind grenzwertig an den Gesetzen vorbei  angelegt. Viele Anleger wurden durch diese Namenslizenz getäuscht, und ich kann es eigentlich nicht fassen, wie oft er damit vor dem Gesetz durchkam. Manche Themen lesen sich ziemlich ermüdend, wenn man nicht gerade an steuerlichen Details interessiert ist. Mir ist aber durchaus klar, dass David Cay Johonston dies lückenlos und detailliert auflisten möchte, um uns Leser damit zu überzeugen. Jedenfalls habe ich bei diesen Themen irgendwann aufgebgeben, und habe verschiedene Absätze überflogen, sobald ich der Meinung war, dass ich das Prinzip halbwegs verstanden habe.

Überhaupt hat man den Eindruck, dass Donald Trump nur am Klagen ist oder selber Verklagt wird. Durch manche Spende konnte er verhindern, dass einige Klagen schon im Ansatz erstickt wurden.

Noch ein Zitat am Schluss, das recht gut Aufschluss darüber gibt, wie Donald Trump jetzt als Präsident mit seinen angestellten verfährt:

Zitat Seite 269: „Doch Trump war dafür bekannt, Fachleute wie … zu feuern und sie durch weniger erfahrene Ja-Sager zu ersetzen.“

David Cay Johnston ist investigativer Journalist und verweist im Buch auf viele Quellenangaben. Zudem habe ich den Eindruck, dass er versucht, alles akribisch und wahrheitsgemäß, auch anhand dieser externer Quellen, aufzulisten. Einen Fehler würde er sich wohl selber nicht verzeihen und sich in seiner Ehre gekränkt sehen und deswegen alles tun, um eine wahrheitsgemäße Berichterstattung vorzulegen. Dennoch hat er einen unterhaltsamen Schreibstil, so dass ich manchmal die Sachlichkeit vermisste, die die Vorwürfe noch glaubwürdiger gemacht haben.

Fazit:

Man kann nur den Kopf schütteln und fühlt ein großes Unverständnis, wie Donald Trump so weit kommen konnte, selbst wenn man es hier liest wie es dazu kam. In jedem Kapital gibt es unfassbare Aussagen, die mich einfach fassungslos zurück lassen. Wie kann ein Mensch mit solchen Äußerungen und Handlungen jahrelang durchkommen? Ist er einfach dumm oder Bauernschlau? Ich komme zu dem Schluss, dass Donald Trump ein geschickter Lügner und Betrüger ist, der vor niemanden halt macht. Und das auf eine so unsympathische und prahlerische Weise, dass es einen innerlich „schüttelt“. David Cay Johnston berichtet in unterhaltsamer Weise über Donald Trump und sein Geschäftsgebaren. Das Buch lässt sich gut lesen, wenn es auch zu einigen Themen Längen gibt (Thema: Steuer, Einkommensteuer) die ich absatzweise dann nur „überflogen“ habe.

Alles in allem: Unterhaltsame Lektüre über Donald Trump, die einem die Augen öffnet wie dieser Mensch agiert. Ein Buch, das jeder gelesen haben sollte. Die Amerikaner wird man dann aber erst recht nicht verstehen, wie sie so einen Präsidenten wählen konnten.

Das Buch erschien am 1. September 2016

Link zum Buch/Verlag:  http://ecowin.at/buch/die-akte-trump/

Vor einigen Wochen habe ich ein anderes Buch über Donald Trump gelesen, das aber eher die politische Seite beleuchtet: Josef Braml „Trumps Amerika – Auf Kosten der Freiheit“. Hier der Link zu Rezension: https://buecherfuellhorn.wordpress.com/2017/02/19/braml-josef-trumps-amerika-auf-kosten-der-freiheit/

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