Wolff, Carola – Ausgerechnet Muse

Wolff, Carola
Ausgerechnet Muse
978-3-944788-46-3
Fabulus Verlag

Inhalt:

Die 17-jährige Apollonia Parker will frei und ungebunden sein. Sie träumt davon, mit ihrem Motorrad Bonnie durch Schottland zu fahren. Allerdings verfügt sie über eine Gabe, die sie besonders hasst: Sie ist wie ihre Mutter eine Muse. Apollonia hat aber keine Lust, sich an einen Künstler zu binden, diesen zu inspirieren und zu hätscheln. Als Nick ihr einen Song widmet, verliebt sie sich Hals über Kopf in ihn. Der junge, äußerst begabte Singer-Songwriter ist von Appolania ganz hingerissen. Doch der habgierige Konzernchef Viktor Tyrell ist gegen diese Verbindung. Er will Apollonias Gabe für seine Zwecke nutzen — und setzt die schwarze Muse Velika auf Nick an. (Quelle Fabulus Verlag)

Meine Meinung:

Wie immer ist das Cover erster Anziehungspunkt für mich gewesen. Man sieht es eigentlich auf den ersten Blick nicht, aber man kann noch einen Raben und einen Musiker mit Gitarre erkennen. Und damit hat man auch schon die Hauptprotagonisten für dieses Buch zusammen.

Wolff, Carola
Ausgerechnet Muse
978-3-944788-46-3
Fabulus Verlag

Zum einen wäre da die erste Hauptprotagonistin Apollonia Parker. Schwarze Strubbelhaare, schlacksige Figur und immer in schwarz gekleidet, wird sie oft einfach nur „Parker“ genannt. In ihrem Blut fließt die göttliche Gabe der Musen, die hat sie von ihrer Mutter geerbt. Beides sind Musen für Künstler, Sänger und andere Kreative. Apollonias Mutter Miranda ist ziemlich flatterhaft, und „pendelt“ von einem Künstler zum nächsten immer in der Hoffnung, dass es ihre große Liebe ist. Die Künstler hingegen nutzen sie oft unbewusst nur aus, da Miranda ihre Inspiration ist.

Apollonia will so jedenfalls nicht enden: ausgenutzt und reduziert auf ihre Gabe. Deswegen lehnt sie diese total ab. Zudem will sie sich von ihrer Mutter abgrenzen, typisch Adoleszenz!  Entspannung findet sie bei Mechaniker Wolf in der Motorradwerkstatt. Mit einer reparaturbedürftigen Triumph Bonneville hängt sie ihren Tagträumen nach.

Zweiter Hauptprotagonist Nick weiß noch nicht so genau, was er machen will. Er will Sänger werden, doch fehlen ihm die richtigen Ideen, bis er durch Zufall Apollonia in einem Park kennenlernt. Ein starkes taffes Mädchen denkt er, als sie drei Hooligans in die Flucht schlägt. Zudem ist er ab diesem Zeitpunkt inspiriert wie noch nie in seinem Leben. Seine kreative Phase ist geweckt, und er verbindet dies auch unbewusst und richtiger Weise mit „seiner“ Muse Apollonia:

Zitat Seite 103: „Du bist sowieso schon eine Melodie, die ich nicht mehr aus dem Kopf bekomme“.

Dann wäre da noch Lyngx, der magische Rabe. Alle Musen haben ein magisches Tier, einen sogenannten Mentor, der ihnen als Ratgeber, Beschützer, Unterstützer und Freund zur Seite steht. Lyngx gehört da mit seinen literarischen Anspielungen zu der nervigeren Sorte. Er erinnert mich an Levet, ein Gargoyle aus der „Guardians of Eternity“ Reihe für Erwachsene von Alexandra Ivy, der einem dann auch sehr ans Herz gewachsen ist.

Das Zeichen der Musen ist ein Pegasus, ein Tattoo eines geflügelten Pferdes. Wer dieses Tattoo berührt, wird mit der Muse durch ein goldenes Band gebunden. Eine unwiderstehliche Anziehungskraft entsteht, als Nick aus Versehen Apollonias Tattoo berührt. Und so nimmt dann die Geschichte ihren Lauf.

Der Schreibstil ist einfach und gut zu lesen, manchmal auch etwas „flapsig“. Manche Dialoge kamen mir aufgesetzt vor, wirkten „unrund“, zum Beispiel als Apollonias Mutter Miranda sich beschwert, dass Apollonia zu viele Bücher liest. Das hörte sich so unecht an. Total daneben war Mirandas Reaktion, nachdem Apolloninia ihre göttlichen Fähigkeiten und ihren Lebenswillen verloren hat. Ich meine, das hätte doch ein Drama sein müssen, aber Mirandas Reaktion war einfach zu verständnisvoll, irgendwie fehlt da alles. Vielleicht lag es daran, dass Mirandas Charakter nicht ausgereift war. Auch Nick war mir zu oberflächlich, zu sehr als „Softie“ dargestellt und auf Künstler getrimmt (weißes Hemd und Pferdeschwanz). Ich hätte ihm mehr Ecken und Kanten gewünscht. So ist er einfach ein normaler Junge, der gerne auf seiner Gitarre klimpert und manchmal etwas verträumt wirkt. Für meinen Geschmack fehlte hier das Bad-Boy-Image, aber so ist es auch mal ein anderer Charakter der die Hauptrolle spielt. Nicht alle Jungs können Bad Boys sein. Tom war der geheimnisvolle Fremde, der aber in der Geschichte irgendwie „verloren“ ging. Hier wurde Charakter-Potenzial verschenkt. Als er auftauchte, hatte ich schon eine Dreiecksgeschichte erwartet, aber als diese nicht erfüllt wurde, fand ich das gut, dass das Ganze nicht so vorhersehbar war.

Die Idee über die Musen und ihre magische Verbindung zu den Künstlern zu schreiben, ist gut umgesetzt. Denn Muse zu sein ist kein Job, sondern eine Berufung, die man nicht leichtfertig aufs Spiel setzen sollte. Wörter wie Musik oder Museum haben so eine ganz neue Bedeutung. Auch andere Musen tauchen auf Kalliope (allerdings als Name einer Bar), Circe, Thalia (!), abgeleitet auch Apollonia. Also die Idee, die Basis dieser Geschichte finde ich toll.

Das letzte Drittel und der Schluss sind schnell gelesen. Leider waren die Handlungen zu gefällig, vieles klappte ohne große Probleme. So lässt zum Beispiel der Löwe in Tyrells Keller Apollonia plötzlich einfach so gehen. Diese Einsicht des Löwen wirkt zu konstruiert und überhaupt nicht ausgefeilt. Auch in Edinburgh, ich weiß nicht, alles läuft zu glatt. Normalerweise beschwere ich mich immer, wenn Geschichten in die Länge gezogen oder auf drei Bände verteilt werden. Hier hätte ich mir dies fast schon gewünscht, denn allein die Vorgänge in Edinburgh hätte man in einen zweiten Band packen können: Wie ist es Nick ergangen? Wie wurde er zum Star? Wie sehr hat er sich verändert? Wie wurde er zum Bad Boy? Die Konkurrentinnen: Velika vs. Apollonia. Hier wäre ein richtiges herz-schmerz Szenario möglich gewesen. Allerdings hätte ich auch gehofft, dass sich der Erzählton noch ein wenig verbessert und schlüssiger wird, ohne aufgesetzt zu wirken.

Wolff, Carola
Ausgerechnet Muse
978-3-944788-46-3
Fabulus Verlag

Fazit:

Eigentlich wollte ich Abends nur bis zu einer bestimmten Uhrzeit lesen, weil ich am nächsten Tag arbeiten musste. Am Anfang holperte die Geschichte ein klein wenig, und dann wollte ich eigentlich nur noch weiterlesen. Dennoch musste ich dann irgendwann einen „cut“ machen, es wurde mir sonst zu spät. Der Erzählton war einfach und oft der jugendlichen Zielgruppe angepasst. Einige Dialoge kamen mir sehr aufgesetzt und konstruiert vor, was mich als erwachsenen Leser störte. Allerdings wurde die Geschichte zur Mitte hin, als Apollonia ihre Gabe immer vehementer verleugnet und loswerden will, sehr spannend. Zu spät kommt natürlich Reue auf. Die kurzen Kapitel lassen sich schnell lesen. Unterhaltsam sind die Elemente der Magie eingefügt, sie hätten für meinen Geschmack allerdings noch etwas ausgefeilter und ausführlicher dargestellt werden können. So kamen sie mir manchmal etwas deplatziert vor, weil sie nicht genügend erklärt waren. Die bewegenden und sprechenden Bilder im Museum erinnerten mich an Harry Potter. Das Love-Interest zwischen Nick und Apollonia ist wenig umgesetzt, hier fehlt das kribbeln und die Anziehungskraft; für 17-jährige fand ich das einfach „zu wenig“. Dennoch ist diese magische Welt der Musen und Götter, die ganz dicht mit der Menschenwelt verwoben ist, mal ein anderer Ansatzpunkt. Denn gerade die Musen sind vielleicht nicht jedem Teenager ein Begriff.

Alles in allem: Das Buch ist für mich als Erwachsene im Großen und Ganzen gut und mittendrin sogar sehr spannend zu lesen. Der Erzählton konnte mich nicht ganz überzeugen, manche Dialoge wirkten konstruiert und einige Handlungen geschahen zu „glatt“ und gefällig. Der magischen Parallelwelt und auch einigen Charakteren hätte ich mehr „Raum“  und „Tiefe“ gewünscht. Dennoch eine schöne Idee mit relativ normalen Protagonisten und für Jugendliche durchaus stimmig. Auch für Leserinnen, die normalerweise nicht so gerne Geschichten mit Fantasy-Elementen lesen, da der Anteil hier eher gering ist.

Das Alter vom Verlag ist mit 14-17 Jahren angegeben. Ich könnte mir aber auch Lesealter vor allem bei Mädchen schon ab 11/12 Jahren vorstellen.

Link zum Buch/Verlag: http://www.fabulus-verlag.de/buecher/20/ausgerechnet-muse?c=12

 

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Ein Kommentar zu “Wolff, Carola – Ausgerechnet Muse

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