Karrass, Stephanie + Tomas, Chris – Nächster Halt Steppe

Karrass, Stephanie + Tomas, Chris
Nächster Halt Steppe
978-3-7701-8279-4
Dumont

Inhalt:

DuMont Reiseabenteuer – das sind Reisen im Kopf tief hinein in ferne Länder, ein intimer Blick hinter die Kulissen fremder Welten und Kulturen. Sie fesseln und bereichern alle Menschen, die selbst am liebsten ständig zu neuen Horizonten aufbrechen möchten. Auslands-korrespondenten, hochkarätige Journalisten und international renommierte Schriftsteller erzählen mal mit Humor, mal mit feiner poetischer Note, aber immer mit Feingefühl und Respekt von ihren Begegnungen mit Menschen. Sie lassen hautnah an ihren Reiseerlebnissen teilhaben, als wäre man mit dabei … (Quelle Dumont)

Meine Meinung:

Unsere russische Nachbarin bekam vor zwei Jahren Besuch aus ihrer Heimat Kasachstan. Dieser Besuch brachte Schokolade von dort mit, die derart „exotisch“ himmel-blau-golden verpackt war, so ganz anders als bei uns, dass ich sofort neugierig auf dieses Land wurde. Meine Nachbarin und ich träumen seit dem von einer gemeinsamen Reise dorthin … Tatsächlich habe ich begonnen, Reiseführer über Kasachstan zu suchen und anzuschauen, die allerdings vor gut zwei Jahren noch rar waren. Heute sieht das anders aus. Jedenfalls kam ich so auch zufällig in einen kurzen email-Kontakt mit Dagmar Schreiber, die sowohl einen Reiseführer geschrieben hat als auch für die Homepage Kasachstanreisen.de zuständig ist. Manchmal findet sich alles zusammen, und das I-Tüpfelchen war dann, als über ein Jahr später der Blog „deep Read“ zwei Tipps für Fernweh vorstellte und dieses Buch darunter war!

Hier zwei Fotos mit Naschereien, die meine Nachbarin aus Kasachstan geschenkt bekam:

 

Manche Reiseberichte lesen sich „zu gut“, damit meine ich, dass öfters Sachen wegen der Unterhaltsamkeit angedichtet werden. Manche Reiseberichte sind das genaue Gegenteil, langweilig und langatmig geschrieben. Mit „Nächster Halt Steppe“ haben die Autorinnen einen guten Mittelweg gewählt. Sie schreiben aus zwei Perspektiven, nämlich die beiden Autorinnen Chris und Stephanie abwechselnd. Dies ist auch durch eine unterschiedliche Schriftart im Buch gedruckt, allerdings sind die Unterschiede minimal, und so war es für mich einfacher, wenn da Stand „Stephanie“ oder „Chris“. Die beiden haben sich auf den Weg von Kasachstan bis nach China gemacht, mit Rucksack und per Bus und Bahn. Ich begann zu lesen und hätte am liebsten nicht mehr aufgehört.

Der Reisebericht beginnt mit dem Anflug auf Astana und den Vorbereitungen dieser Reise. Erwähnung findet das Couchsurfing-Portal, unter anderen auch (und war für mich neu), um sich für einen Stadtrundgang, eine Moschee-Besichtigung oder ein Abendessen in Astana zu verabreden. Also ist dieses Portal nicht nur für Übernachtungen zu suchen gedacht. Erstaunlich war zu dem Zeitpunkt, dass 3000 Personen aus Kasachstan bei Couchsurfing registriert waren. Kleine Info noch am Rande: 2017 findet in Astana die Expo (Weltausstellung) statt.

Die ersten Stationen der Reise sind Astana, Karaghandy und die Steppe Sary Arka. In Astana haben sich die beiden mit zwei Couchsurferinnen zum Stadtrundgang und Abendessen getroffen. Astana und Karaghandy werden beschrieben, scheinen zwar interessant, aber keine „schönen“ Reiseziele zu sein. Karaghandy besteht wohl überwiegend aus Plattenbauten, eine Industriestadt. Interessant dort war der Besuch von der Organisation „Gesellschaft Wiedergeburt“ der Kasachen-Deutschen. Wesentlich besser gefiel dann die große Weite Steppe, die Sary Arka, allerdings war es ein wenig „Arbeit“ und ein bisschen „hin und her“ die Fahrt dorthin zu organisieren. Teuer war es zudem und vor allem hieß es, nicht das Mückenschutzmittel zu vergessen!

Balchasch erreichen sie um Mitternacht, es sind noch 30 Grad, dort werden sie vom Bruder einer Angestellten aus Astana am Busbahnhof abgeholt und in den kommenden Tagen begleitet. Die Hilfsbereitschaft ist groß, ob es der Mentalität entspricht? Oder der Geschäftstüchtigkeit? Oder einfach dass so wenig Touristen dort unterwegs sind? In Torangalik verbringen sie ein paar Tage am See, in Türkistan ist es bereits morgens 44 Grad warm.

Weiter geht es über Schymkent, Almaty und den Scharyn Canyon Richtung China. Davor gibt es aber noch ein längeres Kapitel über Almaty mit seinen Wasserkanälen und die nähere Umgebung wie der Scharyn Canyon. Für den Besuch dieses Canyons war auch eine große Portion Glück dabei, da es hieß, dass dieser geschlossen ist und alle Fahrten storniert wurden. Für ihre Entscheidung, es dennoch zu wagen, wurden sie belohnt. Ein wunderschöner landschaftlicher Canyon wartete überwiegend allein auf sie. Zudem entdeckten sie nahe dem Campingplatz eine Sogdianische Eschen (solche botanischen Infos liebe ich!).

Durch Zufall las ich vor ein paar Wochen einen Reisebericht aus der Zeitschrift „Der Trotter“. Ich hatte eine Probemitgliedschaft vom dzg (Deutsche Zentrale für Globetrotter) ausprobiert, und da war auch dieses Heft dabei, mit einem Foto vom Scharyn Canyon:

Generell sind die Fahrten im Zug erlebnisreich. Nach Almaty ging es im lyux-Abteil:

Zitat Seite 157: „… Verglichen mit den Fahrten zuvor war es wirklich luxuriös. … Aber nach zehn Minuten wurde ich unruhig. Es war so still in unserem Waggon. Zu still. … Ich vermisste das Leben aus dem platzkart-Abteil. Mitreisende, die auf ihren Betten die Zeit mit Kartenspielen, Reden und Essen totschlugen. Verkäufer, die laut rufend ihre Waren durch die Gänge schleppten. All die kleinen Ereignisse die eine Zugfahrt abwechslungsreich machten, fehlten mir. …“

Zu guter letzt gab es noch ein Treffen mit einer Deutschen, die seit zehn Jahren in Kasachstan lebt, Edda Schlager, die unter anderem Berichte für das Deutschlandradio macht.

Zitat Seite 153: „Astana war von Modernität geprägt gewesen, Karaghandy vom Aufbruch, Balchasch von Ferienstimmung, Taraz vom Hochzeitswahn und Türkistan von Religiösität. Schymkent ist nichts von alledem.“

In der Mitte des Buches gibt es dann eine Wendung. Die Grenze nach China wird am Sayram-See vorbei überschritten, das Reich der Mitte. Ab hier hatte ich den Eindruck, dass die Autorinnen etwas leidenschaftslos waren, was auch vielleicht an einer kleinen Reisemüdigkeit gelegen haben könnte. Beide haben dies verständlich beschrieben, dass der „Kopf dem Körper gar nicht nachkommt“, so viele Eindrücke, die man noch gar nicht fassen kann und dennoch geht es immer weiter.

Hier nochmal drei Fotos zum Inhalt des Buches: Zum vergrößern und genauen anschauen der Fotos bitte einmal anklicken, dann erscheint eine Foto-Galerie:

 

China also. Ein starker Kontrast zu Kasachstan. Mir bleiben die vielen beschriebenen Kontrollen und Militär-/Polizeipräsents in Xinjiang in Erinnerung. In Turfan sind es 47 Grad, wie hält man das aus? Ein großes Thema ist „Uiguren vs. Han-Chinesen“. Die Menschenmassen, alles ist (wohl deswegen) voll durchorganisiert, es gibt praktisch keine Chance für Individualtouren, ein touristischer Overkill. Ohne Besucherzentren mit Filme anschauen ist keine der größeren Sehenswürdigkeiten möglich. Fließbandatmosphäre in den 1000-Buddha-Höhlen, dann weiter zu den Mogao Grotten (Unesco Welterbe). Zwischendurch viele Alltagsbeschreibungen, Kleinigkeiten, die Autorin Stephanie spricht Chinesisch, ein großer Vorteil vor Ort. Begegnungen mit der Bevölkerung, kleine Aufmerksamkeiten wie der Aprikosenhaut-Tee, eine Spezialität aus Jiayuguan. Darüber konnte ich aber nichts im Internet finden. Gibt es diesen wirklich oder ist es nur eine Beschreibung für diesen Tee?

Nicht fehlen darf ein Besuch der Terrakotte-Armee, auch hier, Massentourismus, der einem den Besuch fast schon vergällen könnte. Für mich interessant hörten sich der Jadetor-Pass (Yumen Guan) und das Kloster Labrang an. Den ersten Schlusspunkt bietet Peking, hier treffen die beiden auf Freunde von Stephanie. Der letzte Schlusspunkt der Reise ist schließlich das Ende der Chinesischen Mauer in Shanhaiguan. Hier fällt die große Mauer ins Meer. Ein perfekter Schlusspunkt für diese Reise.

Karrass, Stephanie + Tomas, Chris
Nächster Halt Steppe
978-3-7701-8279-4
Dumont

Fazit:

An diesem Reisebericht hat mir vor allem der Teil in Kasachstan gefallen. Ein außergewöhnliches Land und vor allem touristisch erst in den „Startlöchern“. Ich habe auch den Eindruck, dass sich die zwei Autorinnen  dort wohler gefühlt haben, da sie noch sehr individuell reisen konnten. Auch wenn man in Kauf nehmen muss, dass sich im Hostel 25 Personen zwei Toiletten teilen (bei Magenverstimmungen nicht so ganz optimal), die Busfahrpläne ihre eigene Logik haben und die Hitze einen in der Sonne brutzelt. Dies alles steht im Gegensatz zu der enormen Hilfsbereitschaft in Kasaschstan. Ein Erlebnis sind die Fahrten in der „Platzkart“-Klasse, von denen ich im Reiseführer von Tina Übel schon gelesen hatte. Generell bin ich immer wieder erstaunt, wie viel Leute man kennen lernt und die Hilfsbereichtschaft der Bevölkerung.

Kasachstan ist  so ganz anders als der touristische Overkill in China mit seinen Menschenmassen und seinen „durchorganisierten Sehenswürdigkeiten“ wie der Fahrt zum Tean Shan. Diese Erfahrungen las ich aber auch besonders gern.

Alles in allem: Nicht die Sehenswürdigkeiten stehen in diesem Reisebericht im Fokus, sondern der Alltag der Menschen, das Land und die Leute. Der Reisebericht in Tagebuchform hat kleine Längen, ist aber unterhaltsam und informativ geschrieben. Fernweh-Stimmung garantiert. Was will man mehr?

Das Buch erschien am 6. Oktober 2016.

Link zum Buch/Verlag: http://shop.dumontreise.de/dumont/dumont-reihen/naechster-halt-steppe-10-000-kilometer-durch-kasachstan-und-china-dumont-reiseabenteuer-dumont-reiseabenteuer_pid_906_61842.html

 

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