Meyer, Stephenie – The Chemnist /Die Spezialistin

Meyer, Stephenie
The Chemnist /Die Spezialistin
978-3-651-02550-9
Scherz/Fischer Verlage

Inhalt:

Nach dem sensationellen Welterfolg ihrer »Twilight«-Serie mit weltweit über 155 Millionen verkauften Exemplaren nun der neue Ausnahme-Pageturner der Weltbestsellerautorin Stephenie Meyer – knallhart, kompromisslos und ultraspannend. Sie hat für eine geheime Spezialeinheit der US-Regierung als Verhörspezialistin gearbeitet. Sie weiß Dinge. Zu viele Dinge. Deshalb wird sie jetzt selbst gejagt, bleibt nie länger an einem Ort, wechselt ständig Name und Aussehen. Drei Anschläge hat sie knapp überlebt. Die einzige Person, der sie vertraut hat, wurde umgebracht.  Doch jetzt hat sie die Chance, wieder ein normales Leben zu führen. Dafür soll sie einen letzten Auftrag ausführen. Was sie dabei herausfindet, bringt sie jedoch in noch größere Gefahr, macht sie verwundbar. Denn zum ersten Mal in ihrem Leben gibt es einen Mann an ihrer Seite, der ihr wirklich etwas bedeutet. Und sie muss alles dafür tun, damit sie beide am Leben bleiben – mit ihren ganz eigenen Mitteln … (Quelle Scherz/Fischer Verlage).

Meine Meinung:

Bis heute habe ich die Twilight-Serie von der Autorin noch nicht gelesen. Ich weiß nicht genau warum, denn eigentlich passt diese genau in mein Bücher-Beute-Schema, aber irgendwie scheue ich mich davor. Die Filme habe ich mir auch nicht angeschaut, weil ich auf alle Fälle zuerst die Bücher lesen will. Als ich dann von einem neuen Buch der Autorin hörte, dachte ich, okay, das wird jetzt gelesen, egal was es ist. Es war dann „The Chemnist – Die Spezialistin“. Die Inhaltsangabe hörte sich gut an, so a la „Jason Bourne“ oder „Cruelty“, und tatsächlich gab es eine Widmung auf der ersten Seite des Buches an den fiktiven „Jason Bourne“. Cool, dachte ich. Ich mag Jason Bourne.

Mit dem Anfang der Geschichte tat ich mich schwer. Zunächst die ungewohnte und hölzern wirkende Schreibperspektive, an die ich mich gewöhnen musste. Dann die ermüdenden Vorsichtsmaßnahmen der Hauptprotagonistin. Es war zwar schon interessant zu wissen, wie sich Juliana alias Chris alias Alex mit speziellen Tricks zu schützen weiß. Alleine die Prozedur bevor sie schlafen geht, ist ja so was von unglaublich aufwendig. Und das jeden Abend? Ich gestehe, so detailliert die Beschreibungen des Aufbaus der Fallen waren, hat es mich auch ein wenig gelangweilt. Wäre hier weniger mehr gewesen? Ich weiß es nicht. Jedenfalls ist ihr Leben geprägt von extremen Vorsichtsmaßnahmen, sie will, sie muss um zu überleben, für alle Fälle ausgerüstet sein. Kleinere Tricks und Kniffe werden nebenbei und ausreichend geschildert. Das ist schon interessant zu lesen, z.B. checkt Juliana alias Alex immer unter Zwitter-Vornamen in Hotels ein, also Vornamen, die sowohl von Männern und Frauen sein könnten, z.B. Alex, Drew, Carey, Terry usw. Dies erschwert der Gegenseite die Recherchen bei der Suche nach ihr, da sie wohl zuerst gezielt nach „nur-Frauen-Namen“ Ausschau halten werden. Dann schläft sie wegen der chemischen Fallen die sie aufgestellt, nur mit einer Gasmaske. Ein anderer Trick, wie sie vor Verfolgern gewarnt wird, ist, das sie eine verängstigte Frau spielt, die von ihrem Ehemann verfolgt wird. Das Hotelpersonal hält so Ausschau nach potenziellen Verfolgern und warnt Juliana/Alex. Zudem hat sie etliche „007-Utensilien“ wie Ringe mit giftigen Widerhaken, einen Gürtel in dem sich kleine Knock-Out-Spritzen verbergen, spezielle Ohrringe die Gas verströmen etc. Im Parfum-Flakon befindet sich eine gefährliche Substanz, und auch in Handtasche, Lippenstift und Pfefferspray, also alles normale Dinge, sind bei ihr Waffen versteckt.

Juliana/Alex ist die Hauptprotagonistin und blieb während der erste Hälfte der Geschichte konturlos, ich konnte mir kein Bild von ihr in meinem Kopfkino erschaffen. Ich könnte das jetzt als Absicht der Geschichte hinstellen, denn Juliana/Alex muss ja durchschnittlich sein, so das sie nicht auffällt, damit sie nicht gefunden und getötet wird. Aber ich finde, dass ihre Identitäten dennoch auch „sichtbar“ für die Leser sein sollten. In der zweiten Hälfte macht sie eine Wandlung durch, ist sie anfangs eine Art autistischer Nerd und lässt niemanden an sich heran, so ändert sich dies gezwungener Maßen, als sie die beiden anderen Hauptprotagonisten kennenlernt. Und dann wird es auch spannender und emotioneller, das Love-Interest steigert sich sehr schnell. Man kann es natürlich dahinstellen, ob man diese schnelle emotionale und charakterliche Wandlung glaubt oder nicht.

Meyer, Stephenie
The Chemnist /Die Spezialistin
978-3-651-02550-9
Scherz/Fischer Verlage

Ein weiterer Hauptprotagonist, „das Love-Interest“ wäre Daniel, den sie aus Versehen entführt und foltert. Ja foltert. Denn Juliana/Alex war bei der Regierung angestellt, um durch Folterungen von gewissen Personen die Wahrheit herauszuholen. Sie war ein weiblicher Folterknecht, die mit verschiedenen Chemikalien und auch mit einem Bolzenschneider Gefangene zum sprechen brachte. Durch ihre Erfahrungen und Messungen weiß sie genau, was ein Mensch bzw. ein Körper aushalten kann. Das ist schon sehr makaber, und ich fand, gerade zu Beginn der Geschichte ist der Spagat dass Juliana/Alex sowohl taff, stark und grausam war und dennoch Sympathien wecken sollte, nicht gelungen. Ich konnte sie nicht leiden und fand sie sehr gefühlskalt. Muss man bei diesem Job wohl auch sein. Dennoch könnte das der Grund sein, da dieser „kalte“ Zustand bis zur Hälfte des Buches anhält, dass ich fast nicht mehr weiterlesen wollte.

Zitat Seite 271: „Ich mache Menschen Angst, die sich sonst vor nichts fürchten, nicht mal vor dem Tod. Ich kann ihnen alles nehmen, worauf sie stolz sind. Ich kann sie dazu bringen, alles zu verraten, was ihnen heilig ist. Ich bin das Monster aus ihren Albträumen.“

Jedenfalls ist es sehr verwunderlich, dass Daniel ihr das später alles sehr schnell verzeiht. Er ist zu gut, um wahr zu sein. Daniel hat als Lehrer und Sportler gearbeitet, und hat keinerlei Kampferfahrung. Er erschien mir manchmal sehr grenzwertig-naiv. Ganz anders als sein tot geglaubter Zwillingsbruder. Ich „verrate“ dies hier nur, weil es in der Geschichte auch schnell offensichtlich wird. Jedenfalls hat sein Zwillingbruder Kevin auch bei der Regierung gearbeitet. Er ist eine Killermaschine und tötet somit ganz anders als Juliana/Alex. Dieses Dreiergespann macht sich gezwungenermaßen zusammen auf die Flucht und bildet schließlich ein Team, um sich an den Verantwortlichen zu rächen. Der Weg der Flucht ist schon spannend geschildet, und schließlich kommen sich Daniel und Juliana/Alex näher. Doch das Glück währt nicht lange …

Einen interessanten Aspekt fand ich die Hunde, die von Kevin eine „Personenschutz-Ausbildung“ erhielten. Ich bin mir nicht sicher, ob man sie wirklich so trainieren kann, aber ich möchte es mir gerne vorstellen. Ich nannte die Hunde in meinem Kopfkino die „Hunde-Armee“. Irgendwie lockerte dies auch die Geschichte etwas auf.

Meyer, Stephenie
The Chemnist /Die Spezialistin
978-3-651-02550-9
Scherz/Fischer Verlage

Fazit:

Die erste Hälfte der Geschichte zieht sich, da sich viele Beschreibungen wie zum Beispiel die der Fallen und ihre Funktion wie aus einem Lehrbuch anhörten. Dennoch empfand ich diese „Vorsichtsmaßnahmen“ als kleine Highlights, die das Buch interessant machten. Solche Vorgehensweisen findet man nicht alle Tage. Leider ist die Hauptprotagonistin Juliana/Alex anfangs sehr gefühlskalt und ich konnte eigentlich keine Sympathien für sie empfinden. Lag das vielleicht an ihrem Job? Sie ist Verhörspezialistin und foltert Menschen auf besondere Art um Aussagen zu erhalten. Auch mit dem Schreibstil und der Perspektive konnte ich mich nicht so ganz anfreunden. Dies wird jedoch in der zweiten Hälfte alles merklich besser, als die drei Hauptprotagonisten der Geschichte gezwungenermaßen zusammen arbeiten müssen. Das Love-Interest war für mich nicht 100% glaubwürdig, weil einfach alles viel zu schnell ging und mir eine Person dabei sehr naiv und blauäugig erschien, denn es entstand gleich eine „große und einzige“ Liebe. Auch die Wandlung bzw. Entwicklung von Juliana/Alex von einer eiskalten Killerin und Verfolgten in eine liebende Frau war nicht ganz überzeugend.

Alles in allem: Eine weibliche Heldin a la Jason Bourne, die mit chemischen und sehr ausgeklügelten Fallen ihre Verfolger tötet. Anfangs etwas träge, aber dann wird es spannender. Dennoch fehlten mir zwischendurch immer mal wieder der emotionelle Teil und das Tiefgründige der Charaktere aller Protagonisten. Insgesamt wirkt die Geschichte leider doch etwas oberflächlich. Verfilmt könnte sie durchaus besser wirken und ich würde mir diesen Film auf alle Fälle anschauen.

Link zum Buch/Verlag: http://www.fischerverlage.de/buch/the_chemist_die_spezialistin/9783651025509

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