Fox, Candice – Hades (Teil 1)

Fox, Candice Hades Teil 1 978-3-518-46673-5 Suhrkamp

Fox, Candice
Hades
Teil 1
978-3-518-46673-5
Suhrkamp

Inhalt:

Hades ist der ›Herr der Unterwelt‹ von Sydney. Er weiß alles über das Verbrechen in seiner Stadt, denn auf seiner gigantischen Müllhalde entsorgt er gegen Honorar Menschen, die gewaltsam zu Tode gekommen sind. Dieses Schicksal hätten auch beinahe die Kleinkinder Eden und Eric geteilt, die man bei Hades deponiert hat. Aber die beiden leben noch. Sie wachsen bei Hades auf und werden Top-Cops bei der Mordkommission von Sydney. Das ist jedoch nur ihr eines Gesicht, ihr eines Konzept von »Gerechtigkeit«. Denn schließlich hat Hades Eden und Eric erzogen. (Quelle Suhrkamp)

Meine Meinung:

Die Inhaltsangabe, die einen ganz außergewöhnlichen Plot und ausgeprägte Protagonisten versprach, faszinierte mich von Anfang an: eine Müllkippe, zwei Kinder, ein Verbrecher, die Polizei. Und wie so oft dauerte es nicht lange, bis ich das Buch in meiner Bücherei entdeckte und wirklich sofort ausgeliehen habe. Die Dame, eine ehrenamtliche Büchereiangestellte, meinte, diese Geschichte wäre wirklich schrecklich grausam gewesen. Ich war noch mehr gespannt, denn eigentlich bin ich der Meinung, wenn man sich bestimmtes US Serien anschaut (CSI, Bones, Autopsie etc.), ist man ja schon einiges gewöhnt. Dachte ich.

Ich habe das Buch dann auch als allererstes von all meinen ausgeliehenen Büchern gelesen und hätte es am liebsten in einem Rutsch „runtergelesen“.  Eine Pause musste ich dann aber machen, es war halb drei Nachts, und ich dachte das reicht fürs erste. Aber am nächsten Abend kam der Rest. Die Geschichte hatte es echt „in sich“. Der Erzähler nimmt verschiedene Perspektiven ein, dies  sorgt für einen Spannungsbogen bis zum Schluss.

Zum einen ist da Hades, ich stellte ihn mir am Anfang als einen älteren, großen und an den Schultern breiten und starken Mann vor. Er strahlt eine stoische Ruhe aus, so als könnte ihm nichts passieren. Seine Welt ist die Müllhalde, faszinierend mit welchen Überlegungen die Menschen dort begraben werden, wie verschiedene Materialien so geschichtet werden, dass Säuren ineinanderlaufen und von den Menschen ganz unten nichts übrig bleibt. Wie dieser eigentlich tumb wirkende Mann, der seine eigene Moral und Ehre hat, zu zwei Kindern (Eric + Eden) kommt und diese groß zieht – dies hätte ich am liebsten in einem Stück gelesen. Allerdings waren die Kapitel die aus der Perspektive von Hades erzählt wurden, immer geschickt zwischen mehreren Kapitel eingeflochten, so dass die Vergangenheit und Gegenwart immer gleichzeitig präsent waren. Jedoch ist Hades den zwei Kindern letztendlich nicht gewachsen, und so versucht er die Neigungen der beiden in bestimmte Bahnen zu lenken, zu kanalisieren, bevor sie ausarten. Eine gute und richtige Entscheidung.

Frank, 40 Jahre, bei ihm hat es am längsten gedauert, bis ich wusste, wer er war, weil von ihm häufig nur als „er“ die Rede war. Es ist der neue Partner von Eden, Hades Tochter, im Police Department. Und ich hatte das Gefühl, das er mehr oder weniger durch diese Geschichte stolperte, etwas konturlos, da er sich erst im Team profilieren musste. Am Anfang will er sich an Eden heranmachen, ich konnte es nicht abschätzen, wollte er sich nur einschleimen oder dachte er wirklich, sie wäre so leicht zu haben? Gerade in diesen Situationen wird er sehr platt und klischeehaft dargestellt, so dass Frank mir wie ein Dummschwätzer vorkam. Und dann kurz vor Schluss ein Kehrtwende: eine andere Frau wird für ihn interessant. Mir kam es so vor, dass dies nur wegen des Dramas geschah, dass dann passierte, so irgendwie ganz unlogisch. Die Rolle die Frank einnehmen wird, kristallisiert sich erst nach und nach heraus. Ich vermute, er wird derjenige sein, der den gelangweilten und gleichzeitig energiegeladenen Geschwistern Eden und Eric auf die Spur kommen wird. Aber nicht hier in diesem Band, da gibt erst gegen Schluss winzige Vermutungen.

Eden und Eric, Hades Kinder, beide um die 30 Jahre, gut aussehende trainierte Körper: Wow. Nach dem Überfall auf ihre Eltern wurden aus ihnen zwei ganz und gar absonderliche Kinder. Hades war ein Glückfall für sie, dennoch sind sie von der Vergangenheit geprägt, und entwickeln trotz ihrer hohen Intelligenz ein sehr verkorkstes, unsoziales Verhalten. Die Schule „funktioniert“ irgendwann nicht mehr, denn mit ihren Neigungen, andere Menschen zu töten, wären sie wohl nicht so weit gekommen, würde nicht ausgerechnet Hades sie groß ziehen. Das ist schon sehr hart zu lesen gewesen. Ich schwankte zwischen Entsetzen und Mitleid. Besonders Eric schien mir innerlich eiskalt. Hades meldet sie beide, noch Kinder, zu einem Fernstudium an.

Zitat Seite 166: „Eden, du wirst dich mit der körperlichen Seite des Ganzen beschäftigen. Dem Körper, seiner Mechanik und allen Details, wie man ihn loswerden kann. Autopsie, DNA. Als Hauptfach wirst du Strafrecht studieren. Eric, du konzentrierst dich auf die praktische Seite. Ballistik, Blutuntersuchung, Physik. Als Nebenfächer belegst du Soziologie und Psychologie.

Irgendwann schaffen es die beiden, dank Hades in den Polizeidienst, lassen aber niemanden an sich heran. Und Eric wacht zudem eifersüchtig über seine Schwester, ein Vorfall in der Vergangenheit mit ihrem ersten Freund lässt nichts Gutes ahnen.

Über all diesen extremen Menschen hängt ein Damokles-Schwert. Wann es fällt, weiß man nicht. Jedenfalls, dass verrate ich jetzt einfach mal, bis auf eine Person, nicht hier im ersten Band. Denn hier muss noch ein Mord aufgeklärt werden. Ganz ehrlich, mit diesen ausgeprägten Charakteren ist man erst mal voll beschäftigt und zwischendurch dachte ich, ja da war ja noch was, ja klar, der Mordfall. Ein Serienmörder tötet Menschen wegen ihrer Blutgruppe, wegen ihrer Organe, die er zum transplantieren braucht. Auch die Person dieses Mörders ist schrecklich faszinierend zu lesen, sein Name Jason, seine Gedankengänge, grausam, selektierend. Doch all seine Akribie und Vorbereitungen machen ihn nicht darauf gefasst, dass ihm eine junge Frau entkommt und die Polizei verständigt.

Fazit:

Eine grausige Geschichte auf vielen Ebenen. Eine Geschichte, die in mehreren Arten mit der Moral der Leser spielt. Wie Hades schwankte ich zwischen Entsetzen und Mitleid mit den Geschwistern Eden und Eric. Das schlimme ist, man kann es verstehen, wie sie handeln, wie sie so geworden sind. Der Serienmörder Jason, der sich die Frage nach Organspendern in seiner eigenen analytischen Welt zurechtbiegt. Was würden Sie tun, wenn sie genug Geld hätten? Ja, ein moralisches Dilemma. Für den Leser und für alle Protagonisten. Eine Geschichte, die nachwirkt. Eric und Eden ermitteln mit arroganter Coolness nach dem Serienmörder, wobei eher Eden und ihr neuer Partner Frank mehr im Vordergrund stehen. Franks Charakter ist noch sehr unausgegoren, aber gegenüber Eric und Eden haben es relativ normale Menschen auch einfach schwer, zu bestehen. Der Erzählton war von Anfang bis Ende spannend, ständig werden Leichen gefunden, es gibt mehrere Spannungsbögen und so liest sich das Buch wie nix weg.

Alles in allem: Ein einfacher Krimi/Thriller mit so außergewöhnlichen Charakteren, dass die Handlung fast nebensächlich wird. Aber noch plausibel und nachvollziehbar. Ich habe mir gleich den zweiten Band in der Bücherei reservieren gelassen.

Link zum Buch/Verlag: http://www.suhrkamp.de/buecher/hades-candice_fox_46673.html

 

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