Sellano, Luis – Portugiesisches Erbe (Bd.1 Lissabon Krimi)

Sellano, Luis Portugiesisches Erbe Bd.1 Lissabon Krimi 978-3-453-41944-5 Heyne

Sellano, Luis
Portugiesisches Erbe
Bd.1 Lissabon Krimi
978-3-453-41944-5
Heyne

Inhalt:

Henrik Falkner weiß kaum, wie ihm geschieht, als er die malerischen Altstadtgassen von Lissabon betritt. Der ehemalige Polizist soll ein geheimnisvolles Erbe antreten: Sein Onkel hat ihm ein Haus samt Antiquitätengeschäft vermacht. Während Henrik mehr und mehr in den Bann der pulsierenden Stadt am Tejo gerät, entdeckt er, dass sein Onkel offenbar über Jahre hinweg Gegenstände gesammelt hat, die mit ungelösten Verbrechen in Verbindung stehen. Und kaum hat Henrik seine ersten Pastéis de Nata genossen, versucht man, ihn umzubringen. Henrik stürzt sich in einen Fall, der sein Leben verändern wird.(Quelle Heyne Verlag)

Meine Meinung:

Zur Zeit sehe ich überall Krimis, die in anderen Gegenden, Städten und Ländern spielen. Es sind die sogenannten Regional-Krimis aus dem Emons Verlag oder auch Krimis quer durch alle Verlage und einmal rund um die Welt. Kein Ort, an dem kein Krimi spielen könnte. Warum auch nicht? Ich mag es wirklich sehr, wenn ich etwas spannendes lese und nebenbei noch die Gegend kennen lerne. Das war auch der Grund, warum mir „Portugiesisches Erbe“ sofort zugesagt hat, das Setting in Lissabon hat mich magisch angezogen. Vor kurzem erst habe ich einen anderen Roman gelesen, eigentlich ein Kinderbuch, aber auch ein Krimi für Erwachsene, der Anfang 1900 Jahrhundert in Lissabon spielt und indem man den Fado in jeder Zeile gespürt hat: Sally Jones. Dieses Buch habe ich rezensiert *hier Rezension*.

Egal wie, jedenfalls freute ich besonders auf diese Geschichte. Luis Sellano ist es auf alle Fälle gelungen, mir ein Bild des in der Sommerhitze flirrenden Lissabons zu vermitteln. Die alten Häuser, die Straßen, der Tejo, ja auch die vielen die Touristen die vor allem von Kreuzfahrtschiffen in die Stadt einfallen. Die kulturelle Mischung der Einwohner wird wie nebenbei geschildert, aber auch der Verfall und die Korruption in dieser Stadt. Zudem gibt es ein paar kulinarische Hinweise wie zum Beispiel die Pastel de Nata, Stockfisch oder Mazagran. Überrascht hat mich der Stockfisch, der eher in den nördlichen Ländern wie Skandinavien und Island bekannt ist. Dass er auch in Lissabon Tradition hat, wusste ich nicht.

Der Autor hat eine wunderschöne Erzählsprache, er schreibt ausführlich und anschaulich, aber nicht „aufzählend“ oder langweilig. Er hat einen Blick fürs Detail, die Beschreibungen der Stadt und der Protagonisten sind schon fast filigran. Ich habe es genossen dies so zu lesen, auch wenn ich dadurch manchmal das Gefühl hatte, die eigentliche Handlung wird vernachlässigt.

Sellano, Luis Portugiesisches Erbe Bd.1 Lissabon Krimi 978-3-453-41944-5 Heyne

Sellano, Luis
Portugiesisches Erbe
Bd.1 Lissabon Krimi
978-3-453-41944-5
Heyne

Henrik, ein 1,85 großer  und 90kg schwerer Ex-Polizist, der nach dem Tod seiner Frau den Dienst quittiert hat, erbt von einem totgeschwiegenen Verwandten ein Haus in Lissabon. Es dauert eine ganze Weile und viele Gedankengänge, bis er bereit ist, dieses Erbe anzutreten. Das Gefühlschaos, das in ihm herrscht, ist sehr treffend beschrieben, wenn ich ihm auch manchmal gerne einen Schubs gegeben hätte a la „nun mach mal hin“. So irrt er stundenlang wie benebelt durch Lissabons Gassen und wird quasi von den Hinweisen getroffen, die er nicht zu deuten weiß. Dennoch dauert es, bis die Geschichte in Gang kommt. Zudem gab es für mich einige Szenen die „störten“, die nicht so ganz zu passen schienen. So konnte ich nicht glauben, dass Henrik die subtilen Hinweise vom Verstorbenen und seinen Mietern so richtig interpretiert hat. Diese Hinweise ließen doch ganz viel Spielraum, und für meinen Geschmack war es nicht ganz logisch, dass er die richtigen Schlüsse zog. Oder auch als er sich privat zu einem Abendessen mit der Steuerberaterin Adriana trifft. Zunächst einmal konnte ich gar nicht verstehen, wie es zu diesem Treffen kommen konnte, da beide sich das erste Mal sahen, und selbst während des Abendessen fand ich, dass sich Henrik und Adriana irgendwie „statisch“ verhielten, so gar nicht „echt“ wirkten. Diese Szene schien mir nicht recht zum Schreibstil des restlichen Buches zu passen. Zudem finde ich, kommt zwischen den beiden überhaupt kein Knistern, keine Spannung kein Nichts auf, dass mich davon hätte überzeugen, was Henry nach zwei Jahren Abstinenz nun so „notgeil“ macht. Zudem Adriana nicht die einzige blieben wird, die er „beglückt“.

Dennoch gibt es Spannungsbögen in der Geschichte:  Warum ist Henriks Onkel damals nach Portugal ausgewandert? Warum hat ihn die Familie verstoßen? Wer hat ihn ermordet? Warum? Was ist so besonders an diesem Antiquariat? Was hat es mit den seltsamen Bewohnern auf sich? Oder auch: Was ist mit Henriks Frau passiert? Letzte Frage wurde relativ schnell geklärt, auf Seite 100.

Also, es ist schon verzwickt mit dieser Geschichte. Zum einen das schöne Setting in Lissabon. Zum anderen die zwar wunderschönen, aber dennoch auch etwas langatmigen Beschreibungen von Lissabons Ecken. Henrik selber bleibt konturlos, wie im Delirium wandelt er durch die Straßen und die Hinweise fallen ihm gerade zu in die Hände. Ein paar absolut nicht nachvollziehbare „Weibergeschichten“ waren in meinen Augen völlig überflüssig. Dann der Fall an sich, und gar nicht glaubwürdig, das Henrik ihn in den paar Tagen lösen konnte.

Fazit:

Hauptprotagonist Henry ließ mich zwiespältig zurück. Auch im Hinblick darauf, dass die Stadtansichten von Lissabon sehr detailverliebt beschrieben sind, blieb Henry im Gegensatz blass. Das war so schade. Henry hat noch mit seiner Vergangenheit zu kämpfen, vielleicht lag es daran, dass er mir oft ein wenig träge daherkam. Zudem erschien es mir nicht so ganz logisch, dass er innerhalb 3-4 Tage einen Fall löst, zu dem es nur subtile Hinweise gab. Die Szene, als er die mit der Marienfigur-Abbildung verdeckt markierte Position eines Hauses auf einer Karte im düsteren und chaotischen Antiquariat fand, ist für mich so ein unwahrscheinliches Beispiel, wie ihm die Hinweise in die Hände fielen.

Die Geschichte lässt sich flüssig, angenehm und leicht lesen. Ich konnte mir genau vorstellen, neben dem Protagonisten in der flirrenden Sommerhitze von Lissabon zu wandeln. Ich habe den Krimi gern gelesen, und wenn es so ein Antiquariat in Lissabon gäbe, wüsste ich, da will ich mal hin.

Alles in allem: Ein passabler erster Band, allerdings könnte der Hauptprotagonist Henrik noch mehr Elan und Esprit gebrauchen. Er müsste mehr Ecken und Kanten zeigen, mich besser überzeugen können. Das Beste waren die Beschreibungen von Lissabon, sie haben mir ein kleines Bild dieser Stadt und der Bewohner vermittelt. Ich möchte auf alle die Fortsetzung lesen.

 

 

Reihenfolge Henrik Fallkner
Band 1 Portugiesisches Erbe
Band 2 Portugiesische Rache
Band 3

 

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