Thich Nhat Hanh – Achtsam sprechen, achtsam zuhören

Thich Nhat Hanh Achtsam sprechen, achtsam zuhören 978-3-426-29230-3 O.W. Barth/Droemer Knaur

Thich Nhat Hanh
Achtsam sprechen, achtsam zuhören
978-3-426-29230-3
O.W. Barth/Droemer Knaur

Inhalt:

Thich Nhat Hanh präsentiert die wichtigsten Fähigkeiten bei der Kommunikation. Dabei kommt es auf das richtige Zuhören und Sprechen an sowie darauf, mit Mitgefühl und Achtsamkeit seinem Gegenüber zu begegnen. Ein Buch, das hilft, Missverständnisse zu vermeiden, Konflikte friedvoll zu lösen und mit einer effektiven Kommunikation sein eigenes Wohlbefinden und das der anderen zu steigern.

Meine Meinung:

Dieses Buch war ein Zufallsfund, dass mich durch seinen Titel und den Rückentext ansprach. Ich war gespannt auf Tipps und einfache Anwendungen. Leider fand ich  fast keinen Zugang zu diesen Texten, und das lag an der Erzählsprache. Den Inhalt konnte ich mir zu Gemüte führen, konnte darüber nachdenken und auch den Sinn darin sehen und verstehen, aber es lässt sich einfach nicht „schön“ lesen.

Besonders auffällig ist das direkt im ersten großen Kapitel unter der Überschrift „Essenzielle Nahrung“. Damit ist die Nahrung gemeint, die die wir lesen und sprechen. Verständnis und Mitgefühl ergibt gute Nahrung, sich schlecht und unsicher fühlen ergibt schädliche Nahrung. Eine grausame Äußerung ist z.B. der Grund dafür, dass ein anderer Mensch jahrelang leidet. Wir müssen achtsam konsumieren, heilende, nährende und gesunde Kommunikation ist unser Ziel. Gespräche sind eine Nahrungsquelle. Es ist eine ungewöhnliche Ansicht und Perspektive, die einen ehrlichen Ansatz hat und ich stelle mir die umfassende Umsetzung schwierig vor. In Teilbereichen wird dies möglich sein.

Zitat Seite 12: „Wir müssen also die Nahrung, die wir dem anderen Menschen anbieten wollen, die Nahrung, die unserer Beziehung guttut, sorgfältig auswählen. Alles bedarf der Nahrung, damit es fortbestehen kann – auch Liebe, Hass und Leiden. Das Leiden kann nur so lange andauern, wie wir es nähren. Und das geschieht jedes Mal, wenn wir ohne achtsames Gewahrsein sprechen!

Im nächsten Kapitel geht es um „Mit uns selbst kommunizieren“: Also Handy ausschalten und mit sich selber in Kommunikation treten: achtsam sein, sich hinsetzen, ein- und ausatmen, achtsames ausatmen, mit dem Atem kommunizieren. In Kommunikation treten, wenn nicht persönlich, dann vielleicht einen Brief oder eine email schreiben, voller Verstehen und Mitgefühl. Das nährt mich wie auch den Empfänger.

Zitat Seite 23: „Wir müssen keine Angst haben, von Gefühlen überwältigt zu werden, denn wir wissen, wie wir durch achtsames Atmen und Gehen genügend Achtsamkeitsenergie schaffen können, um das Leiden zu erkennen und uns darum zu kümmern.“

Zitat Seite 27: „Bleiben sie stehen und atmen Sie, bis Sie sicher sind, dass Sie hundertprozentig angekommen sind. Dann können Sie lächeln, ein Siegeslächeln; doch tun Sie das am besten nur, wenn Sie das achtsame Gehen alleine genießen, inmitten anderer Menschen könnten Sie einen Stau verursachen.“

In dem Unterkapitel „Unser eigenes Leid zu verstehen hilft uns, andere zu verstehen“ erzählt der Autor ein Beispiel mit einer Frau aus Washington D.C. Ich kann es nicht anders sagen, es war mir unglaubwürdig. Ich empfand es als klischeehaft und sehr verallgemeinert .

Zitat Seite 39: „Der Schlüssel in der zwischenmenschlichen Kommunikation … Hallo sagen … Am Anfang einer Kommunikation mit einem andern Menschen ist es hilfreich, sich daran zu erinnern, dass es in jedem von uns einen Buddha gibt. Buddha ist einfach ein Name für die verständnisvollste, mitfühlendste Person, die man sich nur vorstellen kann.

Im Kapitel „Die Schlüssel in der zwischenmenschlichen Kommunikation“ ging es auch um das Thema „Die Wahrheit sagen.“ Dieses war sehr motivierend im Hinblick auf alle Lebensbereiche und ein Thema, dass man jedem ans Herz legen möchte. Diese Texte und deren Sinn gefielen mir. Auf Seite 58 wird der Autor von Journalisten gefragt, wie er heute berichten würde? In Zeiten, in denen das schlechte überwiegt? Wie sollen Journalisten arbeiten? Die Antwort darauf kann aktueller als jetzt nicht sein.

Fazit:

Für dieses Buch sollte man Zen, Meditation und Buddhismus „mögen“ und vielleicht auch schon ein wenig auf diese Lebensweise eingestimmt sein. Die „Tipps“ sind in einer für mich altmodischen Sprache gehalten, in der ich bei manchen Wörtern einfach jedes mal stutzen musste. Ich kann nicht empfehlen, dieses Buch in einem Rutsch zu lesen; es ist dahingehend auch nicht spannend genug, eher wie „ein langer ruhiger Fluss“. Ich würde Kapitel für Kapitel vorgehen, und die einzelnen Hinweise und Empfehlungen überdenken und evtl. ausprobieren. Das habe ich so jedenfalls teilweise praktiziert, und konnte das Buch dadurch nicht fertig lesen, weil ich sonst meine Ausleihzeit in der Bücherei überschritten hätte. Es gab nur einige wenige Abschnitte, die mich fasziniert haben, z.B. das Thema mit der Wahrheit unter „Die Schlüssel in der zwischenmenschlichen Kommunikation“. Bevor ich zu den Mantras kam, musst ich das Buch wieder abgeben und ich bin nicht animiert, es mir erneut auszuleihen und den Rest zu lesen. Dazu fehlt mir die innere Muse. Dennoch glaube ich, dass Thich Nhat Hanh hier einen ehrlichen Weg aufzeigt, der so rein gar nichts mit reißerischen Lebensführungs-Ratgebern gemeinsam hat. Jeder Satz und jede Aussage will überdacht sein, und das braucht einfach seine Zeit. Deswegen dauert das Lesen und Verstehen auch länger… Vielleicht bin ich innerlich noch nicht „weit“ genug, um mich auf diese Kommunikation einzulassen.

Alles in allem: Achtsamkeit braucht Zeit.

 

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