Hillenbrand, Tom – Rotes Gold (Band 2 Xavier Kieffer)

Hillenbrand, Tom Rotes Gold Band 2 - Xavier Kieffer 978-3-462-04412-6 KiWi

Hillenbrand, Tom
Rotes Gold
Band 2 – Xavier Kieffer
978-3-462-04412-6
KiWi

Inhalt:

Seit der Luxemburger Koch Xavier Kieffer mit Frankreichs berühmtester Gastrokritikerin liiert ist, wird er zu den exklusivsten Events eingeladen. Doch das edle Dinner beim Pariser Bürgermeister endet bereits nach der Vorspeise: Ryuunosuke Mifune, Europas berühmtester Sushi-Koch, kippt plötzlich tot um. Die Diagnose lautet: Fischvergiftung. Doch Kieffer ist skeptisch und deckt schnell Widersprüche auf. Er taucht ein in die Welt der Sushiküche und muss erkennen, dass es Fische gibt, die teurer sind als Gold – und wertvoller als ein Menschenleben.

Meine Meinung:

Ein kulinarischer Krimi – das hat mich neugierig gemacht und mir wieder gezeigt, dass es sich zwischendurch immer mal wieder  lohnt, abseits des eigenen Geschmacks zu lesen um dann auf kleine Fundstücke zu stoßen. Wie den Ermittler Xafier Kieffer. Dieser wohnt und arbeitet in der Luxemburger Unterstadt, ist Koch und hat sein eigenes Restaurant. Liiert ist er mit Valerie, der Firmen-Eigentümerin eines französischen Gourmet-Führers. Dennoch ist eigentlich nicht Kieffer der Hauptprotagonist, sondern die kulinarischen Entdeckungen, die eben selbiger macht. So wird ausgerechnet in Paris über die Sushi-Szene berichtet. Eine französisch-japanische Liaison.

Dieser Krimi handelt von den kriminellen Machenschaften im Thunfischhandel und im allgemeinem von der Überfischung der Meere. Dies ist sozusagen das Setting, in dem der Koch Xavier Kieffer ermittelt. Während er in Paris, Luxemburg und Sizilien Nachforschungen anstellt, spielt neben den Örtlichkeiten auch das Essen eine große Rolle, nicht nur die kulinarischen Spezialitäten, sondern auch einfach das normale gute Essen. Der Leser lernt jede Menge über Thunfisch, über den roten Thun (Thunnus thynnus), über traditionelle japanische Thunfisch-Meister (die die Wasabi-Knolle über Haifischraut raspeln…), über Sushi, über japanische Sushi-Meister und jede Menge andere Spezialitäten wie den Fugu, den Ortolan (Seite 60), Kapaun (S. 57), Omakase (S. 14), Bluefin (S. 85) etc.

Besonderes an die Szene mit dem Ortolan musste ich nach dem Lesen ein paar mal denken – diese Beschreibung ist unvergesslich! Was für andere eine Delikatesse ist, erscheint mir ziemlich widerlich. Und so kann ich Xavier verstehen, der einen leichten Würgreflex hatte und sich auf der Rückfahrt übergeben musste.

Ein leckeres Dessert wird im letzten Drittel des Buches erwähnt: Ile flottante (schwimmende Inseln), das Rezept kann man sich selber im Internet suchen. Hört sich lecker an.

Es gibt interessantes über den Pariser Großmarkt Rungis, japanische Messer (Santoku, Jangi), japanische Grill (Robata), dies alles wunderbar in die Geschichte eingepackt, ohne dass es groß auffällt, aber man hinterher schlauer ist. So zum Beispiel die Textstelle, als Hashimoto Xavier erklärt, dass er für seinen Robata nur spezielle Eichenholzgrillkohle nimmt.

Zitat Seite 78: „…Mit eurer europäischen Mickeymauskohle wird mein Fisch labberig.“

Auch entdeckte ich ein Wort, das ich bisher mit etwas anderem in Verbindung gebracht habe: Yellowtail. Dieser war mir bisher nur als australischer Wein (Känguru auf Wein-Etikett) bekannt, aber es ist auch ein Fisch.

Der Name von Xaviers japanischem Freund Hashimoto erinnerte mich an die Schilddrüsenkrankheit gleichen Namens.

Auf Seite 125 erschließt sich dem Leser, der es bis dahin nicht wusste, was mit „roten Gold“ gemeint ist. Ich muss gestehen, ich assoziierte es zunächst mit Wein …

Einen kleinen Einblick in die Kalkulation der Gerichte auf der Karte eines Restaurants erhält man auf Seite 202. Auch Köche können nicht so, wie sie gerne wollen.

Interessant war auch der Ausflug von Xavier mit Valerie in die Luxemburger Schweiz nach Echternach. Dort genossen sie vom Trooskneppchen die Aussicht und gingen an der Hohllay an einer Felsengrotte vorbei. Ich muss sagen, während des Lesens bekam ich Lust, selber mal dorthin zu fahren, und dann auch Luxemburg-Stadt einen Besuch abzustatten.

Zwei Lokalitäten habe ich gegoogelt, zum einen in Luxemburg die Rue St. Ulric in der Xavier wohnt, die gibt es wie die Alzette im „Hinterhof“ tatsächlich. Ebenso in Paris das Cafe Marly und die Rue de Thermopyles.

Während der Mord an dem Pariser Sushi-Meister geklärt wird, stellte sich mir die Frage, ob es Tetrodotoxin in Kraken-Tentakelspitzen wirklich gibt?

Was ab und an beim lesend für mich störend war, war das  Xavier Kieffer und auch Valerie geraucht haben und dies auch explizit erwähnt wird.

Fazit

Das Buch ist genau das, was es verspricht: ein kulinarischer Krimi. Mir haben sowohl die kriminalistischen als auch die kulinarischen Elemente sehr gut gefallen. Während des Lesens überfielen mich selber kulinarische Gelüste, am besten also bereits vor dem Lesen etwas „Finger Food“ bereitlegen. Überhaupt macht das Buch Lust, wieder „ehrlich“ zu kochen, ohne all die Fertigzutaten, die die Zubereitung des Essens so schon einfach machen. Sushi-Genießern möchte ich vorwarnen, denn nach dem Lesen dieses Buches wird dieser sich wohl fragen müssen, was für ein Sushi er bisher gegessen hat, wahrscheinlich das industriell vorgefertigte. Zudem gibt es wie nebenbei Tipps von Städten oder Sehenswürdigkeiten, die man mal besuchen könnte.

Alles in allem hat mir das Buch so gut gefallen, dass ich auf alle Fälle den ersten Band und die Folgebände lesen will.

 

Reihenfolge „Xavier Kieffer“
Band 1 Teufelsfrucht
Band 2 Rotes Gold
Band 3 Letzte Ernte
Band 4 Tödliche Oliven
Band 5

 

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