Vanier, Nicolas – Gold unter dem Schnee

Vanier, Nicolas Gold unter dem Schnee 978-3-89029-305-9 Malik

Vanier, Nicolas
Gold unter dem Schnee
978-3-89029-305-9
Malik

Inhalt:

Nicolas Vanier ist vom Norden fasziniert, seit er denken kann, und wie sein Idol Jack London hat er die Weiten Kanadas und Alaskas, über die er so mitreißend schreibt, selbst überwunden. In seinem neuen Bestseller spürt Vanier dem Schicksal derer nach, die Ende des 19. Jahrhunderts kamen, um ihr Glück zu machen: wie der junge Dockarbeiter Matt, für den bereits die Überfahrt nach Skagway zum lebensgefährlichen Abenteuer wird. Nach einer Affäre mit der Saloontänzerin Blanchette zieht Matt sich mit seinen Schlittenhunden in die Einsamkeit einer Blockhütte zurück. Erst im Zweikampf mit der Natur und an der Seite der Indianerin Nastasia erfährt er, wonach er wirklich gesucht hat. „Mich hat diese Geschichte immer schon in ihren Bann geschlagen: diese Expedition von mehr als 50.000 Menschen, die über Nacht alles zurückließen, um in Alaska Gold zu finden, an einem Fluß namens Klondike…“  (Quelle Malik)

Meine Meinung:

Passend zu dem Schneefall und der Kälte heute Morgen möchte ich das Buch „Gold unter dem Schnee“ vorstellen.

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Vanier, Nicolas
Gold unter dem Schnee
978-3-89029-305-9
Malik

„Das Schneekind“ war das erste Buch das ich von Nicolas Vanier gelesen habe. Mir hat es gut gefallen, deswegen griff ich gleich zu, als ich den Autorennamen in der Stadtbücherei entdeckte. Ich wusste, dass der Autor mehrere Bücher über eigene „Expeditionen“ mit Schlittenhunden geschrieben hat. Dieses hier handelt aber von dem Goldrausch in Alaska.

So gut wie mir Schneekind gefallen hat, gefiel mir der Erzählton des Autors nicht immer. Auch dahingehend war ich dann auf diese historische Geschichte gespannt. Und so bin jetzt am Schluss dieses „Goldrausches“ nicht sicher, woran es gelegen hat, dass mir das Buch fast überhaupt nicht gefallen hat. Entweder lag es an der Geschichte selber und wie sie erzählt wurde, oder am Erzählton. Eigentlich ließ sie sich sehr einfach und sehr schnell lesen. Aber immer wieder kamen mir die Handlungen um die Hauptperson Matt zu aufgesetzt vor, und dass störte ich dann doch so sehr, dass ich die schönen Beschreibungen der Landschaft nicht genießen konnte.

Vanier, Nicolas Gold unter dem Schnee 978-3-89029-305-9 Malik

Vanier, Nicolas
Gold unter dem Schnee
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Aber von vorne. Matt, ein 20-jähriger junger Bursche ist bereit fürs große Abenteuer. Er kommt von einer Farm und findet sich als Hafenarbeiter in San Francisco wieder, als er einen geheimen Tipp erhält: In Alaska wurde Gold gefunden! Enthusiastisch macht er sich auf den Weg – und dann passieren ihm immer wieder Dinge, die wie auf  ihn zugeschnitten geschrieben wirkten, übertrieben, erzählt wie von Baron Münchhausen. Nervig war, dass er alles besser wusste. Am meisten störte, oder besser am schlimmsten „aufgesetzt“ empfand ich die Szene, als er auf seiner Bootsreise nach tagelangen Ausschau halten nach Eisbergen mit einer Frau Sex hat, und genau dann in den paar Minuten (der Sex dauert wirklich nicht länger) das Schiff auf einen Eisberg aufläuft. Das Schiff sinkt. Überlebende werden von Schwertwalen gefressen. Ich meine, kann das sein!?  Und auch schon vorher passiert ständig etwas, das genau richtig für Matt ist. Oder auch genau falsch. Warum wird er immer reingelegt? Warum schafft ausgerechnet er es, die Stromschnellen 3x hintereinander zu fahren ohne zu kentern? Es passieren so viele unwahrscheinliche Sachen.

Auch ging es ihm wie so vielen die ankamen, sie waren zu spät. Die besten Claims waren schon abgesteckt. Matt hat die Menschen und das Stadtleben plötzlich satt und zieht in die Wildnis. Also, vorher war keine Rede davon gewesen, dass er sowas in Erwägung ziehen würde. Auch in der Wildnis gelingt ihm einiges auf Anhieb (unwahrscheinlich) oder er macht Fehler, die tödlich hätten enden können. Zum Beispiel als er in einem zugefroren See mit dem Hundeschlitten einbricht. Nachdem er sich mehr schlecht als recht befreien kann, schleppt er sich steif festgefroren (es sind minus 20 Grad) ans Ufer. Dort macht er ein paar Äste von den Bäumen ab und will Feuer machen. Aber die Streichhölzer liegen auf dem Grund des Sees, zwar am Rand, aber noch tief genug, dass er tauchen muss. Also geht er nackt noch dreimal bei extremer Kälte in den See, um ein paar Sachen vom Schlitten zu holen. Ich denke, das ist bei diesem Temperaturen unmöglich!? Dann macht er ein Feuer. Selbst wenn er Streichholz hat, frage ich mich, wie er es geschafft hat, eiskalte Äste von Bäumen, die ja nicht trocken sind, anzuzünden und sich zu erwärmen. Funktioniert das tatsächlich? Also, solche Begebenheiten die ich in Frage stellte, verleideten mir fast das Buch. Auch noch dazu kommen seine losen Affären, er springt von einer Frau zur nächsten und die Liebesszenen sind einfach nur schrecklich. Und dass er ausgerechnet einer Hure lange lange nachtrauerte …  bis er sich in eine Indianerin verliebte. Ganz übel fand ich, dass er so in seiner arroganten Selbstverständlichkeit in ein Indianerdorf ritt und annahm, sich hier eine Frau für seine Gelüste nehmen zu können. Eine ganz andere Szene beschreibt, wie er aus Frust seine Hunde tritt. Hunde, für die er angeblich alles tun würde. Also, das geht alles gar nicht.

Diese Begebenheiten stehen im Kontrast zu den Schilderungen des Goldrausches, der besessenen Männer und ja auch Frauen, ganze Familien, die nach Alaska fuhren, um dort ihr Stück vom Glück zu finden und einfach nur Glück hatten, wenn sie die strapaziöse Reise an die Goldfelder überlebten. In der Mitte des Buches gibt es eine Karte und alte Fotos, die diese Männer zeigen. Auch im Buch wird, zwar oberflächlich, beschrieben, wie das Leben damals war. Als Dawson von einer schlammigen Zeltstadt zu einer richtigen Stadt wuchs. Von der extremen Kälte, von den schönen Winterlandschaften. Man merkt dem Autor seine Begeisterung für diese Wildnis und vor allem, für die Schlittenhunde an. Auch die Landschaften sind wundervoll beschrieben, der glitzernde Schnee, die schneebedeckten Gipfel, die reißenden Flüsse und Stromschnellen, die Stille und Reinheit der unberührten Natur.

Vanier, Nicolas Gold unter dem Schnee 978-3-89029-305-9 Malik

Vanier, Nicolas
Gold unter dem Schnee
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Fazit:

Interessant an diesem Buch war, dass ich ein ungefähres Gefühl für die Erlebnisse und das entbehrungsreiche Leben der Goldsucher 1897 am Klondike erhielt. Ergänzt mit den idyllischen Ansichten der verschneiten Landschaft, der schneebedeckten Berge und der Umgang mit den Schlittenhunden war dies das Beste an der Geschichte. Diese Passagen waren leider zu kurz, hier hätte der Autor sich für meinen Geschmack mehr ausleben dürfen, wie ich das von „Das Schneekind“ her kannte.

Mehr Raum nahm der Hauptprotagonist Matt für sich ein, der mir leider überhaupt nicht sympathisch wurde. Matt hätte einen interessanten Abenteurer abgeben können, leider war er in diesem Buch sehr einfältig, unreif und arrogant geschildert. Er meinte immer alles besser zu wissen. Die Beschreibung seiner Affären und dem Sex waren entwürdigend und ordinär. Von Liebe, von der da gesprochen wurde, habe ich nichts gemerkt. Seine Abenteuer auf dem Schiff und in der Wildnis waren einfach „hanebüchen“ unglaubwürdig. Dies nahm sogar im letzten Drittel des Buches noch zu, und am liebsten hätte ich das Buch abgebrochen, wenn die Lebensumstände im tiefsten Winter nicht so anschaulich geschildert worden wären. Wohlgemerkt, die Landschaft ohne den Protagonisten. Der Schluss war einfach nur schrecklich verdreht und an den Haaren herbeigezogen, so dass ich mich noch mehr geärgert habe, das Buch überhaupt bis zum Ende gelesen zu haben.

Alles in allem: Selbst die wundervollen Beschreibungen der Natur retten diese Geschichte nicht. Das Thema ist faszinierend, die Umsetzung grotten-schlecht. Der Erzählstil ist primitiv und die Abenteuer des mir unsympathischen Protagonisten absolut unglaubwürdig.

 

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