Strout, Elizabeth – Die Unvollkommenheit der Liebe

Strout, Elizabeth Die Unvollkommenheit der Liebe 978-3-630-87509-5 Luchterhand

Strout, Elizabeth
Die Unvollkommenheit der Liebe
978-3-630-87509-5
Luchterhand

Inhalt:

Leben, denke ich manchmal, heißt Staunen. Als die Schriftstellerin Lucy Barton längere Zeit im Krankenhaus verbringen muss, erhält sie Besuch von ihrer Mutter, die sie jahrelang nicht mehr gesehen hat. Zunächst ist sie überglücklich. Doch mit den Gesprächen werden Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend wach, die sie längst hinter sich gelassen zu haben glaubte … Der neue Roman von Elizabeth Strout ist ein psychologisches Meisterstück, zutiefst menschlich und berührend. Er erzählt die Geschichte einer Frau, die trotz aller Widrigkeiten ihren Weg geht, eine Geschichte über Mütter und Töchter und eine Geschichte über die Liebe, die, so groß sie auch sein mag, immer nur unvollkommen sein kann. (Quelle Luchterhand Verlag)

Meine Meinung:

Dieser Roman war mein erstes Buch von Elizabeth Strout. Ich habe mich auf eine poetische Erzählform gefreut, vielleicht auch ein wenig schnörkelig, aber voller emotionaler Momente. Ich wurde komplett von diesem Buch enttäuscht. So etwas schreibe und sage ich nur sehr selten, aber diese Geschichte um die Schriftstellerin Lucy Barton, ihre Kindheit, ihre Familie und ihre Beziehung zur Mutter haben mich nicht erreicht. Im Gegenteil. Ich empfand sie als sehr oberflächlich und flach. Sympathisch wurde mir niemand. Es wird über Ereignisse und Personen berichtet, die eigentlich nichts mit der Geschichte zu tun haben. Es gibt Dialoge, da habe ich entweder über den Inhalt, Wortwahl oder den Erzählton nur den Kopf geschüttelt. Es gibt für mich zudem viele „Störungen“ und Ungereimtheiten in diesem Buch. Hier ein paar Zitate und Beispiele:

Diesen Dialog fand ich merkwürdig. Die Wortwahl „unheimlich“ stört mich und auch die seltsame Antwort der Mutter. Man kann es sich erklären, dass die Mutter noch nie aus ihrer Welt herauskam, aber dann wäre auch schon der Flug „unheimlich“ gewesen, und das wird nicht erwähnt. Also, was soll diese Panik vorm Taxifahren? Zitat Seite 12: „War das nicht unheimlich, im Taxi herzukommen, Mom? Sie zögerte, und ich meinte etwas von ihrer Panik zu ahnen, die sie nach der Landung befallen haben musste. „Der liebe Gott hat mir eine Zunge gegeben, und ich habe sie benutzt.“

Sie, Lucy, wunderte sich darüber, dass ihr Bruder bei den Schweinen schläft! Wunderte sich. Was für ein harmloser Ausdruck! Wenn mein Bruder bei den Schweinen schlafen würde, wäre ich ziemlich fassungslos. Also wieder so eine dahingeworfene Aussage die nicht weiter aufgeklärt wird. Zitat Seite 14: „Ich wollte wissen, ob mein Bruder eine Arbeit hat. Er hat keine Arbeit, sagte meine Mutter. Er schläft bei den Tieren, die geschlachtet werden sollen. … Sie fügte hinzu: Er geht zu den Pedersons in den Stall und übernachtet bei den Schweinen, bevor sie zum Schlachten abgeholt werden. Ich wunderte mich darüber und sagte das meiner Mutter, und sie zuckte die Achseln.

Dieser Satz zum Beispiel stand einfach so irgendwo im mittendrin, ohne irgendwelchen Kontext. Wie hingerotzt (sorry Wortwahl). Es wird nichts weiterführend erklärt. Zitat Seite 17: „Gelegentlich kam es auch vor, dass uns meine Eltern – und zwar meist meine Mutter und meist im Beisein unseres Vaters – verprügelten, heftig und ohne Vorwarnung …“

Eine nett gemeinte Geste wird mit so nutzlosen Worten abgeblockt. Ich verstehe den Sinn der Aussage im Zusammenhang gar nicht „Ihr Geld ist hier nichts wert“. Warum ist SEIN Geld nichts wert? Weil er deutscher Abstammung ist und Lucys Vater ein Kriegstrauma hatte, weil er deutsche erschossen hat? Selbst dann verstehe ich den Bezug zum Geld nicht.  Zitat Seite 38: „William wollte meine Eltern und meinen Bruder und meine Schwester gern zum Essen einladen, in ein Restaurant ihrer Wahl. … Mein Vater sagte zu ihm“ Ihr Geld ist hier nichts wert“.

Im Buch wird folgende absurde Situation noch deutlicher. Ich verstehe nicht, was so witzig daran sein soll, dass man vor lachen schreien muss und sich nicht mehr einkriegt!? Zitat Seite 42: Lucy: „Mom, oh, Mom, das ist zum Lachen“. …   Ihre Mom: „Ich weiß wirklich nicht, was daran komisch ist, wenn man seinen Mann wegen einem schwulen Homo verlässt und es dann erst erfährt, wo man doch dachte, man hätte einen echten Mann gekriegt.“     Lucy: „Es ist zum Schreien Mom.“

Es kommt bestimmt 3-4 mal zu der Aussage, dass Lucy „Unwissend in Populärkultur“ ist.

Das Wort „Mommy“ finde ich unpassend zu der Situation verniedlicht.

Die Geschichte mit der Schlange wird nur angedeutet. War Lucy den ganzen Tag mit der Schlange im Pickup eingeschlossen? Biss die die Schlange öfters zu? Wie kam die Schlange überhaupt in den Truck? Die Geschichte mit der Schlange wird in zwei Sätzen abgehandelt, und man weiß eigentlich nicht viel mehr. Außer dass Lucy panische Angst davor hat, das Wort überhaupt zu hören.

Lucys Kinder besuchen sie im Krankenhaus und sind so schmutzig, dass Lucy mit ihnen zusammen im Krankenhaus duschen geht. Die Kinder bemerken, wie dünn ihre Mutter ist. Mir kam dass alles sehr aufgesetzt vor. Wer schickt derart verschmutzte Kinder ins Krankenhaus? Ich meine, selbst wenn sie arm waren, war doch Lucy in ihrer neuen Familie so gut abgesichert, dass sie sich ein Einzelzimmer leisten konnten. Und dann kommen die Kinder schmutzig?! Das war mir unverständlich.

Wie „eingeschoben“ lasen sich die Betrachtungen zu Aids und den 11. September. Wiederum in gefühlt einem Satz werden diese Themen am Rande gestreift, und wirken in dem jeweiligen Zusammenhang eigentlich völlig deplatziert, wie Wörter, die aus Versehen in den Satz gerutscht sind. In das selbe Schema fällt auch die literarische Aussage über den Präsidenten und seine Frau, die zwar nur exemplarisch in einem Literaturkurs aufgegriffen wird, aber für mich absolut nichtig und unwesentlich ist.

Strout, Elizabeth Die Unvollkommenheit der Liebe 978-3-630-87509-5 Luchterhand

Strout, Elizabeth
Die Unvollkommenheit der Liebe
978-3-630-87509-5
Luchterhand

Die Geschichte spielt in den 80iger Jahren. Die Erzählerin ist die Schriftstellerin Lucy Barton, die im Krankenhaus liegt. Mir erscheint Lucy als sehr einfacher Charakter und ich konnte mir nicht vorstellen, dass ausgerechnet sie Schriftstellerin ist! „Beweise gibt es dafür im Buch keine, außer dem Besuch eines bestimmten Kurses einer Autorin. Und überhaupt, hätte sie nicht die Zeit im Krankenhaus genutzt, um zu schreiben? Zwischen irgendwelchen Belanglosigkeiten, zum Beispiel wie sehr sie ihren Arzt mag, erfährt der Leser bruchstückhaft von ihrer ärmlichen Kindheit in Illnois. Sie waren arm, hatten Hunger, und wurden von den Eltern verprügelt. Es war so kalt bei ihnen, dass Lucy lieber nachmittags in der Schule blieb, im warmen. Sie studiert, ist mit einem Künstler zusammen und trifft dann ihren zukünftigen Ehemann. Wie man zwischen den Zeilen herausfindet, ist sie in ihrer Ehe einsam, auch wenn die Ehe gut ist, aber dann dennoch geschieden wird. Sehr viele Fragezeichen bleiben da.

Ihre Mutter, die sie seit Jahren nicht gesehen oder gehört hat, besucht sie plötzlich im Krankenhaus. Fünf Tage bleibt sie da.  Also, ich konnte keine Verbindung zwischen den zwei spüren, die beiden haben überhaupt keine Beziehung zueinander und ich verstand überhaupt nicht, warum !!! ihre Mutter überhaupt erschien? Weil genauso plötzlich, wie sie erschien, genauso plötzlich verschwand sie wieder. Ausgerechnet als Lucy operiert wird, fährt sie heim. Das kann ich nicht nachvollziehen.

Also, wenn ich der Geschichte jetzt mal „gut will“, könnte ich anmerken, dass der Leser sich aus den Bruchstücken, die Lucy zwischendurch von sich gibt, und auch zwischen den Zeilen lesen muss, was tatsächlich wichtig ist. Dass dieses Wissen um diese schreckliche Kindheit nur zaudernd an die Oberfläche gelassen wird. Das die „Unvollkommenheit der Liebe“, in diesem Fall die nicht vorhandene oder besser unvollkommene Liebe von der Mutter zur Tochter, das Thema ist. Die Tochter liebt ihre Mutter, trotz allem. Aber die Mutter kann diese Liebe nicht zurückgeben, oder zumindest nicht zeigen und erst recht nicht sagen. Vielleicht war dieser Besuch im Krankenhaus ein kleines Zeichen für die Unvollkommenheit der Liebe, die Art der Mutter zu zeigen, du bedeutest mir etwas. Aber es kommt irgendwie keine Versöhnung zustande. Warum reist die Mutter vor der OP ihrer Tochter ab? Hätte sie nicht einen Tag länger bleiben können? Der Leser muss hier tief graben, um Antworten auch nur erahnen zu können.

Fazit:

Ein Buch, eine Geschichte, die sich mir leider nicht erschlossen hat. Hölzerne und unmögliche  Dialoge. Bruchstückhafte Aussagen, mit denen der Leser alleine zurück gelassen wird mit der vielleichten Aufforderung, sich selber alles „zusammen zu reimen“!? Keine sympathischen Protagonisten, aber vielleicht verständlich im Angesicht der Familienverhältnisse? Im Prinzip hinterlässt die Geschichte bei mir ein großes Fragezeichen. Am wenigsten gefiel mir der hölzerne und altmodisch wirkende Erzählton mit diesen ungeistigen Dialogen. Mir kam es zudem so vor, als würde die Geschichte „von oben herab“ geschrieben, von einer Person, die sich diese Armut nur ausdenkt und nicht erlebt hat. Das wäre ja nicht weiter schlimm, aber es kommt in dieser Geschichte völlig abstrus rüber. Mit von oben herab meine ich auch, als Lucy „Klatsch- und Tratsch-Zeitschriften“ in der Schublade verschwinden lässt, sich deswegen schämt! Meine Güte, das ist doch Drama, wenn man sowas mal im Krankenhaus liest. Aber hier wird es völlig „von oben herab“ gehandelt, praktisch ein No-Go. Diese Art zu schreiben wirkt auf mich überheblich.

Ich schreibe es nicht gerne, aber für dieses Buch kann ich auf amazon nur einen Stern vergeben.

Zum Buch/Verlag: https://www.randomhouse.de/Buch/Die-Unvollkommenheit-der-Liebe/Elizabeth-Strout/Luchterhand-Literaturverlag/e496245.rhd

 

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