Kazantzakis, Nikos – Im Palast von Knossos

Kazantzakis, Nikos Im Palast von Knossos 978-3-99021-018-5 Verlag der Griechenland Zeitung

Kazantzakis, Nikos
Im Palast von Knossos
978-3-99021-018-5
Verlag der Griechenland Zeitung

Inhalt:

Aus der Sicht jugendlicher Helden beschreibt der weltberühmte griechische Schriftsteller Nikos Kazantzakis („Alexis Sorbas“) das Leben am Hofe des sagenhaften Königs Minos auf Kreta. Frisch und lebendig erzählt er von Ariadne und Phädra, von Theseus, Daidalos und Ikaros. Alle diese Gestalten der griechischen Mythologie werden bei ihm von Mythen zu Menschen. Ganz nebenbei arbeitet Kazantzakis das Alltagsleben plastisch heraus. Bei der Lektüre taucht man in eine 3500 Jahre alte Zivilisation ein, und diese geheimnisumwitterte Vergangenheit erscheint plötzlich wie zum Greifen nahe. Ein Werk, das an Aktualität niemals einbüßen wird.  (Quelle Verlag der Griechenland Zeitung). Anlässlich des 60. Todestages des großen griechischen Schriftstellers Nikos Kazantzakis erschien nun dieser  Roman. Ursprünglich geschrieben für ein junges Publikum, lässt die Nach- und Neuerzählung der griechischen Mythologie und Geschichte auch erwachsene Leser nicht mehr los. (Quelle: Verlag der Griechenland Zeitung)

Meine Meinung:

Vor fast 20 Jahren konnte ich die Ruinen des Palastes von Knossos auf Kreta besichtigen und schon immer faszinierten mich die griechischen Göttersagen, über die ich nicht wirklich einen Überblick habe. Als ich dieses Buch hier sah, dachte ich zuerst an einen trockenen Lesestoff und konnte mich erst dafür begeistern, als ich las, dass es ein Jugendbuch ist, da ich mir dann eher einen „leichten Stoff“ erhoffte.

Dennoch war es für mich schwer, in die Geschichte einzusteigen. Der Erzählstil war trocken und spröde, und es dauerte bestimmt 80 Seiten, bis ich ein Gefühl für diesen Erzählton und für die Handlung bekam. Es gibt sehr viele Beschreibungen über den Alltag im Palast von Knossos, und die lesen sich eher beschreibend bildhaft als unterhaltsam oder spannend, wie zum Beispiel den Erntedankumzug und die Lobpreisung zum Ende des Sommer; die Weinlese und auch ein Armenviertel innerhalb der Palast-Anlage wird erwähnt. Einen langen Absatz gibt es über die Verzierung der Schwerter. Aber auch damals alltägliches wird erwähnt, wie das Kraut Diktamus oder eine Triptonschnecke.

Dennoch entwickelt auch diese Distanziertheit einen kleinen Sog, jedenfalls bei dem historischen Thema zugeneigten Leser.

 

Die Hauptprotagonisten:

Ariadne: Prinzessin, Tochter von König Minos, blond, zart, verliebt in Theseus,

Phädra: Prinzessin, Tochter von Königs Minos, groß, dunkelhaarig,

Theseus: Prinz, Sohn des ärmlichen Königs Aegius von Athen

Daidalos und Ikaros: Erfinder, Vater und Sohn,

Haris: Sohn von Aristides dem Schmied , Freund von Ikaros

Krino: Tochter von Aristides dem Schmied, dient Prinzessin Ariadne,

König Minos: grausamer Herrscher über sein Sklavenvolk

 

Ariadne verliebt sich in Theseus, nachdem sie ihn einmal gesehen hat. Sie sorgt sich um ihn, denn sie erkennt sofort, dass er den Palast ausspionieren will. Diese Sichtweise und Gefühle waren für mich nicht nachvollziehbar, da sie im Buch auch nur angedeutet wurden und es keine Handlungen dafür gab. Auch für dieses Verliebtsein gibt es keine richtigen Beschreibungen, nur „kalte“ Andeutungen und das finde ich dann für ein Jugendbuch sehr schade..

Theseus empfand ich zu sehr von sich selber eingenommen, sehr selbstbewusst und sehr arrogant. Auch er ist in Ariadne verliebt, so scheint es jedenfalls. Am besten waren die Geschwister Krino und Haris „herausgearbeitet“, alle anderen blieben eher blass, wie Statisten im Palast von Knossos.

König Minos ist ein grausamer Herrscher, der sein Volk wie Sklaven behandelt. Er ist schon alt und hat Bedenken, dass sein Reich von Fremden erobert wird. Er setzt auf die Seeflotte der Kreter, die rund um die Insel patrouilliert. Zudem hält er Daidalos fest, der das Labyrinth gebaut hat, in dem der Minotaurus lebt. Er kann Daidalos nicht gehen lassen, da er das Geheimnis um das Labyrinth kennt. Auch sein Sohn, Ikarus, ist auf der Insel gefangen. Wie es die Sage des Ikarus erzählt, bauen sich beide Flügel, hier im Buch um damit von der Insel zu flüchten.

Kazantzakis, Nikos Im Palast von Knossos 978-3-99021-018-5 Verlag der Griechenland Zeitung

Kazantzakis, Nikos
Im Palast von Knossos
978-3-99021-018-5
Verlag der Griechenland Zeitung

Der Vater von Haris und Krino ist der einzige Schmied, der mit Eisen Waffen herstellen kann. Ein Novum in der damaligen Zeit und aus diesen Gründen lässt König Minos ihn nicht wegziehen, aus Angst, dass dieser seine Eisen-Schmiedekunst anderen Völkern zeigen könnte. Die Angst eines Angriffes sitzt dem König im Nacken, wenn er auch große Stücke auf seine kretische Seeflotte und Armada hält, die die Insel sehr gut verteidigen können. Der Schmied heißt Aristides und ihm gelingt mit Theseus die Flucht, er muss aber seine Kinder zurücklassen. Haris und Krino bekommen die ganze Wucht der Grausamkeit im angesichts dieses Hochverrates zu spüren. Dabei konnte ich König Minos seine Macht irgendwie nicht „abnehmen“, sie war für mich nicht präsent, da er als alter, runzliger und zahnloser Königs dargestellt wird.

Die Freundschaft zwischen Ikarus, Haris und Krino war mir am verständlichsten dargestellt. Prinzessin Ariadne sollte gutmütiger und edler Gesinnung sein, ein Trotzkopf gegen Konventionen am Hofe von Knossos. Sie leidet mit den armen Bauern, leider nahm ich ihr dieses und auch anderes nicht ab, es las sich zu sehr aufgesetzt. Merkwürdig erschien mir, dass ihre Dienerin Krino am Stierkampf teilnahm, also dass generell Frauen teilnehmen durften.

Wie auch in der Sage müssen die Athener jedes Jahr 14 Einwohner an die Kreter in das Labyrinth des Minotaurus opfern. Diesen unhaltbaren Zustand wollen sie nicht länger hinnehmen. Dies erinnert mich an die Tribute von Panem, auch hier muss das unterlegene Volk Tribut im Sinne von Menschen zahlen, die dann in einer Arena (Labyrinth) kämpfen müssen.

Wie jeder weiß, hat schließlich Theseus den Minotauros besiegt. Durch Ignoranz und Arroganz der Minoeer fällt für sie unerwartet schließlich ihr Reich in Schutt und Asche. Man kommt als Leser nicht umhin, ein wenig Schadenfreude zu haben, wo doch die Fürsten dort in Saus und Braus gelebt und der König die Sklaven ausgebeutet hat.

Das Ende der Geschichte, die wohl jeder schon mal gehört oder im Fernsehen gesehen hat, war dann hier im Buch in der Tat spannend für mich. Ich kramte in meiner Erinnerung, aber ich kam nicht mehr auf den Schluss. Wurden alle 14 Athener getötet und überlebte nur Theseus? Wie ging es mit Theseus weiter? Was geschah mit Ariadne? Ich hatte dunkel verschiedene Ahnungen und so war es dann praktisch, dass ich diese Erinnerungen mit der Erzählung abgleichen konnte. Vor allem auf die tragische Verwechslung bzw. das Vergessen des Wechselns der Segel war ich gespannt und ob Theseus mit Ariadne zusammen ankommt oder nicht. Auch hier war etwas in meiner Erinnerung verschüttet.

Kazantzakis, Nikos Im Palast von Knossos 978-3-99021-018-5 Verlag der Griechenland Zeitung

Kazantzakis, Nikos
Im Palast von Knossos
978-3-99021-018-5
Verlag der Griechenland Zeitung

Fazit: 

Nach anfänglichen Problemen mit dem leider eher spröden und trockenen Erzählstil und im Hinblick darauf dass es ein Kinder/Jugendbuch ist, fand ich nur langsam Gefallen an dieser Geschichte. Das lag in meinen Augen daran, dass es eine ruhige und auf Wissensvermittlung basierte Geschichte ist. Es ist kein null-acht-fünfzehn Roman des Mainstreams. Oft wird über das alltägliche Leben der Insel Kreta und speziell im Palast von Knossos vor 3500 Jahren berichtet. Es gibt interessantes über Sitten und Gebräuche, zum Beispiel verschiedene Prozessionen, Aberglauben und Rituale die damals eine große Rolle spielten. So zum Beispiel wie der König das Getreide segnet und es in die Zuschauer wirft, alle Körnchen werden von der Bevölkerung als göttlich und heilig angesehen und schützten vor dem bösen Blick. Zudem erfährt man sehr viel über das Leben im Palast selber, dass man aber nicht mit einem Palast, wie wir es uns das vorstellen, vergleichbar ist. Vielmehr ist dieser Palast eine riesige Stadt, mit dunklen Korridoren, engen Höfen, Frauengemächern und vielen Wächtern. Auch der Besuch eines Marktes wird interessant geschildert, mit den Produkten die es damals gab. So wird das Kraut Diktamos erwähnt.

Ich könnte mir vorstellen, dass dieses Buch sich sehr gut im Geschichtsunterricht als Wissensvermittlung über die minoische Kultur und den Mythos um Theseus und Ariadne einsetzen lässt, da es einen Einblick in den Alltag der Minoer gibt. Ich bin mir nicht sicher, aber kann es mir eigentlich nicht vorstellen, dass die jugendlichen Protagonisten dazu beitragen, dass sich durch die erzählten Freundschafts- und Liebesbande auch die heutigen Kinder und Jugendlichen ein wenig mit den Figuren identifizieren könnten. Dafür sind die Schilderungen nicht ausgeprägt genug. Es ist also ein eher ernstes Buch, das ich aber durchaus als Urlaubslektüre empfehlen würde, bevor man den Palast von Knossos auf Kreta besichtigt. Ich bin mir sicher, dass sich mir mit diesem beim Lesen wie nebenbei erworbenen Wissen des alltäglichen Lebens der Palast auf viel eindrücklichere Art erschlossen hätte. Der Handlungsstrang der drei Freunde und die von Ariadne und Theseus empfand ich als nicht so spannend, aber vielleicht sehen Kinder und Jugendliche das anders.

Ich denke, dass sich die Geschichte um Theseus und Ariadne weitgehend an der griechischen Mythologie orientiert, sicher sagen kann ich das aber nicht.

Alles in allem: Jugendliches Leben im Palast von Knossos, leider etwas spröde und holprig umgesetzt… Eher Wissensvermittlung als rasantes Abenteuer. Dennoch vor einem Kreta Urlaub zu empfehlen.

 

Die Sterne-Bewertung: Ich stelle oft fest, dass ich mit den „Sterne-Bewertungen“ schwer tue. Es kommt oft vor, dass eine Geschichte sowohl „schöne als auch schlechte Elemente“ enthält. So war es auch hier. Gar nicht gefallen hat mir der statische wirkende Erzählton dieser Geschichte, der so eher wirkt, als wollte er etwas beschreiben, aber ohne jegliche Emotion. Ich denke dabei auch an die Jugendlichen und ich bin mir nicht sicher, was sie von diesem Buch halten werden. Auch hier wird es welche geben, die das Buch aufgrund des historischen und mythologischen Kontextes mögen, Anderen werden zu wenig Gefühle und Identifikationspunkte transportiert werden. Im Prinzip ging es mir genau so. Ich kann mir gut vorstellen, wer sich generell für das Thema Knossos / Minoer interessiert, dem wird das Buch gefallen, egal ob Jugendliche oder Erwachsene.

Also, für den historischen und mythologischen Kontext vergebe ich fünf Sterne, denn ich habe mich an vieles erinnert und konnte mich wieder an einiges verloren Gegangenes erinnern. Ich wünschte, ich hätte dieses Buch vor meiner damaligen Reise nach Kreta gelesen, dadurch hätte ich die Besichtigung Knossos mit anderen Augen gesehen. Zudem entsteht ein Bild, wie es zur damaligen Zeit in Knossos war.

Für den Teil mit den Jugendlichen kann ich leider nur 2 Sterne vergeben. Zu abstrakt waren für mich die emotionalen Handlungen. Die Gefühle der Verliebten Theseus und Ariadne wurden praktisch nicht beschrieben und bestanden überwiegend aus Andeutungen in wenigen Sätzen. Die Charaktere allgemein waren nicht herausgearbeitet, sie wirkten wie Statisten, blieben blass und manchmal auch unverständlich.

Ich würde mich über andere Meinungen freuen. Hinterlasst einfach einen Kommentar.

Zum Buch/Verlag: https://www.griechenland.net/shop/b%C3%BCcher/product/1411-im-palast-von-knossos

 

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