Perri, Camille – Die Assistentinnen

Perri, Camille Die Assistentinnen 978-3-86396-095-7 Ink Verlag /Bastei Lübbe

Perri, Camille
Die Assistentinnen
978-3-86396-095-7
Ink Verlag /Bastei Lübbe

Inhalt:

Weiter nach den Regeln spielen oder endlich auch ein Stück vom Kuchen abbekommen? Vor dieser Entscheidung steht Tina Fontana, die als Assistentin für Robert Barlow, den übermächtigen CEO eines internationalen Medienkonglomerats, arbeitet. Ihr Gehalt reicht kaum für ein Leben in New York, geschweige denn dafür, ihren Studienkredit abzubezahlen. Nach sechs Jahren, in denen die 30-Jährige ihrem Boss Tische in Restaurants reserviert hat, die sie sich nicht leisten kann, und ihm Drinks aus Flaschen ausgeschenkt hat, die mehr als ihre Miete kosten, steckt ihre Karriere in einer Sackgasse. Ein Fehler bei der Spesenabrechnung eröffnet Tina die Chance, ihre Schulden auf einen Schlag zu tilgen. Eine Summe, die für sie die Welt bedeutet, für ihren Chef aber nur Taschengeld ist. Ihre Entscheidung setzt eine Kette von Ereignissen in Gang, die das Leben der vielen überqualifizierten und unterbezahlten jungen Frauen der Stadt verändern wird … (Quelle Ink Verlag)

Meine Meinung:

Welche arbeitende Assistentin möchte dieses Buch nicht lesen? Der Titel „Die Assistentinnen“ impliziert geradezu schon eine interessante Geschichte aus den „Dunstkreisen“ der Chefetagen. Das Wort „Assistentinnen“ erscheint mir leider so ähnlich unterbewertet wie der Ruf der „Praktikantinnen“.

Die Geschichte wird aus Perspektive von Tina Fontana dargestellt, und zwar so, als würde ich einer Freundin beim erzählen ihrer Abenteuer zuhören. Also, in einem locker-leichten Sprache und pointierten Tonfall, bei dem ich gespannt war, wie es weitergeht. Ich ahnte aber schon auf den ersten Seiten, anhand dieses „Erzähltons“, dass die Geschichte wohl eher banal bleiben würde.

So war es denn auch: Nachdem der Betrug geschehen ist und der Trick „Fahrt aufnimmt“ wie eine lange Kettenreaktion, ist die Luft raus und es wird wieder mäßig interessant, als eine neue Komponente in Gestalt eines Love-Interests daher kommt. Irgendwie dachte ich auch hier, diese Geschichte käme mal ohne aus.

Die Hauptprotagonisten:

Roger: Der CEO eines großen Medienkonzerns, für sein Alter (70 Jahre) noch gut aussehend, genauso skrupellos wie liebenswürdig wenn er etwas will(!?), Komfort und Luxus gewöhnt,

Tina Fontana: Assistentin, durchschnittliches Aussehen, kleines Gehalt, bezahlt noch an ihren Studiengebühren ab, freundlich und nett, verrichtet demütig ihre Arbeit, arm und desillusioniert wie alle Assistentinnen,

Kevin: Anwalt, der bestaussehende Mann arbeitet in derselben Firma wie Tina

Fontana, wie sie von allen nur genannt wird, beginnt eine sich langsam entwickelnde Affäre mit Kevin, einem Anwalt und einem Kollegen aus demselben Unternehmen des riesigen Medienkonglomerats. Gerade bei den ersten Verabredungen habe ich mitgelitten habe, allerdings nicht aus Herzschmerz sondern eher peinlich berührt, weil manche Anfänge nun mal so beginnen und man nicht klar denken kann. Einmal erwähnt sie, dass sie „Ferris macht blau“ nachgespielt haben. Hey, wer kennt noch „Ferris macht blau“ und „Pretty in Pink“? Zwei meiner Lieblingsfilme zu meiner Teenager-Zeit! Fand ich cool, daran erinnert zu werden.

Perri, Camille Die Assistentinnen 978-3-86396-095-7 Ink Verlag /Bastei Lübbe

Perri, Camille
Die Assistentinnen
978-3-86396-095-7
Ink Verlag /Bastei Lübbe

Alles was nun geschieht wird überschattet von Fontanas schlechtem Gewissen wegen diesem Betrug. Sie fühlt sich schuldig, in mehrerer Hinsicht. Zum einen will Kevin ihr behilflich sein und sie sagt ihm natürlich nicht die Wahrheit. Zum anderen zuckt sie bei jedem außergewöhnlichen Verhalten ihres Chefs zusammen, da sie denkt, nun endlich erwischt worden zu sein. Auch als ihr Chef sie nach sechs Jahren zum ersten mal übers Wochenende zu seiner Familie auf die Ranch einlädt, verstärkt sich ihr schlechtes Gewissen, ihn betrogen zu haben. Der Leser merkt und kann es sehr gut nachvollziehen, wie sie mit sich hadert. Aber sie kommt aus der Betrugsgeschichte nicht mehr raus, im Gegenteil, die Sache wird immer größer.

Ich finde, das Thema wurde schon ein wenig ambivalent angegangen, weil mir Robert, der Chef, gar nicht so schlimm vorkam und ich daher diesen Rachefeldzug nicht so ganz nachvollziehen konnte. Das einzige war, dass Fontana es ja eigentlich nicht wollte und sich später alles mehr oder weniger von selbst entwickelte. Und ja, natürlich stehen die Summen, die von den Chefs ausgegeben werden in keinem Verhältnis zu dem Gehalt einer Assistentin.

Seite 238: „Wenn ein Mann mit einem Privatjet nach Key West flog, entsprach das der Summe, mit der eine Frau eine zweite Chance im Leben bekam.“

Die Geschichte hat einen subtilen Witz, den ich hier mit weiteren Zitaten vorstellen will:

Seite 60: „Ich werde nicht ins Gefängnis gehen, weil du wie Kardashian leben willst …“

Seite 73:“Das ist gutes Fleisch, also wundere dich nicht, wenn es komisch schmeckt.“

Seite 126: „Einmal, als ich sie zu mir hoch rief, weil sich die Kugel meiner Maus nicht mehr drehte, … nahm die Maus, spuckte auf die Kugel, rieb sich das Ding an ihrer Kampfhose, warf es zurück auf meinen Schreibtisch und bellte >Jetzt geht’s wieder<.“

Seite 131: „Kein Wunder dass sie so mürrisch war. Sie arbeitete den ganzen Tag in diesem gruseligen Keller, umgeben von Computerbildschirmen und machte irgendwas mit Nullen und Einsen …“

Da auf den ersten 100 Seiten schon viel passiert, fragte ich mich, wie die Geschichte wohl weitergehen wird? Nun ja, neue Freundschaften entstehen und immer wieder versucht Fontana dem Betrug ein Ende zu machen, aber irgendwann ist dieser ein „Selbstläufer“ unter den Assistentinnen dieser Stadt. Ich war echt gespannt, wie es ausgeht, auch wenn es am Anfang schon mal angedeutet wurde. Aber man weiß ja nie und ich rechnete noch mit meiner Finte, die aber ausblieb. Ich möchte schon mal vorneweg nehmen, dass es auf allen Ebenen ein Happy End gibt.

Ich könnte in dieser Geschichte auch noch eine einfach verpackte Botschaft an alle Frauen sehen, dass wir nicht in unseren Positionen verharren sollen, sondern uns immer weiter entwickeln sollen. Tina Fontana hier im Buch braucht wie wir alle vielleicht einen ganz großen „Anschubser“, damit sie sich endlich etwas zugetraut. Im Prinzip hat sie ihre Karriere am Schluss Robert zu verdanken.

Perri, Camille Die Assistentinnen 978-3-86396-095-7 Ink Verlag /Bastei Lübbe

Perri, Camille
Die Assistentinnen
978-3-86396-095-7
Ink Verlag /Bastei Lübbe

Fazit:

Anhand der Inhaltsangabe und des Covers hatte ich mir einen etwas ernsthafteren und intelligenteren Umgang mit dem Thema „Assistentinnen und Feminismus“  erhofft. Den Betrug  hatte ich mir eher wie einen hämischen Trick vorgestellt, eine Art gerissenes „ausbooten“  und „Rache nehmen“ an der Chefetage bzw. deren unerhörtem Reichtum vorgestellt. Aber der Betrug wie er hier stattfand war eigentlich nichts anderes als ein simpler Betrug und ich fand ihn auch nicht sonderlich raffiniert, außer dass er erst durch andere Assistentinnen ermöglicht und wie umfallende Dominosteine immer weiter getrieben wurde. Es war ein Höhepunkt der Geschichte, als alle Assistentinnen alte Gefallen einforderten und ich konnte mir diesen Moment gerade zu filmisch umgesetzt vorstellen. Als Leser bekommt man zudem einen klitzekleinen Einblick in die Arbeit einer Assistentin, und auch auf die leider oberflächlichen New Yorker, wo „mehr Schein als Sein“ ist.

Der Erzählton ist peppig-nonchalant, und das Buch lässt sich sehr schnell lesen. Dennoch empfand ich die Geschichte als zu oberflächlich. Die Charaktere waren mir alle nicht übermäßig sympathisch, ich meine, ich habe Tina Fontana gerne zugehört als sie erzählte, wie sich das alles zugetragen hat. Sie hat einen witzigen Erzählton wie „Stephanie Plum“ (*hier Rezension* ), aber sie und alle anderen blieben einfach zu blass. Natürlich habe ich mit den vielen „armen“ Assistentinnen mitgelitten, aber es wurde einfach ein paar Mal zu oft erwähnt, dass sie ihre riesigen Studienkredite abbezahlen müssen und schlecht verdienen. Dieses Buch macht halt auf zu lockere Weise darauf aufmerksam, und so besteht die Gefahr, das Thema oberflächlich zu sehen, wie es im Buch meiner Ansicht nach passiert ist. Ich denke, ein anderes humoriges Cover hätte besser zu der Geschichte gepasst und so keine falschen Erwartungen geweckt.

Alles in allem: Mir persönlich war die Geschichte definitiv zu oberflächlich, angefangen bei den Charakteren bis hin zum Thema selber. Es ist irgendwie nicht „nachhaltig“. Aber genau darin liegt womöglich die entspannende Wirkung, es ist keine tiefgehende Geschichte, sonder eine die sich schnell, leicht und witzige für zwischendurch eignet. Und das muss ja auch nicht schlecht sein. Es ist ungefähr so, als würde man eine Mischung zwischen  „Der Teufel trägt Prada“ mit Meryl Streep und „Ein Chef zum Verlieben“ mit Sandra Bullock auf DVD schauen. Dieses Buch könnte ich mir auch gut filmisch umgesetzt vorstellen, und es würde dann gut in die genannte Riege passen.

Link zum Buch/Verlag: https://www.luebbe.de/lyx/suche?q=XXL-Leseprobe%3A+Die+Assistentinnen

 

 

 

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