Chimamanda Ngozi Adichie – Americanaah

Chimamanda Ngozi Adichie Americanaah 978-3-596-52106-7 S. Fischer Verlag

Chimamanda Ngozi Adichie
Americanaah
978-3-596-52106-7
S. Fischer Verlag

Inhalt:

Eine einschneidende Liebesgeschichte zwischen drei Kontinenten – virtuos und gegenwartsnah erzählt von einer der großen jungen Stimmen der Weltliteratur. Chimamanda Adichie erzählt von der Liebe zwischen Ifemelu und Obinze, die im Nigeria der neunziger Jahre ihren Lauf nimmt. Dann trennen sich ihre Wege: Die selbstbewusste Ifemelu studiert in Princeton, Obinze strandet als illegaler Einwanderer in London. Nach Jahren stehen sie plötzlich vor einer Entscheidung, die ihr Leben auf den Kopf stellt. Adichie gelingt ein eindringlicher, moderner und hochpolitischer Roman über Identität und Rassismus in unserer globale Welt.

 Meine Meinung:

Ein umfangreiches Buch, ein Wälzer, der auch durch sein Cover auffällt. Ein Buch, dass ich mir aufgrund Empfehlungen in diversen Zeitschriften ausgeliehen habe, denn: Der Rückentext hätte mich  leider nicht zum Lesen animiert.

Was bin ich so froh, dass ich es gelesen habe. Die Geschichtet handelt von Obinze und Ifelu, zwei sympathische Charaktere mit Ecken und Kanten, deren Namen schon so wunderschön klingen wie polierte afrikanische Edelsteine. Ich habe von der ersten Seite an mit gefiebert, wie es den beiden liebenden Nigerianern als Immigranten in der großen weiten Welt, die überwiegend in Amerika spielt, erging. Nicht nur die Verliebten verlieren sich dabei, sondern die beiden Protagonisten verlieren auch ein großes Stück ihrer Identität durch ihre (versuchte) Auswanderung und Anpassung an eine neue Kultur. Schmerzhaft erniedrigend beschreibt die Autorin die illegale Einreise von Obinze, dem sein einziger Luxus in London sich durch folgenden Satz, den ich einfach aufschreiben musste, zeigt:

…“Das war sein wöchentlicher Luxus, in die Buchhandlung gehen, einen überteuerten Kaffee trinken, so viel wie möglich umsonst lesen und wieder zu Obinze werden …“

Ifemelu wirkt einsam und verloren allein in Amerika, ihre versuchte Anpassung führt zu einem Verlust ihrer Selbst. Die Autorin schafft es, die Verwunderung von Ifemula darüber diffus, schmerzhaft und heimatlos darzustellen.

Am Anfang wird viel vom „Nigerian Way of Live“ beschrieben, aber nicht den völlig Verarmten, sondern eher der Alltag der Neureichen und derjenigen, die dazugehören wollen. Auch in Amerika gehört Ifemelu nach dem lang anhaltenden und eigentlich auch nie endend wollenden Kulturschock zu den Akademikerkreisen der Eliteuniversitäten. Hier prägt das Wort „angepasste Einwanderer“, die Welt aus Sichtweise der Einwanderer, eröffnet neue Perspektiven. Auf der anderen Seite die Amerikaner – sie werden sich sehen wie sie sich nie sahen.

Hin und her gerissen, Ifemelu weiß nicht was sie will, kann ihre Wurzeln nicht verleugnen, und eröffnet schließlich einen sehr erfolgreichen wordpress-blog, der sie finanziell unabhängig macht.

Seite 387: „… Manchmal schrieb sie Beiträge und rechnete mit unangenehmen Reaktionen, ihr Magen verkrampfte sich vor Angst und Aufregung …“

Auch im Zusammenleben mit ihren Lebensabschnittspartnern (ich nenne es jetzt mal absichtlich so) verleugnet Ifemelu ihre Herkunft, passt sich als Einwanderin an, passt sich sogar sehr perfekt an, und trotzdem fordern ihre „Wurzeln“ ihr Recht auf Heimat und Gleichheit.

Obinze heiratet währenddessen in der Heimat Nigeria eine Frau, einfach so.

Seite 577: „… Er hätte mehr mit ihr (seiner Ehefrau) sprechen sollen, aber er hatte es nie versucht, weil er wusste, dass er völlig andere Fragen an Leben stellte als sie …“

Weitere Sätze aus dem Buch:

Seite. 15: „… das die Beziehung mit ihm am besten mit einem Haus zu vergleichen war, mit dem sie zufrieden war, indem sie jedoch immer am Fenster saß und hinausschaute …“

Fazit:

Wunderschöner Erzählton. Eine feine Liebesgeschichte eingebettet in ein großes Thema.

Unbedingt lesen, auch wenn das Thema „Nigerianische Einwanderer in Amerika“ auf den ersten Blick nicht so faszinierend scheint.

Lieblingsbuch.

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Ein Kommentar zu “Chimamanda Ngozi Adichie – Americanaah

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