Monferat, Benjamin – Der Turm der Welt

Monferat, Benjamin Der Turm der Welt 978-3-8052-5093-1 Wunderlich/rowohlt

Monferat, Benjamin
Der Turm der Welt
978-3-8052-5093-1
Wunderlich/rowohlt

Inhalt:

Die ganze Welt schaut auf Paris. Oktober 1889: Die Pariser Weltausstellung geht dem Ende zu. Millionen von Menschen strömen in die Lichterstadt, um Zeuge des Spektakels zu werden. Die brisante internationale Lage scheint für einen Augenblick vergessen. Und doch würde gerade hier, im bunten Gewimmel der Nationen und Interessen, ein Funke genügen, um das Pulverfass zur Explosion zu bringen. Ausgerechnet da werden zwei Ermittler des französischen Geheimdienstes tot aufgefunden – sie waren einer Verschwörung auf der Spur.
Was niemand weiß: Die Zukunft Europas ist mit dem Schicksal einiger Besucher der Ausstellung eng verknüpft: Eine französische Adelige – Königin der Pariser Salons – fürchtet um ihr Geheimnis: dessen Enttarnung würde weit mehr als nur einen gesellschaftlichen Skandal bedeuten. Ein deutscher Offizier, unterwegs in einer sehr persönlichen Agenda, wird zum Spielball der Großmächte. Ein junger Fotograf schließt einen folgenschweren Pakt, um das Herz seiner großen Liebe zu gewinnen. Ist die bildschöne Kurtisane in Wahrheit eine Spionin?
Schließlich versammelt sich alles, was Rang und Namen hat, an der Spitze des Eiffelturms, um das Abschlussfeuerwerk zu bestaunen. Wann wäre der Zeitpunkt für einen Anschlag besser gewählt, um die Welt im Chaos versinken zu lassen? Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt: zu Lande, zu Wasser – und in der Luft … (Quelle rowohlt)

Meine Meinung:

Eigentlich ist es paradox, denn ich wollte dieses Buch überhaupt nicht lesen, obwohl mir das erste Buch des Autors, Welt in Flammen, total gut gefallen hat (zur Rezension). Ich war so begeistert und in der Geschichte „gefangen“, dass ich damals kaum den nächsten Abend zum weiterzulesen erwarten konnte. Ich dachte, dies sei nicht zu „toppen“ und wollte mir daher Zeit lassen. Nun bekam ich das Buch als Rezensions-Exemplar vom Verlag geschickt, mit einer handgeschriebenen Postkarte vom Autor persönlich! WOW dachte ich, sehr aufmerksam, sehr sympathisch.

Als erstes fiel mir auf, dass sich das Buch sehr gut anfühlte, was vielleicht an dem seidig matten Schutzumschlag lag. Ich schlug es auf und – perfekt! Ein Lageplan. Ich liebe Übersichtspläne passend zur Geschichte.

Es ist das Jahr 1889 und in Paris ist die Weltausstellung. Aus der Perspektive von vielen Hauptprotagonisten werden die einzelnen Handlungsstränge geschickt miteinander verknüpft. Ich wanderte mit den Protagonisten durch Paris, die zudem so anschaulich beschrieben wurden, dass ich unweigerlich ein Bild von allen im Kopf trug, und daher auch keine Übersichtsprobleme hatte.

Man könnte vielleicht denken, dass die Geschichte durch die vielen Personen etwas unübersichtlich wird, aber ich hatte kaum die ersten fünf Kapitel gelesen, da hatte mich die Handlung schon neugierig  gemacht und die Personen in meiner Phantasie verankert. Vor allem kleine Cliffhanger am Ende eines jeden Kapitels erhöhten meine Spannung enorm, und so musste ich, wie getrieben, einfach von Kapitel zu Kapitel weiterlesen und so sind ruckzuck 300 Seiten vorüber gezogen… Die  einzelnen Personen stelle ich unten unter „Sonstiges“ ganz kurz vor.

Die Geschichte hat mehrere Spannungsbögen, wodurch man wirklich weiterlesen muss. Zum einen durch die Ambitionen der verschiedenen Personen und durch das Ultimatum, von dem nur der Leser konkret weiß. Es beginnt mit „Zündung in 59 Stunden, 51 Minuten“.  Was wird passieren? Mir als Leser kamen verschiedene Szenarien in den Sinn, und einigen wenigen Protagonisten im Buch hatten auch böse Vorahnungen. Verschiedene Nationen treffen in Paris aufeinander, bespitzeln und verdächtigen sich gegenseitig: Die Deutschen, die Franzosen und die Briten.

Die Handlung umfasst im großen und ganzen verschiedene Themen, natürlich Paris. die Stadt; die Probleme und Nöte der ganz verschiedenen Protagonisten die aus allen sozialen Schichten stammen; die Möglichkeit eines Umsturzes der Regierung und die Nachfolge Napoleons des III; Gottlieb Daimler hat einen winzig kleinen Auftritt; sogar mit den Taten und der Jagd auf  Jack the Ripper wird man konfrontiert. Die Frage ist, wie passt dass alles zusammen? Ganz einfach: ganz wunderbar wenn es Benjamin Monferat erzählt.

Nun möchte ich doch noch ein paar Kleinigkeiten in loser Reihenfolger erwähnen, die mir aufgefallen sind:

Als die Protagonisten Fitz Edwards und der Carpatische Regent auftauchten, hatte ich ein Dejavu: Ich kannte die Namen dieser Protagonisten aus „Welt in Flammen“ und überlegte, ob der Carpatische Regent der Vater von Carol von Carpathien ist? Und Fitz Edwards er selber in jüngeren Jahren, bevor er in Welt in Flammen ein versierter älterer britischer Agent ist?

Die Beschreibung von Celeste Marechal fand ich gut gelungen, die Last, die sie auf ihren Schultern trägt, die Hypothek für ihr Hotel und die Personalkosten, ist sehr authentisch beschrieben. Die Kraft zu mobilisieren, immer weiter machen wollen und müssen. Der kleine Hoffnungsschimmer den sie hat, lohnt es sich weiterzumachen? Schafft sie es durchzuhalten?

Kleinigkeiten schmücken das Setting aus, so zum Beispiel auf Seite 566: „Der funkelnde Clairette hatte sich über den Ärmel von Marguerites Kleid ergossen …“. Mir gefällt, dass es nicht einfach ein Chablis oder Sancerre war, nein, es war ein „Clairette“, den ich bis dato nicht kannte. Diese Kleinigkeiten machen ganz viel aus.

Ich hatte bereits mit „Welt in Flammen“ einen Steampunk-Roman erwartet. Ich fand es sehr aufmerksam,, dass der Autor auf der Postkarte darauf einging. Lest selber:

benjamin-monferat-postkarte-wz

 

 

 

 

 

 

 

 

Jetzt ist es in der Tat so wie er schreibt, es ist wieder kein Steampunk-Roman, aber ich finde, es gibt anteilsmäßig ganz kleine Szenen, wie zum Beispiel auf der Weltausstellung, als die mechanischen Wunder oder die neue Maschine zur Serienproduktion von Kanonen vom Duc de Torteuil in Betrieb genommen wurde.

Und dann gibt es da noch eine faszinierende Person in einer Art Cat-Woman-Anzug (so stellte ich es mir vor), die eigentlich auch bis zum Schluss geheimnisvoll bleiben wird. Fitz Edwards nennt sie Minuit, denn sie verschweigt ihren Namen. Sie ist die Tochter eines großen Erfinders und klettert nachts wie eine Katze über die Dächer von Paris. Dies erinnerte mich ein wenig an „Die geheimnisvolle Minusch“.

Ebenso gibt es einige angedeutete Liebschaften, einige Protagonisten verlieben sich, aber am überraschendsten war wohl das eine Love-Interest, dass alle gesellschaftlichen Normen sprengte und die Leser dürfen ob eines glücklichen Endes mit fiebern.

Fazit:

Wieder eine opulente Geschichte aus der Feder von Benjamin Monferat. Ich mag diese historisch ausgeschmückten Szenarien sehr, und diese hier mit dem Setting der Weltausstellung in Paris ist für herrlich lange Schmökerstunden bestens geeignet. Krimi-Elemente, kleinere Liebeleien und die Charaktere der Protagonisten geben der Geschichte die perfekte Würze.

Die Geschichte lebt von vielen Protagonisten und ich versuche bei solchen komplexen Romanen dann immer, viel auf einmal zu lesen, damit ich ein Gefühl für die Personen und Orte bekomme. Ich hatte meinem Vater, der eher ein „häppchenweise Leser“ ist,  „Welt in Flammen“ zum Lesen gegeben, und wie er mir berichtete, hat er die Übersicht über die Personen verloren. So könnte es auch hier passieren. Daher also mein Rat, viel an einem Stück zu lesen, was aber kein Problem sein sollte, denn nach jedem Kapitel gibt es kleine Cliffhanger und verschiedenste Spannungsbögen, die mich von Seite zu Seite und zum ständigen weiterlesen getrieben haben. Ich konnte gar nicht mehr aufhören. Es werden Fäden gesponnen, die sich am Ende zu einem Ganzen fügen.

Vielleicht kann das Buch nicht ganz an „Welt in Flammen“ „kratzen“, aber es ist ein würdiger Nachfolger, das perfekte Weihnachtsgeschenk für dieses Jahr. Und: Wer Welt in Flammen  mochte, dem wird auch diese Geschichte fallen.

Auf alle Fälle wieder ein Lieblingsbuch.

 

Link zum Buch/Verlag: http://www.rowohlt.de/hardcover/benjamin-monferat-der-turm-der-welt.html

Hauptprotagonisten kurz und knapp vorgestellt:

***Vorsicht Spoiler***

 

Personen aus der Geschichte:

Friedrich von Straten

Ein Ziehsohn eines reichen Adligen. Er gehörte nicht wirklich zu dieser Familie, seine zwei Stiefbrüder machten ihm das Leben schwer. Er lässt sich als Agent anwerben und fährt mit einer Delegation zur Weltausstellung. Seine Reise hat noch einen anderen Zweck, von dem weder Deutsche noch Franzosen etwas ahnen. Zeit seines Lebens wird er von der Frage getrieben, wer seine Eltern waren. Findet er in Paris die Antwort?

 

Vicomtesse Albertine Rocquefort

Stammt aus alter Adelsfamilie. Hat ein Geheimnis in ihrer Vergangenheit, ein Ereignis, von dem niemand wissen kann. Oder doch?

 

Melanie Rocquefort

Eine zierliche 16 (?)jährige, die zart beseitet ist, der jegliche Aufregung zu viel ist. Sie hat gesundheitliche Probleme und soll einen älteren Freund ihrer Mutter heiraten. Sie weiß es gottlob nicht.

 

Agnes

Cousine von Melanie

 

Duc de Tortueil

Angesehener Adliger (?), der mit Teekesseln handelt. Weiß er um die Vergangenheit der ehrwürdig erscheinen Vicomtesse Albertine Rocquefort?

 

General Philippe Auberlon

Zieht die Fäden im Geheimdienst Deuxieme Bureau. Er ist eine Institution.

 

Pierre Trebut

20 Jahre jung, Backenbart. Agent bei Deuxieme Bureau, wird von General Auberlon für einen Spezialauftrag erwählt

 

Charlotte Dupon

Schwanger, will sich von einer Brücke stürzen. Wird im letzten Moment gerettet.

 

Alain Marais

Eine Legende im Deuxieme Bureau. Ein Vorbild, ein Held. Aber war alles nur eine Lüge? Gedankenleser.

 

Celeste Marechal

Besitzerin  und Leiterin des Hotel Vernet. Sie ist 51 Jahre alt und hatte vor vielen vielen Jahren ein Verhältnis mit Albert Edward Prince of Wales. Ihr Hotel steht kurz vor der Pleite, sie hofft, dass sie ihre Gläubiger bis nach der Weltausstellung hinhalten kann. Eigentlich sollte Albert Edward in ihrem Hotel übernachten, doch er schickt einen anderen wichtigen Gast.

 

Colonel James O’Connell

Rechte Hand des Prince of Wales

 

Lucien Dantez

Sehr begabter Fotograf der in die Kurtisane Madleine verliebt ist und von einem gemeinsamen Leben träumt. Er nimmt jeden Auftrag an, egal, wie moralisch verwerflich dieser ist.

 

Madeleine

Eine angesehen Kurtisane, Dame der Gesellschaft, Begleiterin von hochrangigen Regierungsmitgliedern. Wird mit Geheimnissen aus ihrer Vergangenheit erpresst, aber ist dies ihre größte Schwäche?

 

Basil Fitz Edwards

Irgendwie dachte ich, es könnte sein jüngere Ego aus „Welt in Flammen“ sein. Ein Constabler der Metropolitan Police in London. Ist auf der Jagd nach Jack the Ripper, als er in eine geheime Aktion platzt und ehe er es sich versieht, ist er mit einem wichtigen Passagier auf dem Weg nach Paris.

 

Minuit

Eine geheimnisvolle Frau in einem Cat-Women-Anzug?

 

Longueville

Diplomat, Sekretär des Präsidenten

 

Eddy

Sohn von Albert Edward Prince of Wales

 

Fabrice Rollande

Kontaktmann, Doppelagent (?), Seidenhändler

 

 

 

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Ein Kommentar zu “Monferat, Benjamin – Der Turm der Welt

  1. Pingback: Bloggertreffen mit Benjamin Monferat (Frankfurter Buchmesse 2016) | buecherfuellhorn

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