Curtis, Marci Lyn – Alles was ich sehe

Curtis, Marci Lyn Alles was ich sehe 978-3-551-56022-3 Königskinder

Curtis, Marci Lyn
Alles was ich sehe
978-3-551-56022-3
Königskinder

Inhalt:

Maggie hasst ihr neues Leben als Blinde. Sie will keine tapfere Kranke sein, und auf Unterricht von anderen Blinden kann sie gut verzichten. Nach einem missglückten Streich passiert es: Sie kann wieder sehen! Nur einen Ausschnitt der Welt, genauer: einen zehnjährigen Jungen namens Ben. Mit Hilfe des altklugen und hinreißenden Jungen scheint sie einen Teil ihres alten Lebens zurückzubekommen. Und Bens großer Bruder Mason ist Sänger in Maggies Lieblingsband. Und ziemlich attraktiv. Doch er lässt sie abblitzen, weil er denkt, dass Maggie ihre Blindheit vortäuscht – was ja irgendwie stimmt. Dann kommt heraus, warum sie ausgerechnet Ben sehen kann. (Quelle Carlsen/Königskinder)

Meine Meinung:

Ein Buch, das mich mit der Inhaltsangabe über die blinde Maggie gleich ansprach. Am Anfang, bzw. auch schon vorher, stellte ich mir die Geschichte so vor, dass Ben, der Junge, durch den Maggie plötzlich wieder sehen kann, ein Geist wäre. Das war so meine Interpretation der Inhaltsangabe. Dem war aber nicht so.

Maggie ist eine hübsche 17-jährige,  die vor sechs Monaten durch eine Krankheit plötzlich erblindete. Sie hatte ein außergewöhnliches Hobby, sie spielte profimäßig Fußball. Wegen ihrer Blindheit traut sie sich dies nicht mehr zu, obwohl es an ihrer Blindenschule eine Fußball-Gruppe gibt. Sie hadert mit ihrem Schicksal.

Gerade auf den ersten Seiten gab es ein paar ungewöhnliche Formulierungen, die sich aber nur auf diese zwei Seiten bezogen:

S.11: „..Mundgeruch erinnert an Bauchnabelschmiere.“
S.13: „… wie ein Unterwasserfurz.“

Ich fand diese Formulierungen im Kontext humorig und witzig, und es hätte mir nichts ausgemacht, ein paar mehr davon zu lesen.

Ben ist ein netter 10-jähriger Junge, der wegen einer Behinderung an Krücken geht. Ben ist wirklich ein kleiner sympathischer Sonnenschein, aber manchmal konnte ich die Freundschaft zu Maggie nicht nachvollziehen. Der siebenjährige Altersunterschied ist doch erheblich, und ich fand es schon etwas seltsam, dass Ben sie gleich nachdem sie sich kennen gelernt haben, zum Abendessen zu seiner Familie einlädt.

Bis dahin ahnt Maggie auch noch nicht, dass Ben der Bruder von dem Sänger ihrer Lieblingsgruppe ist. Mason ignoriert Maggie von Anfang an. Das habe ich nicht so genau verstanden, denn er kann doch gar nicht wissen, dass Maggie ihn als Sänger erkannt hat. Und woher will er gleich während dieses ersten Abendessens zusammen mit seiner Familie erkannt haben, dass Maggie die Blindheit nur vorspielt? Dies irritierte mich allerdings nur zu Beginn, denn die Geschichte lässt sich insgesamt sehr flüssig durchlesen.

Das Love-Interest zwischen Maggie und Mason beginnt erst ab der zweiten Hälfte des Buches und auch dann nur zögerlich zart, bevor es durch eine unbedachte Äußerung Maggie’s wieder zerstört wird. Maggie, die ja tatsächlich blind ist, und nur sehen kann, wenn Ben in der Nähe ist. Das ist schwierig anderen Personen zu vermitteln, und auch ich als Leser hatte manchmal meine Probleme damit, vor allem, weil Maggie durch Ben wirklich wieder sehr gut sehen konnte. Ich meine, da kann man Mason‘s Verwirrung schon ein wenig verstehen. Dieses Love-Interest der beiden trägt jedenfalls wunderschön zur Spannung der Geschichte bei, weil die Bande auch ganz zart genknüpft werden. Das fand ich „so süß“ im besten Sinne.

Zitat S. 300: „Als er mitfühlend durchatmete, legte sich sein Bein fast unmerklich an meins. Mir stockte das Herz. Er bewegte sich nicht. Ich mich auch nicht. Das haben sachte, zögernde Berührungen so an sich: Man will sofort mehr davon.“

Differenziert waren die Emotionen Maggie‘s zu ihrer Blindheit beschrieben. Manchmal richtig authentisch, zum Beispiel wie können Blinde die Farben ihrer Kleidung unterscheiden oder wie finden sie  vom Stadtzentrum wieder zurück nach Hause. Das hoffen und bangen, als sie durch Ben wieder kleinere Ausschnitte sehen konnte. Die Angst, dieses bisschen Sehen wieder zu verlieren war sehr eindrücklich geschildert. Andererseits wurde das Thema Blindheit auch manchmal etwas oberflächlich und vereinfacht, bzw. kam gar nicht zur Sprache.

Überambitioniert empfand ich das Hintergrund-Setting zwischen Maggie und ihrer Mutter, die beide ihre Fußball-Karriere beenden mussten. Das erschien mir nicht so ganz ausgearbeitet sein. Befremdlich auch, dass die Mutter nach der diagnostizierten Blindheit ihrer Tochter zu einer Freundin fährt, während Maggie im Krankenhaus liegt.

Maggie zieht sich nach der Diagnose ganz und gar zurück. Sie möchte das Haus am liebsten nicht mehr verlassen. Ihre alten Freundinnen, überwiegen aus der Fußball-Mannschaft, ziehen sich ebenfalls zurück, nachdem Maggie immer wieder abblockt. Für ein Schulprojekt muss sie sich gezwungenermaßen mit einer blinden Mitschülerin aus ihrer Blindenschule zusammentun. Clarissa ist von Geburt an blind und kommt vordergründig gut durch Leben. Sie kann Maggie viel Hilfestellung geben, Maggie will aber nicht so. Dennoch freunden sich die beiden sich im Laufe der Geschichte an, was mir gut gefallen hat. Clarissa ist verliebt und berichtet Maggie von ihren Erfahrungen. Blinde müssen sich viel auf ihr Gehör verlassen.

Zitat Seite 161: „Clarissa, woher willst du als Blinde wissen, dass er süß ist? Dann pass mal auf: Ich höre es an der Art, wie er mich fragt, ob ich extra Zucker in meinen Eiskaffee will. Sie seufzte theatralisch. Es ist ein Gedicht wie er das sagt. Ein Gedicht, Maggie. Hach. Dahinschmelz.“

Vielleicht hat die Autorin für Clarissa eine Extra-Geschichte geplant? Ich würde mich freuen.

Fazit:

Am Anfang hatte ich meine Probleme damit, dass Maggie so plötzlich ohne Grund die nähere Umgebung sehen konnte, wenn Ben in der Nähe war. Zudem konnte ich auch nicht ganz die Freundschaft zwischen einer 17-Jährigen und einem 10-Jährigen nachvollziehen, die sich durch Zufall kennen lernen. Der leichte und flüssige Erzählton schafft es jedoch, dass sich alles passend und erklärlich zusammenfügt. Eigentlich wollte ich an diesem Abend nur eine Stunde lesen, weil ich am nächsten Tag arbeiten musste. Aber ich musste dann ja unbedingt wissen, was es mit diesem unerklärlichen Phänomen auf sich hat, dass Maggie teilweise wieder sehen kann, wenn Ben in der der Nähe ist. Zudem wollte ich natürlich auch wissen, wie es mit dem Love-Interest zwischen Maggie und Mason weitergeht. Obwohl nicht viel passiert, ist es schon irgendwie seufz, „dahinschmelz“.

Auch wenn ich über manches kritisch gemäkelt habe, ist es alles in allem eine sehr schöne Geschichte, und ich stimme den bis heute 29 Fünf-Sterne-Bewertungen auf amazon voll zu.

Zudem würde ich jetzt gerne mehr von der Autorin lesen, habe aber gesehen, dass dies erst das erste Buch ist, das auf Deutsch erschien. Schade. Hätte mir spontan noch weitere Lektüre von ihr gekauft.

Link zum Buch/Verlag: https://www.carlsen.de/hardcover/alles-was-ich-sehe/70968

 

Anmerkung am 26.08.2016

Wie ich vom Carlsen Verlag hörte, ist ein weiteres Buch von Marci Lyn Curtis in Planung,  allerdings nicht vor 2018. Hoffen wir, dass es klappt.

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Ein Kommentar zu “Curtis, Marci Lyn – Alles was ich sehe

  1. Pingback: Frankfurter Buchmesse 2016 | kibureich

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