Tine Ratig + Hannah Wilhelm – Katharina, Marie und ihre vier Männer

Tine Ratig + Hannah Wilhelm Katharina, Marie und Ihre vier Männer 9783442484140 Goldmann

Tine Ratig + Hannah Wilhelm
Katharina, Marie und Ihre vier Männer
9783442484140
Goldmann

Inhalt:

Katharina und Marie, beide Anfang 30, sind seit Ewigkeiten beste Freudinnen, wenn sie auch mittlerweile in entgegengesetzten Ecken des Landes wohnen. Also schreiben sie sich. Briefe, SMS und vor allem Mails, und zwar zu jeder Tages- und Nachtzeit. Denn obwohl sie eigentlich glücklich verheiratet sind, bleibt der große Zweifel: War’s das jetzt schon? Ist das wirklich der Mann für den Rest des Lebens? Dann passiert allen beiden der Beziehungs-GAU: Sie verlieben sich fremd, Katharina in Karsten und Marie in Tom. Und in ihrem Leben bricht das Chaos aus: bleiben oder gehen? Die kleine, wohlvertraute Alltagsödnis – oder der große Sprung in einen ungewissenen Traum?

Meine Meinung:

Bei diesem Buch war ich mir nicht sicher, ob ich es lesen sollte oder nicht. Ich las die Inhaltsangabe und dachte, nein, keine Lust für „sowas“, damit möchte ich nicht meine Zeit verschwenden. Dann, ein paar Tage später fand mich das Buch wieder, wieder las ich die Inhaltsangabe, ich bin diesbezüglich etwas vergesslich, und dieses mal blieb ich bei folgendem Satz hängen: „Ist es Zeit zu gehen und etwas Neues zu wagen – und wann ist man im sicheren Hafen angekommen?“ Hat sich diese Frage nicht schon jede Frau im Laufe einer Beziehung gestellt? Kriselt es nicht überall einmal und irgendwann? Wie ist dann die Kommunikation? Oder kommuniziere ich nur mit meinen Freundinnen über meine Gefühle  und den (Mann), den es betrifft, bleibt außen vor? Weil er sowie nicht versteht, was wir Frauen wollen? Die Frage, die sich dann unweigerlich stellt: Habe ich den Richtigen „erwischt“? Oder wartet Mr. Wright noch „draußen“ auf mich? Passt jemand anderes besser zu mir? Frauen sind sehr komplex was Emotionen angeht, das gebe ich aus eigener Erfahrung gerne zu.

Von solchen und ähnlichen Fragen handelt die Geschichte. Sie geht noch einen Schritt weiter, zwei Freundinnen in langjährigen und sicheren Ehen wünschen sich mehr. Sind sich ihrer Wünsche aber auch nicht sicher? Reagieren sie über? Verlangen sie zu viel? Ist es einfach der Alltag, das Aneinander gewöhnt sein dass mich nach „neuen Ufern“ Ausschau halten lässt? Geht es mir zu gut? Rege ich mich über Kleinigkeiten auf? Beide Frauen landen mit ihren Zweifeln in einer Affäre und beschreiben und analysieren in emails und Briefen, wie es dazu kam, wie es momentan ist und wie es weitergeht.

Der Anfang der Geschichte fiel mir schwer, ich als Leserin wurde direkt in die email-Kommunikation katapultiert, und musste dabei auf den ersten Seiten erst mal sortieren „Wer schreibt gerade?“, „Wer ist mit wem verheiratet?“, „Wer hat mit wem eine (beginnende) Affäre?“. Ich habe das Buch dann in einem Rutsch durchgelesen und kann dies auch nur empfehlen, denn selbst wenn man Anfang noch ein wenig verwirrt ist, irgendwann verselbständigen sich Geschichte und Namen, ich musste nicht mehr ständig nachdenken „ wer war wer?“ und es war sogar so, dass ich die Überschriften (im Sinne von „Am 3 Juli 22:03 schrieb Katharina Marten“) gar nicht mehr lesen musste, weil ich so in Lesefluss kam, dass sich für mich alles automatisch ergeben hat.

Sehr gut hat mir die Ehrlichkeit dieser beiden Freundinnen gefallen. Auch negative Gedanken wurden mitgeteilt, wenn die eine Freundin etwas gar nicht gut fand, aber dennoch einen wertschätzenden Ton zu ihrer Freundin pflegt.

Manches wirkte auch etwas aufgesetzt, ich fragte mich, ob ich wirklich so zu einer Freundin sprechen würde? Es hört sich manchmal etwas plastisch an, vielleicht ist das auch, weil man die Emotionen in Worte gefasst in einem Briefwechsel niederschreibt, da kann man nicht jede Emotion transportieren. Dadurch  war der Erzählton manchmal etwas verkrampft und unemotional höflich.

Katharina ist 32 Jahre alt und mit Simon verheiratet, der für mich in dieser Geschichte sehr  sympathisch dargestellt wurde, so dass ich mich echt fragte, ob Katharina nicht einen Fehler macht, als sie eine Affäre mit Carsten beginnt. Mir kamen die Streitpunkte in dieser Beziehung eher gering vor, aber für Katharina wurden diese Punkte halt immer größer und zu einem wirklichen Problem, zu dem Simon keine Lösung in Aussicht stellte, außer alles auf „irgendwann und vielleicht“ zu vertagen.

Marie und Michael sind seit acht Jahren verheiratet, und Marie fühlt sich in der Beziehung eingeengt. Michael will alles mit ihr zusammen machen, und ist schlecht gelaunt bzw. es gibt Streit, wenn Marie mal alleine unterwegs sein will. Marie ordnet sich immer unter, um des lieben Friedens willen. Sagt auch schon mal einer Freundin ein geplantes Treffen ab, um den „Stress“ mit dem Ehemann zu vermeiden. Auf der Arbeit lernt sie Tom kennen, der so ganz anders scheint als Michael.

Zitat Seite 14: „Ich habe seine, meine Fehler verdrängt und uns und allen anderen eine goldene Beziehung vorgegaukelt. … Sondern weil ich jahrelang alles verdrängt und zugekleistert habe. Und dabei hat sich so viel aufgestaut an Wut, Unverständnis, Bedürftigkeit. “

Zitat Seite 43: „… Aber jetzt wache ich nachts auf, mit Atemnot und Beklemmungen, weil ich nicht mehr neben ihm liegen möchte. Dieser freundliche kluge, sympathische Mann ist für mich zur Qual geworden. … Es liegt daran, wie sich das zwischen uns entwickelt hat. Woran ich genauso schuld bin wie er. Aber die Beziehung ist für mich zu einem Käfig geworden.“

Gleich am Anfang wird, wie ich finde, ein treffendes Beispiel genannt: Die beiden Pärchen kennen sich und gehen auch schon mal zusammen aus, oder wandern. Allzu oft sind diese Treffen jedoch aus beruflichen Gründen nicht möglich. Diese gemeinsamen Tage sind immer toll, dennoch fehlt den Freundinnen Zeit, sich mal alleine zu unterhalten. Frauen kennen das, wenn Männer dabei sind, kann man sich nicht „richtig“ unterhalten. Ich bin mir nicht sicher, ob Männer das wirklich verstehen können!? Auch zwischendurch gibt es immer wieder „authentische weibliche Emotionen“ oder Vorkommisse, die man auch schon psychologisch betrachten könnte, die vielleicht auch jede Frau kennt. Zum Beispiel wünscht sich Katharina richtiggehend, dass ihr Ehemann Simon falsch reagiert, dass er einen Fehler macht, damit sie damit ihre neue Liebe, ihre Affäre mit Carsten, rechtfertigen kann. Wenn …, dann … !! Und von all diesem innerlichen Gefühlsleben ahnt der Mann nichts.  Oder auf einer Party. Um beim Buch zu bleiben: Simon kennt viele Leute, unterhält sich gut und „driftet“ von einem zum anderen ab“, Katharina bleibt alleine stehen. Auch sie kennt ein paar Leute, hat aber das Gefühl, dass Simon zumindest einfach mal zwischendurch zu ihr zurückkommen sollte, sie vielleicht kurz drücken, und könnte dann wieder seines Weges auf Party ziehen. Dieses Zusammengehörigkeits-Gefühl fehlt ihr.

Katharina und Marie finden heraus: Männer sind lösungsorientiert und rational. Können mit Emotionen nicht viel anfangen. Das kann für Beziehungen Gift sein.

Überhaupt, wie definiert man Fremdgehen und Betrügen überhaupt? Ist fremdgehen schon ein Flirt? Oder SMS und email? Auch das wird von den Freundinnen emotional auseinander genommen, ausführlich „zerpflückt“. Katharina ist der Meinung, solange kein Sex im Spiel ist, ist es kein fremdgehen. Aber was ist, wenn ich mit einem Mann übernachte, im selben Bett, aneinandergeschmiegt, Worte flüsternd, und zwar ohne Sex. Ist das fremdgehen? Für Katharina nicht … Es ist also alles eine Frage der Definition.

Beide Freundinnen beginnen eine Affäre. Diese entstehen aus unterschiedlichen Bedürfnissen, die nicht erfüllt werden. Fühlt sich Katharina nur mit „Kleinigkeiten“ unverstanden und nicht beachtet, ist es bei Marie elementarer. Beide Liebespärchen schicken sich SMS, e-mailen … das ganze Programm, dass man sich vorstellt, wird abgespult. Beide Freundinnen reflektieren dies miteinander, vergleichen, sie finden vieles nicht gut, aber sie können nicht anders. In ihren Ehen fehlt ihnen das Miteinander reden, der Körperkontakt, der Sex …

Dies alles wird zum Thema, wird mit der Freundin psychologisch analysiert, reflektiert, von allen Seiten betrachtet und hin und her gewendet. Beide wollen eine Entscheidung, am liebsten gleich. Aber erst noch muss darüber mit der Freundin geredet werden. Wie sieht sie das? Habe ich vielleicht etwas in meinem neuen erträumten Lebensmodell nicht beachtet, nicht bedacht?

Zitat Seite 109: „Momentan fühle ich mich mit Carsten besser. Aber vielleicht ist das eine Illusion. Vielleicht fühle ich nur so, weil er die Lücken füllt, die Simon lässt. Möglicherweise risse eine Beziehung mit Carsten, eine richtige, echte Beziehung, mit gemeinsamer Wohnung, Dreckwäsche, Freizeitplanung, mit Dienstreisen, mit seinen Schuldgefühlen und seiner verletzten und vorwurfsvollen Exfrau viel größere Löscher. Vielleicht blieben viel grundlegendere Bedürfnisse unbeachtet“.

Auch die Geschichte der Liebhaber wird analysiert, sind beide doch auch verheiratet, mit Frau und Kind und Haus. Der Leser erhält so auch Einsichten in deren Gedankenwelt und ahnt vielleicht schon, welch ein Scheidungskrieg und emotionale Achterbahnfahrt da auf dieses Ehepaar und das neue Liebespaar zukommt.

Zitat Seite 33, die Ehefrau zu Tom: „Das Haus war jetzt so teuer, jetzt kannst du mich gar nicht mehr verlassen.“

Das Ende: Die Moral von der Geschicht‘? Alles kommt anders als geplant. Eine der Freundinnen trennt sich für immer, die andere geht zurück zum Ehemann. Und das ist beides in Ordnung so.

 

Hier zur besseren Übersicht die beiden Freundinnen mit Ehemännern und Geliebten:

Katharina verheiratet mit Simon.            Affäre mit Carsten.

Marie verheiratet mit Michael.                 Affäre mit Tom.

 

Fazit:

Am Anfang ist es etwas schwierig an dem email-Brief-Wechsel der beiden Freundinnen teilzuhaben. Es dauerte, bis ich beide Freundinnen, die zwei Ehemänner und die zwei Liebhaber „sortiert“ hatte. Deswegen würde ich empfehlen, die Geschichte nicht in kurzen Etappen sondern am langen Stück zu lesen. Hat man sich erst mal eingelesen, liest es sich wie von selbst. Besonders gefiel mir die Ehrlichkeit zwischen den Freundinnen. Die beiden analysieren und sezieren ihre Beziehung, es werden Spekulationen und Mutmaßungen angestellt, alles wird von gefühlten hundert Perspektiven komplex betrachtet. Und genau so ist das auch im echten Leben unter Freundinnen (ich sage nur „stundenlange Telefonate).

Keine Geschichte für Moralapostel, dafür für Verliebte, Verheiratete, Unzufriedene, Verlassene, für die die vielleicht gehen wollen aber sich noch nicht entschieden haben …

Noch kurz zum Titel und Inhaltsangabe, dieser wird der Thematik nicht gerecht, impliziert er doch eine einfache Chick-Lit Geschichte. Aber so „simpel“ ist der email-Briefwechsel nicht, auch wenn dieser sich einfach lesen lässt.

Zitat Seite 199: „Die Frage, wie und mit wem man sein Leben verbringen möchte, ist eine existenzielle. … Du und ich, wir stellen uns diese Frage seit Monaten so massiv.  … Ich sehe so viele Menschen um mich herum, die nicht hinterfragen, mit wem sie da sind. Die  einfach bleiben, aus Bequemlichkeit, aus Gewohnheit, aus Faulheit und auch manchmal auch, so vermute ich, um sich sein Leben lang über den Partner zu beschweren und ihm die Schuld für das verschwendete Leben geben zu können.“

 

Link zum Verlag und Buch: http://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Katharina,-Marie-und-ihre-vier-Maenner/Tine-Ratig/e487283.rhd

 

 

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