Randolf Menzel + Matthias Eckoldt – Die Intelligenz der Bienen

Randolf Menzel + Matthias Eckoldt Die Intelligenz der Bienen 978-3-8135-0665-5 Knaus Verlag

Randolf Menzel + Matthias Eckoldt
Die Intelligenz der Bienen
978-3-8135-0665-5
Knaus Verlag

Inhalt:

Wir lieben die Bienen nicht nur, weil sie süßen Honig produzieren. Sie gehören zu den wichtigsten und intelligentesten Nutztieren der Erde. Ohne ihre Bestäubung stünde es schlecht um die Welternährung. Und sie können noch viel mehr: Ihr kleines Gehirn denkt, plant, zählt und träumt sogar. Den bekannten Berliner Hirnforscher Randolf Menzel erstaunen sie nach fünf Jahrzehnten intensiver Forschung noch immer. Endlich hat er, zusammen mit Wissenschaftsjournalist Matthias Eckoldt, sein gesammeltes Bienenwissen aufgeschrieben. (Quelle Random House)

Meine Meinung:

Seit ich vor einigen Jahren die DVD „More than honey“ gesehen habe, habe ich mich bei allem was Bienen angeht, sensibilisiert. So versuche ich keine Biene mehr zu töten, sondern habe mir, auch für Spinnen und ähnliches, einen „Snapy-Insektenfänger“ angeschafft. So kann man Insekten einfangen und draußen wieder aussetzen. Gerade im Hinblick auf Bienen finde ich das lebensnotwendig, stelle aber fest, dass noch viel Aufklärungs-Arbeit von Nöten ist.

So war ich dann auch gleich begeistert, als ich dieses Buch gesehen habe, vor allem, da ich vor kurzem ein super-mega-tolles Kinder-Bienen-Bilderbuch von Piotr Socha „Bienen“ aus dem Gerstenberg Verlag entdeckt habe. Oft ist es so, dass ich mich für ein Thema interessiere, und dann sehe ich plötzlich überall interessantes, dass dazu passt.

Landlust Zeitschrift Juli/Augst 2016 „Flug der Königinnen“

Landlust Zeitschrift
Juli/Augst 2016
„Flug der Königinnen“

Hierzu passte, dass ich in der Landlust-Zeitschrift vom Juli/August 2016 ab Seite 141 den Bericht „Flug der Königinnen“ über die Belegstelle für Bienenköniginnen auf der Insel Juist entdeckt habe. Und, vor ein paar Wochen, am 3 Juli, waren meine Familie und ich zum „Tag der deutschen Imkerei“ in Lindenschied (Link unten). So greift eines ins andere. Ich könnte jetzt sagen, Zufälle gibt’s …

Randolf Menzel berichtet  zwischen all seinen wissenschaftlichen Informationen zwischendurch immer wieder locker von seinem Werdegang.  Von seiner Kindheit, dem Mikroskop seines Großvaters aus dem Jahr 1900 (Foto im Buch), von seinen ersten wissenschaftlichen Versuchen am eigenen Teich zu Hause bis zu seiner Zeit als Leiter des Neurobiologischen Institutes der Freien Universität Berlins. Und auch über seine Lehramtsprüfung  (er wollte Lehrer werden), über seine „aufsässige“ Studienzeit (er wurde als Linker eingestuft) und über die Zeit als Assistent von Hubert Markl (Seite 63) an der TA Darmstadt. Er gewann 1991 den Leibnitz Preis. Zudem schildert er einzelne Erlebnisse aus seiner Zeit in Australien, mit Kollegen, mit den Umständen seiner Professur in der Deutschen Botschaft und über die anfangs unruhigen Zeiten um seine Professur für Sinnesphysiologie in der Zoologie an der Freien Universität in Berlin. Und natürlich über all seine Forschungen und seine Kollegen, Mitarbeiter und Mitstreiter. Alle werden auch namentlich genannt, das finde ich sehr kollegial. Im Gegensatz werden dazu werden auch Ränkeschmiede um wissenschaftliche Reputationen erwähnt, ebenso findet ein Sabbatjahr, ein sogenanntes „Freiforschungsjahr“  Erwähnung.

Randolf Menzel war dreißig Jahre Leiter der Neurobiologischen Institutes der Freien Universität in Berlin. Aufgrund seiner jahrzehntelangen Erfahrung kann er große Einblicke in die Vorgehensweise der Naturwissenschaft geben. Die Aufteilung des Buches ist in mehrere große Kapitel mit vielen kleineren Unterkapiteln eingeteilt, so dass sich dieses Buch häppchenweise gut genießen lässt. Ich könnte dies sogar empfehlen, da der inhaltliche Anspruch schon recht hoch ist. Ergänzend lockern Fotos, Abbildungen und Tabellen den Text auf.

Da es sehr viele interessante Einzelheiten in diesem Buch gibt, habe ich hier einfach mal einige für mich interessante Informationen in loser Reihenfolge aufgeschrieben:

 

Interessant:

-Karl von Frisch entwickelte eine Methode zur Kennzeichnung von 599 Bienen durch Farbcodes; heute nimmt man Zahlen oder Mustercodes

-Das Bienenhirn/Moore‘sche Gesetz:

Zitat Seite 43: „Der Grad der Vernetzung im Gehirn übertrifft bei Weitem den eines Computers. Obwohl Transistoren sehr schnell sind (und Neuronen vergleichsweise langsam), arbeiten Mikroprozessoren sequenziell, bewältigen also die nachfolgenden Aufgaben nacheinander, während Neuronennetze überwiegend parallel organisiert sind. Deswegen bezeichnet man die Arbeitsweise des Gehirns auch als holistisch, also ganzheitlich. Die Architektur ihres Gehirns macht die Biene daher intelligenter als jeden Rechner.

-Ein kurzer und sehr interessanter Exkurs führt zu den Schwämmen, die der Großvater von Randolf Menzel wissenschaftlich untersuchte (Seite 45)

-Vergleiche der Gehirne verschiedener Tierarten

-Sicherlich kontrovers – die notwendigen Tierversuche.

-Bienen schmecken mit Härchen am ganzen Körper (S.151)

-Abbildung der Mona Lisa aus Bienen-Perspektive

-Vergleich Bienenkomplexauge mit Kameras (S. 89)

-Bienen haben einen größeren Pilzkörper als andere Insekten. Beispiel eines Taxisfahrers, nach der Taxi-Schein-Prüfung ist die Region des Hippocampus (Orientierung) vergrößert (S.185/188)

-Schlaflabor für Bienen (S.217),

-Warum man mit einem Auge Auto fahren kann, und wie Bienen räumlich sehen? (S.116)

-Können Bienen Menschengesichter unterscheiden? (S.240)

-Neue Wege gehen, ein Großprojekt handelt von den Themen „Lernen und Gedächtnis“.

-Bienen sind faszinierende Insekten. Sie orientieren sich durch die Wahrnehmung des Erdmagnetfeldes. Im Bienenstock erfolgt die Verständigung mit Hilfe elektrostatischer Felder

-Die wichtigste Kommunikationstechnik ist der Schwänzeltanz, dass lernen die Kinder heute schon in der Schule (z.B. S.264)

-Entdeckung bzw. Identifizierung des Belohnungsneurons bei der Biene

-Schlaflabor für Bienen (S.217), Gedächtnisbildung im Schlaf, ein ähnlicher Versuch wurde auch bei Menschen gemacht

-Strafdressuren (S.242)

-Aborigines und die kognitive Karte (S.255)

-es gibt Experten für die Navigation von Insekten (S.259)

-Bienensterben Frühjahr 2008 im Oberrheingraben durch Nervengift aus der Landwirtschaft (Neonicotinoide)

-Machenschaften der chemischen Industrie (S. 320) unbedingt lesen!!!

-Pestizid Calypso stört Navigation der Bienen (S.323)

Das Buch ist zudem in die Bereiche Sehen, Riechen, Mechanische Sinne und Lernen eingeteilt. Es werden sehr viel Fragen gestellt, es gibt millionen von Details, Versuche und es gibt vereinzelt Einblick in die Zukunft. Dies alles habe ich weiter unten unter „Ausführlich“ zusammengefasst, das es hier sonst einfach zu viel wurde.

Fazit:

Randolf Menzel, sein Lebenswerk ist die Erforschung der Biene. Bewundernswert, diese Ausdauer, diese Hartnäckigkeit. Das Buch hat einen hohen inhaltlichen Anspruch und ist in viele Kapitel häppchenweise gegliedert. Es wird der Lebenszyklus einer Biene aufgezeigt und erstaunlich viel an detailliertem und erforschtem Wissen. Dies lässt sich auf keinen Fall schnell „runter lesen“, wenn man verstehen will, was dort geschrieben steht. Deswegen empfand ich die persönlichen Erlebnisse von Randolf Menzel, die zwischendurch erwähnt werden, sehr auflockernd und auch interessant.

Ein sehr profundes wissenschaftliches Buch. Für mich war es schon erstaunlich, welche Forschungen betrieben werden und welche Ergebnisse aus einer kleinen Biene entwachsen können. Ein Buch, das ich eigentlich nicht in Worte fassen kann. So viele Kleinigkeiten, so viel Mühe bei den Experimenten und bei der Erforschung, so viel aufzuschreiben, so viel zu denken, soviel „Herzblut“.

Ein Buch, mit einem hohen Anteil an Fachwissen, das Imker, Züchter und Fachpublikum unbedingt lesen sollten. An den „normalen“ Leser werden trotz der Auflockerungen zwischendurch in Form von privaten Erlebnissen, besondere Anforderungen gestellt. Das Buch war für mich sehr interessant, so habe ich die Welt der Bienen noch nie gesehen und ich war auch überrascht, wie und mit welchem Aufwand, mit welcher Geduld und Hartnäckigkeit Forschungen betrieben werden. Dennoch hat der Fachterminus für Längen und wenig Spannung gesorgt. Man muss schon sehr an Bienen interessiert sein, um diesen zu mögen; aber wenn das ist, wird man wohl nichts Vergleichbares finden.

 

Links:

Buch/Verlag: http://www.randomhouse.de/Buch/Die-Intelligenz-der-Bienen/Randolf-Menzel/Knaus/e473541.rhd

Hunsrücker Bienenkorb in Lindenschied/Imkerei: http://www.soonahe.de/producer/hunsruecker-bienenkorb/

 

Ausführlich:

Sehen

-Erforscht Sehvorgänge der Bienen auf neuraler Ebene (S. 79).

-Abbildung der Mona Lisa aus Bienen-Perspektive

-Vergleich Bienenkomplexauge mit Kameras (S. 89)

-Bienen können Polarisationsmuster des Himmels erkennen (Beweis durch das sogenannte „Ofenrohr-Experiment und Sternfolienmodell“, S. 92)

-Zitat Seite 106: Von den insgesamt etwa 20000 Bienenarten untersuchten wir 50 blütenbestäubende von unterschiedlichen Orten der Erde. Überraschenderweise fanden wir dabei heraus, dass nahezu alle untersuchten Bienenarten über dieselbe Ausstattung mit Farbrezeptoren wie unsere heimische Honigbiene. Wir fanden nur eine einzige Ausnahme …“

-Erforschung des bildgebenden Verfahrens am lebenden Organismus

 

Riechen

-Bienen nutzen Gerüche zur Orientierung, sie benutzen dazu Rezeptoren auf ihren Antennen/Fühlern (S.120/125)

-Bienen assoziieren einen Duft mit Belohnung (S. 231)

 

Mechanische Sinne

-Bienen können elektrostatische Felder wahrnehmen

-Versuch: Das Verhalten der Bienen ändert sich durch den Wechsel der Schwingungen der Spule.

-Zitat Seite 163: „Bienen verwenden ihren mechanischen Sinn in den Antennen zur Wahrnehmung elektrostatischer Felder!“

-Es konnten 600000 Schwänzeltänze registriert werden, das entspricht 40 TB (Terabyte)

-Versuche in einem Haus komplett ohne mechanische Gegenstände (keine Stromleitungen, kein Türschloss etc.), (S. 168)

 

Lernen

-Großprojekt Lernen und Gedächtnis

-Digitaler 3D Atlas eines Bienenhirns (S. 177)

-Bienen haben einen größeren Pilzkörper als andere Insekten. Beispiel eines Taxisfahrers, nach der Taxi-Schein-Prüfung ist die Region des Hippocampus (Orientierung) vergrößert (S.185/188)

-PCT Neuronen (Seite 209)

-win-stay und loose-shift

-Schlaflabor für Bienen (S.217), Gedächtnisbildung im Schlaf, Auswirkungen des Schlafes auf den Schwänzeltanz

-Gedächtnisspur (228)

-Bienen können Kategorien unterscheiden und dieses Wissen anwenden/erkennen (kategoriales Lernvermögen)

 

Im Buch werden folgende Fragen beantwortet:

-Welche Farben können Bienen sehen?

-Wie finden Bienen zu ihrem Bienenstock zurück?

-Was sagt die Neuronenzahl über die Intelligenz des Elefantenhirns versus Bienenhirns? (S.56)

-Können Bienen Schmerz empfinden?

-Wie, wo und auf welche Art können Bienen das polarisierte Licht empfangen?  (S.96)

– Wie nehmen Bienen und Menschen eine Blüte aus verschiedener Entfernung wahr? (Abbildung S.96/97)

-Warum ist das menschliche Auge im Gegensatz zu dem Bienenauge nicht optimal? (S.108)

-Warum man mit einem Auge Auto fahren kann, und wie Bienen räumlich sehen? (S.116)

-Können Bienen hören? (S. 156)

-Wie kann man beweisen, dass der Pilzkörper bei Lernprozessen die entscheidende Rolle spielt? (S.188)

-Können Bienen Menschengesichter unterscheiden? (S.240)

-Navigation: Wie kommen Bienen ans Ziel? (S.246)

-Kann denn Tanzen Sprache sein (S. 264)

 

Details

Seite 42: Das Bienenhirn

Kapitel 2: Einblicke ins Bienenhirn (sehr wissenschaftlich geschrieben)

Seite 83: Das Komplexauge der Biene

Seite 85: Literaturhinweis „Photoreceptor optics“ von 1975

Seite 91: Wahrnehmung der Polarisation des Lichtes

Seite 113: Gegenfarben-Neuronen im Bienenhirn, auch Abbildung Versuch 96/97

Seite 117: Tiefsehen/Okklusion

Seite 125: Bienen riechen mit Rezeptoren auf ihren Antennen

Seite 134: Leibniz Preis, Erforschung des Antennallobus

Seite 159: RFID = Radiofrequenz-Identifizierung-Chips

Seite 164: Kommunikation der Bienen im Stock über elektrostatische Felder (Stromleitung, Terabyte)

Seite 185: Bienen haben einen größeren Pilzkörper als andere Insekten

Seite 209: PCT Neuronen

Seite 294: Die Königin

Seite 298: Schwarmintelligenz

 

Versuche:

Zitat Seite 37: Indem wir die Bienen dressieren und ihnen dann Fragen stellen, können wir auf unsere Weise mit ihnen reden. 

-Versuche müssen so gestaltet werden, dass Fehlinterpretationen ausgeschlossen sind (Karl Frisch)

-Bienen werden Art der Pawloschen Art konditioniert

 

Zukunftsmusik:

-Roboterbiene als Dolmetscher

– Zukunftsmusik. Bienen können Pestizide feststellen, sie teilen dies im Bienenstock mit, und so könnte man sie als Späher einsetzen, um auf Spuren zu kommen, wer wo Pestizide einsetzt.

 

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Ein Kommentar zu “Randolf Menzel + Matthias Eckoldt – Die Intelligenz der Bienen

  1. Pingback: Socha, Piotr – Bienen | kibureich

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