Zita, Katrin – Die Kunst, allein zu reisen

Zita, Katrin Die Kunst, allein zu reisen 978-3-442-17572-7 Goldmann

Zita, Katrin
Die Kunst, allein zu reisen
978-3-442-17572-7
Goldmann

Inhalt:

Einfach mal spontan die Koffer packen und mit niemandem Reiseziel und Programm abstimmen – wünschen wir uns das nicht alle hin und wieder? Reisejournalistin Katrin Zita macht gerne allein Urlaub und bricht mit dem Klischee, dass Soloreisende einsam sind. Sie zeigt, wie man die unterschiedlichsten Orte dieser Welt mit Leichtigkeit und Lebensfreude kennenlernt und dass man danach Souvenirs wie Selbstvertrauen und Selbstsicherheit im Gepäck hat. (Quelle Random House)

 Meine Meinung:

In den letzten Wochen habe ich zwei Reisebücher von allein reisenden Frauen gelesen (Mut für zwei hier Rezi und Uebel unterwegs hier Rezi ). Deswegen fiel mir dieses Buch hier gleich mit dem Titel ins Auge.

Die Autorin ist in den letzten sieben Jahren alleine gereist und möchte diese Erfahrung  mit dem Leser teilen. Gleich in der Einleitung spricht sie das berühmte „allein am Tisch sitzen im Restaurant“ an, und auch die Sicherheit für uns Frauen.

Sie beschreibt zunächst ihre Ausgangssituation: Vom Reiseziel zum Lebensziel.  Sie fühlt sich seit einiger Zeit in einem Hamsterrad gefangen. Beruflich steht sie „weit oben“, finanziell geht es ihr sehr gut, aber sie selber merkte unbewusst, dass sie perfektionistisch, verkrampft und unzufrieden war. Obwohl alles gut lief. Dies wurde ihr aber erst bewusst, als sie das erste Mal nach langer Zeit wieder so richtig gelacht hatte, von tiefen Herzen gelacht.

Zitat Seite 15: „Ich ärgerte mich damals über alles, was nicht so lief wie erwartet. Ebenso ärgerte ich mich oftmals über Menschen und deren Handlungen, die nicht meinem Weltbild entsprachen. Ich nahm das Leben viel zu ernst und zu vieles persönlich.

Zitat Seite 15: „Natürlich habe ich gelacht, nach außen hin. Was mir jedoch abhanden gekommen war, war dieses leidenschaftliche Lachen, mit voller Hingabe an den Moment, bei dem nichts anderes zählt, als dieses Gefühl, mit jeder Faser des Körpers zu fühlen. Dieses >echte< Lächeln und Lachen … Dies kann nicht willentlich gesteuert werden.

Sie musste etwas ändern. Coaching bedeutet für die Autorin, die eigenen Kräfte zu entdecken und selber auf die Lösung zu kommen. Sie regt an, die eigenen Lebensziele zu erspüren. Was will ich? Welche Bedürfnisse habe ich?

Ich habe schon öfters mal von den eigenen Erfahrungen berichtet, dass, wenn ich mich mit einem speziellen Thema befasste, ich plötzlich überall darauf und auf weiterführende Themen stieß. Es ist schon manchmal sehr seltsam. Und jetzt passte so ein Vorfall genau zu einem Kapitel in diesem Buch wieder: Vor 2-3 Wochen erklärte ich meiner Schwester jammernd am Telefon, ich wünschte, ich könnte morgens mal so lange im Bett liegen bleiben, wie ich wollte. Ohne äußeren Druck aufzustehen. Ohne Termine. Einfach entsprechend MEINEM Biorhythmus leben und schlafen. Ich überlegte, dass ich ganz gerne nachts am PC arbeite, wenn alles um mich herum ruhig ist, dann kann ich mich am besten konzentrieren. Und jetzt lese ich in diesem Buch, dass die Autorin denselben Ansatz hatte! Sie ist aber einen Schritt weiter gegangen, sie hat es ausprobiert, sie hat sich vom Zwang des frühen aufzustehen Müssens befreit, hat den Wecker weggestellt und siehe da, sie hat ihren eigenen Rhythmus gefunden! So war ich jedenfalls schon mal positiv auf dieses Buch eingestimmt.

Das Buch ist in viele kleine und große Kapitel aufgeteilt. Auf der letzten Seite gibt es ein Register zu allem möglichen Stichworten, zum Beispiel Verhaltensmuster, lösungsorientiert, Dankbarkeit, Bahnfahrten usw. Nach jedem größeren Kapitel gibt es ein kurze Zusammenfassung „Ihr kurzer Weg zu sich selbst“. Hier werden alle Tipps aus dem Kapitel nochmals zusammengefasst genannt. Hier ein Beispiel dafür:

Seite 38: Ihr kurzer Weg zu sich selbst

-Lachen Sie sie oft und so viel wie möglich!

-Seien Sie offen für Antworten, die Ihnen das Leben schickt und schenkt!

-Nutzen Sie jeden Reisetag dafür, über ihre Lebensziele zu fantasieren. Voller Freude und ohne Grenzen!

Zudem gibt es in einige kleine Kapitel themenbezogene Übungen integriert, zum Beispiel auf Seite 35, Zitat: „Stellen Sie sich vor, es ist ein Jahr vergangen, und sie haben in diesem gelebten zwölf Monaten viele Wünsche erreicht. Wo sehen Sie sich? Wie sieht ihr direktes Umfeld aus? Wie sehen sie selber aus? Was tun sie beruflich? …“ 

Generell neige ich dazu, Übungs-Fragen aus Büchern im Kopf zu beantworten, anstatt mich hinzusetzen und alles aufzuschreiben.  Viele Fragen habe ich schon so und so ähnlich gelesen und fand diese Tipps vielleicht deswegen nicht „überwältigend“. Sie kamen mir vor, wie aus diesen schön gestalteten Sprüche-Kalendern, die man gerne an Freunde verschenkt. Sinnvoll, wenn man sich die Zeit nimmt und darüber nachdenkt. Mir fehlte dennoch der letzte „Pfiff“, die Fragen kamen mir wie Floskeln vor. Das Problem ist, es gibt ja kaum einen Ratgeber, in dem man diese Fragestellungen nicht zu lesen bekommt.

Die Autorin lebte drei Jahre selbstbestimmt allein. Diese Zeit war sehr bereichernd, wenn auch ihre Freunde lange brauchten, diese Einstellung und selbst gewählte Freiheit zu akzeptieren. Sie erklärt, dass das Leben in Gruppen viel bequemer ist, weil man sich nur anzupassen und nicht selbst aktiv zu werden braucht. Sie zitiert aus einem Bericht vom Spiegel-online, dass das Singleleben wie eine Befreiung ist und das manche Menschen einfach ohne Partner besser klar kommen. Eine interessante Übung ist eine Plus-Minus-Liste, nur dass der Leser hier mit der negativen Seite anfangen soll, sozusagen ein Umkehreffekt: Was ist gerade nicht möglich? Was fehlt? Vielleicht besteht die Lösung darin, gemeinsam zu leben aber getrennt zu verreisen? Interessant dazu ein Vers von Rainer Maria Rilke „ …weil ich niemals dich anhielt, halt ich dich fest!“ Wohl wahr, denke ich. Loslassen in der Partnerschaft ist ein großes Thema.

Schließlich entschließt Sie sich ziemlich spontan, in Berlin einen Neuanfang zu starten. In Wien, da lief alles wie am Schnürchen, und deswegen wollte sie es jetzt nochmal wissen, wie es ist, als ungeschriebenes Blatt an einen neuen Ort zu kommen. Denn wann braucht man Mut? Wenn man etwas Neues wagen will. Eine bewusste Entscheidung war von ihr, den Heiligabend/Weihnachten allein in New York zu verbringen, die Läden die geschlossen waren, das Gefühl, allein zu sein während alle anderen bei ihren Familien oder Liebsten sind. Sozusagen eine Übung fürs alleine reisen. Alleine reisen setzt einen Reifeprozess in Bewegung, denn ich muss selber handeln, wenn der Kellner unhöflich ist, wenn das Zimmer nicht m einen Wünschen entspricht etc.

Sie geht zudem auf die Sieben-Jahres-Theorie ein, die einige vielleicht kennen werden? Die Jahres-Abschnitte werden kurz erklärt:  15-21; 22-28 ;29-36; 36-42; 43-49; …

Im Kapitel „Selbstsicherheit – Die unterschiedlichen Reiseformen“ stellt sie die verschiedensten Reisearten mit ihren Vor- und Nachteilen vor: Mit dem Auto, mit der Bahn und mit dem Flugzeug. Ich finde, da gibt es nicht viel Neues. Sie selber ist am liebsten mit einem schwarzen Flitzer ohne Dach unterwegs, um laut die Hits ihrer Jugend mitzusingen. Orientierung ist kein Problem, wozu gibt es Navi? Verspätungen soll man gelassen nehmen, so kann man am Flughafen die Zeit nutzen, um in internationalen Zeitschriften am Kiosk stöbern. Diese Idee ist ja nicht schlecht, aber macht man das nicht ohnehin? Ich meine, ich nutze oft jede Wartezeit egal wo, um zu lesen oder um mich zu besinnen. Der Hinweis, Rituale zu pflegen ist sicherlich richtig und einfach, aber er ist auch nicht neu. Die Autorin gibt als Beispiel an, dass wenn sie nach Asien fliegt, sie sich nach der Ankunft dort innerhalb kürzester Zeit massieren lässt oder in New York als erstes in ein Deli geht. Sicherlich gibt sie den häufigen Reisen dadurch Struktur, und ja, man kann es auch als Idee mitnehmen, sich für kommende Reisen ebenfalls solche Rituale zu überlegen. Jedenfalls wenn man Vielflieger ist.

Das letzte große Kapitel wird nochmal richtig bunt: Von der Sicherheit auf Reisen bis hinzu NLP wird alles ein wenig gestreift. Das Thema „Anker setzen“ aus der NLP wird in fünf Sätzen extrem vereinfacht erklärt. Dazu noch auf zwei weiteren Seiten die Anker-Arten: visuell, akustisch, kinästhetisch, olfaktorisch und gustatorisch. Dann geht es weiter, wie sie von jetzt auf gleich mit dem Rauchen aufgehört hat (In Paris gab es einen Auslöser) und dann auch nie wieder verlangen nach einer Zigarette hatte!?!? Das ist doch fast schon zu einfach. Nachdem sie Nichtraucherin war, wurde sie in Indien von jetzt auf gleich Vegetarierin und einiger Zeit danach verzichtet sie auch völlig auf raffinierten Zucker.  Alles sehr löblich, aber alles viel zu glatt und zu schnell dargestellt. Mal eben so …

Und ein ganzes kleines Kapitel ist dann auch wirklich diesem berühmten Problem „allein an einem Tisch zu sitzen“ gewidmet. Ich fand es nicht allzu hilfreich.

Fazit:

Das Buch lässt sich locker und leicht durch viele kleine Kapitel lesen. Die Autorin hat viel ausprobiert, Single-Leben, Reisen allein, ein zweites Standbein in Berlin eröffnet, allein nach New York an Weihnachten. Erleichternd ist sicherlich, dass sie keine finanziellen Probleme hat, sie kann sich aus finanzieller Sicht wirklich etwas Gutes tun. Insgesamt denke ich, dass die Autorin eine selbstbewusste Frau ist, ihre Reisen haben diese Grundeinstellung noch verstärkt.

Ich hatte mehr Reiseberichte erwartet, dieses Buch ist aber eher ein psychologischer Ratgeber. Die kleinen Zusammenfassungen nach jedem Kapitel „Ihr kurzer Weg zu sich selbst“, erschienen mir überwiegend als Floskeln. Es kommt mir vor, als würde alles mal ein bisschen gestreift werden, wie NLP oder die Synapsen im Gehirn.

Das Buch ist für meinen Geschmack sehr oberflächlich gehalten, dennoch hat es mich für die Unstimmigkeiten in meinem Leben sensibilisiert. Diese subtile Unruhe, die man verspürt, wenn nicht alles so läuft, wie es laufen soll. Nur hilft das Wissen alleine dann nicht weiter, man muss selber über seinen Schatten springen und die Dinge auf den Weg bringen. Und das genau ist die Schwierigkeit.

Das Buch ist bestenfalls für einen kurzen Überblick geeignet. Es wurden zu viele Themen stark vereinfacht und nur kurz gestreift: NLP und Anker setzen; Sprichwörter + Redewendungen im Bezug auf Krankheiten; das Gehirn und die Synapsen; Loslassen + das Leben aufräumen (erinnerte mich an „simplify your life“);  Und das alles auf sehr vereinfachte Art, wie ein Kaleidoskop aus dem Literaturverzeichnis auf den letzten Seiten dieses Buches. Eigene Erfahrungen kommen zu kurz, und wenn waren sie mir stellenweise zu prätentiös, wie zum Beispiel die Hotels (Junior-Suite etc.).

Alles in allem: ich kann das Buch leider nicht wirklich empfehlen. Alle Themen wurden mehr oder weniger stark vereinfacht erklärt. Die Reisen der Autorin erschienen mir von der Beschreibung her beiläufig, vielleicht auch, weil ich gerade hier gerne mehr darüber gelesen hätte. Dennoch hat das Buch eine gute Grundstimmung zu dem Thema allein verreisen, und macht Lust darauf, genau dies auszuprobieren.

Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf der psychologischen und ratgebenden Seite. Das was mir negativ erscheint, dieses kurze streifen wichtiger psychologischer Themen, kann aber genauso gut positiv sein: je nach Leseerfahrung findet der ein oder andere Leser Themen, die er noch nicht kennt und auf die er so kurz hingewiesen wird. Dann ist aber auf alle Fälle Anschlussliteratur von Nöten.

 

Links:

Link zur Hompage von der Autorin: http://www.katrinzita.com/

Link zum Buch/Verlag: http://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Die-Kunst,-allein-zu-reisen/Katrin-Zita/e483792.rhd

 

 

 

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2 Kommentare zu “Zita, Katrin – Die Kunst, allein zu reisen

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