Katharine Henne & Lore Otto – Hamburgs wilde Küche

Katharine Henne & Lore Otto Hamburgs wilde Küche 978-3-945465-01-1 KJM Buchverlag (im Hintergrund: Waldmeister-Kraut)

Katharine Henne & Lore Otto
Hamburgs wilde Küche
978-3-945465-01-1
KJM Buchverlag
(im Hintergrund: Waldmeister-Kraut)

Inhalt:

HAMBURGS WILDE KÜCHE. Was wächst denn da & kann man das essen? Pflanzen, Rezepte, Interviews. Gebunden, mit Schutzumschlag, vierfarbig mit vielen Abbildungen.

Meine Meinung:

Durch Zufall bin ich in einer Zeitschrift auf dieses Buch aufmerksam geworden und hielt es bald in meinen Händen. Die Wilde Küche, kochen mit Wildkräutern, ist mittlerweile sehr modern geworden, und selbst ich habe schon eine Kräuterwanderung mit Kochkurs mitgemacht. Selbiges bieten auch die beiden Autorinnen in Hamburg an, die Biologie studiert haben und als Umweltpädagoginnen arbeiten. Zunächst beäugte ich den Titel misstrauisch, denn ich könnte mir nicht vorstellen, irgendein Kraut vom Wegesrand in der Stadt zu essen, weil entweder die Hunde darauf gepinkelt haben oder die Belastungen durch die Autoabgase zu hoch sind. Deswegen wunderte ich mich: Hamburgs wilde Küche?? Gerade die Tage in einer lauen Sommernacht mit Freunden draußen gesessen, kamen wir auch zu diesem Thema. Meine Freundin, neuerdings begeisterte Smoothie-Anhängerin und weit gereist, meinte, als ich ihr das Buch zeigte, Hamburg wäre sehr „grün“, sprich, es gibt viele Parks und Grünflächen, sie könnte sich das gut vorstellen. Als ich ihr verwundert den Baum-Blätter-Salat (Seite 39) zeigte, meinte sie, es gäbe auch Smoothies in welche Baum-Blätter rein gemixt würden. Wir hatten eine sehr anregende Unterhaltung, und ihr fiel auch sofort der Name des Interview-Partners Ali Güngörmüs auf, sie kannte ihn aus dem Fernsehen, mir war dieser gänzlich unbekannt.

Die Covergestaltung des Buches und vor allem die Haptik hat mir sehr gut gefallen. Der Umschlag ist aus leicht angerauten starken beigefarbenen Papier mit verschiedenen Motiven und einem dunkelroten (Schweden-rot?) Rahmen. Sobald man den Umschlagsdeckel aufschlägt, kontrastiert dieses dunkelrot mit der dunkelgrünen ersten Innenseite. Überhaupt, das Buch erschien mir eher klein, und obwohl es 14x21cm, also doch normal Taschenbuch-groß ist, liegt absolut gut in den Händen.

Der Inhalt ist in vier Teile gegliedert:

  1. Sammelräume (wo findet man was)
  2. Schlemmermeile (die Rezepte)
  3. Interviews
  4. Tipps + Wichtiges

 

Das Kapitel Sammelräume ist untergliedert, hier findet man nun die passenden Pflanzen zum Standort. Dies ist natürlich eine ungefähre Eingrenzung, manche Pflanzen finden sich auch anderen Orten, z.B. Bärlauch an feuchten Plätzen, Löwenzahn auf jeglichen Wiesen …

Im eigenen Garten: Giersch, Melisse, Minze, Löwenzahn, Pimpernella, Vogelmiere, Gänseblümchen, Bärlauch, Cardamine

Wilde Ecken im Park: Brennnessel, Hopfen, Knoblauchs-Rauke, Waldmeister, Brombeere

Stadtgrün und Nachbars Garten: Linde, Rose, Essigbaum, Kornelkirsche, Wildpflaumen, Holunder, Vogelbeere, Walnuss

Natur am Rande der Stadt: Beinwell, Schlehe, Sauerampfer

 

Diese Pflanzen wachsen ohne unser Zutun und siedeln sich in der Natur an. Somit gibt es wilde Ecken auch in der Umgebung von Mietshäusern und Parks. Die Autorinnen geben auch ein paar Beispiele dazu:

Wilde Ecken im Park: Zum Beispiel in Hamburg den Inselpark Wilhelmsburg, den Stadtpark, den Volkspark in Altona …

Stadtgrün: Bäume und Sträucher auf öffentlichen Flächen

Natur am Rande der Stadt: Elbe, Alster, Wiesenlandschaften am Rande der Stadt

 

Über einige diese Wildpflanzen war ich sehr erstaunt. Mir war nicht bekannt, dass man frische Buchenblätter essen oder sogar einen Salat daraus zubereiten kann.

Mit diesem Buch soll die Wahrnehmung geschult werden, wo überall wilde und essbare Kräuter zu finden sind. Vor allem, wo kann ich in der Stadt danach suchen? Es ist kein klassisches Bestimmungsbuch, diese findet man aber auch in den Literaturhinweisen am Ende des Buches.

Im Buch selber sind nur einige wenige Kräuter aufgezählt (siehe Sammelräume oben im Text), immer mit einer Kurz-Info und wo sie zu finden sind. Dazu dann ein passendes Rezept und weitere Tipps. So wird auch nicht verschwiegen, dass Wildpflanzen oft Bitterstoffe haben, an die wir uns erst wieder gewöhnen müssen. An der Vogelbeere zum Beispiel „scheidet sich dann auch der Geist“ der Autorinnen. Die eine mag es, der anderen ist es zu bitter.

Was mir auch sehr gut gefallen hat, dass Besonderheiten der Pflanze bezüglich der Nahrungskette für Tiere erklärt wurde. So ist zum Beispiel die Knoblauchsrauke (eine leckere Salatzutat) Nahrung für die Raupe des Apollo-Falters (Schmetterling). Mit diesen Erklärungen soll zu einem sorgsamen Umgang mit den Pflanzen angeregt werden, nicht alles „kahl ernten“, damit die Lebensgrundlage der Tiere erhalten bleibt.

Am Schluss des Buches gibt es Interviews, die unbedingt gelesen werden sollten. Hier geben bekannte Köche, Biologen etc. ihre persönlichen Tipps zum Besten.

Ali Güngörmüs (Koch) hält Giersch zu wenig spannend und ist mit Liebstöckel und wildem Fenchel eher vorsichtig. Hans Helmut Poppendieck (Biologe und Botaniker) erzählt ebenfalls von der Vogelbeere und wie man damals aus den Samen der Wegraute Öl gepresst hat.  Milenko Gavrilovic (Koch) erklärt unter anderem dass es einen Unterschied zwischen wildem Rucola und dem Rucola den wir kaufen, gibt. Daniela Wolff (Heilpraktikerin) berichtet, wo sie Pflanzen sammelt. Flächen rund um Bäume vermeidet sie, da hier evtl. Hunde pinkeln.

Am Schluss des Buches gibt es eine einseitige Übersicht über Giftpflanzen, Essbare Blüten, Pflanzenregister und Literaturhinweise.

Meine Favoriten-Rezepte aus dem Buch sind: Giersch Limonade, Bärenbutter, Cardamine Käsecreme, Kartoffel-Gratin mit Wildgemüse, Baumblättersalat (nur im Frühjahr), Essig-Baum Schorle (!), Walnuss-Sellerie-Bratlinge, Beinwell-Bratlinge, Wildkräuterbrot, Wildkräuterfladen vom Blech. Gewundert habe ich mich über den Brennnessel-Limettenkuchen und über „Kornelsauce auf Basilikum-Creme“. Letztes, obwohl es sich merkwürdig anhört, wäre erstaunlich schmackhaft.

Mir fiel noch spontan als Rezept Bärlauchbrötchen ein, die ohne künstliche Farbstoffe nur mit dem frischen Bärlauch so herrlich gift-grün werden. Und eine weiteres Rezept, dass sich lecker anhört, aber von mir noch nicht ausprobiert wurde: Eifel-Oliven.

Des weiteren musste ich an das Internetportal „Mundräuber“ denken, hier werden genaue Fundorte von Obst etc. in eine Karte eingetragen. Dieses Portal wird auch auf den letzten Seiten des Buches genannt. Es ist eine schöne Ergänzung, und vielleicht findet man beim Wildkräutersammeln zum Beispiel einen Holunderbaum, von dem auch vieles für die Küche verwendet werden kann.

Fazit:

Ein informatives Kräuter-Buch für Einsteiger, da nicht so viele Kräuter vorgestellt werden. Dennoch ist es für den Anfang absolut völlig ausreichend. Bei einigen Rezepten mit diesen Kräutern muss man sich auf einen Bitter-Geschmack bei den Wildpflanzen einstellen.

Die Standtorte der Kräuter werden in großflächigen Gebieten zusammengefasst, z.B. öffentlichen Parks, an der Elbe, auf öffentlichen Flächen. Es gibt keine genauen Ortsangaben. Dennoch wir jeder ein Eckchen finden, an dem er bisher vielleicht gedankenlos vorbei gegangen ist.

Zusammen mit den Fotos, den Kräutern, den Rezepten und den informativen Texten ein sehr schöner Kräuterführer, nicht nur für Hamburg.

Dieses Buch kommt in mein Bücherregal.

 

Links:

Zum Buch/Verlagsseite: http://www.hamburgparadies.de/produkt-details/hamburgs-wilde-kueche.html

Die Autorinnen: http://www.hamburgparadies.de/hamburgs-wilde-kueche-die-autorinnen/articles/die-autorinnen.html

Veranstaltungen der Autorinnen: http://www.hamburgparadies.de/hamburgs-wilde-kueche-veranstaltungen.html

Mundraub, Standorte zum Obsternten: http://mundraub.org/

 

Das Rezept für Bärlauchbrötchen:

Hier das Rezept und zwei Fotos von meinem Bärlauchbrötchen, die ich mit meinem damals vier-jährigen Sohn gebacken habe.

Bärlauchbrötchen

Bärlauchbrötchen

Bärlauchbrötchen

Bärlauchbrötchen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Rezept habe ich während eines Bärlauch-Kochkurses mit Pia Staudt und der VHS Kirn erhalten. Die Menge für die Buttermilch habe ich aus Versehen gelocht, aber ich kann hier sagen, es sind ¼ l Buttermilch. Die grüne Farbe kommt wirklich alleine durch den Bärlauch.

Bärlauchbrötchen Rezept

Bärlauchbrötchen Rezept

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s