Hilton, L.S. – Maestra

Hilton, L.S. Maestra 978-3-492-06051-6 Piper

Hilton, L.S.
Maestra
978-3-492-06051-6
Piper

Inhalt:

Judith Rashleigh arbeitet für ein renommiertes Londoner Auktionshaus. Deshalb hält sie es zunächst für ein Versehen, dass ein von ihr als Fälschung entlarvtes Meisterwerk zur Versteigerung angeboten wird. Als sie den Galeristen auf den Fehler hinweist, feuert er sie kurzerhand und raubt ihr jegliche Hoffnung auf eine Zukunft in der Kunstwelt. Doch es gelingt ihr, sich trotzdem weiterhin in den elitären Kreisen zu bewegen und die Hintergründe des millionenschweren Kunstbetrugs aufzudecken, ohne dabei ihre wahre Identität preiszugeben. Ein riskantes Spiel, an dem die junge Britin aber schnell Gefallen findet – und zwar so sehr, dass sie den Spieß schließlich umdreht und sich das nimmt, was ihr zusteht. Um jeden Preis.

Meine Meinung:

Das rote Cover mit dem Schlitz ist sehr auffällig und zusammen mit dem Inhalt erwartete ich eine spannende Lektüre wie angepriesen a la „Millennium“. Dies traf leider überhaupt nicht zu.

Am Anfang ist das Setting ein Auktionshaus in London. Dies ist auch sehr interessant beschrieben. Hauptprotagonistin Judith, obwohl studierte Kunsthistorikerin, wird dort ausgenutzt und gedemütigt. Sie ist nichts weiter als ein besserer Laufbursche. Da fragt man sich schon, warum sie sich das gefallen lässt. Die Antwort ist aber plausibel: Sie hofft, dass es besser wird und wenn sie sich anstrengt, ehrlich und fleißig ist, dass sie es dann in eine höhere Position schafft. Und das strebt Judith an, sie will einen Zugang zur gehobenen und reichen Gesellschaft finden, zur High Society, sie will dort dazu gehören.

Durch einen glücklichen Zufall läuft ihr eine alte Schulfreundin (?) über den Weg, die sie schon lange nicht mehr gesehen hat. Diese bietet ihr an, mit ihr zusammen in einer Bar zu kellnern. Es ist aber eher ein hostessähnlicher Unterhaltungsjob in der Vergnügungsbranche, der ihr aber viel Geld bringt.

Nachdem Judith auf der Arbeit Nachforschungen zu einem Gemälde anstellt, um ihr Aktionshaus vor einem Fehlkauf zu bewahren, wird sie gefeuert. So kommt es, dass sie mit einem älteren Mann und ihrer Freundin in Nizza landet, Urlaub und Spaß ist angesagt. Ab dann kommt alles ganz anders als geplant.

Ich muss sagen, ab diesem Zeitpunkt nahm die Geschichte für mich eine dekadente Wendung, die mir nicht gefiel und ich hätte große Lust gehabt, das Buch abzubrechen. Die Handlung ging nicht mehr wirklich voran, es reihten seitenweise sich Partynächte mit Reichen, dekadente und ordinäre Sex-Szenen und Shopping Touren aneinander.

Die Entwicklung von der eher schüchternen Kunsthistorikerin zu einer Nymphomanin und mordenden „Femme Fatale“ war mir nicht nachvollziehbar. Es geschehen viele unnötige Morde, die sie eiskalt und abgebrüht begeht. Eine Leiche wird brutal in der Wohnung zerstückelt, gut eingepackt und dann noch schnell der Kopf mit einen Fußtritt getestet, um zu sehen, ob die Tüten „dicht“ halten und kein Blut oder sonstige Flüssigkeiten herauslaufen. Sicherlich gibt es härtere gerichtsmedizinische Beschreibungen in Romanen, allerdings stehen diese in einem anderen Kontext und das hier in dieser Szene ging gar nicht.

Ordinäre Szenen gibt es auch genug, z.B. als Judith mit James in Nizza ist:

Zitat Seite 96: „Aus dem Badezimmer hörte ich einen explosiven Schiss platschen, gefolgt von einem Sperrfeuer aus blubbernden Fürzen.  …. Dampfenden Gestank … Hab ein bisschen die flotte Lotte …“

Um ihn dann mit einem Blowjob zu befriedigen. Niveaulos und eklig. An einigen Stellen musste ich an Charlotte Roche’s „Feuchtgebiete“ denken, obwohl die beiden Romane eigentlich nicht wirklich zu vergleichen sind.

Die Geschichte hätte spannend werden können, wenn die Hauptprotagonistin sympathischer und evtl. auch tollpatschiger gewesen wäre. Dann hätte man über die Umstände beim ersten Mord in Nizza vielleicht lächeln können und die weitere Bewegungskette wäre verständlicher gewesen. Der letzte Mord hat mich am meisten „geärgert“, weil ich eine kleine Sympathie für  Renaud empfunden habe. Aber so? Das ging alles so rein gar nicht.

Fazit:

Sprachlich gesehen ist der Roman leicht lesbar. Der Inhalt der Geschichte ist leider absolut nichtssagend. Die Hauptprotagonistin Judith eine oberflächliche Person. Die erste Hälfte, als sie für ein Auktionshaus arbeitete, war noch ganz spannend lesbar, vor allem, als die „Fälschung“ ins Spiel kam. Danach ging es aber steil bergab. Judith zieht wie eine Nymphomanin und nach Reichtum gierend und mordend durch Europa. In der Inhaltsangabe wird das „moralisch vielseitig“ genannt. Einzig halbwegs interessant an dieser Geschichte war das Setting in der Kunst-Szene, das aber eher als Hintergrund diente. Vielleicht muss man das Buch mit einem gewissen Abstand und und sonderbarem Humor lesen, um die Antiheldin genießen zu können. Mir gelang dies nicht.

Alles in Allen:  Ich habe mich geärgert, dieses Buch zu Ende gelesen zu haben.  Für mich leider eine Zeitverschwendung.

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Ein Kommentar zu “Hilton, L.S. – Maestra

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