Green, John – eine wie Alaska

Greene, John Eine wie Alaska 978-3-446-20853-7 Hanser / dtv

Greene, John
Eine wie Alaska
978-3-446-20853-7
Hanser / dtv

Inhalt:

Miles hat die Schule gewechselt. Auf dem Internat verknallt er sich in die schöne Alaska. Sie ist das Zentrum ihres Sonnensystems, der magische Anziehungspunkt des Internats. Wer um sie kreist, ist glücklich und verletzlich gleichermaßen, euphorisch und immer nah am Schulverweis. Alaska mag Lyrik, nächtliche Diskussionen über philosophische Absurditäten, heimliche Glimmstängel im Wald und die echte wahre Liebe. Miles ist fasziniert und überfordert zugleich. Dass hinter dieser verrückten, aufgekratzten Schale etwas Weiches und Verletzliches steckt, ist offensichtlich. Wer ist Alaska wirklich?

Mit Anmut und Humor, voller Selbstironie und sehr charmant erzählt Green die zu Tränen rührende Geschichte von Miles, in dessen Leben die Liebe wie eine Bombe einschlägt.

Meine Meinung:

Auf einem Literatur-Seminar in der Phantastischen Bibliothek in Wetzlar bin ich auf diesen Autor aufmerksam geworden. Ich gebe es zu, ich hatte bisher kein einziges Buch von ihm gelesen, aber wer sich für Jugendbücher interessiert, kommt an ihm und an Kevin Brooks nicht vorbei. „Eine wie Alaska“ war sein Debut und wurde für den Deutschen Jugendliteratur-Preis nominiert. Ich war sehr auf dieses viel gelobte Buch gespannt.

Die Geschichte wird in der Ich-Form erzählt und beginnt mit einer Verabschiedungsparty des 16jährigen Hauptprotagonisten Miles. Es kommt keiner, weil er keine Freunde hat. Das macht ihn nicht wirklich traurig, denn das hatte er erwartet.

Zitat S.19: „…Ich war nicht enttäuscht. Meine Erwartungen hatten sich erfüllt“. …

Die einzelnen Kapitel beginnen mit „136 Tage vorher“,  also rückzählend, und ich als Leser habe mir Gedanken gemacht, was am Tag „Null“ wohl geschehen würde. Bis zur Hälfte des Buches hatte ich dann auch verschiedene Ideen dazu. Jedenfalls nach der missglückten Abschiedsparty verabschiedet sich Miles in ein Internat in Alabama.

Auch hier wieder eine Verabschiedungsszene, Miles neues Leben beginnt, als die Eltern fort sind.

Zitat Seite 11: „… Solche Dinge darf man nicht ewig raus zögern. Irgendwann muss das Pflaster ab, mit einem Ruck, auch wenn’s wehtut, aber dann ist es vorbei, und du fühlst dich besser.“ …

Dann beginnt ein Roadmovie-artiges Leben für Miles, er, der schlaksige, naive und gutmütige Teenager lernt seinen Zimmergenossen Chip Martin und dessen Freunde kennen. Alle haben Spitznamen und Miles erhält den ironischen Namen „Pummel“. Am Rande werden auch die Standesunterschiede erwähnt, Chip Martin, genannt Colonel, hat ein Stipendium, während Miles den Aufenthalt von seinen Eltern finanziert wird.

Gleich am ersten Tag verliebt er sich in Alaska, etwas was vorher unmöglich war, weil er sich nicht für Mädchen interessiert hat. Und gleich in der ersten Nacht muss er ein „Begrüßungs-Ritual“ über sich ergehen lassen, dass allerdings ausgeartet ist und ihn fast das Leben gekostet hat. Wie sich herausstellt, eine Racheaktion an Chip, die Miles ausbaden muss. Chip wird „nur“ in die Schuhe gepisst. Jungenstreiche?

Miles übt sich in den kommenden 136 Tagen in der Anpassung an die Schule und an seinen Freunden. Für die Schule lernt er fleißig, erlebt aber auch die verbotenen Dinge: Rauchen, Trinken …

Er lebt unbesorgt, und die Zigarettenasche wird z.B. einfach in eine offene Schublade des Nachttisches geschnippt. So stellt man sich vielleicht ein Studentenzimmer vor.

Überhaupt ist sein ganzes Denken erfüllt von dem Gedanken an Alaska, Miles ist das erste Mal so richtig verliebt.

Zitat Seite 46: „…Sie ist süß, dachte ich, aber du brauchst kein Mädchen, dass dich behandelt, als wärst du zehn. Du hast schon eine Mutter.“

Alaska ist ein Mädchen, das für mich nicht so ganz greifbar ist, allerdings eine Feministin aber mit „Altlasten“, die wohl ihr Elternhaus betreffen oder, wie auf der Cover-Rückseite stand, ein bestimmtes Ereignis in ihrer Vergangenheit.

 Zitat Seite 58: „… Ihr raucht zum Spaß, ich rauche, um zu sterben.“

Immer auf der Suche um Alaska anzuhimmeln, ergeben sich für Miles manchmal gut und manchmal schlechte Gespräche, die von der Launenhaftigkeit Alaskas abhängen.

Der Colonel und Alaska sind schon spezielle Typen, und der vierte im Bunde, Tenaki, bleibt irgendwie unscheinbar. Ich hatte das Gefühl, dass alle drei den noch kindlichen Miles ausnutzen wollten. Etwas, dass sich auch nach einem Streich und einer Strafe, die Alaska und der Colonel auf sich nahmen, abzeichnete.

Zwischendurch gibt es karge Andeutungen über Alaskas Seelenfrieden, als sie mit Miles draußen bei Mondschein im Gras liegt:

Zitat S. 104: … „Ich habe Angst vor den Geistern, Pummel. Und mein zu Hause ist voll davon“. …

Der Leser kommt dem Höhepunkt des Romans näher, der Annährung von Pummel und Alaska und dem Geheimnis von Alaska: „Der letzte Tag“ und „Der Tag danach“.

Alaska fährt betrunken mitten in der Nacht mit einem Auto weg und stirbt bei einem Autounfall.

Alle sind fassungslos, und irgendwie fühlen sich alle schuldig.

2 Tage danach:

Zitat S. 179: „…Das ist die Angst. Ich habe was Wichtiges verloren, und finde es nicht mehr, dabei brauche ich es. Die lähmende Angst eines Kurzsichtigen, der seine Brille verliert und dann erfährt, dass es ab heute keine Brillen mehr gibt auf der Welt“.   …“

Zitat S. 189: „…verheddert in einer Dreieckbeziehung, in der eine Person tot war.“ …

Die Beerdigung, die Betroffenheit der ganzen Schule, das Weiterleben mit der Schuld, dies wird im letzten Drittel des Buches beschrieben. Colonel und Pummel versuchen nach anfänglicher Lethargie herauszufinden, ob es wirklich ein Unfall war oder sogar Selbstmord, da Alaska vor ihrer trunkenen Autofahrt einen Anruf erhielt, der sie hochgradig wütend und aufgeregt gemacht hat.

Zitat S.215: „…Sie war mein großes Vielleicht …“

Während ich auf Seite 242 gelesen habe, kam mir der Gedanke, dass dieser mysteriöse Anruf Alaska an den Todestag ihrer Mutter erinnert hat.

Die zweite Hälfte der Geschichte war für mich die bessere Hälfte, war dichter und näher an den Protagonisten beschrieben. Trotz allem kam mir das Buch stellenweise wie ein Sammelsurium vor.

Der Autor John Greene hat in diese Geschichte so ziemlich alles reingepackt, was man als Jugendlicher auf dem Weg zum Erwachsenwerden erlebt haben könnte: trinken, rauchen, rappen, chillen, kotzen, knutschen, befummeln, anhimmeln, Heimlichkeiten, … Gut, man könnte sagen so ist das Leben für die meisten Jugendlichen.

Auch  könnte man anhand des Titels vermuten, dass Alaska der „Oberknaller“ wäre. Dem ist aber leider gar nicht so und das finde ich schade. Nur für Miles war Alaska „die Eine“.  Diese Person hat eindeutig mehr Potenzial in der Umsetzung und Beschreibung verdient gehabt.

Dazu kamen dann religiöse (Buddhismus, Islam, Christentum) und literarische Einwürfe, die mir nicht so ganz zu diesem Alter und zu dieser jugendlichen amerikanischen Klientel plausibel erschien.

Die Geschichte mag eine Sprache haben, die Jugendliche anspricht, oft derb, aber mich hat weder die Sprache noch die Geschichte gepackt. Mir fehlten viele Zwischentöne, vieles war doch sehr oberflächlich. Einige Rezensenten erwähnen eine poetische Sprache und dass die Geschichte wochenlang nachgewirkt hat. Dem kann ich leider nicht zustimmen, obwohl es schon auch interessante und nachdenkliche Sätze gibt, die ich hier als Zitate eingefügt habe. Insgesamt gesehen hat mich das Buch enttäuscht, was wohl auch an meiner hohen Erwartungshaltung lag. Trotzdem schade.

Das Buch war 2008 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Fazit:

Das Buch hat mich letztendlich enttäuscht. Vielleicht liegt es daran, dass ich mich nicht in das Leben von Jugendlichen abseits der weichgespülten Verhaltensweisen hineinversetzen will. Ich denke schon, dass John Greene hier Jugendliche beschreibt, wie sie wirklich sind und was sie wirklich durchmachen, wenn ihre Eltern gerade mal nicht hinschauen. Es sind Jugendliche, wie wir Erwachsenen/Eltern sie nicht wirklich sehen wollen, mit all den für uns schlechten Verhaltensweisen wie Rauchen, Drogen etc. Ich könnte mir vorstellen, dass aber genau darin der Erfolg dieses Buches liegt. Der Autor ist sehr „nah“ an den Jugendlichen dran. Vielleicht hätte mir das Buch als Jugendliche gefallen, ich weiß es nicht.

 

 

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s