Reichardt, Eliane – Hochsensibel

Reichardt, Eliane Hochsensibel 978-3-424-15293-7 Irisiana Verlag

Reichardt, Eliane
Hochsensibel
978-3-424-15293-7
Irisiana Verlag

Inhalt:

Laut Schätzungen ist jeder siebte Mensch hochsensibel und nimmt die Welt um sich herum intensiver und detaillierter wahr als der Rest der Welt. Doch oft weiß er selbst nichts von seiner besonderen Veranlagung, die von anderen Menschen leider nur allzu oft als Schwäche gedeutet oder von Ärzten/Therapeuten gar als psychische Störung gewertet wird.
Dieses Buch erläutert das Phänomen Hochsensibilität ausführlich und beschreibt, in welcher Weise hochsensible Menschen Alltagssituationen wie Einkaufen, Schule oder Arbeit erleben. Auch Ausgehen und Feiern fühlt sich für sie anders an … Wie können sie ihr Leben trotz oder gerade mit ihrer Hochsensibilität am besten meistern? Wie lässt sich Hochsensibilität aus einer vermeintlichen Schwäche in eine echte Stärke umwandeln? Und zu guter Letzt: Wie können Hochsensible das in ihnen schlummernde Potenzial erwecken und voll entfalten?

Meine Meinung:

Das Buch hat mich vom Titel sofort angesprochen, denn irgendwie war ich der Meinung, dass ich mich sehr gut in andere Personen hineinversetzen kann und auch andere Verhaltensweisen ließen mich aufmerken. Aber kann man das „hochsensibel“ nennen? Was macht Hochsensibilität eigentlich aus? Hierauf erhoffte ich mir Antworten, die ich auch bekam. In den Seitenklappen des Buches, in der normalerweise der Klappentext steht, gibt es kleine, aber sehr aussagefähige comicartige Szenen, die Hochsensibilität beschreiben. Hier können Interessierte schon gleich erkennen, ob das Buch etwas für sie ist oder nicht.

Auch das Vorwort wird Betroffene gleich in den Bann ziehen und sie werden sich wiedererkennen.

Zitat Seite 8: „Herauszufinden, warum ich mich so anders fühlte und zum großen Teil auch von anderen so gesehen wurde, wurde für mich immer dringlicher.“

Allein schon die Klappen-Comics und das Vorwort haben mich sehr neugierig gemacht, so dass ich es kaum erwarten konnte, endlich mit dem Lesen zu beginnen.

Die Autorin spricht von Hochsensiblen Menschen, und kürzt dies mit „HSM“ ab.  HSM nehmen ihre Umgebung intuitiv wahr, mehr Reize gelangen ins Gehirn, ohne „gefiltert“ zu werden. Hochsensibilität betrifft Körper, Geist und Seele.

Zitat Seite 40: „Die HS (Hochsensibilität) durchdringt jeden einzelnen Lebensbereich. Man kann sie nicht abschalten oder ausblenden, und man ist auch nicht dann wie andere, wenn man diesselben Dinge tut. Sie werden immer anders sein.“

Vor dem ersten Teil kann man einen einfachen Test machen. Viele Aussagen sind leider ziemlich allgemein wie ich finde, und werden so auf einen hohen Personenkreis zutreffen. Hier kommt es dann letztendlich darauf an, wie viele Aussagen auf einen zutreffen. Sind es nur wenige oder sehr viele? Hier hätte mir eine ausführlichere Auswertung besser gefallen.

So sensibilisiert liest sich der erste Teil „Was Hochsensibilität ausmacht“ spannend und aufschlussreich. Vieles wird auf einen selber zutreffen, man wird sich wiedererkennen. Zudem wird eine Betrachtung zwischen Hochsensibilität und Intelligenz ausführlich geklärt. Auf Seite 74 stellt sich die Frage: „Introvertiert oder Extrovertiert – spielt das eine Rolle?“. Auf Seite 78 gibt es eine Tabelle mit den wesentlichen Unterschieden dazu.

Die Autorin erklärt in dem großen Kapitel „Hochsensibilität gestern und heute“ rückblickend, wie und ob es Hochsensibilität schon in den letzten Jahrzehnten gab. Diesen gesellschaftlichen Rückblick empfand ich als langatmig und sehr ausführlich, allerdings konnte ich so den Kontext zu der heutigen Zeit besser verstehen. So waren die Reize denen HS z.B. 1960 „ausgesetzt“ waren noch erheblich geringer als heute. Dennoch dauerte es so dann einige Zeit, bis ich zu den Kapiteln kam, die mich wirklich interessieren. Welche Anzeichen gibt es für Hochsensibel Begabte?

Der zweite Teil behandelt folgende Schwerpunkte:

-Wie HSM ihren Alltag meistern können (Auch werden viele Beispiele erzählt, aber auch Ideen, mit den Begrenzungen umzugehen)

-Langfristiger Umgang mit Hochsensibilität: Auf der Arbeit, privat, in der Schule, beim Einkaufen …

Im Buch wird auch auf andere Autoren, die sich mit diesem Themengebiet befasst haben, aufmerksam gemacht. Zudem gibt es auf den letzten Seiten eine vierseitige Literaturliste und auch weitere nützliche Adressen.

Fazit:

Das Buch gibt viele Aufschlüsse, wonach man sich als „Hochsensibel“ einschätzen könnte. Dennoch meine ich, dass viele Aussagen und Aspekte sehr allgemein gehalten sind und von daher auf eine hohe Personenzahl zutreffen. Hier kommt es vielleicht darauf an, wie viele der Aussagen zutreffen.

Das Thema ist sehr ausführlich dargestellt, es gibt sogar historische Rückblicke, die ich jedoch etwas langatmig fand. Zum verstehen der Zusammenhänge mit der Zunahme der Hochsensibilität jedoch wissenswert zu lesen. Dennoch muss ich für mich feststellen, dass die Beispiele und Merkmale der Hochsensibilität für mich am interessantesten zum lesen waren.

Alles in allem lässt sich das Buch sehr gut lesen. Für Neueinsteiger oder Interessierte zu diesem Thema sehr gut verständlich.

 

Sonstiges:

 

Zitat Seite 74: „Introvertierte können sich besser regenerieren, wenn sie allein sind. Vielleicht in der Natur oder in Gesellschaft nur weniger, enger Freunde. Sie lenken Aufmerksamkeit gewöhnlich auf ihr Innenleben, um zu reflektieren, Eindrücke zu verarbeiten und zu neuen Schlüssen zu kommen.  … Das heißt nicht, dass sie keine sozialen Kontakte suchen. Ganz im Gegenteil. Sie lieben den Kontakt, die Interaktion mit anderen Menschen. Nur nicht im selben Umfang wie manch anderer. Sie benötigen für den Blick auf ihr Innenleben mehr Zeit als andere und genießen diese Zeit mit sich allein, gewinnen daraus neue Kraft …“

 

Zitat Seit 76: „ So ist es durchaus möglich, das sich ein von seinem Naturell her introvertierter hochsensibler Mensch auch diesen Gegebenheiten (extrovertiert) anpasst und damit ein Leben lebt, das nicht wirklich seines ist.

 

Seite 90: „Ein wirklich gutes Essen in entspannter und angenehmer Atmosphäre löst größte Glücksgefühle in mir aus. Am liebsten genieße ich das allein oder mit einer anderen Person, die aber ebenso genießen können muss.“

 

 Persönlichkeits-Merkmale von Hochbegabten werden kurz auf Seite 106 aufgelistet.

 

Merkmale Hochsensibilität:

– sehr ruhebedürftig

– grübeln viel

– erklären zu viel

– sind eher ängstlich

– fühlen sich anders

-fühlen sich nicht zugehörig

– Anders sein (S.40)

– Probleme, Entscheidungen zu treffen (S. 42)

– Streben nach Harmonie, fast immer versöhnungsbereit (S.44)

– Lügen nicht

– sind kreativ im Schreiben/Fotografieren

– haben eine ausgeprägte emotionale Verwundbarkeit

– haben überhöhte Selbstansprüche (S.46)

– Selbstzweifel (S.46)

– Selbstkritik (S.46)

– Perfektionismus (S.46)

– Meiden von Menschmassen (Seite 50)

– HS brauchen intensiven Kontakt zur Natur (S.59)

– können im Fernsehen kein Leid sehen, machen sich sorgen

– starkes Bedürfnis nach Schutz und Ruhe (S.91)

-„Bilderdenken“ (S.99), kann anderen Gedanken und Ausführungen nicht/schwer zugänglich machen

– sind ernsthafte Personen

– achten auf Sauberkeit, Beispiel „Putzen“ (S. 89)

– sind immer am denken

 

Link Trappmann Institut: http://www.trappmann-korr.de/

Linkt Autorin: http://www.eliane-reichardt.de/

 

Andrea Brackmann: „Jenseits der Norm“

Elaine Arons

Trappmann Institut

 

 

 

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